Die Entzündung der Magenschleimhaut ist eine Erkrankung, die Ihnen als Arzt oder Medizinstudent sehr häufig begegnen wird. Erhöhte Säurebildung im Magen oder die Schädigung der Schleimhautschutzbarriere kann die empfindliche Magenschleimhaut so irritieren, dass eine Gastritis die Folge ist. Eine Magenschleimhautentzündung kann sich sowohl über einen längeren Zeitraum entwickeln, als auch sehr plötzlich auftreten und viele Ursachen haben.  [toc
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Gastroenterologie-Kurs.

Gastritis helicobacter

Bild: “Intermediate magnification micrograph of gastritis with Helicobactor pylori.” von Nephron . Lizenz: CC BY-SA 3.0


]

Die akute Gastritis

Ätiologie der akuten Gastritis

Verschiedene endogene und exogene Auslöser können zu einer akuten Gastritis führen. So kann es in Folge einer portalen Hypertension zur Gastritis kommen. Aber auch Stress – egal ob psychisch oder physisch z.B. bei Verbrennungen, Schock, Traumata, postoperativ oder im Leistungssport als sogenannter „Runner’s stomach“ – gilt als ein Hauptauslöser der akuten Gastritis.

Histopathology of Helicobacter pylori infection in a gastric foveolar pit demonstrated in endoscopic gastric biopsy

Bild: “Histopathology of Helicobacter pylori infection in a gastric foveolar pit demonstrated in endoscopic gastric biopsy” von KGH. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Exogene Ursachen können chemisch-toxischer Natur sein – hierzu zählen Alkoholexzesse, alimentäre Exzesse, starkes Rauchen und die medikamentöse Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (z.B. ASS), Kortikosteroiden und Zytostatika – oder infektiös bedingt sein, besonders durch Erreger wie: Helicobacter pylori, Candida albicans, Zytomegalie-Virus, Herpes-Viren oder Salmonellen.

Unter Strahlentherapie kann sich die akute Gastritis als Begleiterkrankung entwickeln.

Ein sogenanntes Stress-Ulkus ist eine akute erosive Gastritis. Es entsteht aufgrund verminderter Durchblutung der Magenschleimhaut, der erhöhten Sekretion von Magensaft und der gleichzeitigen Verminderung der alkalischen Schutzbarriere des Magens bei Stress.

Merke: Besonders unter Intensivmedizinischen Bedingungen sind Stressulzera häufig anzutreffen!
Acute stress ulcer of stomach in a postmortem specimen

Bild: “Acute stress ulcer of stomach in a postmortem specimen.” von Netha Hussain. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Symptome der akuten Gastritis

Häufig verläuft die akute Gastritis asymptomatisch. Die Symptome reichen von epigastrischem Schmerz über Völlegefühl, Blähungen und Übelkeit bis zum Erbrechen. Es können Blutungen auftreten.

Diagnostik der akuten Gastritis

Anamnestisch zeigt sich die oben genannte Symptomatik. Bei der körperlichen Untersuchung fällt ein druckschmerzhaftes Epigastrium auf. Um eine gastroduodenale Ulkuserkrankung auszuschließen, ist eine Gastroskopie mit histologischer Befundung nötig.

Eine akute Gastritis zeigt in der Endoskopie eine ödematöse Veränderung der Magenschleimhaut mit leukozytären Infiltraten der Schleimhaut, evtl. auch oberflächliche Schleimhautdefekte. Liegen stärkere Defekte, so wie Erosionen vor, spricht man von einer erosiven Gastritis. Eine gefürchtete Komplikation dieser erosiven Gastritis sind Blutungen.

Therapie der akuten Gastritis

Das Ausschalten exogener Noxen ist die wichtigste Maßnahme in der Therapie der akuten Gastritis. Auch können eine passagere Nahrungskarenz und Bettruhe sinnvoll sein. In der Folge sollte Schonkost verabreicht werden – Kaffee, Alkohol und andere Schleimhaut-reizende Stoffe sind vom Patienten unbedingt zu meiden. Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern bis zur Besserung der Symptome ist möglich. Des Weiteren stehen Antiemetika zur Behandlung der Übelkeit, sowie spasmolytische Medikamente zur Verfügung. Auch pflanzliche Arzneimittel aus Kamille, Schafgarbe, Süßholzwurzel, Melisse u.a. können die Heilung unterstützen.

Die akute, komplikationslose Gastritis sollte innerhalb weniger Tage selbständig abheilen und unterscheidet sich somit von der chronischen Form der Gastritis.

Die chronische Gastritis

Bei einer chronischen Gastritis können klinische Symptome durchaus fehlen. Häufig sind die Symptome mit Oberbauchbeschwerden, Blähungen und Halitosis eher unspezifisch.

Die Einteilung der chronischen Gastritis nach der ABC-Klassifikation

A-Gastritis = Autoimmun

Die Ursachen der Typ A Gastritis sind nicht endgültig geklärt – bei einem Teil der Fälle, wird die Infektion mit Helicobacter pylori als Auslöser diskutiert. Diese chronische Magenschleimhautentzündung in Korpus und Kardia des Magens zeigt Autoantikörperbildung gegen Belegzellen und Intrinsic Factor des Magens:

Parietal cells

Bild: “parietal cells” von Jpogi. Lizenz: Gemeinfrei

  • antikanalikuläre Parietalzellantikörper (PCA)
  • H+/K+-ATPase Antikörper
  • Intrinsic-Factor-Antikörper (IFA)
Merke: Es kann ein schwerer Vitamin-B12-Mangel auftreten!

Anazididät, Hypergastrinämie und perniziöse Anämie sind die Folge.

Die A-Gastritis hat meist einen asymptomatischen Verlauf. Erst die Folgen des Vitamin-B12-Mangels treten klinisch in Erscheinung. Unspezifische epigastrische Beschwerden sind möglich. Im Gegensatz zu Typ B und C sind Magenulcera keine Komplikation der A-Gastritis.

Eventuell kann die Autoimmungastritis mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Addison oder Typ I Diabetes vergesellschaftet sein. Ein Teil der Helicobacter pylori positiven Typ A Gastritiden profitieren von einer Eradikationstherapie und können auf diese Weise ausgeheilt werden.

Wegen des erhöhten Karzinomrisikos, sollten bei der chronischen Typ-A-Gastritis jährliche Kontrollgastroskopien durchgeführt werden.

5 % der Fälle von chronischer Gastritis sind autoimmun bedingt.

B-Gastritis = Bakteriell durch H. pylori

Gastritis helicobacter

Bild: “Intermediate magnification micrograph of gastritis with Helicobactor pylori.” von Nephron . Lizenz: CC BY-SA 3.0

In 80 % der Fälle ist eine chronische Gastritis auf eine Infektion zurückzuführen. Die hohe Durchseuchungsrate der Bevölkerung mit dem Harnstoff produzierenden Bakterium Helicobacter pylori ist hierbei die häufigste Ursache einer Typ B Gastritis. Die Übertragung des Bakteriums erfolgt oral und fäkal-oral. Es löst eine Entzündung aus, die im Antrum beginnt und sich aszendierend ausbreitet. Sie führt zur Atrophie der Drüsen und dadurch zur Hypochlorhydrie.

Merke: Die B-Gastritis führt nie zur Anazidität wie die Typ-A-Gastritis!

Eventuell zeigen Patienten Symptome wie Völlegefühl, Halitosis, Übelkeit oder Aufstoßen, aber auch hier verlaufen die meisten Fälle asymptomatisch.

In mehr als 90 % wird mit der sogenannten Triple-Therapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer eine vollständige Keimeliminierung erreicht.

Beachte: Die Therapie ist ein sehr beliebtes Prüfungsthema im 2. Staatsexamen!
  • Protonenpumpeninhibitor bei doppelter Standarddosis (Omeprazol)
  • Antibiotikum (Clarithromycin)
  • Antibiotikum (Amoxicillin oder Metronidazol)

Bei dieser Form der chronischen Gastritis ist das Risiko für Magenkarzinome ebenfalls erhöht.

C-Gastritis = Chemisch

15 % aller chronischen Gastritiden sind vom chemisch-toxischen Typ.

NSAR wie Diclofenac oder Ibuprofen und Gallereflux, z.B. nach Gastrektomie, können die Typ-C-Gastritis auslösen. Meist ist der Antrumbereich betroffen. Ausschaltung der Noxen und die Verabreichung eines Protonenpumpeninhibitors führt zum Rückgang der Entzündung. Jedoch kann es auch bei der Typ-C-Gastritis unbehandelt zu Komplikationen wie Ulzera und Magenblutungen kommen.

Endoscopy appearance of the gastric antrum with discoloration after bromazepam intake.

Bild: “Endoscopy appearance of the gastric antrum with discoloration after bromazepam intake.” von openi. Lizenz: CC BY 2.0

Diagnostik der chronischen Gastritis

Die Diagnose einer chronischen Gastritis wird mittels einer Endoskopie mit Entnahme von Biopsien gesichert. Sie zeigt die erythematöse Schleimhautveränderungen und evtl. Erosionen. Histologische Proben werden hierbei aus Antrum und Korpus entnommen.

Um eine Infektion mit Helicobacter pylori Keimen auszuschließen, wird ein Helicobacter-Urase-Test (HUT) durchgeführt. Weiterhin stehen nicht-invasive Testmethoden, wie der Atemtest, Antigennachweis im Stuhl oder Serum, für Helicobacter pylori zur Verfügung.

Die Gastroskopie und HP Diagnostik sollte 6 bis 8 Wochen nach Beendigung der Antibiotikatherapie wiederholt werden, um den Erfolg der Behandlung sicher zu stellen. Die Typ-A-Gastritis wird über Antikörpernachweis gegen Belegzellen und Intrinsic factor gesichert, evtl. ist hier auch der Vitamin-B12-Wert im Serum erniedrigt.

Komplikationen chronischer Gastritiden

Typ-A-Gastritis:

  • Atrophische Gastritis

    Atrophic gastritis

    Bild: “Complete intestinal metaplasia in a case of chronic gastritis.” von Radioxoma. Lizenz: CC BY-SA 3.0

  • Perniziöse Anämie
  • Magenkarzinom

Typ-B-Gastritis:

  • Antikörperbildung: PCA-Antkörper und H+/K+-ATPase Antikörper
  • Entwicklung einer Typ-A-Gastritis
  • Ulcus ventriculi et duodeni
  • Die Inzidenz für Magenkarzinom, B-Zell- und MALT-Lymphom des Magens sind erhöht.

Sehr selten:

  • Ideopathische thrombozytopenische Purpura
  • Ideopathische chronische Urtikaria
  • Guillain-Barré-Syndrom
  • Eisenmangelanämie
  • Verschlechterung einer hepatischen Enzephalopathie
  • Peptisches Ulkus
  • Magenblutungen
  • Intestinale Metaplasien
  • Peptisches Ulkus
  • Magenblutungen
  • Intestinale Metaplasien

Typ-C-Gastritis:

  • Ulzera
  • Magenblutungen

Sonderformen von Gastritiden

Die im Folgenden aufgeführten Gastritiden sind sehr seltene Sonderformen einer chronischen Magenschleimhautentzündung.

Lymphozytäre Gastritis

Die lymphozytäre Gastritis ist eine äußerst seltene Erkrankung unklarer Genese. Beschrieben wird sie sowohl als Begleiterkrankung der Zöliakie bei Kindern, als auch im Rahmen einer Helicobacter pylori Infektion. In diesen Fällen kann die lymphozytäre Gastritis entweder durch eine HP-Eradikationstherapie oder entsprechend durch eine glutenfreie Kost ausgeheilt werden.

Die Diagnose lymphozytäre Gastritis wird mittels Gastroskopie gestellt, die hier eine Befundbreite zwischen Normalbefund, Erosionen oder Riesenfaltengastritis im Korpus und Fundus Bereich zeigen kann. Histologisch ist die Diagnose bei einer Erhöhung der intraepithelialen Lymphozyten > 25/100 Epithelien gesichert.

Die sogenannten Riesenfaltengastritis (Morbus Ménétrier) gilt als Komplikation der lymphozytären Gastritis. Auch die Möglichkeit einer malignen Entartung besteht – weshalb jährliche Kontrollendoskopien empfohlen werden. Sehr schwere Verlaufsformen mit Dysplasien können eine Gastrektomie nötig machen.

Riesenfaltengastritis: Morbus Ménétrier

Die Riesenfaltengastritis ist eine Magenschleimhautentzündung unbekannter Ursache. Das Bakterium Helicobacter pylori steht auch hier im Verdacht ein auslösender Faktor zu sein.

Der Name der Erkrankung ist Programm: Die Schleimhautfalten vergrößern sich, Haupt- und Belegzellen bilden sich zurück, was zu Hypo- und Anazidität führt. Die Schleimproduktion ist erhöht. In den meisten Fällen bleibt eine Riesenfaltengastritis symptomlos – selten treten Diarrhö und intestinaler Eiweißverlust mit Anämie und Ödemen auf. Meist wird sie als Zufallsbefund im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung entdeckt, wobei die Falten hierbei auch bei maximaler Luftinsufflation bestehen bleiben. Die Falten können mittels Schlingeresektion entfernt werden.

Eosinophile Gastroenteritis

Eine eosinophile Gastritis ist eine durch allergische Reaktion oder parasitäre Infektion ausgelöste Schleimhautentzündung. Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Diarrhoe – selten: Malabsorbtion und Steatorrhoe. Ein Großteil der Fälle zeigt eine Eosinophilie und eine IgE-Erhöhung im Serum. Bei der histopathologischen Untersuchung fallen eosinophile Infiltrate, Kryptenhyperplasie, Zottenatrophie und Ulzerationen auf. Diätische Maßnahmen und Glukokortikoidgabe, evtl. auch als niedrig dosierte Erhaltungstherapie, bringen den Verlauf der Krankheit unter Kontrolle.

Crohn-Gastritis

Im Verlauf der Erkrankung Morbus Crohn kann es auch zur Beteiligung des Magens kommen. Die Ursachen hierfür sind ungeklärt.

Andere Ursachen der Gastritis

Auch granulomatöse Erkrankungen wie Tuberkulose und Sarkoidose können Ursache einer Magenschleimhautentzündung sein.

Beliebte Prüfungsfragen zur Gastritis

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Gastritiden können zu Magenulzera führen. Welche Aussage trifft zu?

  1. Nur die Typ-A-Gastritis führt zu Magenulzera.
  2. Ausschließlich im Verlauf der Typ-B-Gastritis kann die Komplikation Magenulkus auftreten.
  3. Alle Gastritis Formen können zur Ulkusbildung führen.
  4. Bei Gastritiden vom A und vom B Typ kann es zur Ulkusbildung kommen.
  5. Bei Gastritiden vom B und vom C Typ kann es zur Ulkusbildung kommen.

2. Welche Aussage zu Gastritiden trifft nicht zu?

  1. Die Perniziöse Anämie ist eine Komplikation der Typ-A-Gastritis.
  2. PCA-Antikörper und H+/K+-ATPase Antikörper-Bildung kann als Komplikation einer Typ-B-Gastritis vom Helicobacter pylori Typ auftreten.
  3. Komplikationen einer NSAR-induzierten Gastritis sind Ulzera und Magenblutungen.
  4. In 5 % der Fälle entwickelt sich aus einer Typ-B-Gastritis vom HP-Typ eine Autoimmungastritis.
  5. Die Riesenfaltengastritis ist eine häufige Komplikation der Typ-A-Gastritis

3. Das Bakterium Helicobacter pylori ist für verschiedene Magenerkrankungen ursächlich. Welche Aussage trifft nicht zu?

  1. Helicobacter pylori ist mit der Typ-B-Gastritis assoziiert.
  2. Helicobacter pylori kann die Ursache einer Riesenfaltengastritis sein.
  3. Eine Typ-B-Gastritis vom HP-Typ erhöht das Risiko an einem Magenkarzinom oder einem MALT-Lymphom zu erkranken.
  4. Die häufigste Komplikation der Helicobacter pylori-Gastritis ist die gastroduodenale Ulkuskrankheit.
  5. Die Helicobacter pylori Gastritis führt zur Achlorhydrie.

Quellen

H. Greten: Innere Medizin, 12. Auflage – Thieme Verlag

G. Herold: Innere Medizin, 2015

Duale Reihe – Anatomie, 2007 – Thieme Verlag

Richtige Lösungen: 1E, 2E, 3E



So bekommen Sie bessere Noten im Medizinstudium!

Verbessern Sie Ihre Prüfungsergebnisse! Lernen Sie mit dem kostenlosen Lerncoaching für Mediziner:

Effektive Lerntechniken

Individuelle Hilfestellungen

Anwendungsbeispiele für den Alltag

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

2 Gedanken zu „Gastritis – Die Magenschleimhautentzündung im Überblick

  • andreas mieseler

    meine Damen und Herren.
    der beitrag ist sehr gut.
    gibt es diesen auch in spanisch. können sie mir helfen?
    mit freundlichen grüßen
    andreas mieseler

    1. Maria Jaehne

      Sehr geehrter Herr Mieseler,
      vielen Dank für Ihr Lob. Leider haben wir für unsere Artikel nur eine englische Variante: https://www.lecturio.com/magazine/gastritis/

      Eine spanische Übersetzung der Artikel ist nicht geplant.
      Freundliche Grüße,
      Maria Jähne.