Mit einer immer älter werdenden Gesellschaft rücken auch Krankheiten in den Vordergrund, die auf degenerativen Prozessen beruhen. Ihre Inzidenz steigt, und damit auch ihre sozialmedizinische Bedeutung. Ein Klassiker der fortschreitenden degenerativen Erkrankungen ist die Arthrosis deformans oder Arthrose, d. h. die Degeneration des Gelenkknorpels. Besonders die Röntgenzeichen der Arthrose sind ein beliebtes Prüfungsthema: Mit den folgenden Informationen punkten Sie in der nächsten Abfrage.

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Bild: “Old Tree Branch” von Jacob Zammit Xuereb. Lizenz: CC BY 2.0


Arthrosis deformans – so degenerieren die Gelenke

Die Arthrosis deformans, im Volksmund Arthrose, ist die häufigste Gelenkerkrankung (Arthropathie) weltweit. Durch eine fortschreitende Degeneration des Gelenkknorpels und den reaktiven Veränderungen des angrenzenden Knochens sowie der umliegenden Strukturen kommt es zu den charakteristischen Beschwerden.

Typische Beschwerden sind Schwellungen und Schmerzen des betroffenen Gelenks, Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen und zunehmende Deformierungen mit Funktionsverlust.

Die am häufigsten betroffenen Gelenke sind die Wirbelsäulengelenke, das Hüft- und Kniegelenk – etwas seltener trifft es das Schultergelenk. Auch kleinere Gelenke wie das Großzehengrundgelenk können betroffen sein.

Man unterscheidet primäre von sekundären Arthrosen: Bei den primären Arthrosen ist die Ursache unbekannt, z. B. ist das Knorpelgewebe anlagebedingt minderwertig. Bei den sekundären Arthrosen ist die Ursache bekannt.

Metabolische Störungen wie Hyperurikämie, Fehlbelastungen, Traumen, Entzündungen, chronische Einblutungen wie bei den Hämophilien oder das Altern führen zu einem Ungleichgewicht aus Belastbarkeit des Gelenkknorpels und Belastung. Immobilität kann dieses Gleichgewicht negativ beeinflussen.

Die Stadien der Arthrose

Der fortschreitend degenerative Prozess der Arthrose läuft in verschiedenen Stadien ab, die jeweils spezifische pathologische Veränderungen und Symptome als Grundlage haben:

Stadium 1 der Arthrose

Zunächst bilden sich tangentiale Risse in den oberflächlichen Schichten des Gelenkknorpels, d. h. oberflächliche Knorpeleinrisse, die bei starker Belastung Schmerzen und muskuläre Verspannungen (Schonhaltung) verursachen können.

Stadium 2 der Arthrose

Die Risse werden tiefer, sodass sie bis in den knochennahen Knorpel reichen. Als Reaktion kommt es zu einer Proliferation der Chondrozyten, und hyaliner Knorpel wird durch minderwertigeren Faserknorpel ersetzt („Knorpelbrukapseln“). Schmerzen treten jetzt schon bei jeder Bewegung auf, nicht nur bei stärkerer Belastung.

Stadium 3 der Arthrose

Nun erreichen die Risse im Knorpel die Gelenkfläche.

Synovialflüssigkeit dringt in die Risse ein und mobilisiert einzelne Knorpelstücke, die im Gelenkspalt zu einer Entzündungsreaktion im Sinne einer Fremdkörperreaktion führen. Es entsteht Granulationsgewebe und eine allgemeine Entzündung des Gelenks.

Schon in Ruhe können jetzt Schmerzen auftreten – es kommt zu funktionellen Kontrakturen des umgebenden Muskel- und Sehnenapparats.

Stadium 4 der Arthrose

Schließlich ist auch der angrenzende Knochen betroffen, die Knochenplatte verdickt sich reaktiv und als Ausgleich für die Belastung bilden sich Osteophyten, d. h. metaplastische Anbauten aus Knochen und Knorpel. Die knöcherne Oberfläche wird also freigelegt und es kommt zu einer reaktiven Sklerosierung der subchondralen Knochenplatte.

Knorpelstücke brechen in den Knochen ein und führen zur Bildung von Geröllzysten. Die Veränderungen können so weit gehen, dass die Knochen völlig von der ursprünglichen Knochenachse abweichen (Achsenfehlstellung). Weiterhin auftretende Symptome sind Ruheschmerzen und Kontrakturen.

Mosaik aus Anamnese, Symptomen und Röntgenbild

Vor allem in der Frühphase ist die Arthrose eine typisch klinische Diagnose. Die Anamnese, Symptome, und eine Untersuchung der Gelenke führen auf den richtigen Pfad.

Typisch ist ein sogenannter Anlaufschmerz zu Beginn einer körperlichen Belastung, der sich mit der Dauer der Belastung bessert. Veränderungen im Röntgenbild treten meist erst im fortgeschrittenen Verlauf auf.

Dabei korrelieren die (charakteristischen) radiologischen Zeichen nicht immer mit der Schwere der Symptome. Zur Verlaufsbeurteilung sind sie jedoch gut geeignet. Im Labor finden sich im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis normalerweise keine Auffälligkeiten.

Die 5 radiologischen Zeichen der Arthrose:
1. Gelenkspaltverschmälerung
2. knöcherne Anbauten und Abstützreaktionen (Osteophyten)
3. verdichtete, unebene Restknorpelschicht (Sklerose)
4. zystische Veränderungen im gelenknahen Knochen (Geröllzysten)
5. Gelenkdeformierung, Abweichung der Knochenachse von der Norm

So wird die Arthrose therapiert

Eine wichtige Säule bei der Arthrosetherapie ist die Prävention. Veränderungen des Lebenswandels verhindern oder verzögern den Verlauf maßgeblich, wie die Reduktion von Übergewicht und regelmäßige Bewegung.

Auch das rechtzeitige Erkennen und Ausgleichen von Gelenkfehlstellungen kann dazu beitragen, dass sich arthrotische Veränderungen langsamer ausbilden.

Ansonsten ist die Therapie der Arthrose weitgehend symptomatisch ausgerichtet: Eine Physiotherapie, Wärme- und Kälteanwendungen sowie der Einsatz von Orthesen können Besserung bringen. Schmerzen und Entzündungen können mit den klassischen Analgetika (NSAR) und Antiphlogistika behandelt werden.

Bringen konservative Maßnahmen keine befriedigende Besserung, können operative Maßnahmen erwogen werden, wie die Versteifung des Gelenks oder der Gelenkersatz durch eine Endoprothese.

Da die Endoprothesen natürlicherweise etwa nach zehn Jahren gewechselt werden müssen und mit dem Alter die Komplikationsrate steigt, versucht man diesen Eingriff so lange wie möglich herauszuzögern.

 

 

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