Ein PJ-Tertial in weiter Ferne oder eine Auslandsfamulatur stehen an und Sie überprüfen Ihren Impfpass. Welche Impfungen sollten Sie auf jeden Fall vornehmen lassen? Was muss dabei beachtet werden? Wie lange sind Sie durch die Impfung geschützt? Dieses Wissen nützt Ihnen nicht nur für Prüfungen und die praktische Arbeit, sondern ist auch für Sie persönlich höchst relevant.

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Reiseimpfungen Spritzen

Bild: “Impfen! 342/365” von Dennis Skley. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Nochmal kurz „eingeimpft“ – ein Überblick

Impfungen zählen zur primären Prävention und lassen sich in aktive und passive Impfungen aufteilen. Aktive Impfungen werden mit Lebend- oder Totimpfstoffen durchgeführt. Bei den Lebendimpfstoffen kommen attenuierte, vermehrungsfähige Erreger zum Einsatz – bei den Totimpfstoffen Partikel oder inaktivierte ganze Erreger.

Die Antikörperbildung testen Sie durch die Bestimmung des Titers. Besteht nicht ausreichend Zeit, eine Reaktion des Körpers abzuwarten, kann durch die Gabe von Immunglobulinen passiv geimpft werden – z. B. nach Erregerexposition durch Tollwut oder Tetanus.

Die Ständige Impfkommission STIKO des Robert-Koch-Instituts gibt regelmäßig ein Epidemiologisches Bulletin heraus, wo Sie sich über die aktuellsten Empfehlungen informieren können. Vor allem für die Examina ist es leichter, sich nur zu merken, welche Impfungen Lebendimpfungen sind (alle anderen sind Totimpfstoffe):

  • MMR (Masern, Mumps, Röteln)
  • Varizellen
  • Gelbfieber
  • Typhus
  • Rotaviren
Die BCG-Impfungen gegen Tuberkulose und die Polio-Impfung werden von der STIKO nicht mehr empfohlen.

Hepatitis A

Gegen Hepatitis B und Tetanus sind Sie und Ihre Kommilitonen spätestens seit dem Besuch beim Betriebsarzt zu Beginn des klinischen Studienabschnittes geimpft. Doch wie sieht es mit Hepatitis A aus?

Die Hepatitis A kommt weltweit vor. Neben sporadischen Fällen treten Endemien und Epidemien insbesondere in Ländern mit niedrigem Hygienestandard auf. Die Ansteckungsgefahr durch den fäkal-oralen Übertragungsweg ist hoch: Achten Sie daher bei Reisen in südliche Länder immer auf eine ausreichende Nahrungsmittelhygiene (Merksatz: „Cook it, boil it, peel it or forget it!“)! Die Inkubationszeit beträgt mindestens 14 Tage.

Indiziert ist die Impfung für Personen mit Berufsrisiko (medizinische Berufe, Kanalarbeiter, Lebensmittelindustrie), Patienten mit chronischen Lebererkrankungen und für Reisende in Endemiegebiete.

Die Hepatitis-A-Impfung besteht aus zwei Impfungen, wobei die zweite nach sechs bis zwölf Monaten verabreicht werden sollte. Der Impfschutz hält ca. zehn Jahre an.

Gelbfieber

Das Gelbfieber gehört zur Gruppe der viralen hämorrhagischen Fieber. Erreger ist das zur Gruppe der Flaviviridae gehörende Gelbfiebervirus, das in den tropischen und subtropischen Regionen Südamerikas und Afrikas vorkommt. Eine kausale Therapie der Erkrankung existiert nicht. Daher sollten sich Reisende mit tropischen und subtropischen Reisedestinationen vor Antritt ihres Auslandsaufenthaltes über die Notwendigkeit einer Schutzimpfung erkundigen. Informationen hierzu sind auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes abrufbar.

Die Impfung sollte bei Reisen in Endemiegebiete unabhängig von einer möglichen Impfpflicht des Einreiselandes erfolgen. Impfungen können nur an einer Gelbfieberimpfstelle vorgenommen werden und müssen mind. 10 Tage vor Abreise durchgeführt werden. Bei Nichtbeachtung dieser Frist kann in Ländern mit Impfpflicht die Einreise verwehrt werden.

Die Gelbfieberimpfung ist eine Lebendimpfung. Komplikationen treten selten und zumeist im Zusammenhang mit einer Hühnereiweißallergie auf. Personen, denen eine Allergie bekannt ist, sollten aus diesem Grunde nicht geimpft werden. Weiterhin zu beachten ist, dass eine Simultanimpfung mit anderen Lebendimpfstoffen möglich ist. Bei einer zeitlich versetzten Impfung sollte jedoch ein Abstand von mindestens vier Wochen eingehalten werden.

Die Gelbfieberimpfung ist eine einmalige Impfung und hält etwa 10 Jahre an.

Rabies

Die Infektiosität des Tollwut-Virus ist zwar gering, jedoch endet eine Infektion immer tödlich! Empfohlen wird Sie nur für beruflich exponierte Personengruppen wie Forstarbeiter, Veterinärmediziner oder Laboranten.

Als Reiseimpfung ist sie sehr empfehlenswert bei Aufenthalten in Indien und dem tropischem Afrika. In Ländern mit gleichzeitig hoher Tollwutgefährdung und schlechter medizinischer Versorgung ist auch die fehlende Postexpositionsprophylaxe ein Grund, die Impfung vornehmen zu lassen.

Überträger des Rabies-Virus sind vor allem Fledermäuse und streunende Hunde. Deutschland gilt durch konsequente orale Immunisierung der Fuchspopulationen als tollwutfrei.

Die Impfung besteht aus drei Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21/28. Der Impfschutz hält für ca. fünf Jahre an.

Kostenerstattung

Von den meisten gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten anteilig übernommen, wenn die Impfung vor Reiseantritt vorgenommen wird und eine entsprechende Empfehlung für das Reiseland gilt (siehe Informationen des Auswärtigen Amtes).

Tipp: Für Sie als Medizinstudent interessant ist der Impfkurs im Rahmen des Fachs „Infektiologie und Hygiene“. An manchen Unis dürfen Sie und Ihre Kommilitonen sich gegenseitig einmal impfen, da ist schon mal der Grundstein für z. B. eine Tollwutimpfserie gelegt.

 

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