In der Praxis taucht die Anämie häufig als Begleitbefund vieler akuter und chronischer Erkrankungen im Blutbild auf. Eine Abklärung ist in jedem Falle angeraten, da bereits ein verminderter Hämoglobinwert ein erster wichtiger Hinweis für eine noch nicht erkannte Grunderkrankung sein kann. Oftmals sind es alimentäre Anämien wie die Eisenmangelanämie, die Vitamin B 12-Mangel-Anämie oder die Folsäuremangelanämie, die im Vordergrund der Diagnostik stehen. Im folgenden Artikel erfahren Sie alle prüfungsrelevanten Fakten für den klinischen Teil des Medizinstudiums und Ihr Hammerexamen. 
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Kurs zur inneren Medizin.

das ist das mikroskopiebild eines patienten mit anämie

Bild: “Blutausstrich eines Patienten mit Eisenmangelanämie bei 40facher Vergrößerung” von Roberto J. Galindo. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Hier lesen Sie alles über Hämolytische Anämien und Alimentäre Anämien.

Eisenmangelanämie

Definition der Eisenmangelanämie

Eisenmangel ist weltweit die häufigste Ursache für eine Anämie. Wie dem Krankheitsnamen bereits zu entnehmen ist, handelt es sich bei der Eisenmangelanämie um eine Anämie aufgrund stark verminderter Eisenspeicher.

Synonym: Sideropenische Anämie

In einem weiteren Beitrag erfahren Sie mehr zu Hämolytischen Anämien.

Ätiologie der Eisenmangelanämie

Eine ungestörte Erythrozyten- und Hämoglobinproduktion ist im hohen Maße von der Verfügbarkeit von Erythropoetin (EPO) und Eisen abhängig.

Die häufigsten Ursachen kritisch verminderter Eisenwerte sind eine chronische Blutung – sei es im Rahmen einer gesteigerten Menstruationsblutung (Hypermenorrhö) oder im Kontext eines pathologischen Blutungsgeschehens wie beispielsweise bei einem Ulcus ventriculi –, eine Schwangerschaft ohne ausreichende Eisensubstitution oder ein parasitärer Befall (Parasitose).

Als seltenere Ursachen für eine Eisenmangelanämie kommen Resorptionsstörungen sowie eine Mangelernährung in Betracht.

Bei Säuglingen tritt die sog. Trimenon-Anämie auf.

Epidemiologie der Eisenmangelanämie

Mit einer Verbreitung von ca. 35% stellt die Eisenmangelanämie die häufigste Ursache für eine Anämie dar (unter den Anämien nimmt die Eisenmangelanämie 80% ein). Etwa 5-10% der menstruierenden Frauen leiden unter einer Eisenmangelanämie. Männer sind weitaus seltener von einer Anämie betroffen.

Symptome der Eisenmangelanämie

Eine Eisenmangelanämie weist zunächst dieselbe Symptomatik auf wie jede andere Anämie:

  • Tachykardie
  • Müdigkeit
  • Schwäche
  • Konzentrationsstörungen
  • Geringe Belastbarkeit
dieses bild zeigt einen mund mit mundwinkelrhagaden

Bild: “Angular cheilitis as marked by the oval” von James Heilman, MD. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Weitere hinweisende Symptome sind eine trockene Haut und eventuell Kopfschmerzen sowie Haarausfall.

Plummer-Vinson-Syndrom

Zeigen sich Nageldystrophien, eine Glossitis (Hunter-Glossitis) sowie Atrophien im Bereich des Mundes (Mundwinkelrhagaden), Rachens und der Speiseröhre, so spricht man vom Plummer-Vinson-Syndrom.  Als spezifisches Symptom zeigt sich eine ausgeprägte Kälteempfindlichkeit.

Diagnostik und Differenzialdiagnose der Eisenmangelanämie

Eine adäquate Diagnostik der Eisenmangelanämie basiert zuerst auf dem großen Blutbild. Labordiagnostisch zeigt sich dabei in der Regel eine Hypochromasie gepaart mit einer Mikrozytose sowie einem verringerten Serumferritin-Wert (unter 15 µg/l). Der Hämatokrit ist erniedrigt.

Je nach der Ausprägung der Anämie kann außerdem die Erythrozytenzahl verringert sein. Zur weiteren Abklärung sollten bei einer Eisenmangelanämie ein reaktiv erhöhter Transferrin-Wert sowie der Hämoglobingehalt der Retikulozyten (erniedrigt, <28pg) gemessen werden.

das ist das mikroskopiebild eines patienten mit anämie


Bild: “Blutausstrich eines Patienten mit Eisenmangelanämie bei 40facher Vergrößerung” von Roberto J. Galindo. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Diagnostik der Eisenmangelanämie erweist sich nicht immer als einfach. So kann ein gleichzeitiger Folsäuremangel die Mikrozytose ausgleichen und damit einen wichtigen Laborparameter für die Eisenmangelanämie verfälschen.

Es sollte beachtet werden, dass bei einer nicht zielführenden Diagnostik eine eventuell bestehende und zur Anämie führende Erkrankung nicht diagnostiziert und damit die eigentliche Ursache übersehen wird. Bleibt dadurch die eigentlich erforderliche Therapie aus, handelt es sich zwar formal um einen Kunstfehler, der jedoch in der Praxis ärztlichen Handelns schwerwiegende Folgen haben kann.

Weitere differenzialdiagnostische Überlegungen sollten bei unsicherem Befund immer auch an eine Thalassämie denken lassen.

Therapie der Eisenmangelanämie

Ist der Befund einer Eisenmangelanämie gesichert und hat sich die Diagnostik in Richtung einer anderen Grunderkrankung, wie zum Beispiel eines Ulcus duodeni oder eines Kolonkarzinoms, als negativ erwiesen, so besteht das primäre therapeutische Ziel in der Korrektur der negativen Eisenbilanz durch eine Substitution von Eisen. Folgende Regeln sollten dabei beachtet werden:

  1. Wenn möglich, sollte Eisen oral gegeben werden. Nur bei einer starken Unverträglichkeit und besonderen Indikation sollte parenteral substituiert werden.
  2. Die empfohlene Tagesdosis liegt zwischen 50 und 150 mg. Die höchste Resorption gelingt auf einen nüchternen Magen. Wird dies vom Patienten nicht vertragen, sollte das Eisen zu den Mahlzeiten genommen werden.
  3. Für die Anwendungsdauer der Eisensubstitution gilt die Faustregel, dass nach einer erfolgten Normalisierung des Hämoglobinwerts – Verlaufskontrolle! – die Eisensubstitution solange fortzusetzen ist wie die Dauer der Normalisierung des Hämoglobinwerts. In der Regel sollte der Patient also über mehrere Monate Eisen substituieren. Eine zu kurze Einnahmedauer führt mit großer Wahrscheinlichkeit schnell wieder zu leeren Eisenspeichern und im Ergebnis wieder zu einer manifesten Anämie.
  4. Steigt unter der regelmäßigen Verlaufskontrolle der Hämoglobinwert nicht in erwarteter Weise an, sollte die Therapie sowie die Diagnose neu überprüft und nach einer weiteren Ursache geforscht werden, die bisher noch nicht in Betracht gezogen wurde.

Nebenwirkungen der Therapie der Eisenmangelanämie

Als häufigste Nebenwirkung werden Magenbeschwerden mit Übelkeit und Obstipation, aber auch eine Diarrhöe angegeben. Die oft zu beobachtende Dunkel- oder Schwarzverfärbung des Stuhls ist normal und bei einem Fehlen anderer Symptome unbedenklich.

Verlauf und Kontrolle der Eisenmangelanämie

Bereits wenige Tage nach einer begonnenen Eisensubstitution wird die dadurch gesteigerte Erythropoese im Blutausstrich als Retikulozytose sichtbar. Der in der Folge unter der Substitution zu erwartende typische Hämoglobinanstieg liegt ca. bei 0,1 g/dl pro Tag. Lässt die Verlaufskontrolle dies nicht erkennen, liegt entweder ein weiterhin bestehender Eisenverlust vor oder die Eisenzufuhr selbst ist mangelhaft bzw. fehlerhaft.

Um letzteres auszuschließen, sollte die Compliance des Patienten überprüft werden. Ist dies geschehen und zeigen sich keine Hinweise für eine mangelhafte Compliance, muss die Diagnose bzw. die Wahl der Therapie (enteral/parenteral) in Zweifel gezogen werden.

Megaloblastäre Anämien

das ist das mikroskopiebild einer megaloblastaeren AnaemieIst die DNA-Bildung neuer Zellen aus verschiedenen Gründen behindert, kann dies ebenso Auswirkungen auf das Wachstum der Vorläuferzellen der Erythrozyten nehmen.

Die sogenannten Erythroblasten zeigen dabei typische morphologische Veränderungen, die als megaloblastär bezeichnet werden.

Jede megaloblastäre Anämie produziert makrozytäre Erythrozyten, jedoch liegt nicht jeder Makrozytose eine megaloblastäre Anämie zugrunde. Die häufigsten Ursachen einer megaloblastären Anämie sind:

  • Vitamin B 12-Mangel (häufig)
  • Folsäuremangel (häufig)
  • Maligne Erkrankungen (mäßig häufig)

Im Folgenden werden die beiden erstgenannten ursächlichen Erkrankungen ausführlicher vorgestellt.

Vitamin B 12-Mangelanämie

Definition der Vitamin B 12-Mangelanämie

das ist die strukturformel von vitamin b 12Bei der Vitamin B 12-Mangel-Anämie handelt es sich um eine makrozytär-hyperchrome, megaloblastäre Anämie bei einem verminderten Vitamin B 12-Spiegel.

Die häufigste Ursache dafür ist eine gestörte Resorption des Vitamins. Liegt die Ursache der Resorptionsstörung in einer Autoimmungastritis mit daraus resultierendem Intrinsic-Faktor-Mangel begründet, spricht man von einer Perniziosa (Perniziöse Anämie).

Eine Resorptionsstörung im Ileum nach Resektion, Morbus Crohn oder exokriner Pankreasinsuffizienz bedingen zwar ebenfalls die megaloblastäre Vitamin B 12-Mangelanämie, sind aber im engeren Sinne nicht als perniziöse Anämien einzuordnen.

Allein der Nachweis der Autoimmunität rechtfertigt folglich den Befund einer Perniziosa.

Ätiologie der Vitamin B 12-Mangelanämie

Der Tagesbedarf an Vitamin B 12, auch Cobalamin genannt, ist mit etwa 2-3 µg zwar äußerst gering, jedoch führt eine Störung in der Aufnahme, Resorption, Synthese oder Speicherung des Vitamins zu schwerwiegenden Krankheitssymptomen. Dies tritt besonders dort auf, wo das Vitamin von essentieller Bedeutung ist, vor allem im Knochenmark.

Steht es nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung, wirkt sich dies negativ auf die Erythropoese aus. Als kobalthaltiges Koenzym des Nuklein- und Lipidstoffwechsels spielt es eine wesentliche Rolle bei der Produktion funktionell aktiver Folsäure. Ist diese aufgrund eines Cobalamin-Mangels nun gestört, findet wie für megaloblastäre Anämien typisch, die DNA-Bildung nicht mehr regelhaft statt. Es kommt zu einer Anämie in der beschriebenen Form.

Ursachen der Vitamin B 12-Mangel-Anämie

Alimentäre Ursachen (Veganismus)

Da der Mensch auf die externe, orale Zufuhr von Cobalamin angewiesen ist und dieses sich hauptsächlich in tierischer Nahrung wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern wiederfindet, kann eine vegane Lebensweise durchaus zu einer Vitamin B 12-Mangel-Anämie führen, wobei jedoch nicht jeder Veganer zwangsläufig eine Anämie ausbilden muss.

Kein Vitamin wird besser und länger in der Leber gespeichert als Vitamin B 12, sodass ein Vorrat mehrere Monate bis Jahre den Bedarf decken kann. Alimentäre Mangelzustände als Ursachen für eine Vitamin B 12- Mangel-Anämie sind daher recht selten.

Anazidität bei atrophischer Gastritis

Als häufigere Ursache einer Vitamin B 12-Mangel-Anämie muss die Anazidität im Magenmilieu gelten. Sind die normalen Milieuverhältnisse im Magen nicht gegeben sowie die Freisetzung und Bindung des Vitamins an seine Transportproteine gestört, kann die Folge eine Resorptionsstörung sein, die im Falle eines chronischen Geschehens in eine Anämie münden kann.

Intrinsic-Faktor (Autoimmungastritis)

Der Transportmechanismus kann jedoch auch an anderer Stelle gestört sein. So können sich T-Zellen autoimmunologisch gegen die Parietalzellen (Belegzellen des Magens) richten und diese zerstören.

Da in den Belegzellen der für den Vitamin B 12-Transport entscheidende Intrinsic-Faktor gebildet wird und dieser mit der Zerstörung der Belegzellen sowie der Bildung von Antikörpern ebenfalls zugrunde geht, bleibt die erforderliche Bindung des Vitamins an das Glycoprotein aus oder findet nur noch im verminderten Maße statt. Der Transport und die Resorption des Vitamins sind dadurch massiv gestört.

Weitere Ursachen einer Resorptionsstörung

Die Ursache einer gestörten Resorption kann auch direkt im terminalen Ileum liegen, d.h. wo das Vitamin vom Körper über den Darm aufgenommen wird. Jede Beeinträchtigung dieses Darmabschnitts wird anschließend zu Aufnahmeproblemen führen. Die Hauptursachen sind:

  • Morbus Crohn
  • Resektion
  • Bakterielle Fehlbesiedlung im Darm
  • Fischbandwurm

Klinik der Vitamin B 12-Mangel-Anämie

Subikterus

Neben den typischen Anämiesymptomen wie Antriebsmangel, blasser Haut und blasser Schleimhaut prägt ein Patient mit Vitamin B 12-Mangel-Anämie möglicherweise einen Subikterus (erhöhter Bilirubin-Serumspiegel) aus, der sich aus dem gestörten Erythrozytenumsatz im Knochenmark ergibt.

das ist das mikroskopiebild einer neutropenie

Bild: “Foto de un campo 10x de un frote sanguíneo mostrando una neutropenia importante” von Roberto J. Galindo. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Neutropenie und Thrombozytopenie

Da alle Zellreihen von der Störung betroffen sind, kann es im fortgeschrittenen Stadium zur Neutropenie und Thrombozytopenie kommen, was ebenfalls zur thrombozytopenischen Purpura (Blutungsneigung) und einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems führen kann.

Funikuläre Myelose

Im Vergleich zu anderen Anämien bildet die Vitamin B 12-Mangel-Anämie zudem neurologische Störungen aus, die von einer isolierten peripheren Neuropathie bis hin zum vollausgeprägten Bild einer funikulären Myelose reichen kann.

Klinische Zeichen sind u.a. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Sensibilitätsstörungen, Parästhesien und Reflexabschwächungen. Selbst muskuläre Lähmungen sind möglich. Erklärt wird dies dadurch, dass ein länger währender Mangel an Vitamin B 12 zu Entmarkungen an den Myelinscheiden führt und vor allem im Bereich der Hinter- und Seitenstränge des Rückenmarks (Demyelinisierung).

Weitere hinweisgebende klinische Zeichen, die jedoch andere Anämieformen nicht ausschließen, sind folgende:

  • Appetitlosigkeit
  • Abdominelle Beschwerden
  • Diarrhöe
  • Obstipation
  • Zungenbrennen und Lackzunge (Hunter-Glossitis)

Diagnose und Differenzialdiagnostik der Vitamin B 12-Mangel-Anämie

Messung des Vitamin B 12-Serumspiegels

Beweisend ist in den meisten Fällen (90%) gemäß der Ursache ein stark erniedrigter Vitamin B 12-Serumspiegel. Allerdings ist dieser Wert nicht zu 100% verlässlich, da proliferative Knochenmarkserkrankungen sowie Lebererkrankungen zu Verfälschungen des Wertes führen können. Des Weiteren gibt es Patienten, die bereits bei Serumwerten im unteren Normbereich Anämiesymptome ausprägen.

In solchen Fällen sollte die Bestimmung der Serumkonzentration der Methylmalonsäure und der Homocysteinsäure in Erwägung gezogen werden, da beide Werte bei einem Vitamin B 12-Mangel ansteigen und damit im Verein ein guter Indikator für eine bestehende Vitamin B 12-Mangelanämie sind.

Blutbild

Da in den meisten Fällen das Blutbild bereits einen ersten Hinweis auf eine mögliche Anämie gibt und dieses in der Praxis einer Messung des Vitamin B 12-Serumspiegels in der Regel vorausgeht, sollte allein schon ein erniedrigter Hämoglobinwert zusammen mit einer Makrozytose und einer Hyperchromie in Richtung einer Vitamin B 12-Mangel-Anämie denken lassen.

Da im Unterschied zu einer Eisenmangelanämie alle Zellreihen bei der Vitamin B 12-Mangel-Anämie betroffen sind, können erniedrigte Leukozytenwerte wie auch Trombozytenwerte vorgefunden werden (Panzytopenie). Typisch im Blutausstrich sind außerdem Megalozyten mit erhöhtem Volumen und und erhöhtem Hämoglobingehalt.

Schilling-Test

Ist der Vitamin B 12-Mangel bewiesen, muss die Ursache dafür geklärt werden. Will man wissen, ob es sich um eine Resorptionsstörung oder um einen Intrinsic-Faktor-Mangel handelt, kann man optional den Schilling-Test mit radioaktiv markiertem Cobalamin durchführen.

Antikörpernachweis

Bei Verdacht auf eine perniziöse Anämie sollte ein Nachweis auf Antikörper gegen den Intrinsic-Faktor sowie gegen die Belegzellen des Magens erfolgen.

Gastroskopie

Da eine der häufigsten lokalen Ursachen einer Vitamin B 12-Mangel-Anämie im Magen zu suchen ist, sollte bei jedem Patienten mit nachgewiesenem Mangel eine Gastroskopie vorgenommen werden. Auszuschließen bzw. zu beweisen sind damit ein Magenkarzinom sowie eine atrophische Gastritis.

Therapie der Vitamin B 12-Mangel-Anämie

Die Therapie richtet sich zunächst nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Zusätzlich dazu wird Vitamin B 12 substituiert. In der Praxis hat sich dafür die parenterale Gabe von hochdosiertem Hydroxycobalamin (1000 µg) einmal wöchentlich etabliert. Nach einer Normalisierung der Werte wird eine lebenslange Erhaltungstherapie mit 1000 µg alle sechs Monate durchgeführt.

Verlauf und Prognose der Vitamin B 12-Mangel-Anämie

Vorausgesetzt die der Anämie zugrunde liegende ursächliche Erkrankung ist erkannt und behandelt, kommt es unter einer ordnungsgemäß durchgeführten Substitutionstherapie mit Vitamin B 12 bereits innerhalb weniger Tage zur Rückbildung der Anämie.

Die mit einer Vitamin B 12-Mangel-Anämie einhergehenden neurologischen Störungen können – wenn unbehandelt – zu irreversiblen strukturellen neurologischen Schäden führen. Durch atrophische und aplastische Schleimhautveränderungen steigt bei Patienten mit perniziöser Anämie das Risiko nachfolgend an Magenkarzinomen oder anderweitigen Karzinoiden zu erkranken.

Folsäure-Mangelanämie

das ist die strukturformel von folsäureDefinition der Folsäure-Mangelanämie

Wie die Vitamin B 12-Mangel-Anämie ist auch die Folsäuremangelanämie eine megaloblastäre Anämie. Die häufigste Ursache besteht in einer Ernährung, die zu arm an Folsäure ist.

Ätiologie der Folsäure-Mangelanämie

Biochemisch betrachtet verbirgt sich hinter dem Begriff der Folsäure eine ganze Gruppe sogenannter Pteridinderivate. Diese werden vorwiegend von Pflanzen synthetisiert, aber auch von Mikroorganismen. Gute Folsäurequellen sind Gemüse, Salate, Früchte, Milch, Vollkornprodukte sowie Innereien. Vor der pharmakologischen Substitution wurde daher mit Rinderleber substituiert.

Da die empfohlene Tagesdosis bei 400 µg liegt und der Folsäurespeicher mit seinen 5 mg bei einer schlechten Ernährungslage schnell aufgebraucht ist, kann es bereits nach wenigen Wochen zu Folsäuremangelerscheinungen kommen.

Neben einer zu folsäurearmen Ernährung kommen weitere Ursachen infrage:

  • Eine Lebererkrankung
  • Alkoholmissbrauch
  • Eine ausgedehnte Dünndarmresektion
  • Eine Schwangerschaft
  • Antikonvulsiva
  • Eine chronische Hämolyse
  • Eine glutensensitive Enteropathie
  • Eine tropische Sprue
  • Zerkochte Nahrung

Klinik der Folsäure-Mangelanämie

Ein Folsäuremangel führt zu den typischen Anämiesymptomen. Wie bei der Vitamin B 12-Mangel-Anämie zeigen sich zudem Schleimhautatrophien im Bereich des Kehlkopfes (Dysphagie) oder des Magen-Darm-Trakts (Meteorismus, Diarrhöe). Anders aber als Cobalamin ist die Folsäure nicht am Lipidstoffwechsel beteiligt, weswegen sie keine Neuropathien verursacht.

Diagnostik der Folsäure-Mangelanämie

Da der Blutbild- und der Knochenmarksbefund dem des Vitamin B 12-Mangels entsprechen (Makrozytose, Hyperchromie), sollte mit der Bestimmung weiterer Werte abgeklärt werden, um welche Form der megaloblastären Anämie es sich handelt.

Dazu ist es im ersten Schritt notwendig, den Vitamin B 12-Serumspiegel zu messen, um eine eventuell parallel verlaufende Vitamin B 12-Mangel-Anämie abzuklären. Darüber hinaus kann der Folsäurewert im Serum genommen werden, wobei dieser Wert aufgrund seiner leichten und schnellen Beeinflussbarkeit wenig aussagekräftig ist: Bereits der Verzehr einer folsäurereichen Mahlzeit bringt ihn in den Normbereich zurück. Ein zuverlässigerer Parameter ist die Folsäurekonzentration in den Erythrozyten.

Therapie der Folsäure-Mangelanämie

An sich genügt die alleinige Beseitigung der Ursache, was sich jedoch aufgrund der Schwere mancher ursächlicher Erkrankungen (Alkoholismus, Anorexia nervosa etc.) nicht immer leicht umsetzen lässt. In solchen Fällen sollte hochdosiert substituiert werden. Zur Ursachenbeseitigung wie zur Prophylaxe im letzten Drittel einer Schwangerschaft werden 5 mg Folsäure täglich empfohlen – oral zu sich genommen.

Komplikationen der Folsäure-Mangelanämie

Bleibt ein Folsäuremangel über längere Zeit unbehandelt, kann eine beschleunigte Entwicklung von Arteriosklerose die Folge sein. Deren Resultat wiederum sind in gravierenden Fällen Herzinfarkte und Hirninfarkte.

Mangelzustände in der Schwangerschaft können während der embryonalen Entwicklung des Kindes zu Neuralrohrdefekten führen. Zudem steht die Osteoporose im Verdacht, u. a. durch einen Mangel von Folsäure begünstigt zu werden.

Weitere alimentäre Anämien

Weitere alimentäre Anämien sind die Eiweißmangelanämie und die Skorbutanämie.

Beliebte Prüfungsfragen zu alimentären Anämien

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussagen zum Vitamin B 12 (Cobalamin) treffen zu?

  1. Seine Grundstruktur ist den Porphyrinen ähnlich.
  2. Es enthält in koordinativer Bindung Fe².
  3. Seine Resorption erfolgt im Magen.
  4. Es katalysiert intramolekulare Umlagerungen von Alkylresten.
  5. Eine verminderte Aufnahme führt zu einer Eisenmangelanämie.
  1. Nur 1 und 3 sind richtig.
  2. Nur 1 und 4 sind richtig.
  3. Nur 2, 3 und 5 sind richtig.
  4. Nur 3, 4 und 5 sind richtig.
  5. Nur 1, 3, 4 und 5 sind richtig.

 2. Was ist Vitamin B 12-abhängig?

  1. Die Umlagerung von Methylmalonyl-CoA zu Succinyl-CoA
  2. Die Bildung von Kreatinin aus Kreatinphosphat
  3. Die Demethylierung von Methionin zu Homocystein
  4. Die Methylierung von Noradrenalin zu Adrenalin
  5. Die Methylierung von Phosphatidylethanolamin zu Phosphatidylcholin

3. Bei einem Erwachsenen werden folgende Werte im Blut gemessen: Hämoglobinkonzentration 100 g/l, Erythrozytenkonzentration 2,4 x 1012, Leukozytenkonzentration 6 x 109. Worunter leidet er?

  1. Anämie mit normaler Hb-Menge pro Erythrozyt
  2. Anämie mit erniedrigter Hb-Menge pro Erythrozyt
  3. Anämie mit erhöhter Hb-Menge pro Erythrozyt
  4. Leukozytose
  5. Leukopenie

Quellen

Böhm, M.; Hallek, M.; Schmiegel W.: Innere Medizin, München 2009 (6. Auflage).

Pschyrembel – klinisches Wörterbuch, Berlin 2004 (260. Auflage).

Schweitzer, Rudolf: Hämatologie, Immunologie und Mikrobiologie, München 2010.

mediscript – kommentierte Examensfragen 8/2005-8/2006

Lösungen zu den Prüfungsfragen: 1B, 2A, 3C



So bekommen Sie bessere Noten im Medizinstudium!

Verbessern Sie Ihre Prüfungsergebnisse! Lernen Sie mit dem kostenlosen Lerncoaching für Mediziner:

Effektive Lerntechniken

Individuelle Hilfestellungen

Anwendungsbeispiele für den Alltag

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *