Die Läsion peripherer Nerven verursachen motorische Ausfälle, Reflexstörungen, Sensibilitätsstörungen, vegetative Ausfälle, Störungen der Trophik, Schmerz- und Irritationssyndrome und vieles mehr. Im folgenden Artikel erhalten Sie einen Überblick über den N. femoralis und erfahren, welche Ursachen für Läsionen verantwortlich sind, wie sie diagnostiziert und behandelt werden, auf welche Differenzialdiagnosen geachtet werden muss und welche Therapie geeignet ist.

Hier finden Sie den Artikel zu den Läsionen des N. ischiadicus.

Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf AWMF einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version können Sie einsehen.
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N. femoralis Sezierung

Bild: “Anatomical dissection” von Anatomist90. Lizenz: CC BY-SA 4.0


Definition

Definition des N. femoralis

N. femoralis

Bild: “Nervus femoralis” von Uwe Gille. Lizenz: Public Domain

Der N. femoralis ist ein aus den Rückenmarkssegmenten L1 bis L4 austretender peripherer Nerv, der über motorische und sensible Nervenfasern verfügt. Motorische Nervenfasern sind für die Kontraktionen der Muskulatur verantwortlich und steuern die Bewegungen des Körpers.

Der N. femoralis versorgt dabei motorisch den M. iliopsoas sowie die Extensoren des Kniegelenks. Sensible und sensorische Fasern leiten die Signale aus der Peripherie zum ZNS. Der Nerv versorgt sensibel die Haut an der Ventralfläche des Oberschenkels, an der medialen Fläche des Unterschenkels sowie an der Fußwurzel.

Als stärkster Nerv, der aus dem Plexus lumbalis hervorgeht, hat er seine Verlaufsstrecke zwischen M. psoas major und M. iliacus. Durch die Lacuna musculorum gelangt er lateral der Vasa femoralia in die Fossa iliopectinea und spaltet sich dann fächerförmig auf in:

  • Musculares
    • Die Muskeläste ziehen retroperitoneal zum M. psoas major und M. iliacus sowie unterhalb des Leistenbandes zum M. quadriceps femoris und M. sartorius.
    • Zusammen mit dem N. obturatorius versorgen sie den M. pectineus gemeinsam.
  • Cutanei anteriores
    • Die Muskeläste des Cutanei anteriores versorgen die Haut des Oberschenkels vorne medial und die Haut des Knies.
  • Saphenus
    • Der N. saphenus ist der einzige reine sensible Unterschenkelast, der vor der A. femoralis bis zur medialen Gegend des Kniegelenks zieht und in Begleitung mit der V. saphena magna den medialen Rand des Fußes erreicht.

Ätiologie

Ursachen der N. femoralis-Läsion

Bei den Ursachen einer Schädigung des N. femoralis unterscheidet man:

  • Traumatische Ursachen
  • Postoperative Ursachen
  • Hämatome
  • Andere Ursachen

Traumatische Ursachen

Zu einer meist reversiblen Femoralisparese können direkte Läsionen in der Leistengegend sowie ein stumpfes Trauma bzw. starke Kompression von außen führen. Eher selten kommt es zu einer Läsion durch plötzliche unkontrollierte Überstreckung des Hüftgelenkes bei einem Unfall oder beim Sport zu einer Zerrlähmung des N. femoralis.

Postoperative Ursachen

Bei einer retrozökalen (hinter dem Dickdarm) Appendixoperation oder bei Nierentransplantation können femoralis-Nervenverletzungen in Zusammenhang mit einer abdominellen Rektopexie entstehen. Des Weiteren sind nach Einsetzen einer Totalprothese des Hüftgelenks Femoralisparesen zu sehen, die sich nicht immer zurückbilden. Bei gefäßchirurgischen Interventionen sind auch an der Aorta abdominalis und den Iliakalarterien ischämisch bedingte Nervenläsionen möglich.

Hämatome

Bei Blutgerinnungsstörungen ist der N. femoralis eine bevorzugte Körperregion, in der sich durch Einblutung in die Faszie ein Hämatom bilden kann, welches sich in der Leiste zeigt. Dabei ist der Nervenstamm am Leistenband besonders druckschmerzhaft und das Verschwinden des Psoasrandes auf der paretischen Seite kann aufgrund des Hämatoms auf die Lähmungsursache hinweisen. In vielen Fällen bilden sich die Hämatome zurück und eine Operation ist nicht notwendig.

Andere Ursachen

Neben den bisher genannten Ursachen wurden auch bei retroperitonealen malignen Lymphomen, länger dauerndem Koma, abdominalen Aortenaneurysma oder bei Psoasabszessen Beschwerden festgestellt.

Symptome und Klinik

Symptome der N. femoralis-Läsion

Zu den typischen Symptomen einer Läsion des N. femoralis zählen:

  • Paresen der vom N. femoralis versorgten Muskeln
  • Störung der Sensibilität der innervierten Hautzonen

Der M. ileopsoas ist der wichtigste und stärkste Hüftbeuger, ohne den man das Bein nicht anheben könnte und das Vorwärtsbeugen des Rumpfes, insbesondere das Aufsitzen aus der Rückenlage, unmöglich wäre. Als Hüftgelenksbeuger wirken außerdem noch der M. sartorius sowie der M. rectus femoris mit. Bei einer Läsion des N. femoralis sind die beschriebenen Bewegungen nicht mehr ausführbar.

Der Musculus quadriceps femoris ist ausschließlich als Strecker im Kniegelenk zuständig. Bei einer N. femoralis Schädigung kann dieser nicht mehr aktiv gestreckt werden, da die Extensoren ausfallen.

Eine Störung der Sensibilität findet man bei Läsion des N. femoralis. Dabei kommt es zur Schädigung sämtlicher der vom N. femoralis innervierten Hautzonen, die sich von der Ventralfläche des Oberschenkels über die mediale Knieregion und entlang der medialen Fläche des Unterschenkels bis an den medialen Fußrand zieht. Ein Hautstreifen über der medialen Fläche der Tibia wird ebenfalls als Hautzone angegeben, insbesondere bei einer Schädigung in der Region des Rückenmarkssegment L4.

Diagnostik

Diagnostik der N. femoralis-Läsion

Eine Diagnose einer N. femoralis-Läsion ist durch klinische Funktionstest möglich. Dabei kann der Untersucher die Funktion des M. ileopsoas sowie des M. sartorius und des M. rectus femoris prüfen.

Der Muskeltest des M. ileopsoas beginnt in Rückenlage des Patienten mit maximal außenrotierten Bein in etwa 45° Beugung und Abduktion. Der Untersucher legt eine stabilisierende Hand fest auf der kontralateralen Beckenseite auf, vermeidet dabei ein Herüberrollen des Patienten zur Seite des getesteten Muskels und greift mit der anderen Hand über den distalen Oberschenkel. In Richtung Extension und leichter Abduktion erfolgt der Test und der Patient drückt in Richtung Flexion und Adduktion. Alternativ kann der Muskeltest auch im Stehen oder sitzen erfolgen.

Der Test des M. sartorius erfolgt am besten ebenfalls in Rückenlage, kann allerdings auch im Sitzen durchgeführt werden.

Der Untersucher fasst am Bsp. des linken Beins, mit seiner rechten Hand das Knie von der Außenseite und mit seiner linken Hand am distalen Unterschenkel von medial her direkt oberhalb des Sprunggelenkes an. Anschließend wird das Bein des Patienten in ca. 30° – 45° Abduktion, mit maximaler Außenrotation, leichter Flexion im Hüftgelenk sowie gleichzeitiger Flexion im Kniegelenk gebracht und der Patient nimmt eine Position wie die des „Schneidersitzes“ ein. Der Untersucher beginnt anschließend mit dem Testdruck und der Patient spannt mit maximalen Widerstand entgegen.

Zum Prüfen des Kniestreckers wird der M. rectus femoris und der M. sartorius optimal innerviert. Der Test kann ebenfalls in Rückenlage durchgeführt werden, allerdings ist darauf zu achten, dass der Patient seinen Unterschenkel dabei frei herunterhängen lässt. Beim Test spannt der Patient diese Muskeln an und widersteht dem Versuch, seinen Unterschenkel im Knie zu flektieren.

Neben den Muskeltest kann man die Funktionsweise des N. femoralis auch mit einem Patellarsehnenreflex kontrollieren. Der Patellarsehnenreflex ist bei einer Femoralisparese abgeschwächt oder gar nicht auslösbar.

Patellasehnenreflex

Bild: “Schematic representation of patellar tendon reflex (knee jerk) pathway (red and green arrows). The reciprocal innervation via an inhibitory neuron (blue) to the antagonist hamstring muscle is also shown.” von Amiya Sarkar. Lizenz:
CC BY 4.0

Differentialdiagnosen

Ähnliche Krankheitsbilder der N. femoralis-Läsion

Der N. femoralis ist wie bereits erwähnt ein aus den Rückenmarkssegmenten L1 bis L4 austretender peripherer Nerv.

Bei Wurzelläsion L3/4 kann es zu einer lumbalen Diskushernie, Quadrizepsparese, abgeschwächten Patellarsehnenreflex und zu einem sensiblen Ausfall an der Oberschenkelstreckseite kommen. Bei Wurzelläsionen im Bereich L2 bis L3 sind auch Funktionsstörungen der Adduktoren zu sehen. Der M. tibialis ist meist bei einer L4-Läsion betroffen.

Wegen des ausgedehnten Befalls der hüftnahen Muskulatur sind die Paresen des Plexus lumbalis meist leicht zu erkennen. Im Rahmen einer Dystrophin-assozierten Myopathie zeigt ein isolierter Befall des M. quadriceps einen langsam progedienten Verlauf, der allerdings keine Sensibilitätsstörungen aufweist.

Therapie

Behandlung des N. femoralis

Bei einer Läsion des N. femoralis bleibt zumeist die operativen Maßnahme keine Alternative. Eine Darstellung des Nervs sowohl inner- wie auch außerhalb des Beckens muss ausgeführt werden. Sobald die Kontinuität des Nervs unterbrochen ist, müssen fast immer Transplantate verwendet werden. Eine chirurgische Behandlung hat erfahrungsgemäß sehr gute Prognosen.

Beliebte Prüfungsfragen zu den Läsionen wichtiger Beinnerven

Die Antworten sind unterhalb der Quellenangaben angegeben.

1. Welche 3 Muskeln sind für den diagnostischen Muskelfunktionstest zur Prüfung einer N. femoralis-Läsion entscheidend?

  1. M. ileopsoas, Hamstrings und M. rectus femoris
  2. M. Tibialis anterior, M. Sartorius und M. rectus femoris
  3. M. Tibialis anterior, M. Sartorius und Hamstrings
  4. M. ileopsoas, M. Sartorius und M. rectus femoris
  5. M. ileopsoas, Tibialis anterior und Hamstrings

2. Welche Ursache einer N. Ischiadicus Läsionen zählt man zu den „selten Auftretenden“?

  1. Nach Implantation einer Hüftprothese
  2. Infekte
  3. Durch äußeren Druck
  4. Durchblutungsstörungen
  5. Injektionsschäden

3. Welche beginnende Erkrankung kann oberflächlich betrachtet eine Ischiadicusparese vortäuschen?

  1. Polymyositis
  2. Myatrophische Lateralsklerose
  3. Multiple Sklerose
  4. Parkinson
  5. Myasthenia gravis



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