Da 5–7 % der Bevölkerung von einer legalen oder illegalen Droge abhängig sind, kommt jeder Arzt mit süchtigen Patienten in Berührung. Doch Studien haben gezeigt, dass Hausärzte nur jeden 10. am Abhängigkeitssyndrom erkrankten Patienten identifizieren. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die typischen Symptome des jeweiligen Drogenkonsums zu erkennen und Intoxikationen sowie Entzugssymptome behandeln zu können.

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Drogen

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Abhängigkeitssyndrom

Definition des Abhängigkeitssyndroms

Sucht ist laut Definition der WHO ein Zustand periodischer oder chronischer Intoxikation, verursacht durch wiederholten Gebrauch einer natürlicher oder synthetischen Substanz, der für das Individuum und die Gemeinschaft schädlich ist. Als Missbrauch wird ein unangemessener Gebrauch einer Substanz bezeichnet, das heißt eine Einnahme in überhöhter Dosierung oder die Einnahme ohne medizinische Indikation. Die wiederholte Einnahme führt dabei zur psychischen und physischen Gewöhnung einhergehend mit einer Abhängigkeitsentwicklung.

Abhängigkeitspotential und Schadpotential verschiedener Drogen

Bild: “Abhängigkeitspotential und Schadpotential verschiedener Drogen” von Thomas Wydra Originalversion: Apartmento2. Lizenz: Public Domain

Die psychische Abhängigkeit ist definiert als übermächtiges, unwiderstehliches Verlangen eine bestimmte Substanz wieder einzunehmen, um ein positives Gefühl zu erzeugen oder ein negatives zu vermeiden. Die physische Abhängigkeit stellt sich in Form von Toleranzentwicklung mit der Notwendigkeit der Dosissteigerung und dem Auftreten von Entzugssymptomen dar.

Bei der Sucht handelt es sich also um einen Teufelskreis aus unbezwingbarem Verlangen nach dem Suchtmittel, craving genannt, und dem Nicht-aufhören-Können, also der Abhängigkeit. Die Ernüchterung, die durch die Konfrontation mit der Realität entsteht, wenn der Patient nicht unter Einfluss der Substanz steht, wird als Kontrastphänomen bezeichnet und nährt diesen Circulus vitiosus zusätzlich.

Neben stoffgebunden Süchten gibt es eine wachsende Anzahl nicht-stoffgebundener Süchte, wie die Spiel- oder Kaufsucht.

Merke: Für die Definition Abhängigkeit müssen laut ICD-10 mindestens drei der folgenden Kriterien vorliegen:

  • Starkes Verlangen die Substanz zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit
  • Körperliches Entzugssyndrom
  • Toleranzentwicklung
  • Vernachlässigung anderer Interessen
  • Anhaltender Konsum trotz Nachweis schädlicher Folgen

Epidemiologie des Abhängigkeitssyndroms

In Deutschland sind etwa 5–7 % der Bevölkerung abhängig. Den größten Anteil machen die Alkoholabhängigen mit ca. 2,5 Millionen Betroffenen aus. Die Zahl der Medikamentenabhängigen ist mit 1 Million fast 7 mal so groß wie die der Drogenabhängigen. In psychiatrischen Krankenhäusern stellen Abhängige die größte Patientengruppe dar. Man geht davon aus, dass mindestens 15 % der Patienten in Allgemeinkrankenhäusern alkoholabhängig sind. Daraus wird die sozialmedizinische Bedeutung dieser Krankheitsgruppe deutlich.

Aufgrund von Abhängigkeit sterben ca. 42.000 Menschen in Deutschland pro Jahr. Dazu können noch die 130.000 Todesfälle, die an Folgen des Rauchens gestorben sind, gezählt werden. Etwa 10–15 % der Alkohol- und Drogenabhängigen begeht Selbstmord. Schätzungen zufolge betragen die volkswirtschaftlichen Folgekosten der Sucht mindestens 70 Milliarden Euro.

Pathogenese des Abhängigkeitssyndroms

Drei wesentliche Faktoren spielen bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung einer Abhängigkeit eine Rolle. Das ist zum einen die Droge und zum anderen das Individuum und das soziale Umfeld.

Die meisten Drogen steigern die Dopamin-Freisetzung im zentralen Nervensystem und lösen so Euphorie und Wohlbefinden aus. Weitere Neurotransmitter wie Glutamat prägen das Suchtgedächtnis. Für das Potenzial einer Abhängigkeitsentwicklung ist zudem die Verfügbarkeit, die Suchtpotenz und die Drogenwirkung im Sinne von Angstlösung oder Entspannung ausschlaggebend.

Individuelle Faktoren sind die Frustrationstoleranz, die Ich-Stärke und die neurotische Entwicklung. Auch eine genetische Vulnerabilität konnte bei Abhängigkeitserkrankten nachgewiesen werden. Man spricht von einer prämorbiden Persönlichkeit.

Zuletzt hat auch die Umwelt einen maßgeblichen Einfluss auf die Pathogenese einer Abhängigkeit. Negative Umweltfaktoren wie Konfliktsituationen mit dem Partner oder im Beruf, Gruppenzwänge und ein Freizeitvakuum können eine Sucht verstärken.

Symptome des Abhängigkeitssyndroms

Zu den psychischen Symptomen des Abhängigkeitssyndroms zählen Interessenverlust, Stimmungsschwankungen, Gleichgültigkeit und Störungen des Kritikvermögens. Die körperlichen Symptome sind stark von der eingenommenen Droge abhängig. Vor allem die Polytoxikomanie, also die Einnahme mehrerer Drogen in Kombination, führt zu einem schnellen körperlichen Verfall mit Gewichtsverlust, schlechtem Hautbild und Organschäden.

Typisch für Suchtkranke sind Verleugnung, Bagatellisierung und Verheimlichungstendenzen. Oft kann nur die Droge das durch Schuldgefühle aufgrund von Lügen, Beschaffungskriminalität und sozialen Versagen erniedrigte Selbstwertgefühl kurzzeitig steigern.

Alkoholabhängigkeit

Auswirkungen von Alkoholmissbrauch

Bild: “Most significant possible long-term effects of ethanol” von Mikael Häggström. Lizenz: Public Domain

Alkohol ist eines der ältesten Suchtmittel der Welt. Schon im alten Griechenland war Wein fester Bestandteil des Abends und im Mittelalter wurde er von der Kirche als Gottesgabe gesehen. Zu dieser Zeit wurde noch nicht erkannt, dass Menschen mit hohem Alkoholkonsum häufiger erkrankten und früher starben. Erst 1968 wurde der Alkoholismus vom Bundessozialgericht als Krankheit anerkannt und es wurden vermehrt Fachkrankenhäuser für Suchtkranke eingerichtet.

Definition von Alkoholabhängigkeit

Unter Alkoholmissbrauch wird ein Alkoholkonsum verstanden, der gegenüber der soziokulturellen Norm überhöht ist. Alkoholismus beschreibt die psychische und physische Abhängigkeit mit unwiderstehlichem Verlangen und Toleranzsteigerung mit nachfolgender Dosissteigerung und Entzugssymptomatik bei Abstinenz.

Epidemiologie von Alkoholabhängigkeit

Von der Alkoholabhängigkeit sind Männer häufiger betroffen, wobei bei Frauen eine zunehmende Tendenz besteht. Sie stellt aufgrund von Fehlzeiten am Arbeitsplatz, alkoholbedingten Unfällen und Behandlungskosten eines der größten sozialmedizinischen Probleme dar.

Einteilung von Alkoholabhängigkeit

Unter riskantem Konsum versteht man mehr als 20 g Alkohol bei Frauen und mehr als 40 g Alkohol bei Männern täglich.

1. Stufe Präalkoholische Phase Erleichterungstrinken mit Nachlassen der Tragfähigkeit für seelische Belastungen
2. Stufe Prodromalphase Denken an Alkohol, es wird allein und heimlich getrunken, erste Gedächtnislücken
3. Stufe Kritische Phase Nach Trinkbeginn Verlust der Kontrolle über weitere Trinkmenge, nach Kontrollverlusten der Versuch von Trinkpausen, erste körperliche Entzugssymptome und Folgeschäden
4. Stufe Chronische Phase Morgendliches Trinken, tagelange Rauschzustände, die Verträglichkeit für Alkohol nimmt ab, körperliche und seelische Zusammenbrüche bis hin zum Tod

Nach Jellinek werden 5 Arten des Alkoholismus unterschieden. Die mit 65 % häufigste Form ist der gamma-Typ. Dies ist der süchtige Trinker, der unter Kontrollverlust leidet und bei dem eine Toleranzentwicklung beobachtet werden kann. Zeitweilig besteht jedoch die Fähigkeit zur Abstinenz. Die zweithäufigste Art ist der Delta- oder Gewohnheitstrinker. Bei ihm besteht ein kontinuierlicher Alkoholkonsum, der typischerweise rauscharm und nicht von Pausen unterbrochen ist. Man spricht auch vom Pegeltrinker.

Merke: Desialotransferrin (DST), auch Carbohydrate-Deficient-Transferrin (CDT) ist eine Variante des Glykoproteins Transferrin, das als Biomarker des regelmäßigen Alkoholkonsums genutzt wird. Aufgrund einer Veränderung des Glykolysierungsmusters steigt der CDT-Wert im Serum bei Alkoholabhängigen. Allerdings ist der Wert störanfällig und bei 30 % der Alkoholiker normal.

Weiteres im finden Sie im Artikel Alkoholabusus.

Opioide

Schlafmohn

Bild: “Opium poppy Papaver somniferum Field in Turkey, near Afyon, c. 1988 Credit: Mark Nesbitt and Delwen Samuel” von Marknesbitt. Lizenz: Public Domain

Opium, der eingedickte Milchsaft aus den Samenkapseln des Schlafmohns, gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Drogen. Schon Paracelsus wandte die Opium-Kur zur Behandlung endogener Depressionen an. Opiate und Opioide besitzen unter den Drogen das höchste Abhängigkeitspotential. Schon nach dem ersten Konsum kann es zu einer ausgeprägten psychischen und physischen Abhängigkeit kommen.

Darreichungsform von Opioiden

In Deutschland erfolgt am häufigsten der Konsum von Heroin, auch Diacetylmorphin oder Diamorphin. Es handelt sich um ein weißes bis braunes Pulver, das mit Essigsäure halbsynthetisch aus Morphin hergestellt wird. Als Einstieg wird Heroin oft geraucht. Das Erwärmen auf einem Löffel oder Alublech und Inhalieren des Dampfes nennt man „chasing the Dragon“, da ölige Bestandteile des Heroins lila bis golden schimmern. Die häufigste Anwendungsform ist allerdings die intravenöse Applikation, da so nach 10 bis 20 Sekunden der Kick einsetzt und quasi kein teures Heroin verloren geht.

Seltener werden Codein, Methadon und Tilidin missbräuchlich verwendet.

Wirkung von Opioiden

Heroinmissbrauch

Bild: “Main long-term effects of heroine, including the effects of the contaminants common in illegal heroin” von Mikael Häggström. Lizenz: Public Domain

Heroin ist stark lipophil und reichert sich daher besonders schnell im ZNS an. Dort wird es rasch zu 6-Monoacetylmorphin metabolisiert. Dieses und ein weiterer inaktiver Metabolit werden innerhalb von etwa 10–30 Minuten zu Morphin hydrolysiert. Zu diesem Zeitpunkt tritt auch die Opioid-induzierte Euphorie ein.

Der Metabolit 6-Monoacetylmorphin bindet stärker an den μ-Opioidrezeptor als Morphin selber, wodurch die starke Rauschwirkung entsteht. Weitere durch die Opioidrezeptoren vermittelte Wirkungen sind Wärme- und Glücksgefühl, Somnolenz, Affektlabilität und Wesensänderung. Zu den physischen Symptomen zählen Bradykardie, Inappetenz, spastische Obstipation, Tremor und trockene fahle Haut.

Gefahren von Opioiden

Da Heroin in Europa nur eine Reinheit von etwa 3 % aufweist und mit Strychnin, Kalk und anderen Substanzen gestreckt ist, kommt es schon nach kurzer Zeit des Konsums zum körperlichen Zerfall. Oft infizieren sich Injektionsstellen und beim Schniefen von Heroin kann es zur Schädigung des Nasenseptums bis hin zur Perforation kommen. Durch die Verwendung unsauberen Spritzbestecks infizieren sich die Konsumenten zudem häufig mit Hepatitis oder HIV.

Die größte Gefahr besteht aber in der Applikation einer Überdosis. Abhängige entwickeln oftmals eine so starke Toleranz, dass sie schnell das 10- bis 20-fache der Ausgangsdosis benötigen, um einen Kick zu spüren oder die Entzugssymptome zu unterdrücken. Besonders beim Mischkonsum mit anderen Drogen wie Alkohol und Amphetaminen wird die Wirkung des Opioids aber verstärkt. Die Intoxikation entwickelt sich typischerweise 2–5 Minuten nach intravenöser Zufuhr und ist durch Koma, Atemdepression und Miosis gekennzeichnet.

Sonderform „Krokodil“

Bei Krokodil handelt es sich um eine relativ neue Droge, die aus Russland nach Deutschland schwappt. Da sich viele Russen den Heroin-Konsum nicht mehr leisten konnten, haben sie einen Weg gefunden aus freiverkäuflichen Arzneimitteln (unter anderem Codein, Iod, rotem Phosphor und Augentropfen) eine Heroin-ähnliche Substanz herzustellen, die aber im Gegensatz zum relativ teuren Heroin (etwa 40–80 Euro pro Gramm) nur etwa 3–5 Euro pro Schuss kostet.

Typisch für den Konsum von Krokodil ist ein extrem schneller körperlicher Verfall und die Ausbildung von Spritzenabszessen mit ausgeprägter Nekrose. Die Konsumenten leben zumeist nur noch ein Jahr nach Beginn des Missbrauchs. An den Injektionsstellen entsteht oft eine grünliche Verfärbung, von dieser erhielt die Droge ihren Namen, da sie an Krokodilhaut erinnert.

Mehr zur Opioidintoxikation, dem Entzugssyndrom und der Substitutionsbehandlung finden Sie im Artikel Opioide.

Sedativa und Hypnotika

Häufig missbräuchlich verwendete Substanzen sind Benzodiazepine, Barbiturate, Meprobamat, Clomethiazol und Diphenhydramin. Diese Substanzen besitzen ein sehr großes Abhängigkeitspotential und teilweise eine hohe Toxizität, zum Beispiel Diphenhydramin, das häufig im Rahmen von Suizidversuchen genutzt wird. Barbiturate sind als Hypnotika heute obsolet, aber sie finden vor allem in der Tiermedizin Anwendung als Antikonvulsiva.

Wirkung von Sedativa und Hypnotika

Bei Missbrauch dieser Medikamente kommt es zu Euphorie, Sedierung, Affektlabilität, Dysphorie, Gedächtnislücken und bei Benzodiazepinen zum Teil zu paradoxer Aktivierung mit Angstsymptomen. Zu den körperlichen Symptomen gehören Dysarthrie, Ataxie und Exantheme. Die längere Einnahme von Benzodiazepinen kann zu dysphorischen Verstimmungen, Gleichgültigkeit und psychischer Leistungsminderung führen. Als paradoxe Reaktion auf Benzodiazepine bezeichnet man Erregungszustände mit Agitiertheit und Schlafstörungen.

Entzugssymptomatik von Sedativa und Hypnotika

Das Barbiturat-Abstinenz-Syndrom zeigt sich mit allgemeiner Schwäche, Tremor, Myoklonien, Übelkeit, orthostatischer Dysregulation und Albträumen. Bei schlagartigem Absetzen nach der längerfristigen Einnahme hoher Dosen sind delirante Zustände mit ängstlicher Unruhe und zerebralen Krampfanfällen beobachtet worden.

Abruptes Absetzen von Benzodiazepinen führt zum Rebound-Phänomen mit Angst und Schlafstörungen. Zu den weiteren Entzugssymptomen zählen vegetative Dysregulation, Schlafstörungen, Tremor, Tachykardie und Desorientiertheit. Typisch sind Perzeptionsstörungen wie optische Wahrnehmungsverzerrungen und kinästhetische Störungen, wie beispielsweise ein Liftgefühl.

Therapie von Sedativa- und Hypnotikaabhängigkeit

Oftmals sind Frauen mit ängstlichen Persönlichkeitszügen von einer Benzodiazepin-Abhängigkeit betroffen. Sie bekommen das Mittel wegen Panikattacken oder ähnlichem von ihrem Hausarzt verschrieben und führen eigenständig eine Dosissteigerung durch, da es schnell zur Toleranzentwicklung kommt.

In vielen Fällen sind die Patienten seit vielen Jahren abhängig und kommen aufgrund von Entzugssymptomen ins Krankenhaus, wenn ihnen eine weitere Verordnung des Medikaments verweigert wird. Die Therapie kann mit einem sedierenden Antidepressivum wie Doxepin bis zum Abklingen der Entzugssymptome und darüber hinaus erfolgen. Wichtig ist eine zusätzliche verhaltenstherapeutische Behandlung.

Cannabinoide

Vermutlich waren es Soldaten Napoleons, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts Haschisch vom arabisch-asiatischen Raum nach Europa brachten. Cannabis ist mittlerweile die am häufigsten verwendete illegale Droge.

Darreichungsform von Cannabinoiden

Als Haschisch oder Shit bezeichnet man das Harz der Blüten, das in Form lehmbrauner bis schwarzer Klumpen zu kaufen ist, als Marihuana oder Gras die getrockneten Blüten und Blätter der weiblichen Pflanze des indischen Hanfs. Der Konsum erfolgt meist in Form von Rauchen. Einige Abhängige nutzen auch Vaporizer oder verarbeiten die Droge in Süßspeisen oder Tees.

Wirkung von Cannabinoiden

Wirkung von Cannabis

Bild: “Main short-term somatic (bodily) effects of cannabis” von Mikael Häggström. Lizenz: Public Domain

Zu den Symptomen einer Cannabisintoxikation gehören Euphorie, Entspannung, psychomotorische Verlangsamung, Ideenflucht, Dehnung des Zeiterlebens und Konzentrationsstörungen. Der Rausch klingt nach etwa 3–5 Stunden ab. Körperliche Symptome sind die Rötung der Konunktiven, Tachykardie, Störung der Feinmotorik und bei länger anhaltendem Konsum Bronchitis.

Bei chronischem Konsum kann eine Cannabis-Psychose mit schizophreniformer Symptomatik ausgelöst werden. Das Risiko der Auslösung einer schizophrenen Psychose ist mindestens dreifach erhöht. Noch häufiger beobachtet wird das amotivationale Syndrom mit Lethargie, Passivität und Teilnahmslosigkeit.

Entzugssymptome von Cannabinoiden

Nach regelmäßigem Konsum kann ca. zehn Stunden nach dem letzten Einnehmen ein mildes Entzugssyndrom mit Craving, Schlafstörungen, innerer Unruhe, Hyperalgesie und Dysphorie eintreten. Besonders bei künstlich hergestelltem THC, wie es als Spice legal erwerblich war, sollen die Entzugssymptome sehr ausgeprägt sein. Dies macht deutlich, dass Cannabis auch eine gewisse körperliche Abhängigkeit hervorruft.

Cannabinoide als Medikament

Dronabinol ist ein halbsynthetisches THC und in Deutschland zur Behandlung des Anorexie-Kachexie-Syndroms bei Tumor- und AIDS-Patienten zugelassen.

Das vollsynthetische THC Nabilon wird außerdem zur Therapie der Symptome der Multiplen Sklerose, chronisch entzündlicher Darmerkrankungen und von Tic-Störungen genutzt.

Merke: THC kann 2–35 Tage im Urin beziehungsweise 12 Stunden im Blut nachgewiesen werden.

Kokain

1899 verfasste Sigmund Freud unter Kokaineinfluss sein Werk „Die Traumdeutung“ und entdeckte das Unbewusste. In den 20er Jahren galt Kokain bereits als Mode-Droge einer avantgardistischen Subkultur und der Genuss wurde in heimlichen Zusammenkünften zelebriert. Auch heute ist Kokain aufgrund seines Preises und seiner antriebs- und selbstbewusstseinssteigernden Wirkung eine Droge, die häufig von Menschen mit Erfolgsdruck missbraucht wird.

Darreichungsform von Kokain

Kokain ist ein weißes Pulver, das aus den Blättern des Kokastrauches gewonnen wird. Die Applikation erfolgt intranasal durch Schnupfen, intravenös oder durch Rauchen. Als Gemisch mit Opioiden wird es als Speedball bezeichnet.

Wirkung von Kokain

Kokainmissbrauch

Bild: “Main side effects of chronic use of cocaine.” von Mikael Häggström. Lizenz: Public Domain

Die frühe Kokainwirkung entspricht einem Kick und geht mit einem euphorischem Stadium mit gehobener Stimmung, Glücksgefühl, Rededrang, Hemmungsverlust, Libidosteigerung, Steigerung der Leistungsfähigkeit und Kreativität einher. Das Schlafbedürfnis nimmt typischerweise wie das Hunger- und Durstgefühl ab. Anschließend folgt das Rauschstadium mit taktilen, optischen und akustischen Halluzinationen. Auch treten oft paranoide Gedanken auf. Gefolgt wird dies vom depressiven Stadium, in dem Angst und Depression im Vordergrund stehen. Das depressive Stadium führt auch zu dem großen Verlangen nochmaliger Einnahme, um diesen Zustand zu beenden.

Bei chronischem Konsum können die Halluzinationen bestehen bleiben und zu paranoid-halluzinatorischen Psychosen mit Verfolgungs- oder Beziehungsideen führen. Die kognitive Leistung wird auf Dauer beeinträchtigt. Auch der Körper leidet unter dem chronischen Missbrauch. Es kommt zu Störungen des Herz-Kreislaufsystems, Impotenz und bei der nasalen Applikationen zur Zerstörung des Nasenseptums und der Nasenschleimhaut.

Intoxikation von Kokain

Zu den Symptomen der Intoxikation mit Kokain gehört die Ataxie, Tachyarrhythmie bis hin zum Herzversagen, Hyperthermie, Mydriasis und epileptische Anfälle. Die Intoxikation kann mit Diazepam behandelt werden.

Entzugssymptome von Kokain

Typisch für den Entzug von Kokain sind Dysphorie und Katerstimmung. Da Kokain nur psychisch nicht aber physisch abhängig macht, ist keine besondere medikamentöse Substitution nötig. Wichtiger sind stützende Gespräche.

Merke: Kokain macht nur psychisch, nicht physisch abhängig.

Halluzinogene

Vor allem im mittel- und südamerikanischen Raum werden Halluzinogene aus Pilzen und Kakteenarten schon seit langer Zeit für religiös-kultische Praktiken und magische Rituale eingesetzt. Schon die Medizinmänner beobachteten, dass die Wirkung nur erzielt werden kann, wenn zwischen den Einnahmen mehrere Tage bis Wochen liegen. Aus diesem Grund besteht für diese Drogen ein geringes Abhängigkeitspotential. Dafür ist die Gefahr Psychosen auszulösen bei diesen Drogen besonders groß.

Darreichungsform von Halluzinogenen

Es handelt sich um eine heterogene Gruppe der psychedelischen Drogen. Viele von ihnen werden direkt aus Pflanzen gewonnen, andere wie LSD sind vollsynthetisch. Zu Halluzinogenen, die klassischerweise lebhafte Wahrnehmungsstörungen auslösen, zählt LSA aus Holzrosensamen, Meskalin aus dem Peyote-Kaktus, Psilocybin aus Pilzen wie dem spitzkegeligen Kahlkopf und Atropin und Scopalamin aus Pflanzen wie der Engelstrompete und dem Stechapfel.

Wirkung von Halluzinogenen

Der Halluzinogenrausch äußert sich in ekstatischer Gefühlsintensivierung, psychedelischen Effekten und Ideenflucht. Neben Wahrnehmungsverzerrung, Verkennung und Halluzinationen finden sich vor allem auch Veränderungen des Ich-Erlebens, Körpergefühls und Raum-Zeit-Erlebens. Zu den körperlichen Symptomen gehören Anstieg der Herzfrequenz, Hyperreflexie, Mydriasis und insbesondere zu Beginn Übelkeit. Man teilt den Rausch in 4 Phasen ein:

  • Initialstadium mit innerer Unruhe, Tachykardie und Schwindel
  • Rauschphase mit psychedelischen Effekten, z.B. das Gefühl fliegen zu können
  • Erholungsphase
  • Nachwirkungsphase mit Erschöpfung, Angst und depressiver Verstimmung

Das Erlebnis ist extrem abhängig von der Ausgangsstimmungslage. Ist der Konsument ängstlich oder depressiv, kann ein Horrortrip induziert werden, der sich durch panische paranoide Angst und Wahrnehmungsstörungen mit Negativbildern äußert.

Auch längere Zeit nach der letzten Einnahme des Halluzinogens, kann es zu Flashbacks mit Wiedererleben drogeninduzierter Bilder kommen.

Merke: Vitamin C reduziert die Intensität und Länge des Rauschs. Es kann Patienten direkt oder in Form von Fruchtsäften gegeben werden.

Intoxikationen von Halluzinogenen

Intoxikationen mit Halluzinogenen sind relativ selten, da sie starken Brechreiz verursachen. Immer wieder gibt es aber Fälle, in denen Jugendliche die Zierpflanze Engelstrompete als halluzinogene Droge verwenden. Sie enthält Atropin und Scopalamin und nach 30–60 Minuten treten Symptome einer Atropin-Vergiftung auf. Zu erwähnen sind Mydriasis, Desorientiertheit, Halluzinationen und Delir. Physostigmin kann bei gefährlichen Vergiftungen mit dem Atropin-haltigen Stechapfel eingesetzt werden.

Amphetamine

Zu den Amphetaminen gehören vollsynthetisch hergestellte Drogen wie Metamphetamin (Crystal Meth), Amphetamin (Speed), Phencyclidin und Ephedrin. Konsumiert wird Amphetamin in Form von Tabletten, Pulver oder geraucht.

Wirkung von Amphetaminen

Der Missbrauch von Amphetaminen führt zur Antriebssteigerung und dem subjektiven Gefühl der Leistungssteigerung. Zudem unterdrücken sie den Appetit. Psychische Symptome sind Unruhe, Nervosität, Enthemmung, Kritiklosigkeit, Euphorie, Ideenflucht, optische und akustische Sinnestäuschungen, paranoide Symptome und Angst.

Körperlich kommt es zur Erhöhung des Blutdrucks mit Gefahr des Herz-Kreislauf-Zusammenbruchs. Nach langfristiger Einnahme können sich motorische Stereotypien und paranoid-halluzinatorische Psyhosen manifestieren. Da einige der Stoffe direkt in die zentrale Temperaturregulation eingreifen, können Überhitzung des Körpers sowie der hohe Flüssigkeitsverlust zur Hyperthermie, Rhabdomyolyse und intravasaler Koagulopathie führen. Therapiert wird die Intoxikation mit Haloperidol und Diazepam.

Ecstasy

Ecstasy oder auch XTC ist ein Sammelbegriff für verschiedene Methylendiodyamphetamine (MDMA). Es ruft sowohl amphetamintypische Eigenschaften als auch eine halluzinogene Wirkung hervor. Da es vor allem auf der kommunikativen und emotionalen Ebene wirkt, wird es zu den Entaktogenen, den Stoffen, die eine Berührung des eigenen Inneren ermöglichen, gerechnet.

Crystal Meth

Crystal Meth, auch Ice, Wint, Tick oder Yaaba, ist eine besonders potente Form des Methamphetamins. Es ruft eine ausgeprägte psychische Abhängigkeit und einen schnellen körperlichen Zerfall hervor. Besonders typisch ist der Verlust von Zähnen durch verminderten Speichelfluss, Zähneknirschen und vermehrten Karies, was Meth-Mund genannt wird.

Entzugssymptomatik von Amphetaminen

Da Amphetamine quasi zu keiner körperlichen Abhängigkeit führen, dominiert der psychische Entzug. Die Patienten leiden unter depressiver Verstimmung, Angst- und Beklemmungsgefühlen. Aufgrund der körperlichen Schwächung und des aufgehobenen Schlaf- und Wachrhythmus sind die Abhängigen nur noch unter Einfluss der Droge fähig normale Alltagsaufgaben zu meistern.

Amphetamine als Medikation

Methylphenidat ist ein Amphetamin, das zur Therapie der Narkolepsie und Aufmerksamkeits-Defizits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zugelassen ist. Es wirkt zunächst paradox einem Kind mit Hyperaktivität ein Amphetamin zu verschreiben, doch es wird davon ausgegangen, dass die Kinder versuchen eine erniedrigte Hirnaktivität mit Hyperaktivität zu kompensieren. Aus diesem Grund hat Methylphenidat, unter dem Handelsnamen Ritalin bekannter, einen sehr positiven Effekt bei diesen Patienten.

Beliebte Prüfungsfragen zum Thema Drogen

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Zwei 16-jährige Jungen stellen sich in der Notaufnahme vor. Einer der Jungen ist kaltschweißig, mit einer Herzfrequenz von 140/min stark tachykard und deutlich verwirrt. Beide Jungen haben geweitete Pupillen und der ältere von ihnen gibt an, sie hätten ein Getränk aus Engelstrompete hergestellt und konsumiert. Als sein Freund begonnen habe von Wesen in einer Hecke zu fantasieren, hat er ihn in die Notaufnahme gebracht. Da der Junge delirant wird, wollen sie ihm ein Gegenmittel des anticholinergen-Syndroms geben. Was ist geeignet?

  1. Atropin
  2. Butylscopalamin
  3. Noradrenalin
  4. Dopamin
  5. Physostigmin

2. Ein 26-jähriger Mann wird von der Polizei in die Psychiatrie gebracht, nachdem er versucht hat einen Baum in der Innenstadt zu zerstören. Er wirkt deutlich agitiert und gibt an, dass es sich nicht um einen Baum, sondern eine Raketenstation der NSA handelte. Zudem berichtet der Patient ihnen seit mindestens 14 Tagen wach zu sein, da sein Schlaf überwacht werde. Im Gesicht des Patienten fallen ihnen zahlreiche Exkoriationen auf, mehrere Zähne fehlen und seine Kleidung ist unsauber. Von welcher Droge ist der Patient am ehesten abhängig?

  1. Crystal Meth
  2. LSD
  3. Cannabis
  4. Heroin
  5. Lorazepam

3. Was versteht man unter cold Turkey?

  1. Schüttelfrost beim Runterkommen von Heroin
  2. Inhalieren von Cannabis mit einem Vaporizer
  3. Toleranzentwicklung beim regelmäßigen Konsum von Ecstasy
  4. Opioid-Entzug ohne Substitutionsbehandlung
  5. Thermische Halluzinationen beim Konsum von Speed

Quellen

H.-J. Möller, G. Laux, A. Deister: Duale Reihe: Psychiatrie und Psychotherapie, Thieme, 2005

Klaus Aktories, Ulrich Förstermann, Franz B. Hofmann, Klaus Starke: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 9. Auflage. Urban und Fischer, München 2006

M. Joshi, A. Joshi, T. Bartter: Marijuana and lung diseases. In: Current opinion in pulmonary medicine. Band 20, Nummer 2, März 2014

Thomas Nordegren: The A-Z Encyclopedia of Alcohol and Drug Abuse. Universal-Publishers, 2002

Mike Jay: High Society. Eine Kulturgeschichte der Drogen, Primus Verlag, Darmstadt 2011

Markus Berger: Handbuch für den Drogennotfall – Das Wichtigste zu Gefahrenpotenzialen, Überdosierungen und Abhängigkeiten. Nachtschatten Verlag 2004

Richtige Antworten: 1E, 2A, 3D

 

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