Besonders in mündlichen Prüfungen werden oft mögliche Differentialdiagnosen zu einem Symptom abgefragt. Dann müssen Sie zeigen, dass Sie nicht nur Detailwissen bezüglich einiger weniger Krankheitsbilder besitzen, sondern hinzu noch in der Lage sind,  fächerübergreifend zu denken. Im Folgenden geben wir Ihnen einen kurzen Wiederholungs-Überblick über die möglichen Ursachen einer sekundären Amenorrhö.
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das ist ein ausgetrockneter fluss

Bild: “Drought in Utah” von Anthony Quintano. Lizenz: CC BY 2.0


Definition

Das Ausbleiben der Regelblutung ist vor der Menarche, während Schwangerschaft und Stillzeit sowie postmenopausal physiologisch. Tritt bis zum vollendeten 16. Lebensjahr noch keine Menstruationsblutung auf, spricht man von einer primären Amenorrhoe. Hierfür können u. a. eine Hymenalatresie, Vaginalsepten, Leistungssport, das Ullrich-Turner-Syndrom, Mangelernährung, das adrenogenitale Syndrom und PCO-Syndrom verantwortlich sein.

Unter einer sekundären Amenorrhö versteht man das Ausbleiben der Regelblutung über einen Zeitraum von mind. 3 Monaten nach vorherigem regelmäßigen Zyklus, ohne dass eine Schwangerschaft besteht.

Differentialdiagnosen der Sekundären Amenorrhö

Damit Sie die Differentialdiagnosen schnell zuordnen und somit die passende Richtung des jeweiligen Prüfers einschlagen können, finden Sie hier eine grobe Unterteilung in die jeweiligen Fachrichtungen – natürlich mit zahlreichen Überschneidungen.

Nennen Sie also nicht nur das Krankheitsbild, sondern noch ein paar Hintergrundfakten. So zeigen Sie übergreifendes Verständnis und die Prüfer sind schneller zufrieden, als wenn man Ihnen „alles aus der Nase ziehen“ muss. Auch für die spätere klinische Praxis ist eine grobe Einordnung wichtig!

Endokrinologie und Innere Medizin

  • Adrenogenitales Syndrom (Überproduktion von Androgenen durch gestörte Kortisolbildung in der Nebennierenrinde): Bei 21-Hydroxylasedefekt der Frau besteht ein weiblicher Genotyp bei scheinbar männlichem Phänotyp. Uterus und Ovarien sind jedoch angelegt (Pseudohermaphroditismus femininus).
  • Akromegalie: Neben einer Vergrößerung der Akren, Sehbeschwerden, Gelenkbeschwerden, Abgeschlagenheit, ist auch die Amenorrhö ein Symptom der Akromegalie.
  • Sheehan-Syndrom: Beim postpartalen Hypopituitarismus kommt es zu einem vollständigen oder partiellen Ausfall des Hypophysenvorderlappens. Neben vielen anderen Symptomen tritt bei FSH/LH-Mangel eine Amenorrhö ein.
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Besonders beim M. Crohn kann es im  aktiven Schub zu einer Amenorrhö kommen.
  • Diabetes Mellitus I und II: Eine Amenorrhö kann besonders bei schlecht eingestellten Blutzuckerwerten auftreten.
  • Hyperprolaktinämie: Eine Mehrausschüttung des Hormons Prolaktin kann durch ein Hypophysenadenom (Prolaktinom) oder medikamentös (z. B. Metoclopramid) bedingt sein.
  • Hypothyreose: Die Amenorrhö gruppiert sich hier mit Libidoverlust und unerfülltem Kinderwunsch in die Symptomatik ein. Eine Hyperthyreose bei M. Basedow kann ebenfalls der Grund sein.

Gynäkologie

  • Endometriose: Versprengtes endometriales Gewebe  findet sich intra-/extragenital oder extraabdominell.  Neben Zyklusbeschwerden wie Spotting, Menorrhagien, Metrorrhagien oder Hypermenorrhö kanne es auch zu einer Amenorrhö kommen.
  • PCO-Syndrom: Multiple Zysten in den Ovarien führen zu einer erhöhten Androgenproduktion mit anovulatorischen Zyklen und Virilisierungserscheinungen (DD: Adrenogenitales Syndrom)
  • Ovarialtumor: Klinische Symptome sind Unterbauchschmerz, tastbare/sichtbare Vorwölbungen.
  • Klimakterium praecox: Eine völlige Ovarialinsuffizienz vor dem 40. Lebensjahr hat verschiedene Ursachen (z. B. Autoimmun-/Stoffwechselerkrankungen, Strahlen-/Chemotherapie).

Psychiatrie/Psychosomatik

  • Psychogen: Durch einen veränderten Lebensrhythmus und/oder Umgebungswechsel, wie z. B. Auslandsaufenthalte und/oder extreme Klimawechsel kann die Menstruation über längere Zeit ausbleiben.
  • Anorexia nervosa: Eine sekundäre Amenorrhö kann als Folgekomplikation von Essstörungen auftreten, zu denen neben der Anorexia nervosa auch die Bulimie gehört. Ursächlich ist eine hormonelle Dysbalance mit erhöhter Cortisolausschüttung. Der Körper schafft eine Art „natürlichen Konzeptionsschutz“, da er nicht in der Lage wäre, eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Oft empfinden die Patientinnen dies eher als Erleichterung, was die Compliance bei der Therapie noch zusätzlich erschwert.
  • Depression: Bei einer manifesten oder depressiven Episode kann die Menstruation Monate bis Jahre ausbleiben.

Medikamentöse Ursachen

  • Anabolikaabusus: Hyperandrogenisierung, häufig in Verbindung mit extremen Leistungssport.
  • Cushing-Syndrom: Die häufigste Ursache des Hyperkortisolismus ist die exogene Zufuhr von Glukokortikoiden. Zu den Symptomen gehören neben Androgenisierungserscheinungen der Frauen u. a. auch Stammfettsucht, peripherer Muskelschwund, Osteoporose und arterieller Hypertonie auf.
  • Radio-/ Chemotherapie: Eine irreversible Schädigung der Ovarien führt zur verfrühten Menopause (Climacterium praecox).
  • Psychiatrische Medikation: Trizyklische Antidepressiva und Neuroleptika, v. a. Risperidon, sind potentielle Verursacher einer Amenorrhö (NW: Hyperprolaktinämie), ebenso Kortikoide (siehe Cushing-Syndrom).

Weitere Tipps:

In der praktischen Arbeit muss Ihnen nicht jedes einzelne Krankheitsbild mit Diagnostik und Therapie bis ins Detail geläufig sein – im Gegensatz zum Hammerexamen. Sie müssen jedoch in der Lage sein, auszugrenzen und abzuwägen, ob und wenn ja welche Kollegen aus anderen Fachgebieten hinzugezogen werden sollten.

Mit wenigen nicht invasiven Mitteln wie Anamnese, klinischer Untersuchung, großem Blutbild, Basis-Hormonparametern und Sonografie kommen Sie auf dem diagnostischen Weg schon ein gutes Stück voran.

Vor einer weiteren diagnostischen Abklärung sollte jedoch stets ein β-HCG-Test zum Ausschluss einer Schwangerschaft erfolgen!

Quellen:

  • Herold, Gerd und MA (2013): Innere Medizin. Gerd Herold Verlag.
  • Breckwoldt, M., Kaufmann, M., Pfeiderer, A. (2008): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag.


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