Um einen Diabetes sicher zu diagnostizieren, stehen Medizinern verschiedene Blutwerte und Methoden zur Verfügung. Wichtigster Indikator für die Diagnose ist natürlich der Blutzucker, dessen Werte Medizin-Studenten im Schlaf beherrschen müssen. Denn spätestens im PJ auf der Inneren sind Blutzuckerwerte und Diabetes ein täglicher Begleiter auf der Station oder in der Praxis.

Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Kurs zur klinische Chemie und Labordiagnostik.

Bild: “Sugar Rush” von Logan Brumm. Lizenz: CC BY 2.0

Bild: “Sugar Rush” von Logan Brumm. Lizenz: CC BY 2.0


Diabetes mellitus ist neben den typischen Symptomen nur anhand einiger Parameter im Blutbild zu erkennen. Wichtigster Wert ist der Blutzucker, aber auch andere pathologische Blutwerte weisen auf einen Diabetes mellitus hin.

Wichtigster Messwert: Der Blutzucker

Da beim Krankheitsbild des Diabetes mellitus die Insulinproduktion gestört ist, liegen pathologische Glucosewerte im Blut vor, da die Glucose ohne ausreichend Insulin nicht in die Zellen aufgenommen werden kann. Der Blutzucker unterliegt jedoch Schwankungen, die von verschiedenen Faktoren wie Nahrungsmittel oder Bewegung abhängen. Deshalb ist einmaliger pathologischer Blutzuckerwert noch kein sicheres Zeichen für einen Diabetes mellitus. Um eine Diagnose stellen zu können, muss an verschiedenen Tagen auf die gleiche Weise der Glucosegehalt im Blut bestimmt werden.

Drei Kriterien müssen nach internationalen Standards erfüllt sein, damit die Diagnose Diabetes mellitus gestellt werden kann:

  1. Plasmaglucosekonzentration ≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l) + Diabetessymptome
  2. Nüchtern (min. 8 h) Plasmaglucosekonzentration ≥ 126 mg/dl (7,0 mmol/l)
  3. 2-h-Plasmaglucosekonzentration im 75-g-oGTT ≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l)

Der orale Glucosetoleranztest

Sind die Werte nicht eindeutig pathologisch und befinden sich jeweils im Grenzbereich zu normalen und erhöhten Werten, kommt der orale Glucosetoleranztest (oGTT) zum Einsatz. Der Ablauf des oGTT wurde von der WHO definiert und sieht folgende Schritte vor:

  1. Vor dem Test: 10-16 Stunden nüchtern (keine Nahrung, kein Alkohol, kein Kaffee), 3 Tage kohlenhydratreiche Kost (min. 150 g pro Tag), nicht rauchen, kein Sport
  2. Am Testtag: Blutzucker messen, 75 g Glucose in 300 ml Wasser zügig trinken, erneute Blutzuckermessung nach 2 Stunden (bei Verdacht auf Gestationsdiabetes nach 1 Stunde messen)

Der oGTT ist bei den Insulinspiegel beeinflussenden Medikamenten kontraindiziert. Dazu gehören beispielsweise L-Tyhroxin, Prednisolon, Progesteron, Betamimetika usw. Ebenso wird der oGTT bei Infektionen, Herzinfarkt, Magen-Darm-Resektion, Menstruation usw. nicht durchgeführt. Ein bestehender Diabetes ist ebenfalls eine Kontraindikation.

Bei Grenzwerten der Plasmaglucosekonzentration spricht man von gestörter oder abnormer Nüchternglucose (IFG – impaired fasting glucose) oder von gestörter Glucosetoleranz (IGT – impaired glucose tolerance). Beide Störungen werden auch unter dem Begriff Prädiabetes zusammengefasst, wobei sie nicht immer einen Diabetes mellitus zur Folge haben.

Normwerte für Glucosekonzentration im Blut:

Regelhafte Glucosewerte nach 2 Stunden
Plasma, venös < 140 mg/dl < 7,8 mmol/l
Vollblut kapillär (hämolysiert) < 140 mg/dl < 7,8 mmol/l
Gestörte Glukosetoleranz (IGT) nach 2 Stunden
Plasma, venös ≥ 140 mg/dl

< 200 mg/dl

≥ 7,8 mmol/l/

<11,1 mmol/l

Vollblut kapillär (hämolysiert) ≥ 140 mg/dl

< 200 mg/dl

≥ 7,8 mmol/l/

<11,1 mmol/l

Diagnostische Kriterien für Diabetes mellitus
Plasma, venös ≥ 200 mg/dl ≥ 11,1 mmol/l
Vollblut kapillär (hämolysiert) ≥ 200 mg/dl > 11,1 mmol/l

Quelle: Hien, Peter et al.: Diabetes 1×1: Diagnostik, Therapie, Verlaufskontrolle. Springer-Verlag 2014, S. 9

Oraler Glucosetoleranztest in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft wird zwischen der 24. und 28. SSW ein leicht abgeänderter oraler Glucosetoleranztest durchgeführt. Unabhängig von der Nahrungsaufnahme werden 50 g Glucose in Wasser aufgelöst getrunken. Nach 60 Minuten erfolgt die Bestimmung des Blutglucosespiegels. Beträgt der Wert ≥ 135 mg/dl (7,5 mmol/l), so ist der Test positiv und es wird noch ein normaler oraler Glucosetoleranztest mit 75 g Glucose auf nüchternen Magen durchgeführt.

Bestimmung der Glucosekonzentration im Plasma

Zur Diagnose des Diabetes mellitus sind handelsübliche Blutzuckermessgeräte nicht geeignet. Sie sind lediglich für die Kontrolle des Blutzuckerspiegels zu Hause gedacht. Deshalb wird zur Diagnose die Glucosekonzentration im Plasma bestimmt. Dies muss direkt erfolgen, da Gerinnung und Glykolyse die Werte verfälschen. Ist keine sofortige Messung möglich, müssen der Blutprobe Glykolysehemmer in Form von Natriumfluorid und Citratpuffer, EDTA und Heparin als Gerinnungshemmer zugesetzt werden.

Je nach Untersuchungsmaterial fällt die Glucosekonzentration anders aus:

1. cGlu* (arteriell) = 5-10 % höher als cGlu* (venös) Venöses Blut ist das „verbrauchte“ Blut, Glukose ist bereits verstoffwechselt.
2. cGlu* (Plasma) = cGlu* (Serum) Der Wasseranteil, und damit das Verteilungsvolumen für Glucose, ist gleich groß.
3. cGlu* (Plasma) = 15 % höher als cGlu* (Vollblut) Der Wasseranteil des Plasmas (93 %) ist um ca. 11 % größer als im Voll­blut (82 %). Bei pathologischen Hämatokrit-Werten kann die Differenz noch größer sein.
4.cGlu* (Plasma) = 10 % höher als cGlu* (hämolysiertes Vollblut) Im hämolysierten Vollblut wird der hohe Wasseranteil des Plasmas (93 %) mit dem geringeren Wasseranteil der Erythrozyten (43 %) vermischt, wodurch sich eine Verminderung der Gesamt-Glucosekonzentration einstellt.
5.cGlu* (Plasma) = 5 % niedriger als cGlu* (enteiweißtes Plasma) Die Glucosekonzentration wird in einem um den Proteinanteil (ca. 5 %) verminderten Überstand gemessen, die Probe „konzentriert“. Auf das native Plasma bezogen, wird im enteiweißten Plasma eine um ca. 5 % höhere Glucosekonzentration gemessen. Je höher der Proteingehalt der Plasmaprobe ist, desto größer ist die Differenz der Glukosekonzentration zwischen enteiweißtem Plasma und nicht enteiweißtem Plasma.
6. cGlu* (Plasma) = 5 % höher als enteiweißte, hämolysierte cGlu* (B) In diesem Fall überlagern sich Punkt 4 und 5
7. Glucose aus Kapillarblut Hämolysat entspricht der Plasmaglucose, da sich die Effekte 1 und 4 ausgleichen.

*cGlu = Glucosekonzentration

Quelle: Uniklinik Ulm

Die Glucosekonzentration im Blut wird sowohl in mmol/l als auch in mg/dl angegeben. International ist mmol/l die übliche Maßeinheit. In der Regel findet sich in den alten Bundesländern die Angabe in mg/dl, auch die USA, Japan, Frankreich, Polen und Österreich nutzen diese Maßeinheit. Folgende einfache Formeln helfen beim Umrechnen der Blutzuckerkonzentration:

mmol/l x 18 = mg/dl
mg/dl : 18 = mmol/l

Ein Diabetes-Screening ist ohne Symptome bei Menschen ab 45 Jahren empfohlen, welches alle drei Jahre zu wiederholen ist; diese Leistung wird jedoch nicht von den Krankenkassen übernommen. Lediglich das Screening auf Gestationsdiabetes wird von der Krankenkasse bezahlt. Ein Screening ist außerdem ratsam, wenn ein oder mehrere der folgenden Risikofaktoren vorliegen:

  • Adipositas (BMI > 25)
  • Diabetes mellitus bei erstgradigen Verwandten
  • Bewegungsmangel
  • Bei Frauen, denen schon einmal ein Gestationsdiabetes diagnostiziert wurde oder deren Kind ein Geburtsgewicht von > 4000 g hatte
  • Arterielle Hypertonie (> 140/90 mmHg)
  • Dyslipidämie (HDL-Cholesterin ≤ 35 mg/dl oder 0,90 mmol/l und/oder Triglyzeride ≥ 250 mg/dl oder 2,86 mmol/l)
  • Früher festgestellte IFG oder IGT
  • Syndrom der polyzystischen Ovarien
  • manifeste Arteriosklerose

(Quelle: Schatz, Helmut: Diabetologie kompakt: Grundlagen und Praxis. Thieme 2006, S. 25)

Weitere Indikatoren im Blut

Nicht nur die Glucosekonzentration ist ein Indikator für einen Diabetes mellitus im Blut. Auch andere Parameter geben Aufschluss, ob die Stoffwechselstörung vorliegt.

  • HbA1c – glykiertes Hämoglobin gibt Aufschluss über die Blutzuckereinstellung der letzten 8 – 12 Wochen (Diabetesverdacht bei ≥ 6,5 % bzw. ≥ 48 mmol/mol).
  • Fructosamine – Ketoamine, die bei der nichtenzymatischen Glykierung wie Albumin und Immunglobuline entstehen, gibt Aufschluss über die Blutzuckereinstellung der letzten 14 Tage (Normwert: 200-285 µmol/l).
  • C-Peptid – entsteht bei der Synthese von Proinsulin in Insulin, längere Halbwertszeit als Insulin, Aussage über Insulinproduktion und Diabetes Typ 1 oder 2 (Normwert nüchtern: 1,0 – 2,0 ng/ml, Normwert postprandial 1,5 – 3,0 ng/ml).
  • Autoantikörper – Beim Diabetes mellitus Typ 1 sind verschiedene Autoantikörper gegen die Beta-Zellen nachweisbar: ICA (Inselzell-Antikörper), IAA (Insulin-Antikörper), GADA (Glutamatdecarboxylase-Antikörper), IA-2 und IA-2Beta (Tyrosinphosphatase-Antikörper).

Indikatoren im Urin

Auch im Urin lassen sich Stoffe nachweisen, die beim Diabetes mellitus pathologische Werte annehmen und so eine Diagnose sichern.

  • GlucosurieGlucose wird ab einer Konzentration von 160 – 180 mg/dl (9-10 mmol/l) im Blut über die Niere ausgeschieden.
  • Ketonurie – tritt bei Stoffwechselentgleisung auf, vorwiegend bei Typ-1-Diabetikern (ab Blutzucker von 240 mg/dl (13 mmol/l)).
  • Mikroalbuminurie – zeigt bereits vorhandene Nierenschädigung durch Diabetes mellitus (30 – 300 mg pro Tag).

Beliebte Prüfungsfragen zur Diagnosesicherung bei Diabetes

Die Lösungen finden Sie unterhalb der Quellenangaben.

1. Was trifft auf den 50 g-Glucose Screeningtest, auch Glucose Challenge Test, zur Diagnose eines Diabetes in der Schwangerschaft zu?

  1. Pathologisch ist ein Wert von >200mg/dl Glucose im venösen Blut nach 2 Stunden.
  2. Der Test wird unabhängig von der Nahrungsaufnahme, nicht auf nüchternen Magen durchgeführt.
  3. Der Test sollte zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche erfolgen.
  4. Ist der Test positiv, ist die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes sicher.
  5. Der Test darf auch während einem fieberhaften Infekt durchgeführt werden.

2. Welche Nüchternglucosekonzentration im Plasma gilt als pathologisch und verdächtig auf einen vorliegenden Diabetes mellitus?

  1. 3 mmol/l
  2. 5 mmol/l
  3. 7 mmol/l
  4. 9 mmol/l
  5. 11 mmol/l

3. Welcher Urin-Parameter gibt einen Hinweis auf den Beginn einer diabetischen Nephropathie?

  1. Glucose
  2. Ketonkörper
  3. Albumin
  4. Mikroalbumin
  5. C-Peptid

Quellen

Hien, Peter et al.: Diabetes 1×1: Diagnostik, Therapie, Verlaufskontrolle. Springer-Verlag 2014

Schatz, Helmut: Diabetologie kompakt: Grundlagen und Praxis. Thieme 2006

„Der Orale Glukosetoleranztest (OGTT)“ via uniklinik-ulm.de

Lösungen: 1B, 2C, 3D

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

3 Gedanken zu „Diese Werte sichern die Diabetes-Diagnose

  • Frank Sengewald

    Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

    in Ihren sehr informativen Ausführungen vermisse ich zwei Punkte, die evtl. noch wichtig sein könnten :

    1. HOMA – Index
    2. DAWN – Syndrom

    Können Sie dazu noch ergänzend Angaben machen ?

    Vielen Dank im voraus
    Frank Sengewald

  • Tobias Georgi

    Hallo Herr Essers,

    danke für ihren Kommentar.

    Die Werte mmol/l und mg/dl geben beide die enthaltene Zuckermenge im Blut an.

    mmol/l ist die wissenschaftlichere Bezeichnung
    mg/dl (= milligramm Zucker pro Deziliter = tausendstel Gramm Glucose pro 100 milliliter) ist für Laien einfacher Verständlich, da ja jeder mit gramm aber nur wissenschaftler mit mol (Chemische Stoffmenge konfrontiert werden)

    Mein Tipp für sie:
    Halten sie sich an mg/dl. Das ist besser nachvollziehbar.

    Wann immer Sie mmol/l lesen, multiplizieren sie den Wert mit 18 und sie haben mg/dl.

    Ich hoffe, das konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen sonst zögern Sie nicht, erneut zu fragen.

    Beste Grüße
    Tobias Georgi

  • willi essers

    sehr geerte damen sehr geerte herren

    ich komme mit den nun neuerdings verschidenen messungen nicht zurecht. mmol/i und mg/dl was ist das?? nach 20 jahren diabetes werde ich nun damit konfrontiert.auch das diabetes journal setzt immer wieder arztliche kenntnisse voraus WARUMM WA soll das??? gruß essers