Schutzimpfungen sind ein stark kontrovers diskutiertes und vorurteilsbehaftetes Thema. Insbesondere Akademiker stehen dem „kleinen Pieks“ zunehmend skeptisch gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass Sie- ob Student oder Arzt- irgendwann zu einer Stellungnahme gebeten werden. Damit Sie in diesem Falle die richtigen Argumente parat haben und nicht nur mit Halbwissen glänzen, füttern wir Sie mit nützlichem Faktenwissen rund um das Thema Impfung und die wichtigsten Einwände der Impfgegener.
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Bild: „Vaccines Kill“ von nexusnovum. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Sind Deutsche Eltern impfmüde?

Immer wieder beklagen die Medien die allgemeine Impfmüdigkeit der Deutschen, letztmalig im vergangenen Jahr (2013), als die Zahl der gemeldeten Masernfälle in Deutschland erneut anstieg. Im Fokus ihrer Kritik standen dabei insbesondere die Eltern. Zu Unrecht, wie Umfragedaten der Elternstudie 2011 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen. Lediglich 1% aller Eltern sind demnach erklärte Impfgegner.

Auch die Daten des Robert- Koch- Institutes sprechen für sich. Zwar ist die von der WHO angestrebte Durchimpfungsquote zur Eradikation der Masern von 95% noch nicht erreicht. Doch sind die Impfraten unter Schulkindern erfreulich hoch und liegen für die Erstimpfung (1. Teil der Grundimmunisierung) in allen Bundesländern über der geforderten Quote (Epidemiologisches Bulletin April 2014, Nr.16). Schwächen gibt es jedoch bei der Zweitimpfung,die das erklärte Impfziel noch unterschreitet.

Vorurteile der Impfgegner

Verschiedene Studien legen nahe, dass insbesondere Akademiker der Immunisierung ihrer Kinder kritisch gegenüberstehen. Häufig angeführte Einwände sind im Folgenden dargestellt und kommentiert.

Vorurteil 1: Impfungen helfen nur den Pharmakonzernen, nicht aber den Impflingen

Ein im Zusammenhang der Impfkritiker häufig geäußerter Vorwurf ist die Rolle der „raffgierigen“ Pharmakonzerne und die vermeintlich fehlende Unabhängigkeit der mit der Impfung vertrauten Institutionen, namentlich dem Paul-Ehrlich-Institut (verantwortlich für die Sicherheit von Impfstoffen) und der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (Ausgabe von allgemeingültigen Impfempfehlungen).

Außer Acht gelassen wird dabei der Umstand, dass durch die konsequente Durchimpfung der Bevölkerung lebensgefährliche Erkrankungen wie die Pocken und die Kinderlähmung (Poliomyelitis) in Deutschland erst ausgerottet werden konnten.

Vorurteil 2: Dadurch, dass viele der Erkrankungen bereits „ausgerottet“ oder „beinahe ausgerottet“ sind, ist eine Impfung obsolet geworden.

Würde man Patienten, die mit einer schweren verschmutzten Verletzung in die Ambulanzen deutscher Krankenhäuser eingeliefert würden, vor die Wahl stellen ob Sie eine Tetanusschutzimpfung erhalten wollen oder nicht- die Mehrzahl würde auf der ihnen angebotenen Impfung bestehen. Dabei ist die Erkrankung im Deutschen Gesundheitswesen zu einem Kolibri geworden.

Der Grund hierfür liegt allerdings an der hohen Durchimpfungsquote und nicht an der Zurückdrängung des Erregers, der ubiquitär verbreitet ist. Die Argumentation, eine Impfung sei durch das fehlende Auftreten der Infektion obsolet, ist demnach ein Trugschluss.

Vorurteil 3: Die bei der Schutzimpfung erfassten Infektionskrankheiten sind harmlos. Sie sollten von jedem Kind durchgemacht werden, da sie das  kindliche Immunsystem stärken.

Auch wenn viele der von den Schutzimpfungen erfassten Kindererkrankungen bei einem Großteil der Erkrankten einen banalen Verlauf aufweist, sind sie dennoch mit schweren Komplikationen behaftet. Beispiele sind enzephalitische Verläufe der Masern und Windpocken, sowie die Orchitiden bei an Mumps erkrankten Knaben, die zur Infertilität führen können.

Darüberhinaus ergibt sich eine besondere Gefährdung für bestimmte Personengruppen wie immundefiziente, z.B. an Leukämie erkrankte Kinder, ältere Personen (häufig schwere und z.T. letale Verlaufsformen) und Schwangere (Gefahr von Embryopathien und schweren kindlichen neonataler Infektionen), die durch die hohe Kontagiosität vieler Krankheitserreger ebenfalls infiziert werden können.

Vor diesem Hintergrund ist eine prinzipielle Ablehnung  von Schutzimpfungen eine rein egoistische Entscheidung, die das soziale Umfeld des Kindes (Kindergarten u.a.) und darin befindliche gefährdete Kontaktpersonen unberücksichtigt lässt.

Vorurteil 4: Impfungen haben schwerwiegende Nebenwirkungen

Impfstoffe sind Arzneimittel und damit nicht nebenwirkungsfrei. Die Mehrzahl der Nebenwirkungen ist jedoch harmlos. Impfreaktionen, die sich typischerweise innerhalb der ersten drei Tage nach erfolgter Impfung entwickeln beinhalten lokale Entzündungsreaktionen (Rötung,Schwellung, Schmerzen) im Bereich des Stichkanales, sowie ev. grippale Symptome (Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit). Möglich ist bei Lebendimpfungen auch eine abgeschwächte Form der Erkrankung (z.B. Impfmasern, Arthralgien bei Röteln-Impfung), die in der Mehrzahl der Fälle blande verläuft.

Sehr viel seltener als Impfreaktionen treten schwerwiegendere impfstoffspezifische Impfkomplikationen auf, deren Angaben häufig auf Einzelfallberichten beruhen. Hierzu gehören z.B. anaphylaktische Reaktionen, Neuritiden, Fieberkrämpfe bei Säuglingen, Enzephalitiden und Meningitiden.

Fazit

Schutzimpfungen sind ein wichtiges Instrument zur Prävention potentiell gefährlicher Erkrankungen. Neben der Individualprävention dienen sie vor allem dem Bevölkerungsschutz. Die häufig sehr emotional geführten Kritiken der Impfgegner verlieren dies allzu häufig und gerne aus den Augen.

Nichts desto trotz sind Einwände im Einzelfall berechtigt und Impfungen z.T. kontraindiziert (z.B. bei Immundefizienz des Impflings).

Im Zweifelsfall ist also immer einen Arzt zu Rate zu ziehen.












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