Die Epiglottitis und die Laryngitis sind Infektionskrankheiten des Kindes, die jeder Mediziner vor dem Staatsexamen kennen sollte. Aufgrund ihres z.T. ähnlichen Symptombildes bieten sie häufig Anlass zur Verwechslung. Damit Sie sie zukünftig gut auseinanderhalten können, haben wir hier die wichtigsten Fakten zu den Erkrankungsbildern für Sie zusammengefasst.
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Epiglottitis

Bild: „The diseases of infancy and childhood : designed for the use of students and practitioners of medicine“ von Internet Archive Book Images. Lizenz: CC BY 2.0


Epiglottitis

Die Entzündung des Kehldeckels (Epiglottis) ist eine akut lebensbedrohliche Infektionserkrankung im Kindesalter, die in der überwiegenden Anzahl der Fälle durch Haemophilus influenzae Typ b verursacht wird. Durch die hohe Durchimpfungsrate bei Säuglingen ist sie zu einer seltenen Erkrankung geworden.

Erreger

Haemophilus influenzae ist ein gramnegatives kokkoides bekapseltes Stäbchenbakterium. Von den insgesamt sechs bekannten Kapselserotypen (a-f) führt insbesondere Haemophilus influenzae Typ b zu schweren, sogenannten invasiven Infektionen im Säuglings- oder Kindesalter:

  • Meningitis
  • Epiglottitis
  • Sepsis
  • Arthritis
  • Osteomyelitis

Die Übertragung erfolgt als Tröpfcheninfektion.

Klinik

Innerhalb von wenigen Stunden entwickelt sich ein hochakutes Krankheitsbild mit hohem Fieber, Schluckschmerzen (Odynophagie), kloßiger Sprache, Hypersalivation, Dyspnoe und inspiratorischem Stridor. Betroffene Kinder sitzen zur Verringerung der Atemnot häufig vornübergebeugt (Aktivierung der Atemhilfsmuskulatur).

Merke: Kennzeichnend ist der hochakute Beginn, sowie die schwere Dyspnoe unter Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (Orthopnoe).

Diagnostik

Die Epiglottitis ist eine Blickdiagnose, die anhand der klinischen Präsentation zu stellen ist. Eine Inspektion der Epiglottis sollte im präklinischen Setting aufgrund möglicher Obstruktionskomplikationen (Laryngospasmus) unbedingt unterbleiben und innerklinisch nur unter Intubationsbedingungen (Intensivstation) vorgenommen werden.

Therapie

Die notärztliche Versorgung beschränkt sich auf die Anwendung atemerleichternder Maßnahmen (Oberkörperhochlagerung, O2-Gabe über Maske) und die umgehende Verbringung des Patienten auf eine Kinderintensivstation.

Innerklinisch erfolgt die laryngoskopische Inspektion des Kehldeckels (kirschrote Entzündung) mit anschließender Intubation und antibiotischer Therapie (Ampicillin/Ceftriaxon i.v.). Bei Unmöglichkeit der Intubation stellt sich die Indikation zur Koniotomie.

Prophylaxe

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Haemophilus influenzae b (Hib) ab dem vollendeten 2. Lebensmonat, die insgesamt 3 Impfstoffgaben im Abstand von 4 Wochen (2.,3.,4. Monat) und eine weitere Impfung im Alter von 11-14 Monaten beinhaltet. Die Impfung erfolgt als sechsfach- Kombination gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Pertussis, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B.

Diphtherie

Die Diphtherie ist eine durch Corynebacterium diphtheriae verursachte akute und potentiell lebensbedrohliche Infektionskrankheit, insbesondere des oberen Respirationstraktes.

Erreger

Corynebacterium diphtheriae ist ein grampositives keulenförmiges Stäbchenbakterium, dessen Pathogenität auf der Bildung eines phagencodierten Exotoxins (Diphtherietoxin) beruht. Die Übertragung erfolgt als Tröpfcheninfektion oder über den direkten Kontakt zu Erkrankten.

Klinik

Bild: “Klinisches Bild der Rachendiphtherie mit weißlich imponierenden Pseudomembranen". Lizenz: CC BY 2.0

Bild: “Klinisches Bild der Rachendiphtherie mit weißlich imponierenden Pseudomembranen“. Lizenz: CC BY 2.0

Nach einer Inkubationszeit von 2-5 Tagen kommt es zunächst zur Lokalinfektion. Mögliche Manifestationsformen sind je nach Eintrittspforte des Erregers:

  • die Tonsillen- und Rachendiptherie: Typische Krankheitszeichen sind grau-weiße Beläge aus Fibrin und Zelldetritus (Pseudomembranen), die beim Abstreifen leicht bluten, ein süßlicher Foetor ex ore, eine schmerzhafte Lymphadenopathie der zervikalen Lymphknoten und Fieber.
  • Kehlkopfdiphterie (diphtherischer Krupp = echter Krupp): Das Übergreifen der Entzündung auf den Larynx stellt eine ernstzunehmende Komplikation dar, die potentiell lebensbedrohlich ist. Durch die Bildung von Pseudomembranen kann es zur laryngealen Obstruktion mit inspiratorischem Stridor und Dyspnoe kommen. Weitere Symptome sind Heiserkeit und bellender Husten.
  • Nasendiphtherie: Diese meist Säuglinge betreffende Form der Diphtherie ist durch einen serös- eitrigen Schnupfen mit Pseudomembranbildung im Bereich der Nasenschleimhaut gekennzeichnet.

Komplikationen

Im Verlauf einer Lokalinfektion oder als initial maligne Variante der Diphtherie kann es zur Ausbildung einer toxischen Verlaufsform mit massiver Pseudomembranbildung, starker Schwellung des Halses (Cäsarenhals), hohem Fieber und Organschädigung (Myokarditis, Nierenversagen, Kreislaufschock) kommen.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt durch kulturellen Erregernachweis, wobei Abstriche unterhalb der Pseudomembranen zu entnehmen sind.

Therapie

Die Behandlung der Diphtherie besteht aus der Elimination des Toxins und einer kombinierten antibiotischen Therapie. Das verfügbare Antitoxin ist heterologen Ursprungs (Antiserum vom Pferd). Allergische Nebenwirkungen sind möglich und sollten durch initiale intracutane Applikation einer verdünnten Probe ausgeschlossen werden. Das Antibiotikum der Wahl ist Penicillin, alternativ kann Erythromycin gegeben werden.

Prophylaxe

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Diphtherie ab dem vollendeten 2. Lebensmonat, die insgesamt drei Impfstoffgaben im Abstand von vier Wochen (2.,3.,4. Monat) und eine weitere Impfung im Alter von 11-14 Monaten beinhaltet. Die Impfung erfolgt als sechsfach- Kombination gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Pertussis, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B.

Der verfügbare Impfstoff ist ein Toxoidimpfstoff.

Pseudokrupp

Im Gegensatz zum echten Krupp (diphtherischer Krupp) handelt es sich beim Pseudokrupp um eine subglottische Laryngitis, die durch Viren (Parainfluenzaviren, RS- Viren) hervorgerufen wird.

Klinik

Die Laryngitis ist meist Folge einer Deszension einer vorbestehenden Infektion des oberen Respirationstraktes. Typischerweise finden sich Schnupfen und Erkältungssymptome in der Vorgeschichte. Als Ausdruck der Laryngitis leiden betroffene kleine Patienten unter bellendem Husten und inspiratorischem Stridor.

Merke: Der Pseudokrupp ist eine virale Erkrankung auf dem Boden einer Infektion des oberen Respirationstraktes. Typisch ist das Vorausgehen einer banalen Erkältung.


 

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