Es gibt Krankheitsbilder, die man als angehender Mediziner immer wieder miteinander verwechselt. Dazu gehören die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und deren häufigste Vertreter, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Da die beiden Erkrankungen sich aufgrund der Ähnlichkeit hervorragend für Prüfungsfragen eignen, lohnt es sich jedoch, sich die Unterschiede und Charakteristika einzuprägen. Lernen Sie hier, die beiden Prüfungsklassiker sicher zu unterscheiden.

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Morbus Crohn

Bild: “El asombroso señor Madera y su vida cotidiana” von Armando Sotoca. Lizenz: CC BY 2.0


Für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, zu denen man neben Morbus Crohn und Colitis ulcerosa noch die kollagene und lymphozytäre Kolitis zählt, nahm man lange eine psychosomatische Ursache an. Obwohl man bis heute noch keine eindeutige Ursache gefunden hat, ist man von dieser These abgerückt und sieht mögliche psychosomatische Beschwerden eher als Begleiterscheinung, nicht als Ausgangspunkt.

Bestimmte genetische Merkmale (Mutation im NOD2-Gen, gestörte Expression von Defensinen in der Darmschleimhaut) in Kombination mit Umweltfaktoren wie Rauchen, begünstigen den Ausbruch der Erkrankung. Raucher erkranken seltener an Colitis ulcerosa und häufiger an Morbus Crohn.

Morbus Crohn (Enteritis regionalis)

Der zweite Name für Morbus Crohn, „Enteritis regionalis“ verrät das Ausbreitungsmuster, nämlich diskontinuierlich über alle Darmabschnitte verteilt, wobei terminales Ileum und proximales Kolon am häufigsten betroffen sind. Dabei breitet sich die Entzündung auf alle Darmwandabschnitte aus, ist also transmural. Endoskopisch sieht man die Entzündung als „Skip Lesions“ mit ausgesparten gesunden Darmabschnitten. Durch das reaktive Anschwellen der gesunden Schleimhaut in der Umgebung der Läsionen sieht sie aus wie ein Pflastersteinrelief. Von den Läsionen aus können sich Fisteln zwischen Darmschlingen, perianal, zum Mesenterium, zur Blase oder zur Bauchdecke bilden.

Bei der Hälfte der Patienten sind neben der Darmschleimhaut auch noch andere Organe von den Immunprozessen betroffen. Es kann zu Allgemeinsymptomen wie Appetitlosigkeit, Schwäche, Fieber und Gewichtsverlust kommen, aber auch zu einer Arthritis, einer Iritis oder Keratitis. Die Patienten bemerken Bauchschmerzen und unblutige Durchfälle, wobei die Stuhlfrequenz meist nur gering erhöht ist. Schmerzen im rechten Unterbauch können eine akute oder chronische Appendizitis vortäuschen. Bei einem ausgeprägten Dünndarmbefall kann es zu einem Malassimilationssyndrom mit Gewichtsverlust und Vitaminmangel kommen.

Die Enteritis regionalis verläuft schubweise, wobei es häufig nur zu inkompletten Remissionen zwischen den Schüben kommt. Um die Aktivität der Krankheit zu charakterisieren, gibt es verschiedene Scores (z.B. CDAI = Crohn’s Disease Activity Index). Prognostisch ungünstig sind ein früher Erkrankungsbeginn mit hohem Gewichtsverlust und Steroidpflichtigkeit.

Da Morbus Crohn den ganzen Darmtrakt befällt, kann es nicht durch eine Operation geheilt werden. Oft werden trotzdem Eingriffe nötig, um z.B. Abszesse oder Fisteln zu resezieren. Die medikamentöse Therapie hängt von der Aktivität ab: bei leichtem bis mittelstarkem Schub ist der Entzündungshemmer Sulfasalazin wirksam, ebenso können topische Steroide angewandt werden, zum Beispiel als Klysma. Bei höherer Aktivität sollen systemische Steroide eingesetzt werden. Bei ungünstigen Verläufen kommen frühzeitig Immunsuppressiva wie Azathioprin und Biologicals wie der TNF-Antikörper Infliximab zum Einsatz.

Colitis ulcerosa

Die Entzündung bei der Colitis ulcerosa ist kontinuierlicher und oberflächlicher als beim Morbus Crohn. Sie geht meist vom Rektum aus und befällt dann kontinuierlich das Kolon. Das Ileum ist in seltenen Fällen als sogenannte „Backwash Ileitis“ befallen. Die Mukosa und Submukosa sind entzündet, in den Darmkrypten bilden sich Abszesse. Zwischen den Läsionen findet man im Gegensatz zum Morbus Crohn keine gesunden Schleimhautstellen.

Die Entzündungen können zu Präkanzerosen werden, das Risiko für ein Kolonkarzinom ist deutlich erhöht. Gefürchtet ist auch die Komplikation einer primär sklerosierenden Cholangitis mit der Gefahr eines Gallengangkarzinoms, die Perforation mit Peritonitis und das toxische Megakolon.

Patienten mit Colitis ulcerosa klagen über häufige blutig-schleimige Durchfälle, die auch nachts auftreten. Schmerzen treten oft im Zusammenhang mit der Defäkation auf. Die extraintestinalen Symptome sind bei C. ulcerosa seltener als bei M. Crohn, wobei die Primär Sklerosierende Cholangitis deutlich häufiger auftritt (in bis zu 10% der Fälle). Die häufigste Verlaufsform ist die chronisch-rezidivierende mit Komplettremission zwischen den Schüben, ohne Komplettremission bleiben nur 10%. Akut fulminante Verläufe sind ebenfalls eher selten (5%).

Die Colitis ulcerosa kann im Gegensatz zum Morbus Crohn durch die Resektion der betroffenen Darmabschnitte geheilt werden, allerding ist die Operation die Ultima Ratio. Die Palette der Medikamente ähnelt denen, die auch bei Morbus Crohn eingesetzt werden: Sulfasalazin hilft bei leichtem Befall, bei schwererem Befall kommen Kortikosteroide (topisch oder systemisch) zum Einsatz. Diätetische Maßnahmen wirken unterstützend.

 Morbus Crohn  Colitis ulcerosa
Ernährungszustand  eher reduziert meist normal
 Inzidenz  5/100.000/J.  6/100.000/J.
 Häufigkeitsgipfel  15-35 Lj.  25-35 Lj.
 Lokalisation diskontinuierlicher Befall des gesamten Verdauungstrakts möglich, terminales Ileum und Kolon bevorzugt terminales Ileum und Kolon bevorzugt, Beginn im Rektum, auf das Kolon beschränkt
Endoskopisches Aussehen diskontinuierliche Entzündung, scharf begrenzte, tiefe Ulzerationen mit Fibrinbelag, Pflastersteinrelief kontinuierliche Entzündung, unscharf begrenzte flache Ulzerationen
 Histologie – transmuraler Befall
– Granulome
– entzündliches Infiltrat
– Mukosa und Submukosa
– keine Granulome
– Kryptenabszesse
 Stuhlart/-frequenz – gering erhöht
– selten blutig
– durchgehende Bauchschmerzen
– häufig
– blutig schleimig
– Schmerzen bei Defäkation
 anale Fisteln  häufig  selten
 Verlauf Akuter Beginn, Verlauf in Schüben mit teilweiser Komplettremission schleichender Beginn, chronisch kontinuierlich mit inkompletter Remission

 

 

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