Bei einem Notfall ist ein reibungsloser Ablauf der Rettungskette essentiell für eine gute Prognose der Verletzten oder Kranken. Nach einer schnellstmöglichen Meldung des Unfalls und der Erstversorgung durch Laienhelfer, folgt die Versorgung durch das medizinische Notfallteam. Eine Stabilisierung der Vitalfunktionen und eine erste medizinische Versorgung (ggf. Reanimation, Stabilisierung der Atmung, Volumen-/Medikamenten- gabe) haben das reibungslose Transportieren des Verletzten in ein Krankenhaus zum Ziel, wo nach der Übergabe durch den Notarzt die klinische Primärversorgung erfolgt.
Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf GRC einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version können Sie einsehen.

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diese abbildung zeigt die mund-zu-nase-beatmung

Bild: “Mund-zu-Nase-Beatmung” von Hauptabteilung der Schutzpolizei der DDR. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Allgemeine Informationen zu Notfällen

Allgemeines zu Notfällen

Der plötzliche Herztod mit einer nicht erfolgreichen Wiederbelebung ist nach einem Artikel der „Zeit“ in Deutschland aktuell die Todesursache Nummer drei. Nur rund ein Drittel der Anwesenden beginnen aktuell im Notfall mit einer Herzdruckmassage.

Die Versorgung der Organe mit Sauerstoff ist lebenswichtig, die Atmung und das Herz-Kreislauf-System sind Vitalparameter – fällt hier etwas aus, besteht innerhalb kürzester Zeit Lebensgefahr. Das Gehirn nimmt schon nach drei bis fünf Minuten ohne eine ausreichende Sauerstoffversorgung unwiederbringlich Schaden. Längere Zeiten schädigen auch andere Organsysteme: Es kommt zu Zelluntergang und Zelltod.

Bei einem Atemstillstand kommt es aufgrund der eintretenden Hypoxie (Sauerstoffmangel) spätestens nach fünf bis zehn Minuten zu einem Herzstillstand. Tritt der Herzstillstand zuerst auf, wird durch die fehlende Kreislaufzirkulation das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Der Patient wird innerhalb kürzester Zeit ohnmächtig.

Durch die Unterversorgung des Atemzentrums im Hirnstamm fällt dann bereits nach einer Minute die Spontanatmung aus. Helfer müssen daher in jedem Fall unbedingt schnell handeln.

Besonders als Medizinstudent sollte man die Basics für eine Erstversorgung am Unfallort und eine Reanimation nicht nur in der Theorie für das Examen parat haben, sondern im Ernstfall auch ohne Zögern anwenden können.

Polytrauma als schwerer Notfall

Neben dem plötzlichen Herzstillstand und Unfällen im häuslichen Umfeld, kommt man als Arzt auch mit schwereren Fällen in Berührung. Sogenannte Polytraumen (z.B. bei einem Verkehrsunfall) stellen spezielle Anforderungen an die Rettungskräfte.

Merke: Ein Polytrauma ist gekennzeichnet durch Verletzungen an mehreren Körperregionen, die gleichzeitig entstanden sind und von denen eine einzelne oder die Kombination mehrerer lebensbedrohlich ist.

Der Grundsatz der klinischen Versorgung von Polytraumen lautet daher: „Treat first what killt first.“ Es werden also die Verletzungen, die für das Leben des Patienten am bedrohlichsten sind, zuerst versorgt. Weitere Verletzungen werden zunächst vorläufig und nach der erfolgreichen Stabilisierung des Patienten endgültig behandelt.

Basismaßnahmen am Unfallort – Basic Life Support

Ersthelfer bei einem Unfall oder sonstigen medizinischen Notfällen sind in den seltensten Fällen medizinisch geschulte Personen sondern Passanten oder Anwesende, d.h. medizinische Laien.

Als Basic Life Support (BLS) werden alle Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation bezeichnet, die von Ersthelfern ohne Hilfsmittel durchgeführt werden können. Im weiteren Sinne zählen zum BLS das Verständigen von Hilfe, das Freimachen der Atemwege, eine Herzdruckmassage und eine Beatmung sowie inzwischen auch die Anwendung eines AED (automatisierter externer Defibrillator).

Meldung des Unfalls

Die Meldung des Unfalls sollte bei einem offensichtlichen Hilfsbedarf sofort erfolgen: Im besten Fall sind mehrere Helfer am Unfallort, von denen einer mit Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen kann, während ein anderer mittels 112 den Rettungsdienst alarmiert.

Bricht eine Person zusammen oder wird vermeintlich ohne Bewusstsein aufgefunden, erfolgt die Alarmierung des Notfallteams sofort, nachdem die Atmung  überprüft wurde und bevor mit einer Herzdruckmassage begonnen wird.

Bei einer sinnvollen und schnellen Informationsweitergabe sollte sich an die 5-W-Regel erinnert werden:

  • Wo (Unfall-/Notfallort)?
  • Was (ist passiert)?
  • Wie viele Verletzte?
  • Welche Verletzungen?
  • Warten auf Rückfragen durch die Rettungsstelle (nicht sofort auflegen, wenn alle Informationen mitgeteilt wurden).

Selbstschutz und Fremdschutz

Einer der wichtigsten Grundsätze der ersten Hilfe lautet: Selbstschutz. Durch die Rettung sollte keinesfalls das eigene Leben gefährdet werden, indem man sich in gefährliche Situationen begibt. Ist der eigene Schutz sichergestellt (oder ist man nicht gefährdet), muss ggf. die verletze Person aus der Gefahrenzone gebracht werden (Fremdschutz).

Dafür ist in der Regel der Rautek-Griff geeignet, mit diesem kann man einen Patienten rückwärts aus der Gefahrenzone (Brand, Unfallstelle, etc.) ziehen.

Für den Rautek-Griff wird der Patient von hinten durch die Achseln umgriffen, ein Arm des Verletzten vor dessen Brust verschränkt und der Unterarm von jeweils linker und rechter Hand des Ersthelfers umfasst. So kann ein relativ stabiles Ziehen der verletzen Person erfolgen.

Prüfungstipp: Der Rautek-Griff hilft nicht nur im Notfall, sondern wird zudem gern im Examen abgefragt.

Bewusstloser Patient: Atemprüfung

Wird eine vermeintlich bewusstlose Person aufgefunden, gilt: Sprechen Sie sie an und falls keine Reaktion erfolgt, rütteln Sie vorsichtig an den Schultern. Reagiert sie weiterhin nicht, muss eine Atemprüfung erfolgen. Die Atemwege können durch ein Überstrecken des Kopfes bzw. ein Anheben des Kinns frei gemacht werden, die Atemprüfung erfolgt mit Hilfe der Sinne Sehen, Hören und Fühlen.

Dazu wird der eigene Kopf schräg über das Gesicht des Patienten gehalten, den Blick gerichtet auf Brustkorb, Ohr und Wange, nahe von Mund und Nase.

Es gilt, mit den verfügbaren Sinnen zu arbeiten:

  • Sehen: Hebt sich der Brustkorb?
  • Hören: Kann an Mund und/oder Nase ein Atemgeräusch gehört werden?
  • Fühlen: Hebung des Brustkorbes, Atemluft

Insgesamt darf die Überprüfung der Atmung maximal zehn Sekunden dauern. Professionelle Helfer können zudem den Carotis Puls tasten, dies sollte aber nicht mehr als zehn Sekunden dauern, um im Falle einer notwenigen Reanimation nicht zu viel wertvolle Zeit zu verlieren. Eine unnötige Herzdruckmassage schadet im Zweifel sehr viel weniger, als eine zu spät begonnene.

Ist eine regelmäßige Atmung vorhanden, gilt es, den Patienten in die stabile Seitenlage zu bringen und dann den Notruf zu alarmieren. Atmet der Patient nur vereinzelte Atemzüge, unregelmäßig oder fehlt die Atmung ganz, muss eine kardiopulmonale Reanimation und gegebenenfalls eine Defibrillation mit einem AED (automatisierter externer Defibrillator) erfolgen. Diese Geräte sind inzwischen an vielen öffentlichen Plätzen und Institutionen angebracht.

Stabile Seitenlage

Atmet der Patient, reagiert aber nicht auf eine Ansprache, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Diese soll der Sicherung der Atmung dienen.

Durch eine Überstreckung des Kopfes wird verhindert, dass die Zunge in den Rachen rutscht und die Atemwege blockiert. Die Seitenlage verhindert eine mögliche Aspiration von Erbrochenem, da der Mund hier tiefer liegt als der Rest des Körpers und Erbrochenes oder Blut abfließen kann.

dieses bild zeigt die stabile seitenlage

Bild: “Stabile Seitenlage” von Hauptabteilung der Schutzpolizei der DDR. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ist der Patient in der stabilen Seitenlage, müssen Atmung und Kreislauf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes regelmäßig kontrolliert werden, da auch eine Verschlechterung des Zustandes oder ein Herz-Kreislauf-Stillstand des Patienten nicht auszuschließen ist.

Kardiopulmonale Reanimation (CPR)

Reagiert eine aufgefundene Person nicht auf Ansprache und ergibt die Atemprüfung einen Atemstillstand oder eine Schnappatmung, muss mit einer Herzdruckmassage und einer Beatmung begonnen werden. Ein fehlender Puls ist als Entscheidungskriterium nicht ausreichend.

Grundsätzlich müssen Reanimationsmaßnahmen so lange durchgeführt werden, bis der Patient wieder Lebenszeichen zeigt, qualifizierte medizinische Hilfe verfügbar ist oder der Ersthelfer erschöpft.

Merke: Auch die Schnappatmung gilt als Zeichen eines Kreislaufstillstandes! In 40 % der Fälle geht sie dem Atem- und Kreislaufstillstand voraus.

Herzdruckmassage

Für die Herzdruckmassage sollte die Person mit dem Rücken auf eine feste Unterlage gelagert werden, falls dies nicht schon geschehen ist (gegebenenfalls auf den Boden). Die Handballen werden übereinander mit verschränkten Fingern auf die Mitte des Sternums aufgelegt. Der Druck muss mit möglichst durchgestreckten Armen von senkrecht oben kommen.

dieses bild zeigt wie eine herzdruckmassage aussehen muss

Bild: “CPR training” von Rama. Lizenz: CC BY-SA 2.0 FR

Dazu kniet der Ersthelfer am besten seitlich neben dem Patienten. Das Ziel laut den Leitlinien der ERC (European Resuscitation Council) ist es, eine Kompressionstiefe von mindestens fünf Zentimetern zu erreichen und eine Druckfrequenz von mindestens 100 pro Minute.

Tipp: Als Taktgeber kann an den Song „Stayin alive“ von den Bee Gees gedacht werden. Dieser ist mit 103 Schlägen pro Minute ein sinnvolles Hilfsmittel.

Nach jeder Kompression muss der Thorax vollständig entlastet werden, die Handballen aber auf dem Druckpunkt bleiben. Grundsätzlich wird sofort mit der Herzdruckmassage begonnen und erst dann beatmet.

Atemspende

Es sollte im Verhältnis 30 : 2 beatmet werden (30 Kompressionen gefolgt von zwei Beatmungen). Die Beatmung kann entweder als Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung geschehen.

diese abbildung zeigt die mund-zu-nase-beatmung

Bild: “Mund-zu-Nase-Beatmung” von Hauptabteilung der Schutzpolizei der DDR. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei beiden Arten ist auf eine Überstreckung des Kopfes zu achten, um die Atemwege frei zu machen (eine Hand liegt dabei auf der Stirn-Haar-Grenze des Patienten, die Finger der anderen heben das Kinn an). Bei der Mund-zu-Mund Beatmung muss zusätzlich die Nase des Patienten zugehalten werden, damit die gespendete Luft nicht sofort wieder entweicht.

diese abbildung zeigt die mund-zu-mund-beatmung

Bild: “Mund-zu-Mund-Beatmung” von Hauptabteilung der Schutzpolizei der DDR. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Grundsätzlich atmet man als beatmende Person ganz normal ein und bläst dann die Ausatemluft kontinuierlich in den Patienten. Ob die Beatmung ausreichend erfolgt, kann einfach am Heben des Thorax (Thoraxexkursion) erkannt werden. Nach dem Atemzug dreht der Helfer seinen Kopf und beobachtet wieder den Thorax des Patienten – dieser sollte sich während der folgenden passiven Ausatmung wieder senken.

Beide Beatmungen sollen zusammen nicht länger als fünf Sekunden in Anspruch nehmen, dann muss die Herzdruckmassage fortgesetzt werden.

Laien können ggf. eine „Chest-Compression-Only-CPR“ durchführen, bei der ausschließlich eine Herzdruckmassage ohne Beatmung durchgeführt wird. Dies gilt auch, sollte eine Beatmung aus anderen Gründen nicht möglich sein, etwa wegen Verletzungen im Gesichtsbereich oder aus hygienischen oder persönlichen Gründen.

Studien haben gezeigt, dass gerade bei Laienreanimationen die Hemmschwelle mit einer CPR zu beginnen sinkt, wenn nur gedrückt werden kann. Grundsätzlich gilt, die Herzdruckmassage so wenig wie möglich bis gar nicht zu unterbrechen.

Automatisierter Externer Defibrillator (AED)

Nach den Reanimationsrichtlinien der ERC zählt der Einsatz eines AED noch zum Basic Life Support. Ist ein solches Gerät im Notfall verfügbar, sollte es verwendet werden. Inzwischen findet man AEDs an vielen öffentlichen Plätzen, z.B. Bahnhöfen und Flughäfen. Am wichtigsten ist dennoch das sofortige Beginnen der Herzdruckmassage – optimalerweise wird eine dritte Person um das Holen und Bereitmachen des AED gebeten.

diese abbildung zeigt wo elektroden angebracht werden muessen

Bild: “Position der Elektroden” von PhilippN. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ein AED verfügt über zwei großflächige Klebeelektroden (Pads), die nach der beiliegenden Anleitung aufgeklebt werden. Das Gerät führt eine automatische EKG-Diagnostik durch und gibt per Sprachbefehl an, ob eine Defibrillation nötig ist.

Dazu wird die Herzdruckmassage kurz unterbrochen und alle anwesenden Personen müssen einen ausreichenden Abstand zum Patienten einnehmen, um nicht durch den Elektroschock gefährdet zu werden, denn dieser kann bei gesunden Personen Kammerflimmern auslösen. Sie dürfen auch nicht in einer Pfütze nahe des Patienten stehen! Danach muss die Herzdruckmassage sofort weiter durchgeführt werden.

In der Regel gibt das Gerät nach zwei Minuten selbstständig die Anleitung für eine erneute Diagnostik und ggf. eine Defibrillation.

Ärztliche Maßnahmen am Unfallort – Advanced Life Support

Zu den Maßnahmen des Advanced-Life-Support (ALS) zählen solche, die von professionellen medizinischen Helfern ergriffen werden.

Während Diagnostik und CPR (Kardiopulmonale Reanimation) genau wie beim Basic Life Support durchgeführt werden, beinhaltet der ALS außerdem die elektrische Defibrillation, die EKG-Diagnostik, die Sicherung der Atemwege (z.B. durch Intubation) und die Medikamentengabe.

Eine der ersten Maßnahmen des Rettungsteams am Notfallort ist – nach der Sicherung der Unfallstelle – die Beurteilung des Bewusstseinszustandes des Patienten.

Glasgow Coma Scale

Die Glasgow Coma Scale (nach Teasdale und Jenett, 1974) wird für eine objektive Bewertung des Bewusstseinszustandes und von Hirnfunktionsstörungen nach einem Schädel-Hirn-Trauma eingesetzt. Die Parameter der Skala sollten bei jedem Notarzteinsatz und zudem schon beim Eintreffen des Notarztes am Unfallort erhoben werden, um den Verlauf besser zu dokumentieren und einschätzen zu können.

Dazu werden in den Bereichen „Augenöffnen“, „beste verbale Reaktion“ und „beste motorische Reaktion“ Punkte vergeben. Minimal sind drei Punkte zu erreichen, maximal 15. Bei einem Score unter acht Punkten wird von einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ausgegangen: Es besteht eine Indikation zur endotrachealen Intubation zur Sicherung der Atemwege.

Augenöffnen Spontan: 4 Punkte

Nach Aufforderung: 3 Punkte

Auf Schmerzreiz: 2 Punkte

Keine Reaktion: 1 Punkt

Beste verbale Reaktion Konversationsfähig: 5 Punkte

Verwirrt: 4 Punkte

Inadäquate Antwort: 3 Punkte

Unverständliche Laute: 2 Punkte

Keine Reaktion: 1 Punkt

Beste motorische Reaktion Auf Aufforderung: 6 Punkte

Auf Schmerzreiz: 5 Punkte

Normale Beugeabwehr: 4 Punkte

Beugesynergismen: 3 Punkte

Strecksynergismen: 2 Punkte

Keine Reaktion: 1 Punkt

Notärztliche Erstuntersuchung nach ABCDE-Schema

Ein Notfall erfordert vom behandelnden Team und Arzt ein individuelles Vorgehen, damit jedoch im Notfall sowie unter Zeitdruck nichts Wichtiges übersehen wird, hat sich ein Vorgehen nach dem sogenannten ABCDE-Schema (auch ABCDE-approach) bewährt. Es stellt sicher, dass die drei wichtigsten Vitalparameter Bewusstsein, Atmung und Kreislauf systematisch untersucht und behandelt werden können.

A: Airway Atemwege überprüfen
B: Breathing Atmung überprüfen
C: Circulation Kreislauf überprüfen
D: Disability Bewusstsein überprüfen, orientierende neurologische Untersuchung
E: Exposure Entkleideten Patient auf Verletzungen, Blutungen etc. untersuchen

Trauma Check

Der Trauma Check ist ein Teil der systematischen Untersuchung des wachen Notfallpatienten (nach dem ABCDE-Vorgehen entspricht er dem E wie Exposure) mit dem Ziel, Verletzungen systematisch zu erfassen und keine behandlungsbedürftigen Läsionen zu übersehen. Bei einem bewusstlosen Patienten erfolgt eine grobe Orientierung nach Fehlstellungen, Blutungen und Verletzungen.

Der Trauma Check besteht aus folgenden Maßnahmen:

  • Kurze Anamnese
  • Kopfuntersuchung
  • Untersuchung der Halswirbelsäule
  • Untersuchung von Thorax und Abdomen (Palpation, Perkussion, Auskultation)
  • Prüfung der Beckenstabilität
  • Prüfung von Schmerzen in der Wirbelsäule und neurologischen Ausfällen
  • Prüfung der Extremitäten auf Fehlstellungen, Verletzungen, Motorik und Sensibilität
  • Kreislaufüberwachung (Blutzuckerbestimmung, Blutdruck, Herzfrequenz, EKG-Ableitung, Pulsoxymetrie, Kontrolle der Atmung)

Ursachen des Kreislaufstillstandes

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist sicher gekennzeichnet durch eine Pulslosigkeit und einen Atemstillstand.

Die Gründe für einen Herz-Kreislauf-Stillstand können vielfältig sein: Kardial (z.B. Myokardinfarkt, KHK, Myokarditis, Herzrhythmusstörungen), respiratorisch (Lungenödem, Atemstillstand, Pneumothorax), zerebral (Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall).

Auch Hypoxie, Hyperthermie oder Stoffwechselentgleisungen können im Extremfall einen Herz-Kreislauf-Stillstand auslösen – dieser Zustand ist nur innerhalb des kurzen Zeitfensters von drei bis fünf Minuten durch eine Reanimation reversibel behandelbar.

Es gilt, diese reversiblen Ursachen des Herz-Kreislaufstillstandes ausfindig zu machen und zu beheben. Merken lassen sie sich am einfachsten folgendermaßen:

  • 4 H’s: Hypoxie, Hypo-/Hyperkaliämie (Stoffwechsel), Hypo-/Hyperthermie, Hypovolämie
  • HITS: Herzbeuteltamponade, Intoxikation, Thrombose (Embolie), Spannungspneumothorax
Tipp: Die vier H’s und HITS werden gerne in Prüfungen abgefragt!

Kommt es im Körper aufgrund von Herzrhythmusstörungen zu keiner Blutzirkulation mehr, das Herz verfügt aber noch über eine elektrische Aktivität, muss ggf. defibrilliert werden.

Defibrillation

Durch den applizierten Strom bei der Defibrillation werden alle Herzmuskelzellen auf einmal entladen. Nach einer solchen Synchronisation steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Erregungsbildung und die Erregungsweiterleitung im Herzen wieder im normalen Rhythmus funktionieren.

Der Ablauf der Notfalldefibrillation durch medizinisch geschultes Personal ist ähnlich dessen des AED. Die Herzdruckmassage wird kurz zum Aufkleben der EKG-Elektroden unterbrochen, es erfolgt die Notfall-EKG-Diagnostik. Während das Gerät auflädt, wird die Herzdruckmassage weiter durchgeführt. Ist das Gerät geladen, gilt die Devise „Hands off“: Alle müssen aus Selbstschutzgründen Abstand vom Patienten nehmen.

Die Elektroden werden sternal-apikal aufgeklebt, d.h. eine rechts-parasternal unter der Klavikula und die andere links-lateral der Herzspitze. Es wird einmal geschockt und die Herzdruckmassage danach sofort fortgesetzt.

Nach einem Reanimationszyklus (definitionsgemäß: 2 Minuten = 5 × 30 Herzdruckmassagen + 2 Beatmungen) sollte erneut eine EKG-Diagnostik durchgeführt werden und ggf. eine erneute Defibrillation.

diese abbildung zeigt den algorithmus lebensrettender maßnahmen bei erwachsenen

Bild: “Algorithmus der Basismaßnahmen der Reanimation” von Andante. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei der elektrischen Defibrillation unterscheidet man generell zwischen monophasischer und biphasischer Defibrillation. Heute wird vor allem die biphasische Defibrillation (Wechselstrom) empfohlen, da bei gleichem Effekt mit einer geringeren Joule-Anzahl weniger Gefahr für bleibende Schäden an den Herzmuskelzellen besteht.

Prüfungstipp: Fürs Examen sollten Sie wissen, dass die monophasische Defibrillation mit 360 Joule arbeitet. Die biphasische verwendet 150 – 200 Joule (150 – 360 bei weiteren Schocks).

Defibrillierbare Rhythmen

Die Voraussetzung für eine Defibrillation ist das Vorliegen eines defibrillierbaren Herzrhythmus: Pulslose ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern. Das Kammerflimmern ist die häufigste Ursache für einen Herzstillstand. Es kommt hierbei im EKG zu arythmischen Flimmerwellen – die Herzerregung verläuft so unkoordiniert, dass der Herzmuskel sich nicht mehr kontrahiert und so keine Auswurfleistung vorhanden ist.

Die pulslose ventrikuläre Tachykardie wird gekennzeichnet durch eine schnelle und regelmäßige Frequenz der Ventrikelkontraktion. Gleichzeitig ist die Auswurfleistung des Herzens durch diese jedoch viel zu gering – es ist häufig kein Puls oder nur der Carotispuls zu tasten.

Nicht defibrillierbar sind eine Asystolie (keine elektrische Aktivität im EKG) und eine PEA (pulslose elektrische Aktivität). Bei beiden ist die Therapie der Wahl die sofortige Gabe von 1 mg Adrenalin (bei Erwachsenen) i.v., das nach jedem zweiten Reanimationszyklus nachinjiziert wird. Kann dadurch die Herzaktivität soweit gesteigert werden, dass sich z.B. ein Kammerflimmern zeigt, kann daraufhin defibrilliert werden.

Exkurs: Reanimation bei Kindern

Für die Reanimation von Neugeborenen und Kindern gibt es spezielle ERC-Leitlinien. Ein wichtiger Unterschied zu Erwachsenen ist, dass bei Kindern häufig nicht das Herz, sondern die Atmung unterstützt werden muss.

dieses bild zeigt wie man neugeborenen eine herzdruckmassage gibtNeugeborene werden initial fünfmal beatmet, bei ausbleibendem Erfolg fünf weitere Male und anschließend erfolgt erst die Thoraxkompression.

Bei Neugeborenen wird hierzu bei einem Ersthelfer die Zwei-Finger-Technik angewandt, bei mehreren Ersthelfern die thoraxumschließende Zwei-Daumen-Technik. Die Beatmung erfolgt im Verhältnis 3 : 1.

Bei Kindern, die älter als ein Jahr sind, wird im Unterschied zu Erwachsenen initial erst fünfmal beatmet, darauf folgen die Thoraxkompressionen (100 – 120 pro Min). Im Unterschied zu Erwachsenen sollten professionelle Helfer im Verhältnis 15 : 2 beatmen, nicht geschulte Helfer im „normalen“ 30 : 2 Verhältnis.

Beliebte Prüfungsfragen zur Reanimation und Eintreffen am Notfallort

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. In welchem Verhältnis sollte bei der Herzdruckmassage bei Erwachsenen beatmet werden?

  1. 15 : 2
  2. 20 : 2
  3. 30 : 2
  4. 3 : 1
  5. 40 : 3

2. Welche Kriterien zählen zur Glasgow Coma Scale?

  1. Hautkolorit.
  2. Augen öffnen
  3. Beste motorische Reaktion
  4. Beste verbale Reaktion
  5. Atmung
  1. Alle Antworten sind richtig.
  2. 2, 3 und 4 sind richtig.
  3. 2, 3, 4 und 5 sind richtig.
  4. 3, 4 und 5 sind richtig.
  5. Keine Antwort ist richtig.

3. Was sind defibrillierbare Rhythmen?

  1. Asystolie
  2. Pulslose ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern
  3. Kammerflimmern, Asystolie
  4. Pulslose ventrikuläre Tachykardie, Asystolie
  5. Alle Rhythmen sind grundsätzlich defibrillierbar.

Quellen

Ellinger, K., Genzwürker H. (Hrsg.): Kursbuch Notfallmedizin, 2. Auflage (2011) – Deutscher Ärzte Verlag

Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin, 6. Auflage (2014) – Springer Verlag

Striebel, H.-W.: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, 8. Auflage (2012) – Schattauer Verlag

ERC Guideline 2010– Section 1 via link.springer.com

Laienreanimation in Deutschland Artikel via spektrum.de

Lernkarten Reanimation via miamed.de

Rettungsablauf am Unfallort via miamed.de

Lösungen: 1C, 2B, 3B

 

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