Die Gonorrhoe gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten (STD). Ca. 1 % der Weltbevölkerung infiziert sich jährlich neu, das entspricht etwa 60 Millionen Menschen. Die Ausprägung reicht von asymptomatischer Infektion bis zur disseminierten Gonokokkeninfektion mit Sepsis und hämatogener Streuung. Von Bonjour-Tropfen bis zur Therapie lesen Sie im Folgenden alles, was für Sie als Mediziner wichtig ist.
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Bild: “Grab a Condom Embroidery Hoop Art” von Hey Paul Studios. Lizenz: CC BY 2.0


Fallbeispiele

So könnten sich zwei Patienten bei Ihnen präsentieren…

Eine 23-jährige Studentin (Nulligravida, Nullipara) kommt zu Ihnen mit Fieber und starken Unterleibsschmerzen in die chirurgische Notaufnahme. Da sie außerdem über Dysurie und eitrigen vaginalen Ausfluss klagt, fordern Sie ein gynäkologisches Konsil an. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich ein putrides Sekret aus der Urethra, dolente Bartholin-Drüsen und gelbrahmiger Eiter aus dem Zervikalkanal. Es besteht ein ausgeprägter Portioschiebeschmerz, die Adnexe beider Seiten sind verdickt und hochdolent. Die Untersuchung des Urins auf eine erhöhte hCG-Konzentration fällt negativ aus. Welchen Verdacht haben Sie?

Ein 32-jähriger Mann kommt wegen urogenitaler Beschwerden in Ihre Allgemeinarztpraxis. Er berichtet, dass er Schmerzen beim Wasserlassen habe. Besonders morgens bemerkt er häufig einen Eitertropfen am Urethra-Ausgang. Jetzt hat er Sorgen, dass er „sich etwas eingefangen“ habe…

Entdeckung, Symptome und Diagnose

Im Jahr 1879 wurden Gonokokken erstmalig von Albert Neisser in einem Urethralabstrich entdeckt, die Beschreibung der Symptome fand medizingeschichtlich jedoch schon sehr viel früher statt. Übertragen werden Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) beim ungeschützten Geschlechtsverkehr, 5 % der Infizierten bleiben asymptomatische Träger. Den Erregernachweis der gram-negativen Bakterien erbringen Sie mikroskopisch oder kulturell nach einem Abstrich. Nach einer Inkubationszeit von 2-7 Tagen treten folgende Symptome auf:

CAVE: Vor allem bei weiblichen Patientinnen ist der Verlauf oft asymptomatisch!
FRAUEN MÄNNER
Da Gonokokken Zylinderepithel/Urothel bevorzugen, entwickelt sich meist keine Vaginitis (Plattenepithel)! Eitriger Ausfluss bei Urethritis (Bonjour-Tropfen am Morgen >> daher Namensgebung „Tripper“ von drippen=tropfen )
gelbliche Fluorbildung am Zervikalkanal Dysurie
Bartholinitis Juckreiz
Zervizitis
Adnexitis
Fieber + akutes Abdomen

Auch extragenital ist eine Manifestation möglich, so in Augen, Rachen und After. Obwohl dies meist „stumme“ Infektionsverläufe darstellt, ist die Infektionsgefahr jedoch unbehandelt ebenfalls gegeben!

Klassifiziert wird die Gonorrhoe bei Frauen in untere (unterhalb des Muttermunds) und obere Gonorrhoe (oberhalb des Muttermunds). Zu der unteren, symptomarmen Gonorrhoe gehören Zervizitis, Proktitis, Urethritis und Bartholinitis. Zur oberen, symptomreichen zählen Endometritis, Salpingitis und Peritonitis.

Komplikationen

  • Neugeborene können sich während der Geburt durch die Mutter infizieren. Es kommt zur Neugeborenenblenorrhoe, einer eitrigen Konjunktivitis. Ihre prophylaktische Maßnahme direkt nach der Geburt ist das Eintropfen von Erythromycin-/Tetracyclinhaltigen Augentropfen in den Konjunktivalsack (früher Silbernitrat, die sog. Credé-Prophylaxe).
  • Komplizierter Verlauf: Disseminierte Gonokokkeninfektion (DGI): Die DGI geht klassischerweise mit der Symptomtrias hohes Fieber, Polyarthritis und hämorrhagischen Pusteln an den Akren und Petechien einher. Unbehandelt können die Patienten eine Sepsis mit Meningitis, Endokarditis und Pneumonie entwickeln. Bei Frauen kann die Ausbildung von Synechien an Hymen und Tube zu Tubenmotilitätsstörungen führen, was als Folge Sterilität bedeutet.

Therapie

Die Therapie gestaltet sich relativ unkompliziert. Sie verabreichen einmalig Ceftriaxon, bei DGI und oberer Gonorrhoe muss dies mindestens über 7 Tage verabreicht werden. Wie bei allen STIs müssen Sie den Partner des Patienten mitbehandeln, um einen Ping-Pong-Effekt zu verhindern! Weisen Sie zusätzlich ausdrücklich auf die Verwendung von Kondomen zusätzlich zu bestehenden Kontrazeptiva hin.

Seit dem Jahr 2000 ist die Gonorrhoe in Deutschland NICHT mehr meldepflichtig!

Lesen Sie weiter

Schmelz, Sparwasser, Weidner: Facharztwissen Urologie. Springer Verlag, 2007.



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