Dass Diabetes mellitus auf eine Störung im Insulinstoffwechsel zurückzuführen ist, ist kein Geheimnis und sogar Laien bekannt. Doch wie unterscheiden sich die verschiedenen Diabetes-Typen hinsichtlich ihrer Ursachen und welche davon sind vermeidbar? Patienten, die einmal an Diabetes mellitus erkranken, leiden ein Leben lang unter den Spätfolgen. Kennen Medizin-Studenten alle Ursachen, sind besonders schwere Schädigungen mit Fortschreiten der Krankheit vermeidbar.

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Blutzuckertest

Bild: „Blood glucose testing by blood glucose metre.“ von Biswarup Ganguly. Lizenz: CC BY 3.0


Die Ursachen des Diabetes mellitus sind vielfältig und abhängig vom Typus am besten zu differenzieren. Denn je nach Typ sind auch die Ursachen unterschiedlich.

Ursachen des Typ-1-Diabetes

Der Diabetes mellitus Typ 1 zählt zu den Autoimmunerkrankungen, da der Körper die Insulin produzierenden Beta-Zellen der Langerhans’schen Insel im Pankreas angreift und zerstört. Infolge dessen kommt es zu entzündlichen Reaktionen im Pankreas und die Beta-Zellen können nur noch unzureichend Insulin erzeugen, bis die Herstellung gänzlich zum Erliegen und es zum absoluten Insulinmangel kommt. Erst bei einer Zerstörung von 80-90 % der Insulin produzierenden Zellen wird der Diabetes symptomatisch.

Können Antikörper gegen die Beta-Zellen oder Insulin nachgewiesen werden, spricht man auch vom Diabetes Typ 1a, sind keine Antikörper nachweisbar vom Typ 1b oder auch idiopathischen Diabetes Typ 1.

Main symptoms of diabetes

Bild: “Overview of the most significant possible symptoms of diabetes.” von Mikael Häggström. Lizenz: Public Domain

Genetische Prädisposition

Warum der Körper die Beta-Zellen als körperfremd einordnet und angreift, ist noch nicht bis ins letzte Detail erforscht. Bisherige Vermutungen konzentrieren sich auf eine genetische Veranlagung. Ist ein Elternteil Diabetiker, ist die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls an Diabetes zu erkranken, mit 3-5 % noch relativ gering. Sind allerdings beide Elternteile betroffen, steigt das Risiko um 20-40 %.

Bisher konnten 40 verschiedene Gene identifiziert werden, die im Zusammenhang mit Diabetes Typ 1 stehen. Um an Diabetes Typ 1 zu erkranken, müssen mehrere Gene verändert sein, das heißt, dass die Ursache polygen ist. Nur in ganz seltenen Fällen reicht ein verändertes Gen für den Ausbruch der Krankheit aus. Dann spricht man von einer monogenetischen Ursache.

Virale Ursachen

Eine weitere Ursache wird in Virusinfektionen wie Enteroviren, Coxsackie B-Viren, Masern, Röteln, Mumps, Herpes-Viren und so weiter gesehen, die Autoimmunreaktion des Körpers gegen Beta-Zellen auslösen. Vermutet wird, dass der Körper infolge der Viruserkrankung nicht nur Antikörper gegen die Viren bildet und sie angreift, sondern auch die Beta-Zellen aus bisher unbekannten Gründen als Viren bzw. körperfremde Zellen identifiziert. Naheliegend ist, dass sich die Zellen in ihrer Oberflächenstruktur gleichen und so von den Antikörpern nicht unterschieden werden. Es können drei Arten von Antikörpern unterschieden werden, die beim Diabetes Typ 1 nachweisbar sind:

  • Inselzellantikörper (ICA)
  • Antikörper gegen Tyrosinkinase (IA 2A)
  • Antikörper gegen Glutamatdecarboxylase (GADA), diese sind vor allem typisch für den Diabetes mellitus Typ 1 des Erwachsenenalters, genannt LADA (latent autoimmune diabetes with onset in adults).

Ernährung und Nervenzellschädigung

Ebenso im Verdacht steht die Ernährung von Säuglingen bzw. Kindern, für Diabetes Typ 1 verantwortlich zu sein. So sollen die frühzeitige Gabe von Kuhmilch, glutenreiche und Nitrosamine enthaltende Nahrung sowie eine zu kurze Stilldauer den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Auch ein Vitamin D3-Mangel in der frühen Kindheit soll einen Ausbruch von Diabetes mellitus 1 begünstigen. So ist die Rate an Neuerkrankungen in Ländern mit niedriger UVB-Strahlung höher.

Weitere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass auch geschädigte Nervenzellen im Pankreas für Typ-1-Diabetes verantwortlich sein können. Genaueres finden Sie hier.

Ursachen des Typ-2-Diabetes

Zu den Ursachen des Diabetes Typ 2 zählt ebenfalls die genetische Prädisposition. Allerdings ist dabei das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken sogar um bis zu 50 % erhöht, wenn nur ein Elternteil Diabetiker vom Typ 2 ist. Bei beiden Elternteilen steigt das Risiko auf 80 %. Doch nicht allein die erbliche Veranlagung ist für eine Erkrankung an Diabetes Typ 2 verantwortlich, erst bei weiteren Risikofaktoren kommt es zum Ausbruch der Krankheit.

Relativer Insulinmangel

Im Gegensatz zum Diabetes Typ 1 wird beim Typ 2 von den Beta-Zellen im Pankreas Insulin produziert. Allerdings kann der Körper nicht ausreichend Insulin produzieren, um die durch ungesunde, reichhaltige, zucker- und kohlenhydratreiche und ballaststoffarme Fehlernährung auszugleichen. Die Folgen sind die verminderte Insulinproduktion und eine Resistenz der körpereigenen Zellen gegen Insulin. Retinol Binding Protein 4 (RBP-4) wird in den viszeralen Fettzellen bei Übergewichtigen vermehrt gebildet und führt zu einem verminderten Ansprechen der Muskel- und Leberzellen auf Insulin. In diesen Fällen spricht man vom relativen Insulinmangel. Da diese Art der Fehlernährung mit Übergewicht und Bewegungsmangel einhergeht, zählen sie zu den Ursachen für einen Typ-2-Diabetes.

Ebenso führt ein erhöhtes Alter der Patienten zum relativen Insulinmangel, da der Körper mit zunehmender Lebensdauer die Produktion von Insulin verringert bzw. einstellt.

Absoluter Insulinmangel

Zum absoluten Insulinmangel kommt es aufgrund des relativen Insulinmangels. Die Beta-Zellen können nicht unbegrenzt über das normale Maß hinaus Insulin produzieren, weshalb die Herstellung von Insulin immer weiter abnimmt. Die Folge ist, dass durch das Fehlen von Insulin Glukose nicht in die Zellen aufgenommen werden kann und im Blut verbleibt.

Gestörte GLP-1-Produktion

GLP-1 oder auch glucagon-like peptide-1 ist ein Hormon, das im Darm wirkt. Seine Aufgabe ist unter anderem die Anregung der Insulinausschüttung im Pankreas. Ist GLP-1 nicht in ausreichender Menge vorhanden, wird nicht ausreichend Insulin freigesetzt, das wiederum zur Glukoseaufnahme in die Zellen notwendig ist. Das Ergebnis ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel, der zu Diabetes Typ 2 Symptomen führt.

Glukose-insulin-freigabe

Bild: „Mechanism of glucose dependent insulin release“ von Prisonblues aus der englischsprachigen Wikipedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Diabetogene Medikamente

Einige Medikamente stehen im Verdacht Diabetes Typ 2 auszulösen, sie werden deshalb auch als diabetogene Medikamente bezeichnet. Besonders die Bereiche Neurologie und Psychiatrie sind von dieser ungewollten Nebenwirkung betroffen. Aber auch Kortison, Diuretika, Antihypertonika und Ovulationshemmer sind bekannte diabetogene Medikamente. Weitere Details finden Sie hier.

Ursachen des Typ 3 Diabetes

Zum Typ 3 Diabetes zählen acht verschiedene Diabetes-Arten, die hinsichtlich ihrer Ursachen eingeteilt wurden. Die Aufzählung ist im Artikel „Diabetes mellitus – Dise Typen sollten Sie kennen“ nachzulesen.

Ursachen des Gestationsdiabetes

Beim Gestationsdiabetes, der ausschließlich bei schwangere Frauen zwischen der 24. und 28. SSW beginnt, ist wie beim Typ-2-Diabetes die Insulinproduktion nicht ausreichend. Durch die Schwangerschaft ist der Bedarf an Insulin erhöht, bei 1 – 5 % der Frauen kann der Körper den Mehrbedarf nicht decken, es kommt ebenfalls zum relativen Insulinmangel.

Verantwortlich für den erhöhten Insulinbedarf sind die Hormone wie HPL der Plazenta, die bewirken, dass Glukose aus den Zellen freigesetzt wird, um die Energieversorgung des Fötus sicherzustellen. Somit wirken sie genau gegenteilig zum Insulin, welches für die Aufnahme von Glukose in die Zellen verantwortlich ist.

Weiterhin begünstigen ebenfalls den Gestationsdiabetes:

  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • ungesunde Ernährung
  • Gestationsdiabetes in einer vorangegangenen Schwangerschaft (das Risiko liegt bei 80 %)
  • genetische Prädisposition
  • ein eigenes Geburtsgewicht über 4 kg und/oder eines bereits geborenen Kindes
  • vorausgegangene Fehlgeburten
  • Lebensalter über 30 Jahre
  • Hydramnion
  • Glucosurie

Noch mehr Informationen zum Thema gibt es im Artikel „Diabetes mellitus“.

Beliebte Prüfungsfragen zu Diabetes mellitus

Die Lösungen finden Sie unterhalb der Quellenangabe.

1. Was trifft auf den Diabetes mellitus Typ 1 nicht zu?

  1. Es liegt ein absoluter Insulinmangel vor.
  2. Ursächlich sind Auto-Antikörper.
  3. Die Beta-Zellen der Langerhans´schen Inseln werden zerstört.
  4. Zu den typischen Symptomen des unbehandelten Diabetes mellitus Typ 1 zählen Polydypsie und hypoglykämischer Schock.
  5. Ursächlich können Infektionen mit Viren sein.

2. Was ist kein entscheidender Risikofaktor für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2?

  1. Metabolisches Syndrom
  2. Hohes Lebensalter
  3. Genuss von viel frischem Obst
  4. Eltern sind an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt.
  5. Mutation des PTPN1-Gens

3. Bei welcher Erkrankung besteht kein erhöhtes Risiko der Entstehung eines Diabetes mellitus?

  1. Pankreatitis
  2. Mucoviscidose
  3. Cushing-Syndrom
  4. Trisomie 21
  5. Toxoplasmose

Quellen

Diabetes mellitus via wikipedia.org

Lösungen: 1D, 2C, 3E



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