Der Gestationsdiabetes zählt zu den häufigsten Erkrankungen, die mit der Schwangerschaft assoziiert sind. Zu den Risikofaktoren zählen Übergewicht und eine familienanamnestische Vorbelastung. Lernen Sie hier alles von der Definition über Diagnose bis hin zu Therapie des Gestationsdiabetes. Der folgende Artikel bereitet Sie mit allen prüfungsrelevanten Fakten optimal vor auf gynäkologische Prüfungen in der Klinik und Ihr Hammerexamen.

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Ein positiver Schwangerschaftstest


Definition

Der Gestationsdiabetes ist definiert als erstmalige Manifestation einer Glukosetoleranzstörung, die mit der der Schwangerschaft auftritt. Die Ursache dafür ist eine gesteigerte Insulinresistenz, die durch die Schwangerschaft ausgelöst wird. Die Übergänge zwischensog. normaler Glukosetoleranz in der Schwangerschaft und Gestationsdiabetes sind fließend, ein Schwellenwert existiert hierbei nicht.

Nomenklatur: Schwangerschaftsdiabetes, Gestationsdiabetes, GDM, Typ-4-Diabetes

Epidemiologie

Ca. 2 % aller Schwangeren sind von einem Gestationsdiabetes betroffen. Die Häufigkeit differenziert zwischen den verschiedenen ethnischen Populationsgruppen: Asiatinnen und Lateinamerikanerinnen sind häufiger betroffen als Kaukasierinnen.

Zum Zeitpunkt der Geburt ist die GDM-Prävalenz in Deutschland von 2002 bis 2010 relativ um das 2,52-fache angestiegen. (AWMF Leitlinien)

Ätiologie und Pathogenese

Die Pathophysiologien des Gestationsdiabetes und die des Diabetes Typ 2 sind zum Großteil identisch.

In der Schwangerschaft finden Veränderungen im Kohlenhydratstoffwechsel statt. Ab dem 2. Trimenon kann es zu einer Insulinresistenz in der Peripherie kommen. Transplazentar kommt es zu Übertritten der Glukose in den Blutkreislauf des Fetus. Neben den hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft werden wohl auch Zytokine und Adipokine aus Fettgewebe und Plazenta verändert freigesetzt.

Merke: Glukose kann die Plazentaschranke durch erleichterte Diffusion passieren, Insulin jedoch nicht.

Risikofaktoren für die Entwicklung eines Gestastionsdiabetes

Bestimmte Risikofaktoren begünstigen die Entwicklung eine Gestationsdiabetes.

  • Familienanamnese mit Diabetes Mellitus
  • Alter > 30 Jahre
  • Übergewicht (BMI > 27 kg/m2)
  • vorangegangene Schwangerschaften mit Übergewicht des Fetus (>4.500g)
  • Arterielle Hypertonie, Dyslipidämie präkonzeptionell
  • Polyzystisches Ovarsyndrom (PCO-Syndrom)
  • Anamnese mit KHK, pAVK,
  • Einnahme kontrainsulinärer Medikation (z.B. Glukokortikoide)

Symptome und Klinik

Fallbeispiel

So könnte ein Fallbeispiel zu Gestationsdiabetes im Hammerexamen aussehen

Eine 36-jährige Frau in der 9. SSW ist mit ihrem 2. Kind schwanger. Die erste Schwangerschaft sei unproblematisch verlaufen, das gesunde, 7 Tage nach dem errechneten Termin geborene Kind habe ein Geburtsgewicht von 4280g gehabt. Die Werte der Blutzuckeruntersuchung im zweiten Trimenon seien „grenzwertig“ gewesen. Während dieser ersten Schwangerschaft habe sie insgesamt 18kg an Gewicht zugenommen und dieses Übergewicht in der Folge trotz gelegentlichem Sport und „mehr Gemüse und Obst“ nur teilweise wieder abgebaut. Stoffwechselkontrollen im Verlauf der Schwangerschaft seien nicht erfolgt, zumal sie zwischenzeitlich umgezogen sei und noch keinen neuen Hausarzt habe.
Quelle: Hrsg: T. Haak, K. Palitzsch (2012): Diabetologie für die Praxis: Fallorientierte Darstellung – Diagnostik und Therapie. Thieme Verlag.

Initiale Beschwerden sind beim Gestationsdiabetes durch die erhöhten Blutzuckerwerte meist nicht vorhanden und verursachen nicht das typische klinische Bild des Typ-1-Diabetes. Möglich ist das Auftreten von Polydipsie, Glucosurie, Veränderungen der Fruchtwassermenge und ein arterieller Hypertonus.

Ausschlaggebend sind jedoch die möglichen Entwicklungsstörungen des Fetus und das gesteigerte mütterliche Risiko für Folgeerkrankungen. Kindliche Fehlbildungen (Fetopathia diabetica) sind weitaus häufiger

Komplikationen

Komplikationen der Mutter

  • erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte
  • Entwicklung einer hypertensiven Erkrankung mit Präeklampsie
  • exzessive Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
  • Verschlechterung einer bereits bestehenden Retinopathie
  • Entgleisungen des Stoffwechsels (Hyperglykämien)

Komplikationen des Fetus

Das von der Fetopathica diabetica besonders häufig betroffene Organ ist das Herz. Häufig sind auch Wachstumsretardierung und Störungen bei der Durchblutung der Plazenta. Die daraus resultierende Mangelversorgung kann zum intrauterinen Fruchttod führen.

  • Caudal regression syndrome radiograph

    Bild: “Antero-posterior radiographic view, showing missing ribs, absent lumbosacral vertebrae, hypoplastic pelvis and „frog-like“ position of the lower extremities.” von Halil Aslan, Halil Yanik, Nurgul Celikaslan, Gokhan Yildirim, Yavuz Ceylan. Prenatal diagnosis of Caudal Regression Syndrome: a case report. BMC Pregnancy and Childbirth. 1, 8. 2001.. Lizenz: CC BY 2.0

    Hyperglykämie → Polyurie (Polyhydramnion), übersteigerte Insulinproduktion und Makrosomie des Kindes → gesteigerte Größe und Gewicht des Fetus können zu Problemen bei der Geburt führen (Beispiel: Schulterdystokie)

  • pulmonale Funktionsstörungen durch insuffiziente Lungenreife
  • Funktionsstörungen der Leber (Hyperbilirubinämie)
  • fetale pankreatische beta-Zellen gewöhnen sich an die hohen Glucosespiegel der Mutter und reagieren mit Hyperplasie und Mehrsekretion von Insulin → auch nach Abtrennung der Plazenta sistiert dieser Zustand kurzweilig und löst Hypoglykämien beim Neugeborenen aus
  • kaudales Regressionssyndrom (selten): Fehlbildung der unteren Körperhälfte
  • fetale Programmierung: erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Adipositas, Diabetes Typ 2

Diagnostik

Für die Diagnose eines Gestationsdiabetes wird ein oraler Glucosetoleranztest (oGTT) durchgeführt, zuerst ein Suchtest (Screening), dann als 75g-oGTT.

  1. Screening: 50 g Glucose in 200 ml Wasser, unabhängig von Tageszeit und Nüchternheit, Messung der Blutglukose aus venösem Plasma
  2. 75g-oGTT: Blutglucosewert im Suchtest >135 mg/dl. Trinkmenge 75 g Glucose in 300 ml Wasser innerhalb von 3-5 Minuten. Diagnostische Grenzwerte im venösen Plasma sind in der folgenden Tabelle angegeben.
Zeitpunkt Grenzwert venöses Plasma
nüchtern 92 mg/dl
nach 1 Stunde 180 mg/dl
nach 2 Stunden 153 mg/dl
Hinweis: In Deutschland sind Screening und evtl. Test seit 2012 Teil der Mutterschaftsrichtlinien und die Kosten werden von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Therapie

Zielwerte der Blutglucose

nüchtern < 90 mg/dl
1h postprandial < 140 mg/dl
2h postprandial < 120 mg/dl

Zunächst wird 2 Wochen versucht, diese Werte diätisch zu erreichen (Umstellung auf langsam resorbierbare Kohlenhydrate, Verzicht auf industrielle Zucker, Auszugsmehlprodukte etc.). Wird dieses Ziel nicht erreicht, kann medikamentös mit Humaninsulin therapiert werden.

Merke: Die Therapie mit oralen Diabetika ist kontraindiziert!

Regelmäßige Stoffwechselkontrollen (u.a. Blutzuckertagesprofile) und sonografische Untersuchen sollten vorgenommen werden, um eine normale Entwicklung des Feten zu überwachen.

Verlauf

Für die Mutter besteht ein ca. 50-%-Risiko, bei einer erneuten Schwangerschaft wieder einen Gestationsdiabetes zu entwickeln. Ebenfalls erhöht ist das Risiko an einem Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Bei guter Einstellung der Blutglucosewerte ist meist keine vorzeitige Geburtseinleitung oder Sectio caesarea indiziert.

Beliebte Prüfungsfragen zum Gestationsdiabetes

Die Lösungen sind unterhalb der Quellen angegeben.

1. Was gehört nicht zu den möglichen Manifestationen eines Gestationsdiabetes beim Fetus?

  1. Makrosomie
  2. Hypobilirubinämie
  3. pulmonale Funktionsstörungen
  4. Polyhydramnion
  5. kaudales Regressionssyndrom

2. Die medikamentöse Therapie des Gestationsdiabetes erfolgt mit

  1. Metformin
  2. Insulinanaloga
  3. Humaninsulin
  4. Glucagon
  5. Metoprolol

3. Wo liegt bei der Therapie des Gestationsdiabetes der Blutglucosezielwert im Nüchternzustand?

  1. 70 mg/dl
  2. 100 mg/dl
  3. 80 mg/dl
  4. 90 mg/dl
  5. 110 mg/dl

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