Wenn Sie vor einer Prüfungskommision stehen, Ihnen an der Kasse auffällt, dass das Portemonnaie noch Zuhause liegt oder Sie angetrunken in den Expartner rennen –  fangen Sie an zu schwitzen, Ihr Puls wird schneller und Ihre Pupillen weiten sich. Während Sie vielleicht überlegen wie Sie da wieder rauskommen, laufen die körperlichen Reaktionen unwillkürlich ab. Ohne dass es Ihnen bewusst ist, hat ihr autonomes Nervensystem alle Weichen gestellt, um in der Situation zu bestehen – sei es durch Kampf oder Flucht. Doch das autonome Nervensystem regelt noch mehr als das. Erfahren Sie hier alles über seinen Aufbau und die Funktionen und warum Wärmflaschen einen physiologischen Hintergrund haben.

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Nervensystem

Bild: “Tree Nervous System” von Sam Salt. Lizenz: CC BY-NC 2.0


Vegetativ, viszeral, autonom

Vegetatives Nervensystem und viszerales Nervensystem sind Synonyme für das autonome Nervensystem. Der Begriff „autonom“ leitete sich davon ab, dass es unabhängig vom somatischen Nervensystem besteht und funktioniert. Außerdem unterliegt es keiner willkürlichen Kontrolle durch das zentrale Nervensystem. Es setzt sich im Wesentlichen aus drei Komponenten zusammen: dem Sympathikus, dem Parasympathikus und den intramuralen Ganglien innerhalb der Organen, wie z.B. dem Plexus entericus im Darm. Das autonome Nervensystem ist für die Regulierung der Vitalfunktionen und die Modulation der Aktivität der inneren Organsysteme verantwortlich.

Aufbau des autonomen Nervensystems

– sympathisches Nervensystem
– parasympathisches Nervensystem
– intramurale Systeme mit Teilautonomie (Verdauungstrakt, Blase, Ureter, Herz)

Sympathikus und Parasympathikus bestehen jeweils aus zwei Neuronen, die in einer Synapse umgeschaltet werden. Diese Synapse befindet sich beim Sympathikus in den autonomen Ganglien vor der Wirbelsäule (Grenzstrangganglien oder prävertebrale Ganglien), beim Parasympathikus in der Wand der Organe. Sympathikus und Parasympathikus bilden in Thorax, Bauch und Becken Geflechte zusammen (Plexus cardiacus und pulmonalis, Plexus solaris und verschiedene Plexuus um die Eingeweide im Becken). Das erste Neuron hat sowohl bei Sympathikus als auch bei Parasympathikus Acetylcholin als Neurotransmitter. Der Parasympathikus verwendet Acetylcholin auch beim zweiten Neuron, während der Sympathikus dann Noradrenalin benutzt.

MERKE:

Parasympathikus: 1. Neuron = Acetylcholin 2. Neuron = Acetylcholin
Sympathikus: 1. Neuron = Acetylcholin 2. Neuron = Noradrenalin
Ausnahme: Schweißdrüsen: sympathisch innnerviert aber 2. Neuron Acetylcholin

Der Sympathikus

Der Sympathikus regelt die Stressreaktion des Körpers (ergotrope Wirkung) und wird bei erhöhter körperlicher und psychischer Belastung aktiviert. Dabei wirkt er auf verschiedene Organsysteme, steigert das Herzzeitvolumen, weitet die Pupillen und Bronchiolen und verengt gleichzeitig periphere Gefäße und kurbelt die Schweißreaktion an. Die Verdauung und Ausscheidung wird vom Sympathikus in Stresssituationen stillgelegt. Dass man dennoch vor Prüfungen ständig auf Toilette muss, liegt an der gleichzeitigen Aktivierung von Sympathikus und Parasympathikus bei starker Stressbelastung.

Die sympathischen Neurone entspringen im thorakolumbalen Rückenmark (C8-L3) in den Seitenhörnern (Nucleus intermediolateralis) und verlassen das Rückenmark über die Vorderwurzel zum Grenzstrang (Truncus sympathicus), der beidseitig an der Wirbelsäule entlang läuft. Im Grenzstrang wird das Neuron umgeschaltet (von präganglionär auf postganglionär) und läuft zusammen mit dem Spinalnerv zum Zielorgan.

Die afferenten sympathischen Fasern werden zusammen mit den afferenten somatischen Fasern verschaltet, weshalb sich Erkrankungen der Bauchorgane auf die Haut projizieren können, die mit Parästhesien, Hyperalgesien, Rötung und Überwärmung reagiert (HEAD-Zonen).

Unabhängig von den Spinalnerven entspringen noch einzelne sympathische Nerven im thorakalen Rückenmark, die die Bauchorgane versorgen. Sie werden in den prävertebralen Ganglien umgeschaltet und versorgen die Bauchorgane. Dazu gehören der N. splanchicus major und minor. Die Beckenorgane werden über den Plexus hypogastricus superior und inferior versorgt, das sind Geflechte, die um die Bauchaorta herum liegen.

Der Parasympathikus

Der Parasympathikus regelt die Energiespeicherung und Verdauung (trophotrope Wirkung). Er bewirkt das Gegenteil des Sympathikus, regt Verdauung und Speichelfluss an, verengt die Pupillen und Bronchiolen, beeinflusst das Herz in Richtung Ruhefrequenz und regt die Durchblutung der Peripherie und der Eingeweide an.

Seine Ursprungszentren liegen kraniosakral (im Hirnstamm und im Sakralmark). Im Gegensatz zum Sympathikus werden die parasympathischen Neurone erst an den Zielorganen umgeschaltet. Im Kopfbereich ziehen die parasympathischen Fasern mit den Hirnnerven 3, 7 und 8 zu den parasympathischen Ganglien des Kopfes. Mit dem Nervus vagus, der ebenfalls im Hirnstamm entspringt, laufen parasympathische Fasern zu den Bauchorganen. Im sakralen Bereich liegen die Ursprungsneurone auf Höhe S2-4 in den Nuclei parasympathici sacrales im ventralen Hinterhorn. Hier entspringen die Nervi splanchici pelvici, die die Beckenorgane und Abschnitte des Darms versorgen.

Vegetative Reflexe

viszero-viszeral viszero-kutan viszero-muskulär  kuti-viszeral
 Art der Afferenz  viszeral viszeral viszeral somatisch
 Reaktion  viszerale Reaktion  Hautreaktion  erhöhter Muskeltonus  Stimulation vegetativer Efferenzen gemäß der HEAD-Zonen
 Beispiel  Blasenentleerung  Hyperämie der Haut über einem erkrankten Darmabschnitt  akutes Abdomen  Abnahme der Darmperistaltik bei Erwärmung der Bauchhaut (Wärmflasche)

 

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