Aids ist eine ernstzunehmende Immunschwächekrankheit, von der wohl jeder schon einmal gehört hat. Das HI-Virus gilt als Erreger des Immundefizits. Wenn der Verdacht auf eine Infektion einmal da ist, muss Gewissheit her. Je eher man auf das Virus reagieren kann, desto besser! HIV-Tests sind gängig geworden. Wer Blut spendet, wird automatisch getestet. Doch wie ist es in den Ländern, die sich Blutuntersuchungen nicht für jeden Menschen leisten können? 

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hier haelt jemand ein smartphone in der hand

Bild: “BlackBerry Storm Smartphone” von Cheon Fong Liew. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Wie wird auf HIV getestet?

Schnelle und preiswerte Verfahren können der Gesundheit der Menschen aus den ärmeren Ländern der Welt zu Gute kommen. Einen neuartigen Test mittels Handy hat Samuel Sia von der Columbia-University entwickelt. Während eine herkömmliche Laborausrüstung mehr als 10.000 Euro kostet, spart sein Verfahren Geld: Lediglich 34 US-Dollar soll das Gerät kosten.

Für jede Form von Test ist eine Blutabnahme in mehr oder weniger großen Mengen erforderlich. Das Blut wird im gängigen Modell einem ELISA-Test unterzogen. Werden HIV-Antikörper oder Virusproteine (Antigene) nachgewiesen, gilt der Test als positiv. Das Problem bei dieser Art von Test: Die Antigene werden im Blut nach frühestens drei Wochen nachweisbar. Die Antikörper erst nach vier bis zwölf Wochen. Die Zeit zwischen Ansteckung und Nachweisbarkeit der Infektion bezeichnet man dementsprechend als „diagnostische Lücke‟.

Erst nach zwölf Wochen kann ein ELISA-Test zu 95 bis 99 Prozent sichere Ergebnisse liefern. Ist das Ergebnis positiv, wird aufgrund der hohen Zahl Falschpositiver noch einmal mit einem Western Blot getestet, ob es sich tatsächlich um HIV handelt.

Eine andere Möglichkeit des Nachweises nutzt die PCR (Polymerase Chain Reaction). Auch hier können Viren im Blut identifiziert werden. Die HI-Viren sind schon nach zwei Wochen im Blut nachweisbar. Da sie zu diesem Zeitpunkt zum Teil schwer aufzuspüren sind, können die Viren in diesem Test durchrutschen. Eine hohe Zahl Falschnegativer ist die Folge. Eine PCR sollte deshalb mit einem ELISA-Test kombiniert werden. Mit der PCR-Methode kann auch der Verlauf der Erkrankung ermittelt werden.

Sobald der Verdacht auf eine HIV- Infektion vorliegt, kann der Test kostenfrei und anonym durchgeführt werden. Besteht laut Arzt kein Verdacht, so hat man die Kosten selbst zu tragen. Je nach Verfahren liegen diese bei 20 bis 80 Euro.

HIV Nachweismethoden

Schnelle Tests

Im gängigen HIV-Schnelltest kann man ein Ergebnis schon nach 15 bis 30 Minuten haben. Ein Tropfen Blut von der Fingerkuppe genügt. Selbstverständlich liegt auch hier eine große Anzahl Falschpositiver vor, weshalb weitere Tests notwendig werden.

Nun hat eine Forschungsgruppe um Samuel Sia einen ELISA-Schnelltest weiterentwickelt. Die Größe des ganzen Labores beträgt kaum das Doppelte eines Smartphones.

Test über Kopfhörer

Das Verfahren nutzt die gängigen Methoden auf wenig Raum: Eine Gummipumpe saugt über ein Vakuum den Bluttropfen des Patienten ein. Dieser wird auf eine kleine Plastikkarte (die „Trägerplatte‟) geleitet. Das Minilabor kann nun über den Kopfhöreranschluss die Blutprobe mittels Smartphone-App analysieren. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  1. Labor für unterwegs: Durch die geringe Größe kommt das Gerät mobil zum Patienten. Es ist leicht und kann von Menschen an Orte getragen werden, wo kein Fahrzeug hinkommt.
  2. Energie: Die Energieversorgung für die Analyse, aber auch für die Waschung der kleinen Laboreinheit, erfolgt durch den Handy-Akku und macht unabhängig von zuverlässiger Stromzufuhr.
  3. Geschwindigkeit: Der Patient erhält ein zumindest vorläufiges Resultat sehr schnell.
  4. Kosten: Das Gerät und die App sind äußerst preiswert und werden für etwa 30-40 Euro Kosten produziert. Im Gegensatz dazu kosten herkömmliche Testgeräte mehr als 10.000 Euro.
  5. Hohe Sensitivität: Das Gerät hat eine Sensitivität von 90 bis 100 Prozent, erkennt also von 100 Erkrankten immerhin 90 oder mehr Kranke.
  6. Zusatz: Syphilis-Test: Zu guter Letzt erkennt das Gerät sogar noch Lues- Infektionen. Genau genommen enthält die Karte drei Immunassays: Test auf HIV, Test auf aktive und auf inaktive Syphilis.

Testweise wurde das Gerät bereits in Ruanda eingesetzt. Die offiziellen Genehmigungen stehen jedoch noch aus. Bis die Zulassung erfolgt ist, wird man sich noch ein paar Jahre gedulden müssen.

Perspektive

Smartphones übernehmen schon seit einiger Zeit wichtige Funktionen in der Gesundheitsbranche. So können sie den Schlaf oder den Herzschlag von Menschen überwachen. Sie können Schritte und Kalorien zählen und wir nutzen sie als Fitnessberater.

Technikskeptiker mögen anmerken, dass wir uns zu sehr auf unser Handy und zu wenig auf unser inneres Gesundheitsgespür verlassen. Für den Kampf gegen HIV jedoch lohnt sich die aktuelle Entwicklung, da sie endlich auch jenen zugute kommt, die nicht über einen Zugang zu einem intakten Gesundheitssystem verfügen.

 

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