Die Lymphorgane mit Thymus, Milz (Lien), Lymphknoten und Tonsillen sind spannende Schwerpunkte und wichtige Bestandteile des Medizinstudiums. Das Lymphsystem ist an unzähligen Prozessen beteiligt und entfaltet seine Wirkung im gesamten Körper. Es dient der Abwehr und ist komplex. Das Verstehen dieses Systems ist unverzichtbar für die Diagnose vieler pathologischer Prozesse. In diesem Beitrag geht es um den Aufbau, die Wirkungsweisen und einen ersten Überblick über Erkrankungen des Lymphsystems.
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lymphatisches System und dessen Organe

Bild: “Anatomy of the Lymphatic System” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0


Die Lymphe

Die aus den Kapillaren gefilterte Flüssigkeit aus dem Gewebe wird durch das Lymphsystem transportiert. Lymphe ist Gewebswasser und enthält neben Eiweißen auch überschüssige Zellflüssigkeit, Stoffwechselprodukte und Fremdstoffe. Sie enthält außerdem viele Nährstoffe und transportiert u.a.:

  • Natrium
  • Kalzium
  • Kreatinin
  • Glukose
  • Lipase
  • Phosphat
  • Katalase
  • Harnstoffe

Kommt der Fluss der Lymphe zum Erliegen, sorgen Stoffe wie das Fibrinogen dafür, dass die Lymphe gerinnt. Dabei werden die Lymphozyten eingekapselt. Außerdem sind in ihr die Lymphozyten für die Abwehr enthalten. Täglich werden etwa zwei Liter Lymphe produziert.

Genau genommen ist die Lymphe das Zwischenglied zwischen Gewebsflüssigkeit (Interzellularflüssigkeit) und Blutplasma und hat ein leicht trübes und milchiges Aussehen. Lymphe wird unterteilt in Lymphserum (überstehende Lymphflüssigkeit) und Chylus (fettreiche Lymphe aus dem Verdauungstrakt).

Die Lymphe stammt aus extrakapillärer Flüssigkeit, die nicht mehr vom Blutkreislauf aufgenommen wird. Sie wird zunächst in den Lymphkapillaren gesammelt, die zu größeren Gefäßen zusammengehen. Diese Gefäße führen dann zu den Lymphknoten. Die Lymphknoten haben die Aufgabe, die Lymphe zu sammeln und auch zu filtern. Hier sorgen abführende Gefäße (Vasa efferentia) dafür, dass die Lymphe weitergeleitet wird.

Das lymphatische System

Das lymphatische System ist ein System aus feinen Gefäßen. Es besteht aus den Lymphgefäßen und den lymphatischen Organen. Die Aufgabe der lymphatischen Organe ist es, die Lymphozyten zu bilden, die für die körpereigene Abwehr unverzichtbar sind.

Zunächst sind primäre und sekundäre Lymphorgane zu unterscheiden. Zu den primären lymphatischen Organen gehören Thymus und Knochenmark. Sie zeichnen sich durch spezialisiertes Gewebe aus, in dem die Ausbildung und Reifung der B- und T-Lymphozyten abläuft. Vor der Geburt ist auch die Leber ein primäres lymphatisches Organ. Die dort gebildeten Lymphozyten  wandern in die sekundären lymphatischen Organe.

Zu den sekundären lymphatischen Organen werden die Lymphfollikel der Schleimhäute gerechnet, wie auch die Peyer´schen Plaques (befinden sich in der Dünndarmschleimhaut), Appendix vermiformis (Blinddarm), die Tonsillen (Mandeln), Lymphknoten und die Milz (genauer die weiße Pulpa).

Die Lymphgefäße hingegen leiten die Lymphe aus den Geweben ab. Die Aufgabe des Lymphsystems ist der Stoffaustausch. Das Lymphsystem ist auch nicht in sich geschlossen. Ein Beispiel für ein geschlossenes System ist der Blutkreislauf. Die Lymphgefäße liegen in weiten Teilen neben Arterien und auch Venen, was den Austausch erleichtert. Die Wand der Lymphbahnen ist dünn und durchlässig. So ist es möglich, Stoffe aus der Umgebung zu übernehmen, die dann weitertransportiert werden.

Lymphknoten

Jeder Mensch hat etwa 600 Lymphknoten, von denen sich viele am Hals, den Achseln, in den Leisten und in der Nähe des Magen-Darm-Trakts befinden. Lymphknoten sind mit einer Größe von unter 1 mm sehr klein. Sie nehmen aber an Umfang zu, wenn es zu Erkrankungen kommt.

Struktur lymphknoten

Bild: “Structure and Histology of a Lymph Node” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

In solchen Fällen können die Lymphknoten bis zu 3 cm groß werden. Primärfollikel hingegen sind kugelförmige Zellhaufen von Lymphozyten. Hier entsteht der Kontakt zwischen Lymphozyten und Antigenen (körperfremde Strukturen). Sobald die Fähigkeit zur Abwehr vorhanden ist, ist von Sekundärzellen mit Keimzellen die Rede. Hier reifen die Lymphozyten heran und werden so zu Abwehrzellen.

Filterung der Lymphe

In den Leistenlymphknoten (Nodi lymphatici inguinales) wird die Lymphe aus Beinen, Bauchwand und Gesäß gefiltert. In den Achsellymphknoten (Nodi lymphatici axillares) findet das Filtern der Lymphe aus der vorderen und hinteren Bauchwand und der Arme statt. Die Lymphknoten am Hals (Nodi lymphatici cervicales) sind für das Filtern der Lymphe aus dem Kopf zuständig.

Von den genannten Lymphknoten wird die Lymphe in das Innere des Körpers geleitet. Aus diesem Grund ist eine Veränderung der Lymphknoten für den Mediziner ein erster Hinweis darauf, welches Organ erkrankt ist. Jedes Organ hat einen eigenen nahen Lymphknoten, der sich bei pathologischen Prozessen verändert. Ebenso können Erkrankungen aber über die Lymphe wandern und weitere Lymphknoten befallen.

Die Milz (Lien) – lymphatisches Organ

Die Milz ist das größte lymphatische Organ und hat ein Gewicht von etwa 150-200 g. Sie ist ungefähr 12 cm lang und 7 cm breit bei einer Dicke von gut 4 cm. Sie liegt unter dem Zwerchfell im linken Oberbauch in einer festen Kapsel aus Bindegewebe. Auch die Milz selbst ist von Bindegewebe durchzogen und besteht aus retikulären Fasern und Zellen.

Ihre Aufgabe liegt in der Bildung weißer Blutkörperchen (Leukozyten) und deren Speicherung. Außerdem filtert sie überaltete rote Blutkörperchen (Erythrozyten) aus dem Blut. Die Milz erkennt zudem Bakterien und Viren und ist damit wichtig für die Immunabwehr.

Lebenswichtig ist sie für Erwachsene allerdings nicht. Menschen, denen die Milz entfernt wurde, sind allerdings unter anderem deutlich anfälliger für Infektionen. Die Milz hat zwei Funktionen und wird entsprechend in die rote und die weiße Pulpa unterteilt. Das Organ hat eine ähnlich reinigende Funktion wie die Lymphknoten, allerdings ist sie für die gesamte Blutbahn „zuständig“.

Rote und weiße Pulpa

Schema Milz mit BeschriftungIn der Milz befinden sich die Malpighi-Körperchen, auch Milzknötchen genannt, die die weiße Pulpa bilden. Die stark durchbluteten Zwischenräume stellen die rote Pulpa dar. Die weiße Pulpa produziert die Lymphozyten, in der roten Pulpa werden die alten Erythrozyten abgebaut.

Außerdem ist die rote Pulpa der Speicherort für Blutplättchen und speichert außerdem Leukozyten, die dann bei Bedarf abgegeben werden. Darüber hinaus werden vorgeschädigte Blutzellen abgebaut oder auch Substanzen ausgesondert, die Krankheiten auslösen können.

Der Thymus

Der Thymus liegt hinter dem Brustbein und ist ein lymphatisches Organ ohne Ausführungsgang. Das Organ besteht aus zwei asymmetrischen Lappen, die miteinander verbunden sind. Durch bindegewebige Strukturen werden die Lappen weiter in kleine Abschnitte unterteilt.  Hier werden T-Lymphozyten auf ihre Aufgaben zur Abwehr geprägt.

Ort und Struktur des Thymus

Bild: “Location, Structure, and Histology of the Thymus” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Bei Neugeborenen ist der Thymus noch recht groß (ca. 30 g schwer), bildet sich dann aber in der Pubertät zurück, bis er im Erwachsenenalter nur noch etwa 18 g wiegt. Dabei ist es normal, dass der Thymus verfettet und das Drüsengewebe verschwindet. Diese Fetteinlagerungen haben keine Funktion.

Die Aufgaben des Thymus sind übergeordneter Natur und beinhalten die Bildung und Differenzierung der T-Lymphozyten, die vor allem im Kindesalter zur Immunabwehr wichtig sind. Unter dem Mikroskop zeigt sich im Gewebe des Thymus eine Rinde mit hohem Zellaufkommen. Im Innern befindet sich Mark mit den Hassal-Körperchen, deren Funktion noch nicht geklärt ist.

Die Mandeln (Tonsillen)

Auch die Tonsillen sind lymphatische Organe. Sie befinden sich in der Mundhöhle und im Rachen. Zu den lymphatischen Organen gehören auch die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae), die Rachenmandeln (Tonsilla pharyngealis), die Tubenmandeln (Tonsilla tubaria) und die Zungenmandeln (Tonsilla palatina). Sie alle bilden zusammen den Waldeyer´schen Rachenring, der bei Erkältungen stark durchblutet und bei geöffnetem Mund sichtbar ist.

Alle Tonsillen enthalten Lymphfollikel. In ihnen vermehren sich die B-Lymphozyten für die spezifische Abwehr. Bei intensivem Kontakt mit Krankheitserregern kommt es entsprechend zu einer noch stärkeren Bildung der Lymphozyten. Das führt dazu, dass die Mandeln anschwellen. Dabei handelt es sich um einen Prozess, der ausgesprochen schmerzhaft ist.

Ort und Histologie Tonsilla

Bild: “Locations and Histology of the Tonsils” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Tonsillen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Sie sollen verhindern, dass Krankheitserreger eindringen. Bei Kindern sind die Tonsillen deutlich größer, ab der Pubertät werden sie jedoch deutlich kleiner. Beim Erwachsenen haben die Tonsillen kaum noch wichtige Funktionen, da sie vor allem dem Aufbau des Immunsystems dienen. Im Rahmen von Untersuchungen sind Gaumenmandeln bei Schwellungen gut sichtbar, wenn der Mund geöffnet ist. Tonsillen übernehmen übrigens die Aufgabe eines Frühwarnsystems und kontrollieren die verschiedenen Zuwege, auf denen Keime eindringen können.

Aufbau der Tonsillen

Die Tonsillen gehören zum mukosa-assoziierten lymphatischen Gewebe (MALT). Bei näherem Hinsehen sind Krypten zu sehen (Vertiefungen). Sie dienen dazu, die Oberfläche zu vergrößern. Beim Erwachsenen erreicht die Gesamtoberfläche der Tonsillen eine Fläche von 300 cm².

mukosa-assoziierten lymphatischen Gewebe (MALT)

Bild: “Mucosa-associated Lymphoid Tissue (MALT) Nodule” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Oberfläche besteht aus mehrschichtigem Plattenepithel. In diesen Vertiefungen mit schwammiger Oberfläche können Krankheitserreger leichter „hängenbleiben“. Dem Immunsystem bekannte Erreger werden an dieser Stelle erkannt. Noch unbekannte Erreger können allerdings weiter vordringen. Die Tonsillen sind genau genommen eine Ansammlung von Lymphknötchen, die sich bindegewebsartig abgrenzen. Vom Aufbau her sind jedoch alle Tonsillen gleich. Sie befinden sich auch alle unterhalb der Schleimhaut.

Erkrankungen des Lymphsystems

Wird eine Erkrankung des lymphatischen Gewebes nicht frühzeitig erkannt und behandelt, kann sie sich ausbreiten. Das beste Beispiel dafür ist die Tonsillitis, die unbehandelt schwere gesundheitliche Schäden verursachen kann, wie eine Endokarditis.

Lymphdrüsenkrebs – Morbus Hodgkin

Morbus Hodgkin zählt zu den aggressiven Ca-Erkrankungen und befällt das Lymphsystem. Zu den Symptomen gehören geschwollene Lymphknoten, die nicht schmerzhaft sind. Weitere Anzeichen sind Müdigkeit, Gewichtsverlust und Fieber. Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto größer die Chancen auf Heilung.

Non-Hodgkin-Lymphom

Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer Vergrößerung des Lymphknotens, auch Lymphom genannt. Ein Lymphom kann gutartig und auch bösartig sein. Als Non-Hodgkin-Lymphom werden jedoch nur Lymphome bezeichnet, die maligne sind, aber bei denen es sich nicht um ein Non-Hodgkin-Lymphom handelt.

Erkrankungen der Milz

Die Splenomegalie ist eine mögliche Erkrankung der Milz. Dabei handelt es sich um eine Vergrößerung der Milz. Dennoch ist die Splenomegalie keine eigene Erkrankung, sondern kann die Folge verschiedener Auslöser sein. Das können Infektionskrankheiten wie das Pfeiffersche Drüsenfieber sein. Aber auch eine Sepsis oder eine rheumatische Erkrankung kommt als Verursacher infrage.

Theoretisch möglich ist darüber hinaus ein Blutstau. Dabei staut sich das Blut in die Milz zurück, wie das in der Folge einer Leberzirrhose der Fall sein kann. Letztendlich ist aber auch eine Tumorerkrankung möglich, die zu einer Umfangsvermehrung der Milz führt.

Erkrankungen der Tonsilla

Tonsillitis

Bild: “Tonsillitis” von Michaelbladon. Lizenz: Public Domain

Tonsillitis ist die Mandelentzündung, von der zumeist die Gaumenmandeln betroffen sind. Der Mediziner spricht von der Angina tonsillaris. Dabei handelt es sich um eine akute bakterielle Entzündung. Sie wird oft durch Streptokokken ausgelöst, aber auch andere Erreger sind möglich. Dazu gehören Staphylokokken oder auch Pneumokokken.

Besonders anfällig sind Personen, deren Immunabwehr geschwächt ist. Bei ihnen kommt es dann wiederholt zu einer Tonsillitis. Auch bei Kindern ist die Erkrankung keine Seltenheit, die im Ergebnis zu einer Vergrößerung der Rachenmandeln führen kann. Die Folge ist eine verlegte Atmung, die eine operative Entfernung der Tonsillen nötig machen kann. Bei leichten Symptomen kann Gurgeln mit beruhigenden Lösungen als schmerzlindernde Behandlung ausreichen. Auch Hausmittel genügen oftmals (Quarkwickel) oder pflanzliche Arzneimittel. Bei starken Symptomen ist die Gabe von Antibiotika hingegen erforderlich.

Beliebte Prüfungsfragen zu den Lymphorganen

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

Welche Antworten sind zutreffend?

1. Die Lymphe …

  1. …kann gerinnen.
  2. …enthält keine Eiweiße.
  3. …ist nur Gewebswasser.
  4. …enthält vor allem Natrium.
  5. …ist immer milchig.

2. Die rote Pulpa …

  1. …speichert Lymphozyten.
  2. …produziert Lymphozyten.
  3. …baut Leukozyten ab.
  4. …gibt Blutplättchen ab.
  5. …liegt außerhalb der Milz.

3. Der Thymus …

  1. …ist in der Jugend und im Alter lebensnotwendig.
  2. …verdoppelt sein Gewicht durch Fetteinlagerungen.
  3. …muss sich bei Neugeborenen erst ausbilden.
  4. …behält das Drüsengewebe lebenslang.
  5. …ist bei Kindern für die Ausbildung des Immunsystems wichtig.

Quellen

H. Lippert, D. Herbold, W. Lippert-Burmester: Anatomie: Text und Atlas Taschenbuch, 2006. Urban&Fischer.

Das lymphatische System via Medizinfo

Das Lymphsystem – Anatomie und Pathophysiologie via kardiotechnik.org

Lösungen zu den Fragen: 1A, 2D, 3E



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