Glutenunverträglichkeit. Einheimische Sprue. Zöliakie. Heubner-Herter-Krankheit: Die glutensensitive Enteropathie hat viele Namen. Betroffene werden von einer wahren Informationsflut in Gesundheitsforen im Netz über spezielle Diäten und Nahrungsmittel erschlagen. Wie diagnostizieren Sie diese vielgesichtige Erkrankung? Wo präsentiert sich die Zöliakie extraintestinal? Welche relevanten Informationen geben Sie Ihren Patienten an die Hand? Lesen Sie weiter!
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Bild: “fresh baked bread” von surlygirl. Lizenz: CC BY 2.0


Ätiologie und Epidemiologie

Die Zöliakie gehört zum Formenkreis der autoimmunen entzündlichen Erkrankungen des Dünndarms. Betroffene bilden Antikörper gegen Endomysium und Gewebetransglutaminase im Zusammenhang mit der Aufnahme von Gluten (alkohollösliche Form des Weizenproteins). Es besteht eine genetische Disposition in Assoziation mit HLA-DQ2/DQ8-Antigenen. Typische Altersgipfel der Diagnose sind Ende des Säuglingsalters, Schulalter und das vierte Lebensjahrzehnt.

Die meist verzehrten Getreidearten in Mitteleuropa enthalten fast alle Gluten.

  • glutenhaltig: Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Grünkern, Gerste, Kamut, Emmer, Einkorn
  • glutenfrei: Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth

Diagnose Zöliakie und keine Bauchschmerzen?

Die Zottenatrophie und Kryptenhyperplasie hat ein Malabsorptionssyndrom zur Folge mit Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Nur die Hälfte der Betroffenen weisen jedoch ein typisches Krankheitsbild mit Diarrhoen auf!

Die häufigsten intestinalen Symptome laut Dt. Ärzteblatt (2013) lesen Sie zusammengefasst im Folgenden, wobei die zusätzliche Angabe „Prozentangaben sind stark abhängig u.a. von Alter, Patientenkollektiv, Anwendung von Screening-Indikationen.“ berücksichtigt werden muss.

Zöliakalie


Diarrhoen
mit voluminösen, übelriechenden Fettstühlen (Steatorrhoe). Was gehört zu den jeweiligen Symptomen?

  • Bauchschmerzen mit ausgeprägten Flatulenzen (hoher sozialer Leidensdruck!)
  • Anämie durch Folsäure-Mangel, Vitamin-B12-Mangel und Eisenmangel
  • Wachstumsstörung, Osteoporose durch Calcium-Mangel
Die gastrointestinalen Symptome können jedoch auch völlig absent sein!

Patienten mit extraintestinalen Symptomen leiden u.a. unter Stimmungsschwankungen und Dysphorie, Arthropathien, chronischen Hepatopathien, Dermatitis herpetiformis Duhring, Temporallappen-Epilepsie und zerebellärer Ataxie. Bei frühzeitiger Diagnosestellung und resultierender glutenfreier Ernährung können Patienten positiv profitieren.

Welche diagnostischen Mittel setzen Sie ein?

  • Neben gezielter Stuhlanamnese veranlassen Sie den Nachweis im Blut von IgA-Antikörper gegen Gewebstransglutaminase, Endomysium und Gliadin.
  • In der bioptischen Entnahme von Jejunum/Duodenum finden Sie bei Pathologie das typische morphologische Korrelat Zottenatrophie und Kryptenhyperplasie (falls der Patient ein klinisch eindeutiges Bild zeigt und HLA-DQ2/DQ8-positiv ist, kann die Diagnose ohne Biopsie gestellt werden).
  • Ausschluss-Versuch: Beschwerdefreiheit bei Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel

Den exakten Algorhythmus der ESPGHAN (European Society of Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition) für die Diagnosestellung bei Kinder und Jugendlichen mit und ohne Symptome finden Sie hier.

Therapeutische Möglichkeiten

Der lebenslange Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel ist der absolute Basispfeiler der Therapie bei Zöliakie. Dazu gehören die umfangreiche Aufklärung des Patienten, auch diätische Schulungen, um die Compliance zu erhöhen und die Anbindung an die Deutsche Zöliakie Gesellschaft. Selbst bei striktem Verzicht auf Getreideprodukte aus genannten Arten, wird Gluten in geringen Mengen durch Kontamination anderer Nahrungsmittel konsumiert. Inhaltsstofflisten sind jedoch bereits besser gekennzeichnet als noch vor einigen Jahren.

Bedenken Sie den hohen sozialen Leidensdruck!

Zu den Komplikationen bei Fortschreiten der Erkrankung gehören neben den erwähnten extraintestinalen Manifestationen Infertilität, Osteoporose, weitere Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Mellitus I und Hashimoto-Thyreoiditis, Malignomentwicklung (v.a. T-Zell-Lymphome) und letztlich erhöhte Mortalität.

Prävention und Ausblick

Laut dt. Ärzteblatt wird nach unterstützenden Pharmaka gesucht, die vor allem bei oligosymptomatischen Patienten Wirkung zeigen, damit kleinere Mengen Gluten besser vertragen werden können. Die Hoffnung liegt derzeit auf der Entwicklung eines Transglutaminase-Inhibitors. Protektiv wirkt – wie auch gegen sonstige Erkrankungen des allergischen Formenkreises – das Stillen. Aktuell wird in einer europaweiten Studie untersucht, ob die Wirkung einer minimal dosierten Einführung von Gluten in die infantile Nahrung eine protektive Wirkung erzeugt.

Quellen

labmedLetter 2012: Zöliakie-Diagnostik unter Berücksichtigung der neuen ESPGHAN-Leitlinie

Deutsches Ärzteblatt: Diagnostik und Therapie der Zöliakie 

Herold, Gerd und MA (2013): Innere Medizin. Gerd Herold Verlag



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