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Störungen durch Substanzkonsum oder Abhängigkeitsverhalten

Störungen des Substanzkonsums sind eine wichtige Ursache für Morbidität und Mortalität, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Eine Störung durch Substanzkonsum oder durch Abhängigkeitsverhalten ist der fortgesetzte Konsum einer Substanz oder einer Verhaltenssucht trotz schädlicher Folgen; dazu gehören erhebliche Beeinträchtigungen der Gesundheit oder der Beziehungen oder das Versagen, wichtige Aufgaben bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause zu erfüllen. Es gibt mehrere individuelle Substanzkonsumstörungen, die durch ihre Chronizität und die erheblichen Beeinträchtigungen, die sie verursachen, miteinander verbunden sind und auch kombiniert auftreten können. Die meisten Substanzkonsumstörungen gehen mit Intoxikations- und Entzugssymptomen einher. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören die Pharmakotherapie und verhaltenstherapeutische Interventionen; bei Personen mit Substanzkonsumstörungen kommt es jedoch häufig zu Rückfällen/Remissionen bei einer geringen Therapiecompliance.

Aktualisiert: Nov 14, 2022

Überblick

Einleitung

In den ICD-10 wird unter F1 von “Psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen” gesprochen, in den neuen ICD-11 Kriterien sind diese Erkrankungen unter 6C4 “Störungen durch Substanzkonsum oder durch Abhängigkeitsverhalten” zusammengefasst.

Definition

Eine Störung durch Substanzkonsum oder durch Abhängigkeitsverhalten ist definiert als der kontinuierliche, wiederholende oder sporadische Konsum einer Substanz oder ein Abhängigkeitsverhalten, dass physisches und psychisches Schaden der betroffenen Person selbst oder Anderen zufügt.

Schädigungen durch Substanzkonsums werden weiter unterteilt in:

  • Schaden gegenüber der eigenen Person durch:
    • Intoxikation
    • Direkte oder indirekte Effekte auf Körper und/oder Organsysteme
    • Schädigende Art und Weise der Substanzverabreichung
  • Schaden gegenüber der anderen Person durch das Verhalten im Rahmen einer Intoxikation

Epidemiologie

  • Prävalenz: etwa 12,5 % der Personen über 12 Jahren in Deutschland:
    • 7,5 % mit Alkoholkonsumstörung
    • 4,9 % mit einer Störung durch illegalen Drogenkonsum
  • Klinische Bewertung des Substanzkonsums:
    • Ungesunder Konsum von einer Substanz ↑ Wahrscheinlichkeit eines ungesunden Konsums von anderen Substanzen
    • Beginn mit “gesellschaftlich akzeptierten” Substanzen:
      • Koffein
      • Tabak/Nikotin
      • Alkohol
    • Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten:
      • Opioide
      • Beruhigungsmittel/Hypnotika
      • Stimulanzien
    • Marihuana
    • Illegale Drogen:
      • Stimulanzien (z.B. Methamphetamin, Kokain)
      • Opioide (z.B. Heroin)
      • Halluzinogene
      • Inhalativa

Ätiologie

  • Kombination von mehreren Faktoren
  • Biologische Faktoren:
    • Rückkopplungskreislauf von Drogenkonsum oder gefährlichem Verhalten
    • Abhängigkeit/Eskalation
    • Entzug/Rückfall
    • Verstärkte Wirkung von Dopamin auf den Nucleus accumbens
    • Substanzkonsum → Verstärkung
  • Genetische Faktoren:
    • Alkoholkonsumstörung: Korrelation mit biologischem Elternteil
    • Es wurden keine spezifischen Gene für Substanzkonsumstörungen identifiziert.
  • Umweltfaktoren:
    • Niedriger sozioökonomischer Status
    • “Social pressure” durch drogenkonsumierenden Gleichaltrige
  • Persönlichkeitsstörungen (insbesondere Cluster B):
    • Borderline
    • Histrionisch
    • Narzisstisch
    • Antisozial
Kreislauf von substanzbezogenen Störungen und Suchterkrankungen

Kreislauf von substanzbezogenen Störungen und Suchterkrankungen

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Klinik und Therapie

Bei der Beurteilung von Substanzkonsumstörungen sollten die Art der konsumierten Substanz(en) sowie die Häufigkeit und Menge des Konsums ermittelt und festgestellt werden, ob andere psychische Störungen (Stimmungsstörungen, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen) oder eine Substanzkonsumstörung in der Anamnese vorliegen.

Wirkung von Substanzen auf die Pupillen

Pupillenerweiterung:

  • Opioid-Entzug
  • Amphetamine
  • Kokain
  • Lysergsäurediethylamid (LSD)
  • Anticholinergika (Atropin, Tropicamid, Scopolamin)
  • Medikamente mit anticholinerger Wirkung (trizyklische Antidepressiva, Antihistaminika)
  • Sympathomimetika

Pupillenverengung:

  • Opioid-Intoxikation
  • Heroin
  • Sympatholytika (alpha-2-adrenerge Agonisten, abschwellende Mittel)
  • Parasympathomimetika (Pilocarpin), Organophosphate

Zusammenfassung der Intoxikationsbefunde und deren Behandlung: Stimulanzien

Tabelle: Zusammenfassung der Intoxikationsbefunde und deren Behandlung: Stimulanzien
Substanz Befund der Intoxikation Therapie
Nikotin/Tabak
  • Unruhe, Schlaflosigkeit, Angstzustände
  • Erhöhung der GI-Motilität
Supportive Behandlung
Kokain
  • Gewichtsverlust, Schüttelfrost, Diaphorese
  • Euphorie, psychomotorische Unruhe oder Depression
  • Geweitete Pupillen
  • Erhöhter Blutdruck, Tachykardie
  • Hyperthermie
  • Psychose, Paranoia, Halluzinationen
  • Myokardinfarkt möglich
  • Intrakranielle Blutungen oder Schlaganfall (aufgrund der gefäßverengenden Wirkung)
  • Beruhigung
  • Antipsychotika und Benzodiazepine bei schweren Fällen von Aggression
  • Symptomatische Unterstützung (Blutdruckkontrolle, Herzrhythmusstörungen)
  • Behandlung von Hyperthermie mit Eisbad, Kühldecke
Amphetamine
  • Euphorie
  • Hautabschürfungen
  • Pupillenerweiterung
  • Unruhe, Erregung, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, Hyperthermie
  • Hyperreflexie und Krampfanfälle
  • Psychose (Wahnvorstellungen, Paranoia)
  • Mundtrockenheit (führt zu Zahnverfall)
  • Stabilisierung (Rehydratation, Elektrolyte korrigieren)
  • Hyperthermiebehandlung
  • Behandeln der sympathischen Überaktivität
  • Benzodiazepine: Mittel der ersten Wahl zur Verringerung der Erregung
Synthetische Cathinone (“Badesalze”): ein natürlich in der Khat-Pflanze vorkommendes Stimulans
  • Schwere Erregung, Kampflust
  • Psychose, Delirium
  • Myoklonus, Krampfanfälle
  • Sympathikus-Überaktivität (deutlich erhöhter Blutdruck, Tachykardie)
  • Lang andauernde Symptome (Tage bis Wochen)

Zusammenfassung der Intoxikationsbefunde und deren Behandlung: Depressiva

Tabelle: Zusammenfassung der Intoxikationsbefunde und deren Behandlung: Depressiva
Substanz Befund der Intoxikation Therapie
Alkohol
  • Stimmungsaufhellung
  • Sedierung
  • Enthemmung im Verhalten, emotionale Labilität
  • Lallende Sprache
  • Ataxie (positiver Nüchternheitstest vor Ort)
  • Selbstauflösend, nur supportive Behandlung
  • Gewährleistung der Sicherheit der Person: Atemwege, Atmung, Kreislauf (ABCs)
  • Thiamin
  • Glukose-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen korrigieren
Opioide
  • Verengte Pupillen (nicht in allen Fällen)
  • Euphorie
  • Lallende Sprache
  • Krampfanfälle
  • Verstopfung
  • Depression der Atemwege
  • ABCs
  • Naloxon als Antidot
  • Unterstützung der Beatmung, wenn keine Besserung durch Naloxon
Sedativa und Hypnotika (Benzodiazepine, Barbiturate)
  • Schläfrigkeit, Verwirrung, undeutliche Sprache, Gedächtnisstörungen
  • Unkoordination, Ataxie, Stimmungslabilität
  • Depression der Atemwege
  • Hypotonie
  • Beeinträchtigtes Urteilsvermögen, Nystagmus
  • Gewährleistung der Sicherheit des Einzelnen (ABCs)
  • Barbiturate → Natriumbicarbonat zur Alkalisierung des Urins
  • Benzodiazepine → Flumazenil (mit Vorsicht → möglicher Auslöser für Krampfanfälle)

Zusammenfassung der Intoxikationsbefunde und deren Behandlung: Halluzinogene

Tabelle: Zusammenfassung der Intoxikationsbefunde und deren Behandlung: Halluzinogene
Substanz Befund der Intoxikation Therapie
Cannabis
  • Euphorie oder Entspanntheit
  • Injektionen der Bindehaut
  • Psychomotorische Verlangsamung
  • Gesteigerter Appetit
  • Trockener Mund
Supportive Behandlung
Halluzinogene (z.B. Phencyclidin (PCP))
  • Gewalttätiges Verhalten, Impulsivität
  • Schwere Hyperthermie
  • Nystagmus
  • Krampfanfälle
  • Tachykardie, Bluthochdruck
  • Halluzinationen
  • Reizabschirmung
  • Benzodiazepine (1. Wahl)
  • Antipsychotika, falls erforderlich
Halluzinogene (z.B. LSD)
  • Depersonalisierung
  • Hämodynamische Veränderungen (Tachykardie, Bluthochdruck)
  • Halluzinationen
  • Reizabschirmung
  • Benzodiazepine (1. Wahl)
  • Clonidin, falls erforderlich
Ecstasy (Methylendioxymethamphetamin (MDMA))
  • Halluzinationen
  • Psychose
  • Kontaktfreudigkeit
  • Hyperthermie
  • Dehydrierung
  • Hyponatriämie
  • Bluthochdruck, Tachykardie
  • Serotonin-Syndrom
  • Rhabdomyolyse → Nierenversagen/akute tubuläre Nekrose (ATN)
  • Stabilisierung der Person (Rehydratation, Korrektur der Elektrolyte)
  • Hyperthermiebehandlung
  • Behandlung der sympathischen Überaktivität
  • Benzodiazepine (1. Wahl) zur Verringerung der Erregung
  • Erwägung von Dantrolen (postsynaptisches Muskelrelaxans)
Inhalativa
  • Euphorie
  • Beeinträchtigtes Urteilsvermögen und Gedächtnis
  • Lethargie, Stupor oder Koma
  • Nasenverkrustung, Hautausschlag (Dermatitis)
  • Rauschhaftes Erscheinungsbild, Zittern, Muskelschwäche, Hyporeflexie, Ataxie
  • Erhöhte Leberenzyme
  • Supportive Behandlung
  • Chelatbildung, wenn möglich
  • Vorbeugung und Behandlung von Komplikationen
  • Überdruckkammer
  • Psychologische Beratung
  • Antipsychotika

Zusammenfassung der Entzugsbefunde und deren Behandlung: Stimulanzien

Tabelle: Zusammenfassung der Entzugsbefunde und deren Behandlung: Stimulanzien
Substanz Befund des Entzugs Therapie
Nikotin/Tabak
  • Intensives Verlangen
  • Dysphorie
  • Ängste
  • Schlechte Konzentration
  • Erhöhter Appetit, Gewichtszunahme
  • Reizbarkeit, Unruhe und Schlaflosigkeit
  • Nikotinersatztherapie (Pflaster, Kaugummi, Inhalator)
  • Medikamente (Vareniclin, Bupropion)
  • Verhaltenstherapeutische Maßnahmen
Kokain
  • Unwohlsein, Müdigkeit, Hypersomnolenz
  • Depression, Anhedonie, Hunger, verengte Pupillen
  • Lebhafte Träume, psychomotorische Unruhe oder Retardierung
  • Vermehrte Suizidgedanken
Nur supportive Behandlung
Amphetamine, synthetische Cathinone (“Badesalze”)
  • Gesteigerter Appetit
  • Schwere Depression
  • Ermüdung
  • Schlafstörung und lebhafte Träume
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Überwiegend supportive Behandlung
  • Antidepressiva bei Suizidgefährdung
  • Benzodiazepine oder Antipsychotika zur Verringerung von Reizbarkeit und Angstzuständen

Zusammenfassung der Entzugsbefunde und deren Behandlung: Depressiva

Tabelle: Zusammenfassung der Entzugsbefunde und deren Behandlung: Depressiva
Substanz Befund des Entzugs Therapie
Alkohol
  • Angstzustände, Schlaflosigkeit, Zittern, Unruhe
  • Tachykardie, Herzklopfen
  • Generalisierte tonisch-klonische Anfälle
  • Halluzinationen (hauptsächlich visuell)
  • Delirium tremens (Verwirrung, Unruhe, Halluzinationen, Zittern)
  • Benzodiazepine (Lorazepam vor allem bei Leberversagen bevorzugt)
  • Vitamine (Thiamin, Folsäure)
  • Elektrolytgabe
Opioide
  • Dysphorie (Depression), Schlaflosigkeit
  • Tränenfluss, Nasenbluten, Gähnen, Müdigkeit
  • Schwitzen, Piloerektion, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Fieber, erweiterte Pupillen, Unterleibskrämpfe
  • Arthralgien, Myalgien
  • Bluthochdruck, Tachykardie
  • Mäßige Symptome: Clonidin, NSAIDs
  • Schwere Symptome: Entgiftung mit Buprenorphin oder Methadon (in der Regel innerhalb von 2-3 Tagen abklingend)
Sedativa und Hypnotika (Benzodiazepine, Barbiturate)
  • Ängste
  • Zittern
  • Schlaflosigkeit, Psychose
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Tachykardie, Herzklopfen
Entwöhnung durch ein Medikament mit langer Wirkungsdauer (Diazepam, Phenobarbital)

Zusammenfassung der Entzugsbefunde und deren Behandlung: Halluzinogene

Tabelle: Zusammenfassung der Entzugsbefunde und deren Behandlung: Halluzinogene
Substanz Befund des Entzugs Therapie
Cannabis
  • Craving
  • Schlafstörungen, lebhafte Träume
  • Unruhe
  • Hyperalgesie
  • Depression
  • Kopfschmerzen, Schwitzen, Schüttelfrost
  • Verminderter Appetit
Supportive Behandlung
Inhalativa
  • Heißhunger und Reizbarkeit
  • Schlafstörung
  • Verstärktes Schwitzen
  • Muskeln schmerzen
  • Ängste
  • Depression
  • Halluzinationen
  • Supportive Behandlung
  • Benzodiazepine und Antipsychotika möglich
Ecstasy
  • Depression, Müdigkeit, veränderter Appetit
  • Verminderte Konzentration, Angstzustände
  • Supportive Behandlung
  • Antidepressiva bei Suizidgefährdung

Diagnostik

Im Gegensatz zu vorhergegeangenen Definitionen wird in der ICD-11 keine zeitliche Restriktion gegenüber dem Substanzkonsum oder der Abhängigkeitserkrankung definiert. Dadurch sollen Substanzkonsumstörungen frühzeitiger erkannt werden, bevor sich eine Abhängigkeit entwickelt.

Eine Störung durch Substanzkonsum ist definiert nach ICD-10 und ICD-11 als:

  • Starker Wunsch nach Substanzkonsum
  • Verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf den Substanzkonsum
  • Nach Beendigung/Reduktion des Substanzkonsums → körperliches Entzugssyndrom
  • Toleranzentwicklung (höhere Dosen erforderlich für gleichen Substanzeffekt)
  • Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Interessen durch den Substanzkonsum
  • Anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweis eindeutig schädlicher physischer und psychischer Auswirkungen, in ICD-11 zusätzlich Nachweis eines Schadens für Andere
  • Substanzen und Substanzgruppen definiert nach ICD-10 und ICD-11:
    • ICD-10:
      • Alkohol
      • Opioide
      • Cannabis
      • Sedativa und Hypnotika
      • Kokain
      • Andere Stimulanzien inklusive Koffein
      • Halluzinogene
      • Tabak
      • Flüchtige Lösungsmittel
    • ICD-11:
      • Alkohol
      • Opioide
      • Synthetische Cannabinoide
      • Cannabis
      • Sedativa, Hypnotika und Anxiolytika
      • Kokain
      • Stimulantien (Amphetamine, Metamphetamine, Meyhcathinone)
      • Synthetische Cathinone
      • Koffein
      • Halluzinogene
      • Nikotin
      • Volatile Inhalativa
      • MDMA und verwandte Stoffe (z.B. MDA)
      • Dissoziative Substanzen wie Ketamin und PCP
      • Andere psychoaktive Substanzen und Medikamente
      • Bisher unbekannte psychoaktive Substanzen
      • Nicht-psychoaktive Substanzen und Medikamente

Eine Störung durch Abhängigkeitsverhalten ist definiert nach ICD-11 als:

  • Unterscheidung in offline (6C50.0) und online (6C50.1) Spielsucht:
    • Persistierendes und wiederholendes Spielverhalten primär nicht über das Internet (6C50.0):
      • Eingeschränkte Kontrolle über das Spielverhalten (Beginn, Frequenz, Intensität, Dauer, Ende und Umfeld)
      • Erhöhte Priorität zugunsten des Spielverhaltens und zulasten von anderen Aktivitäten und Interessen
      • Weiterführen oder Verstärken des Spielverhaltens trotz negativer Konsequenzen und Beeinträchtigung von eigener Person, Familie, soziales Umfeld, Bildung und Arbeitsplatz
    • Persistierendes und wiederholendes Spielverhalten primär über das Internet = “Gaming” (6C51.0):
      • Eingeschränkte Kontrolle über das Gaming (Beginn, Frequenz, Intensität, Dauer, Ende und Umfeld)
      • Erhöhte Priorität zugunsten Gaming und zulasten von anderen Aktivitäten und Interessen
      • Weiterführen oder Verstärken des Gamings trotz negativer Konsequenzen und Beeinträchtigung von eigener Person, Familie, soziales Umfeld, Bildung und Arbeitsplatz
  • Weitere Störungen des Abhängigkeitsverhaltens (6C5Y), wie Störung des Kaufens/Shoppings, Störung der pornografischen Nutzung, Störung der “Social-Network”-Nutzung

Kriterien für Substanzintoxikation und Entzug

  • Intoxikation:
    • Aktueller Nutzungsverlauf
    • Vergiftungserscheinungen/physiologische Korrelation (variiert je nach Substanz):
      • Stupor
      • Unsicherer Gang
      • Lallende Sprache
    • Klinisch signifikante Funktionsbeeinträchtigung
    • Ausschluss anderer medizinischer Erkrankungen oder psychischer Störungen
  • Entzug: Entwicklung eines substanzspezifischen Syndroms aufgrund der Einstellung (oder Reduzierung) der Substanz nach starkem und längerem Konsum:
    • Körperliche Symptome:
      • Übelkeit
      • Diarrhö
      • Schüttelfrost
      • Myalgien
    • Psychologische Symptome: Zwang oder gefühltes Bedürfnis, die Substanz zu konsumieren
    • Klinisch signifikante Funktionsbeeinträchtigung
    • Ausschluss anderer medizinischer Erkrankungen oder psychischer Störungen
  • Toleranz: Notwendigkeit, die Dosis der Substanz oder die Intensität des Verhaltens zu erhöhen, um die gleiche gewünschte Wirkung zu erzielen
  • Substanzinduzierte psychiatrische Störungen: Jede Substanz kann während der Intoxikations- oder Entzugsphase eine Reihe von psychiatrischen Syndromen hervorrufen.
    • Angststörung
    • Psychotische Störung
    • Stimmungsschwankungen (Depression und bipolare Störung)

Bewertung

  • Anamnese:
    • Beginn mit einem vorurteilsfreien Gespräch; Betroffene oft nicht bereit zur Offenbarung der Drogenkonsumgewohnheiten gegenüber Gesundheitsdienstleister*innen
    • Einbeziehung sozialer Probleme im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum (z.B. Wohnungsmangel)
    • Verwenden von “SBIRT” (Screening, Brief Intervention, and Referral to Treatment”)
      • Screening von Personen auf Drogenkonsum und Suchterkrankungen
      • Bewertung von Schweregrad des Substanzkonsums
      • Bestimmung der geeigneten Behandlungsstufe
      • Kurzintervention (Diskussion über die Risiken ungesunder Gewohnheiten)
      • Bewertung der Motivation zur Verhaltensänderung
      • Überweisung bei Bedarf an eine Spezialklinik
      • Regelmäßige Nachsorge
  • Körperliche Untersuchung:
    • Feststellung medizinischer Diagnosen
    • Psychiatrische Begleitumstände
  • Laboruntersuchungen zur Beurteilung möglicher Komorbiditäten:
    • Klinische Chemie: Elektrolyte, Nieren- und Leberfunktion
    • HIV- und Hepatitis-Serologie bei intravenösem Drogenkonsum
  • Toxikologisches Drogenscreening im Urin:
    • Nützlich für die Behandlung während der Intoxikations- oder Entzugsphase
    • Zu den grundlegenden Urinuntersuchungen auf Drogen gehören:
      • Amphetamin
      • Benzodiazepine
      • Cannabis
      • Kokain
      • Opioide
      • PCP
    • Viele Substanzen können zu falsch positiven Ergebnissen führen.

Therapie und Komplikationen

Störungen des Substanzkonsums treten häufig zusammen mit anderen medizinischen und psychiatrischen Erkrankungen auf.

Therapie

  • Die bei der Anamnese, der Untersuchung und der Beurteilung des Substanzkonsums gesammelten Informationen helfen bei der Identifizierung:
    • Schwere der Störung; Rechtfertigung für mehrere Behandlungsmethoden.
    • Bereitschaft zur Behandlung
    • Grad der erforderlichen Behandlung (ambulant oder stationär)
  • Verhaltenstherapeutische Interventionen:
    • Motivierende Gesprächsführung: ein Ansatz für Verhaltensänderungen
    • KVT:
      • Ermittlung von Auslösern des Konsums
      • Erlernen von Bewältigungsstrategien
    • Gruppentherapie oder andere Peer-Selbsthilfegruppen:
      • Anonyme Alkoholiker (AA)
      • Anonyme Narkotiker (NA)
      • Anonyme Glücksspieler (GA)
      • Andere gemeindebasierte Selbsthilfegruppen
  • Pharmakotherapie: Medikamente zur Verringerung des Cravings bei Entzugssymptomen:
    • Alkoholkonsumstörung:
      • Naltrexon
      • Disulfiram
      • Acamprosat
    • Opioidkonsumstörung:
      • Methadon
      • Buprenorphin
      • Naltrexon
      • Lofexidin
    • Störung durch Halluzinogenkonsum:
      • Benzodiazepine
      • Antipsychotika
    • Tabakkonsumstörung (Nikotin):
      • Bupropion
      • Nikotinersatztherapie
      • Vareniclin

Rückfall und Komplikationen

  • Substanzkonsum und Sucht:
    • Komplexe und chronische Krankheiten
    • Verbunden mit Funktionsstörungen in fast allen Organsystemen
  • Rückfall:
    • Rückfallquote: 40 – 60 % trotz Behandlung
    • Dies ist kein Anzeichen für ein Scheitern der Behandlung, sondern ein normaler Teil der Genesung.
    • Notwendigkeit zu Modifizierung des Behandlungsplans
    • Non-Adhärenz: ähnlich hoch wie bei anderen chronischen Krankheiten (z.B. Bluthochdruck, Diabetes)
  • Abbrecherquote bei persönlichen Studien zur psychosozialen Behandlung von Substanzkonsumstörungen: unterschiedlich, aber etwa 30 %
  • Neonatale Komplikationen bei Müttern* mit Substanzkonsumstörungen:
    • Fetale Wachstumsverzögerung
    • Frühgeburtlichkeit
    • Neonatales Abstinenzsyndrom
    • Erschwerender Faktor: weniger pränatale Betreuung
  • Stillen: nicht kontraindiziert, außer bei aktivem Konsum oder unbehandelter Substanzkonsumstörung

Quellen

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  2. Sadock, B. J., Sadock, V. A., Ruiz, P. (2014). Substance use and addictive disorders. In Kaplan and Sadock’s Synopsis of Psychiatry: Behavioral Sciences/Clinical Psychiatry, 11th ed. Philadelphia: Lippincott Williams and Wilkins, pp. 616–693.
  3. Thompson, A. (2021). Clinical management of drug use disorders. DeckerMed Medicine. https://doi.org/10.2310/im.13042 (Zugriff am 16. Februar 2021).
  4. Hoffman, R. (2021). Testing for drugs of abuse (DOAs). UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/testing-for-drugs-of-abuse-doa (Zugriff am 7. März 2021).
  5. Chang, G. (2020). Substance use during pregnancy: screening and prenatal care. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/substance-use-during-pregnancy-screening-and-prenatal-care (Zugriff am 7. März 2021).
  6. Hasin, D.S., et al. (2013). DSM-5 criteria for substance use disorders: recommendations and rationale. American Journal of Psychiatry 170:834–851. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2013.12060782
  7. Dugosh, K.L., Cacciola, J.S. (2019). Clinical assessment of substance use disorders. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/clinical-assessment-of-substance-use-disorders (Zugriff am 26. August 2021).
  8. Lappan, S.N., Brown, A.W., Hendricks, P.S. (2019). Dropout rates of in-person psychosocial substance use disorder treatments: a systematic review and meta-analysis. Addiction 115:201–217. https://doi.org/10.1111/add.14793
  9. World Health Organisation (2020). ICD-11, 6C40. Disorders due to use of alcohol. https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f1676588433 (Zugriff am 02. November 2022).
  10. World Health Organisation (2020). ICD-11, 6C50. Gambling disorder. https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f1041487064 (Zugriff am 02. November 2022).
  11. Psychatrie Universitätsklinik Zürich. ICD-11. Störungen durch Substanzgebrauch oder Verhaltenssüchte. PD Dr. med. Marcus Herdener. https://www.pukzh.ch/sites/default/assets/File/Veranstaltungen/Psychiatrisches%20Kolloquium/20220408_Slides_PD%20Dr_%20med_%20M_%20Herdener.pdf (Zugriff am 02. November 2022).

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Wladislav Jachtchenko

Wladislaw Jachtchenko ist mehrfach ausgezeichneter Experte, TOP-Speaker in Europa und gefragter Business Coach. Er hält Vorträge, trainiert und coacht seit 2007 Politiker, Führungskräfte und Mitarbeiter namhafter Unternehmen wie Allianz, BMW, Pro7, Westwing, 3M und viele andere – sowohl offline in Präsenztrainings als auch online in seiner Argumentorik Online-Akademie mit bereits über 52.000 Teilnehmern. Er vermittelt seinen Kunden nicht nur Tools professioneller Rhetorik, sondern auch effektive Überzeugungstechniken, Methoden für erfolgreiches Verhandeln, professionelles Konfliktmanagement und Techniken für effektives Leadership.

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Zach Davis ist studierter Betriebswirt und Experte für Zeitintelligenz und Zukunftsfähigkeit. Als Unternehmens-Coach hat er einen tiefen Einblick in über 80 verschiedene Branchen erhalten. Er wurde 2011 als Vortragsredner des Jahres ausgezeichnet und ist bis heute als Speaker gefragt. Außerdem ist Zach Davis Autor von acht Büchern und Gründer des Trainingsinstituts Peoplebuilding.

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Als akkreditierter Trainer für PRINCE2® und weitere international anerkannte Methoden im Projekt- und Portfoliomanagement gibt Andreas Ellenberger seit Jahren sein Methodenwissen mit viel Bezug zur praktischen Umsetzung weiter. In seinen Präsenztrainings geht er konkret auf die Situation der Teilnehmer ein und erarbeitet gemeinsam Lösungsansätze für die eigene Praxis auf Basis der Theorie, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Da ihm dies am Herzen liegt, steht er für Telefoncoachings und Prüfungen einzelner Unterlagen bzgl. der Anwendung gern zur Verfügung.

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Leon Chaudhari ist ein gefragter Marketingexperte, Inhaber mehrerer Unternehmen im Kreativ- und E-Learning-Bereich und Trainer für Marketingagenturen, KMUs und Personal Brands. Er unterstützt seine Kunden vor allem in den Bereichen digitales Marketing, Unternehmensgründung, Kundenakquise, Automatisierung und Chat Bot Programmierung. Seit nun bereits sechs Jahren unterrichtet er online und gründete im Jahr 2017 die „MyTeachingHero“ Akademie.

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Yasmin Kardi ist zertifizierter Scrum Master, Product Owner und Agile Coach und berät neben ihrer Rolle als Product Owner Teams und das höhere Management zu den Themen agile Methoden, Design Thinking, OKR, Scrum, hybrides Projektmanagement und Change Management.. Zu ihrer Kernkompetenz gehört es u.a. internationale Projekte auszusteuern, die sich vor allem auf Produkt-, Business Model Innovation und dem Aufbau von Sales-Strategien fokussieren.

Frank Eilers

Frank Eilers ist Keynote Speaker zu den Zukunftsthemen Digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit. Er betreibt seit mehreren Jahren den Podcast „Arbeitsphilosophen“ und übersetzt komplexe Zukunftsthemen für ein breites Publikum. Als ehemaliger Stand-up Comedian bringt Eilers eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit mit. 2017 wurde er für seine Arbeit mit dem Coaching Award ausgezeichnet.

Sobair Barak

Sobair Barak hat einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und hat sich anschließend an der Harvard Business School weitergebildet. Heute ist er in einer Management-Position tätig und hat bereits diverse berufliche Auszeichnungen erhalten. Es ist seine persönliche Mission, in seinen Kursen besonders praxisrelevantes Wissen zu vermitteln, welches im täglichen Arbeits- und Geschäftsalltag von Nutzen ist.

Wolfgang A. Erharter

Wolfgang A. Erharter ist Managementtrainer, Organisationsberater, Musiker und Buchautor. Er begleitet seit über 15 Jahren Unternehmen, Führungskräfte und Start-ups. Daneben hält er Vorträge auf Kongressen und Vorlesungen in MBA-Programmen. 2012 ist sein Buch „Kreativität gibt es nicht“ erschienen, in dem er mit gängigen Mythen aufräumt und seine „Logik des Schaffens“ darlegt. Seine Vorträge gestaltet er musikalisch mit seiner Geige.

Comenius-Award 2019

Comenius-Award 2019

Die Lecturio Business Flat erhielt 2019 das Comenius-EduMedia-Siegel, mit dem die Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien jährlich pädagogisch,  inhaltlich und gestalterisch
herausragende didaktische Multimediaprodukte auszeichnet.

Dr. Frank Stummer

Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Simon Veiser

Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

B2B Award 2022

Für herausragende Kundenzufriedenheit wurde Lecturio von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) mit dem deutschen B2B-Award 2022 ausgezeichnet.
In der Rubrik Kundenservice deutscher Online-Kurs-Plattformen belegt Lecturio zum zweiten Mal in Folge den 1. Platz.

B2B Award 2020/2021

Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) hat Lecturio zum Branchen-Champion unter den deutschen Online-Kurs-Plattformen gekürt. Beim Kundenservice belegt Lecturio den 1. Platz, bei der Kundenzufriedenheit den 2. Platz.

Comenius-Award 2022

In der Kategorie “Lehr- und Lernmanagementsysteme” erhielt die Lecturio Learning Cloud die Comenius-EduMedia-Medaille. Verliehen wird der Preis von der Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien für pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch herausragende Bildungsmedien.

IELA-Award 2022

Die International E-Learning Association, eine Gesellschaft für E-Learning Professionals und Begeisterte, verlieh der Lecturio Learning Cloud die Gold-Auszeichnung in der Kategorie “Learning Delivery Platform”.

Alexander Plath

Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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