Die multiplen endokrinen Syndrome werden autosomal-dominant vererbt und bestehen aus zwei übergeordneten Gruppen (I und II), wobei die zweite Gruppe noch weiter in drei Untergruppen (IIa, IIb und FMTC-only) unterteilt werden kann. Den jeweiligen Obergruppen liegen dabei unterschiedliche Ursachen auf molekulargenetischer Ebene zugrunde. Lesen Sie hier alles über charakteristischer Leiterkrankungen, Diagnostik und Therapie der multiplen endokrinen Neoplasien. 
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Bild: “Multiple endokrine Neoplasien” von Mikael Häggström. Lizenz: CC0 BY 1.0


MEN 1-Syndrom (Wermer-Syndrom)

Das MEN 1-Syndrom gehört zu den multiplen endokrinen Syndromen und wird autosomal-dominant vererbt.

Ätiologie des MEN 1-Syndroms

Ursache für die Entstehung des MEN 1-Syndroms ist eine Mutation des Menin-Gens. Das betroffene Gen befindet sich dabei auf dem langen Arm von Chromosom 11 (11q13).

Das Menin-Gen stellt ein sogenanntes Tumorsuppressorgen dar. Dazu gehören Proteine, die u.a. regulierend auf den Zellzyklus sowie die Apoptose wirken. Durch die Mutation eines Tumorsuppressorgens ist das Risiko der Entwicklung von Neoplasien erhöht.

Merke: Das Men 1-Snydrom wird durch eine Mutation im Menin-Gen verursacht.

Erkrankungen im Rahmen des MEN 1-Syndroms

Die in ca. 95 % der Fälle auftretende Leiterkrankung des MEN 1-Syndroms stellt der primäre Hyperparathyreoidismus dar. Im Rahmen von diesem kommt es zu einem erhöhten Parathormon-Spiegel durch eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen.

Merke: Die Leiterkrankung des MEN 1-Syndroms ist der primäre Hyperparathyreoidismus.

Tumore des MEN 1-Syndroms

Pancreatic-insulinoma

Bild: „Histopathology of pancreatic endocrine tumor (insulinoma)“ von KGH. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Zu den möglichen Tumoren, die bei einem MEN 1-Syndroms auftreten können, gehören Tumore des Pankreas, wie z.B. das Gastrinom und das Insulinom. Diese beiden Tumore gehören dem Formenkreis der endokrinen Pankreastumore an. Diese treten in ca. 50 % der Fälle auf. In ca. 30 – 50 % der Fälle kommt es im Rahmen eines MEN 1-Syndroms zu Tumoren der Hypophyse.

MEN 2-Syndrom

Das MEN 2-Syndrom wird ebenfalls autosomal-dominant vererbt und kann noch weiter in das Sipple-Syndrom (2a), das Gorlin-Syndrom (2b), sowie das FMTC-only (familial medullary thyroid carcinoma) unterteilt werden.

medulläres Schilddrüsenkarzinom

Bild: “medulläres Schilddrüsenkarzinom” von Nephron. Lizenz: CC BY 3.0

Das FMTC-only stellt dabei eine Sonderform des MEN 2-Syndroms dar, da es bei diesem ausschließlich zum Auftreten medullärer Schilddrüsenkarzinome kommt, wodurch es auch als Non-MEN-Syndrom bezeichnet wird, da keine multiplen endokrinen Tumore vorliegen.

Ätiologie des MEN 2-Syndroms

Die Ätiologie der drei Untergruppen des MEN 2-Syndroms ist dabei identisch. Alle drei werden durch eine Mutation im Ret-Protoonkogen verursacht. Dieses kodiert für eine transmembranöse Tyrosinkinase. Der Ort der Mutation befindet sich dabei auf dem langen Arm von Chromosom 10 (10q11.2).

Krankheitsbild des MEN 2a-Syndroms (Sipple-Syndrom)

Das Sipple-Syndrom ist mit 70 % der MEN 2-Fälle deutlich häufiger als das Gorlin-Syndrom (ca. 10 % aller Fälle).

Erkrankungen im Rahmen des MEN 2a-Syndroms

In ca. 50 % der Fälle tritt im Rahmen eines Sipple-Syndroms ein Phäochromozytom und in ca. 20 % der Fälle ein primärer Hyperparathyreoidismus auf.

Merke: Ein primärer Hyperparathyreoidismus kann sowohl im Rahmen eines MEN 1-Syndroms als auch im Rahmen eines MEN 2a-Syndroms auftreten.

Tumore des MEN 2a-Syndroms

Der häufigste Tumor, und damit gleichzeitig auch die Leiterkrankung des MEN 2a-Syndroms, stellt das medulläre Schilddrüsenkarzinom (= C-Zell-Karzinom) dar. Dieses tritt in nahezu 100 % der Fälle auf.

Merke: Die Leiterkrankung des Sipple-Syndroms stellt das medulläre Schilddrüsenkarzinom dar.

Krankheitsbild des MEN 2b-Syndroms (Gorlin-Syndrom)

Das Gorlin-Syndrom ist mit 10 % der Fälle die am seltensten auftretende Unterform des MEN 2-Syndroms. In ca. 60 % der Fälle entsteht das Gorlin-Syndrom im Rahmen einer Neumutation, das heißt, es wurde nicht autosomal-dominant vererbt. Diese Fälle werden als sporadische Fälle bezeichnet.

Erkrankungen im Rahmen des MEN 2b-Syndroms

Vergleichbar mit dem Sipple-Syndrom tritt auch beim Gorlin-Syndrom in ca. 50 % der Fälle ein Phäochromozytom auf.

Merke: Ein primärer Hyperparathyreoidismus gehört dagegen nicht zum Gorlin-Syndrom.

Weitere klinische Charakteristika, die im Rahmen eines Gorlin-Syndroms auftreten können, sind Schleimhautneurinome, Ganglioneuromatosen an Organen wie der Zunge oder dem Intestinum, sowie ein marfanoider Habitus. Merkmale des marfanoiden Habitus sind z.B. ein schlanker, hochgewachsener Körperbau mit langen Extremitäten sowie eine Überstreckbarkeit der Gelenke.

Tumore des MEN 2b-Syndroms

Ebenfalls vergleichbar mit dem Sipple-Syndrom stellt das medulläre Schilddrüsenkarzinom (ca. 100 % der Fälle) die Leiterkrankung des Gorlin-Syndroms dar.

Krankheitsbild des FMTC-only-Syndroms (Non-MEN-Syndrom)

Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich beim FMTC-only-Syndrom insofern um eine Sonderform, da es ausschließlich zum Auftreten von medulluären Schilddrüsenkarzinomen kommt.

Merke: Bei einem familiär auftretenden, medullären Schilddrüsenkarzinom immer auch an ein MEN 2-Syndrom denken. Mittels molekulargenetischer Diagnostik können dabei auch noch nicht betroffene Familienmitglieder auf die Mutation hin getestet werden, um anschließend eine prophylaktische Thyreoidektomie in Erwägung zu ziehen.

Beliebte Prüfungsfragen zu multiplen endokrinen Neoplasien

Die Lösungen zu den Fragen befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Welche Aussage zu den multiplen endokrinen Neoplasien trifft nicht zu?

  1. Das MEN 1-Syndrom beruht auf einer Mutation im Menin-Gen.
  2. Das MEN 2-Syndrom beruht auf einer Mutation im Ret-Protoonkogen.
  3. Das Ret-Protoonkogen kodiert für eine Tyrosinkinase.
  4. Das Menin-Gen stellt ein Tumorsuppressorgen dar.
  5. Die multiplen endokrinen Neoplasien werden autosomal-rezessiv vererbt.

2. Welche Aussage zum MEN 1-Syndrom trifft zu?

  1. Ein Synonym für das MEN 1-Syndrom lautet Gorlin-Syndrom.
  2. Es kann zum Auftreten von endokrinen Pankreatsumoren wie einem Insulinom kommen.
  3. Ein primärer Hyperparathyreoidismus tritt in ca. 30 % der Fälle auf.
  4. Hypophysentumore sind in über 90 % der Fälle vorhanden.
  5. Häufig kommt es auch zum Auftreten eines medullären Schilddrüsenkarzinoms.

3. Welche Aussage zum MEN 2- Syndrom trifft nicht zu?

  1. Es kann noch weiter in das Sipple-, das Gorlin- und das FMTC-only-Syndrom unterteilt werden.
  2. Den Großteil der Fälle des MEN 2-Syndroms macht das Sipple-Syndrom aus.
  3. Die Leiterkrankung des MEN 2-Syndroms stellt das medulläre Schilddrüsenkarzinom dar.
  4. Im Rahmen eines Gorlin-Syndroms kann es zu Schleimhautneurinomen kommen.
  5. Ein primärer Hyperparathyreodismus tritt in ca. 20 % der Fälle eines MEN 2b-Syndroms auf.

Quellen

Herold, G. und Mitarbeiter: Innere Medizin (2015) – Gerd Herold Verlag

Siebert, J.R., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Endokrine Chirurgie, 3. Auflage (2013) – Springer Verlag

Tumorsuppressoren via Wikipedia (Stand Oktober 2015)

Lösungen zu den Fragen: 1E, 2B, 3E



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