Bei vielen Krankheiten ist die frühzeitige Diagnose ausschlaggebend für den weiteren Krankheitsverlauf. Das gilt auch für den Diabetes mellitus. Besonders beim Typ-2-Diabetes kann eine rechtzeitige Symptom-Erkennung die schweren Folgeschäden eingrenzen und Patienten zu einem weitgehend beschwerdefreien Leben verhelfen. Medizin-Studenten sollten deshalb gerade bei Patienten mit Adipositas, Gewichtsverlust, Polydipsie und Polyurie hellhörig werden.
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Diabetes-Typ1

Bild: „Type 1 Diabetes“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0


Symptome des Diabetes mellitus Typ 1

In der Regel sind Patienten, die vom Typ-1-Diabetes betroffen sind, in einem jüngeren Alter, weshalb diese Form des Diabetes früher auch juveniler Diabetes genannt wurde. In seltenen Fällen tritt der Diabetes Typ 1 im Erwachsenenalter auf, weshalb auch die Bezeichnung LADA-Diabetes (latent autoimmune diabetes in the adult) existiert.

Hyperglycemia

Bild: „Diabetes and High Blood Sugar.“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Eine Autoimmunreaktion führt zur Zerstörung der für die Insulinproduktion verantwortlichen Beta-Zellen der Langerhans’schen Inseln im Pankreas. Erst wenn 80-90 % der Beta-Zellen zerstört sind, sind die ersten Symptome des Diabetes Typ 1 erkennbar. Stresssituationen können den Ausbruch der bis dahin noch nicht akut gewordenen Krankheit beschleunigen.

Da der Diabetes erst in einem späten Stadium symptomatisch wird, ist der Ausbruch häufig plötzlich und dramatisch. Auffällige Symptome sind Gewichtsverlust, Polydipsie und Polyurie. Durch das fehlende Insulin ist der Glucosegehalt im Blut stark erhöht, da die Glucose nicht in die Zellen aufgenommen werden kann. Um den Glucosegehalt im Blut zu senken, wird Glucose auch über den Urin ausgeschieden. Ab einer Konzentration von 160 bis 180 mg/dl (oder 8,9 bis 10 mmol/l) wird die Nierenschwelle überschritten und Glucose gelangt über die Nieren in den Urin.

Allerdings kann Glucose nur mit ausreichend Flüssigkeit von der Niere aufgenommen werden, weshalb es bei Patienten zum übermäßigen Durstgefühl kommt. Gleichzeitig nimmt aufgrund dessen die Urinproduktion zu und führt zum häufigen Ausscheiden. Auch Enuresis ist in diesem Stadium besonders bei Kindern keine Seltenheit und muss als Warnzeichen für den Diabetes verstanden werden. Da Glucose nicht mehr als Energielieferant verarbeitet werden kann, greift der Körper auf die Energiereserven des Fettgewebes zurück, was zum deutlichen Gewichtsverlust führt.

Hinzu können unspezifische Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Inappetenz, Amenorrhö, Potenzprobleme und Exsikkose kommen. Auch Folgeschädigungen durch den Diabetes sind im späten Verlauf bereits erkennbar. Trockene Haut, Pruritus, Muskelkrämpfe, Wundheilungs- und Sehstörungen sind erste Hinweise auf das Voranschreiten der Krankheit.

In Notfällen kommt es bei Typ-1-Diabetikern zum diabetischen Koma oder auch diabetische Ketoazidose genannt. Durch den Insulinmangel werden Fettsäuren in Ketonkörper umgewandelt, die unabhängig von Insulin in die Zellen aufgenommen werden können und diese mit Energie versorgen. Ketonkörper sind allerdings stark sauer, wodurch der pH-Wert des Blutes absinkt und es zur metabolischen Azidose kommt. Typisch für das diabetische Koma ist der Azetongeruch der Atemluft und des Urins der Patienten.

Ist es noch nicht zur Bewusstlosigkeit gekommen, klagen Patienten häufig über Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Bei Peritonitis mit Abwehrspannung ist auch immer an eine Pseudoperitonitis im Rahmen eines unentdeckten Diabetes mellitus Typ 1 zu denken. Die Atmung kann ebenfalls gestört sein und äußert sich in einer typischen Kußmaul-Atmung, bei der es zur Hyperventilation bei normaler Atemfrequenz kommt.

Symptome des Diabetes mellitus Typ 2

Während Symptome beim Diabetes Typ 1 plötzlich auftreten, ist der Krankheitsverlauf beim Diabetes Typ 2 schleichend. Nicht selten wird die Krankheit nur zufällig entdeckt. Patienten leiden demnach unter Umständen jahrelang an einem erhöhten Blutzuckerspiegel, der mit Schädigungen des Körpers einhergeht. Spätfolgen können ein weiterer Grund für die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 sein. Wie beim Typ-1-Diabetes können Stresssituationen zum Ausbruch der Krankheit führen.

Zuvor klagen Patienten lediglich über unspezifische Symptome, die denen des Diabetes Typ 1 gleichen:

Diabetische-Retinopathie

Bild: „Diabetic Retinopathy.“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsprobleme
  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • gehäufte Infektanfälligkeit (Erkältung, Grippe)
  • Wundheilungsstörungen
  • Sehstörungen
  • Muskelkrämpfe
  • Pruritus
  • Amenorrhö, Potenzprobleme
  • gehäufte Infektionen durch den erhöhten Zuckergehalt insbesondere des Urins (Pilze, Zystitis, usw.)

Auch beim Diabetes Typ 2 kann die Nierenschwelle durch zu hohen Glucosegehalt überschritten werden, weshalb es in einigen Fällen ebenfalls zu Polyurie, Glucosurie und Polydipsie kommt. Diese Symptome sind beim Typ-1-Diabetes allerdings häufiger.

Der Diabetes Typ 2 tritt häufig im Zusammenhang mit dem sogenannten metabolischen Syndrom, auch Wohlstandssyndrom, auf. Dazu gehören Adipositas, erhöhte Triglyzeridwerte, Insulinresistenz und Hypertonie.

Aufgrund der immer häufiger auch im Kindes- und Jugendalter auftretenden Adipositas sind nicht nur ältere Menschen vom Diabetes Typ 2 betroffen, sondern auch jüngere. Der überwiegende Teil der Patienten ist jedoch über 40 Jahre alt.

Im Notfall kann es beim Diabetes mellitus Typ 2 zum hyperosmolaren Koma kommen, was ebenfalls als Coma diabeticum bezeichnet wird, aber vom ketoazidotischen Koma zu unterscheiden ist. Beim hyperosmolaren Koma kann der durch die hohe Urinausscheidung gesteigerte Flüssigkeitsbedarf des Körpers nicht mehr durch Trinken gedeckt werden, was bis hin zum Bewusstseinsverlust führt. Das hyperosmolare Koma kommt beim Diabetes Typ 2 seltener vor, als das ketoazidotische Koma beim Diabetes Typ 1.

Wird der Diabetes mellitus Typ 2 über längere Zeit nicht erkannt oder unzureichend therapiert, stellen sich die ersten Symptome der Mikro- und Makroangiopathie ein. Dazu zählen Sehstörungen, Polyneuropathie und Wundheilungsstörungen.

Merke: Die Acanthosis nigricans der Leisten- und Achselregion ist typisch für die Insulinresistenz und vor allem auch bei jungen Patienten zu finden.
Acanthosis-nigricans

Bild: „Acanthosis nigricans“ von Madhero88. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Symptome des Gestationsdiabetes

Der Gestationsdiabetes bleibt in den meisten Fällen symptomfrei, weshalb ein oraler Glucosetoleranztest in der 24. bis 28. SSW empfohlen wird. Ein unbehandelter Gestationsdiabetes kann zu Entwicklungsstörungen beim Fötus führen, was sich in einem erhöhten Geburtsgewicht von über 4 kg, Atemnotsyndrom, Hypoglykämie, Hyperbilirubinämie und einer Sectio caesarea äußert. Im Notfall kommt es beim Fötus zum Schädigungssyndrom Embryopathia diabetica.

Während der Schwangerschaft kann der Diabetes durch Hydramnion, einem überdurchschnittlich großen Fötus, Harnwegsinfekte und Präeklampsie auffallen.

In der Regel handelt es sich beim Gestationsdiabetes um einen Diabetes mellitus Typ 2, da die Hormonumstellung bei 3 bis 5 % der Frauen zur Insulinresistenz führt. In seltenen Fällen ist die Schwangerschaft Auslöser für einen Diabetes mellitus Typ 1.

Symptome des Diabetes mellitus Typ 3

Alle Formen des Diabetes, die unter dem Typ 3 zusammengefasst werden, sind in der Praxis nicht leicht zu erkennen. Oftmals werden sie mit einem Diabetes Typ 1 oder 2 diagnostiziert, da sich die Symptome ähneln. Um welchen Diabetes-Typ es sich genau handelt, kann nur eine spezielle Diagnostik zutage fördern.

Unter dem Typ-3-Diabetes werden nach WHO alle Formen untergeordnet, die nicht auf Typ 1, 2 und den Gestationsdiabetes zutreffen. Insgesamt werden acht Gruppen unterschieden. Unterschieden wird nach den verschiedenen Ursachen, die in ihrer Häufigkeit sehr selten bei Diabetikern auftreten. Therapiemaßnahmen sind ähnlich wie bei Typ 1, 2 und dem Gestationsdiabetes.

A Diabetes durch Gendefekte in den Beta-Zellen der Langerhans-Inseln

Zu dieser Gruppe gehört der sogenannte MODY-Diabetes (Maturity Onset Diabetes of the Young), welcher auf Gendefekte im Glukosestoffwechsel zurückzuführen ist und vorwiegend im Jugendalter auftritt. Diese speziellen Gendefekte werden monogen autosomal-dominant vererbt. Bisher wurden elf verschiedene Formen des MODY-Diabetes spezifiziert:

  • MODY 1: Mutation im Chromosom 20, Defekt des hepatischen Transkriptionsfaktors HNF4A
  • MODY 2: Mutation im Chromosom 7, Defekt des Enzyms Glukokinase
  • MODY 3: Mutation im Chromosom 12, Defekt des hepatischen Transkriptionsfaktors HNF1A
  • MODY 4: Mutation im Chromosom 13, Defekt von PDX1
  • MODY 5: Mutation im Chromosom 17, Defekt des hepatischen Transkriptionsfaktors TCF2
  • MODY 6: Mutation im Chromosom 2, Defekt von NEUROD1
  • MODY 7: Mutation im Chromosom 2, Defekt von KLF11
  • MODY 8: Mutation im Chromosom 9, Defekt von CEL
  • MODY 9: Mutation im Chromosom 7, Defekt von PAX4
  • MODY 10: Mutation im Chromosom 11, Defekt von INS
  • MODY 11: Mutation im Chromosom 8, Defekt von BLK

Wird ein MODY-Diabetes frühzeitig erkannt, ist zunächst eine Therapie mit oralen Antidiabetika wie Sylfonylharnstoff ausreichend, mit hoher Wahrscheinlichkeit wird im späteren Verlauf aber die Insulingabe notwendig.

B Diabetes durch Gendefekte in der Insulinwirkung

Bisher werden zwei Typen in dieser Gruppe unterschieden, die beide eine Insulinresistenz durch Gendefekte gemeinsam haben. Für das Insulinresistenz-Syndrom Typ A sind Hyperinsulinämie, die Hauterkrankung Acanthosis nigricans (Hyperpigmentierung und Hyperkeratose (Verhornung) meistens in Leisten und Achseln) und Hyperandrogenismus bei Frauen typisch. Das Lawrence-Syndrom oder lipatropischer Diabetes zeichnet sich hingegen durch den massiven Abbau von Unterhautfettgewebe aus, mit dem aus bisher unbekannter Ursache die Insulinresistenz einhergeht.

C Diabetes als Folge der Pankreaserkrankung

Alle Störungen der exokrinen Pankreassekretion als Defekt des Pankreas an sich oder als Folgeerscheinung einer anderen Krankheit können zum Diabetes führen. Bei folgenden wurden diabetische Symptome beobachtet:

  • Pankreatitis
  • Traumen oder Pankreatektomie
  • Neoplasmen bei Pankreaskarzinom
  • Mukoviszidose
  • Hämochromatose

D Diabetes durch gestörte Hormonproduktion oder -regulation (Endokrinopathie)

Diabetes kann als Begleiterkrankung bei folgenden Hormonstörungen auftreten:

  • Akromegalie (Störung des Wachstumshormons Somatotropin)
  • Aldosteronom (erhöhte Aldosteronproduktion)
  • Glucagonom (Tumor, der die A-Zellen der Langerhans-Inseln betrifft)
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
  • Morbus Cushing (erhöhte ACTH-Produktion)
  • Phächromozytom (Tumore des Nebennierenmarks)
  • Somatostatinom (Tumor des Pankreas oder Duodenums mit erhöhter Somatostain-Produktion)

E Diabetes durch Medikamente oder Chemikalien

Auch die Einnahme bestimmer Chemikalien und Medikamente kann als Nebenwirkung zum Diabetes führen. Bisher sind bekannt:

  • alpha-Interferon (zum Schutz vor viralen Erkrankungen)
  • Beta-Sympathomimetika (Stimulation der Beta-Rezeptoren des sympathischen Nervensystems)
  • Diazoxid (Hyperglykämikum)
  • Glukokortikoide (bei Entzündungen, überaktivem Immunsystem, entzündlich-rheumatischen Erkrankungen)
  • Nikotinsäure (zur Senkung erhöhter Blutfette)
  • Pentamidin (Antiprotozoikum, häufig in der Tropenmedizin verwendet)
  • Phenytoin (bei Epilepsie, Herzrythmusstörungen)
  • Schilddrüsenhormone
  • Thiazid-Diuretika
  • Vacor (Rattengift)

F Diabetes durch Virusinfektion

Kongenitale Röteln werden durch das Rubella-Virus ausgelöst und tritt häufig bei Kindern auf. Infolge der Erkrankung können die Inselzellen des Pankreas zerstört werden, was zur mangelnden Insulinproduktion führt, was wiederum Diabetes mellitus Typ 1 zufolge hat. Ebenfalls zur Entstehung von Diabetes kann das humane Zytomegalievirus (HCMV) beitragen, da im Krankheitsverlauf eine Pankreatitis auftreten kann.

G Diabetes durch immunologische Defekte

Bei der Autoimmunkrankheit Stiff-Man-Syndrom kann es unter anderem zur Schädigung endokriner Drüsen kommen, dementsprechend richtet sich die Krankheit auch gegen Zellen des Pankreas, was zu einem Typ-1-Diabetes führen kann. Ein weiterer immunologischer Defekt, der zum Diabetes führt, sind die Anti-Insulin-Rezeptor-Antikörper. Diese blockieren die Insulin-Rezeptoren der Zellen und blockieren so die Aufnahme von Insulin.

H Diabetes durch Erbkrankheiten

Bei zahlreichen genetischen Syndromen wurde bisher Diabetes als Begleiterscheinung beobachtet:

  • Chorea Huntington
  • Down-Syndrom
  • Dytsrophia myotonica
  • Friedreich-Ataxie
  • Klinefelter-Syndrom
  • Porphyrie
  • Prader-Willi-Labhart-Syndrom
  • Turner-Syndrom
  • Wolfram-Syndrom

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unseren Artiklen „Diabetes mellitus“, „Vererbung oder Adipositas? Alle Ursachen für Diabetes mellitus“, „Komplikationen bei Diabetes erkennen und behandeln“ sowie „Diese Werte sichern die Diabetes-Diagnose“.

Beliebte Prüfungsfragen zu Diabetes mellitus

Die Lösungen finden Sie unterhalb der Quellenangabe.

1. Was zählt zu den Symptomen des ketoazidotischen Komas?

  1. Kußmaul´sche Atmung
  2. Hypoglykämie
  3. pH-Wert > 7,65
  4. Schwitzen
  5. Anurie

2. Was ist nicht typisch für ein Neugeborenes mit Embryofetopathia diabetica?

  1. Hypoglykämie
  2. Erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus im Kindes- und Erwachsenenalter
  3. Schulterdystokie
  4. Atemnotsyndrom
  5. Vermindertes Geburtsgewicht

3. Ein 64-jähriger Mann mit einem BMI von 29 kg/m², stellt sich aufgrund von rezidivierenden Harnwegsinfektionen in Ihrer hausärztlichen Praxis vor. Ein Urologe habe bereits die Harnwege als Ursache ausgeschlossen. Auf Nachfrage gibt er an, im letzten Jahr auch ein Erysipel am rechten Unterschenkel gehabt zu haben und sich schon längere Zeit müde und abgeschlagen zu fühlen, was er aber auf die Belastung im Beruf geschoben habe. Sie vermuten, dass der Patient unter einem unentdeckten Diabetes mellitus Typ 2 leiden könnte. Was eignet sich am besten als Diagnosemittel?

  1. Bestimmung des HbA1c-Werts
  2. Oraler Glukosetoleranztest
  3. Bestimmung der Menge an C-Peptid im Blut
  4. Bestimmung der Menge an Glucose im Urin
  5. Einmal Messung des Nüchtern-Blutzuckers

Quellen

Diabetes mellitus via wikipedia.org

Lösungen: 1A, 2E, 3B



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