Das Chamäleon der Pulmologie: Bei den vielen klinischen Phänotypen ist die Diagnose nicht immer leicht zu stellen, die Pathogenese ist komplex. Finden Sie hier alle wichtigen Informationen über eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Menschen – das Asthma bronchiale.
Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf AWMF einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version finden Sie hier.
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bronchial wall in asthma

Bild: „Thickening of the bronchial wall in asthma“ von Jefferey PK. Lizenz: CC BY 2.0


Definition

Das Asthma bronchiale als entzündliche Erkrankung der Atemwege

Das Asthma bronchiale beschreibt eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege. Im Zuge der Entzündung kommt es zu einer bronchialen Hyperreagibilität. Die Atemwege der Asthma-Patienten reagieren vergleichsweise empfindlicher auf verschiedene Reize, als es bei gesunden Menschen der Fall ist. Eine anfallsartig wiederkehrende Atemwegsobstruktion ist die Folge. Diese Obstruktion ist jedoch spontan oder durch medikamentöse Behandlung ganz oder teilweise reversibel.

Asthma-attacke-illustration

Bild: „Figure A shows the location of the lungs and airways in the body. Figure B shows a cross-section of a normal airway. Figure C shows a cross-section of an airway during asthma symptoms.“ von United States-National Institute of Health: National Heart, Lung, Blood Institute. Lizenz: Public Domain

Epidemiologie

Das Asthma bronchiale in der Bevölkerung

Das Asthma bronchiale zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Menschen. Rund 5 % der Erwachsenen und bis zu 10 % der Kinder und Jugendlichen sind betroffen.

Zur Geschlechterverteilung lassen sich in der Literatur verschiedene Aussagen finden. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts waren zwischen 2003 und 2008 geringfügig mehr Frauen als Männer betroffen. Andere Quellen gehen von einer etwa gleichen Verteilung aus.

Unumstritten ist jedoch die Tatsache, dass sich die allergische Form des Asthmas meist im Kindesalter erstmals manifestiert.

Ätiologie

Ursachen und auslösende Faktoren von Asthma bronchiale

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Formen des Asthmas.

1. Allergisches, extrinsisches Asthma

Beim allergischen, extrinsischen Asthma kommt es bei Kontakt mit Umweltallergenen (z.B. Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Berufsallergene wie z.B. Mehlstaub) zur entsprechenden Asthma-Symptomatik.

Die allergische Form des Asthmas liegt außerdem häufig in Kombination mit anderen Erkrankungen des atopischen Formenkreises vor, wie z.B. allergischer Rhinitis oder Neurodermitis, denen eine polygen vererbte Anlage zur überschießenden IgE-Bildung gemein ist. Somit ist die Atopie der bedeutendste Risikofaktor für die Entwicklung eines allergischen Asthmas.

Sind beide Elternteile von allergischem Asthma betroffen, liegt das Erkrankungsrisiko der Kinder bei 60-80 %. Auf der Insel Tristan da Cunha leiden infolge der erblichen Komponente der Erkrankung sogar 50 % der Bevölkerung an Asthma.

2. Nicht-Allergisches, intrinsisches Asthma

Beim nicht-allergischen, intrinsischen Asthma spielen folgende Auslesefaktoren eine Rolle: respiratorische Infekte („Infekt-Asthma”), ASS/NSAR („Analgetika-Asthma“ mit Samter-Trias: Polyposis nasi + Asthma bronchiale + Rhinosinusitis), inhalative Noxen, gastroösophagealer Reflux sowie kalte Luft und körperliche oder psychische Belastung.

Oftmals lassen sich jedoch insbesondere bei den erwachsenen Asthmatikern beide Formen nicht strikt voneinander trennen: nur je 30 % leiden an einem reinen extrinsischem bzw. intrinsischem Asthma, die übrigen an Mischformen aus beiden.

Pathophysiologie

Die Entstehung des Asthma bronchiale

Beim allergischen Asthma kommt es wenige Minuten nach Kontakt mit dem entsprechenden Allergen zur Produktion von IgE-Antikörpern. Diese aktivieren Mastzellen, welche ihrerseits wiederum verschiedene Mediatoren wie Leukotriene, Prostaglandine und Histamin freisetzen (Sofortreaktion vom Typ 1). Die Mediatorstoffe bewirken einerseits akute Bronchospasmen, andererseits locken sie Entzündungszellen an. Letztere führen schließlich langfristig zum Vollbild der chronischen Entzündung.

Beim nicht-allergischen Asthma findet ein ähnlicher immunologischer Ablauf statt, jedoch ohne das auslösende Allergen. Hier werden z.B. infektiöse Agenzien (v.a. Viren) als Triggerfaktoren vermutet.Asthma-vor-und-nach-anfall

Allen Asthmaformen gemeinsam sind die resultierenden pathologischen Folgen:

Eine Verengung der Atemwege aufgrund des Bronchospasmus, aber auch aufgrund einer ödematösen Schleimhautschwellung, der Hypersekretion von zähem Schleim (Dyskrinie) sowie einer Hyperplasie der glatten Muskulatur (Remodeling). Außerdem liegen eine bronchiale Hyperreaktivität und eine (chronische) bronchiale Entzündung vor.

Klinik

Symptome des Asthma bronchiale

Das klinische Bild des Asthmas kann sich von Patient zu Patient sehr unterschiedlich präsentieren.

Zu den typischen Leitsymptomen zählen jedoch meist:

  • Anfallsartige Atemnot
  • Exspiratorischer Stridor (DD: inspiratorischer Stridor bei Obstruktion der oberen Luftwege!)
  • Chronischer Husten, meist trocken und in Attacken („cough-variant asthma“)
  • Thorakales Engegefühl
Merke: Auch hinter einem chronischen Husten ohne Atemnot kann sich ein Asthma verbergen!

Aufgrund des niedrigen Sympathiko– bzw. hohen Vagotonus in der zweiten Nachthälfte beschreiben die Patienten meist hier den Höhepunkt ihrer Beschwerdesymptomatik. Treten die Beschwerden saisonal auf (z.B. bei Pollenflug), ist dies meist ein erster Hinweis auf ein allergisch bedingtes Asthma.

Zu Beginn macht sich das Asthma meist nur episodenhaft bemerkbar und die Patienten sind die meiste Zeit beschwerdefrei.

Cave: Hier ist oftmals die Lungenfunktion im anfallsfreien Intervall unauffällig. Dann hilft ein Provokationstest, die richtige Diagnose zu stellen!

Diagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung bei Asthma bronchiale

Zunächst können anamnestisch schon mögliche Risikofaktoren erfragt werden: Bestehen noch andere atopische Beschwerden? Treten gehäuft Asthma-Fälle in der Familie auf? Erfolgt beruflich eine Exposition mit inhalativen Noxen?

Bei der klinischen Untersuchung präsentieren sich die Patienten oftmals, insbesondere während eines akuten Anfalls, mit Dyspnoe, Tachypnoe, Orthopnoe und einem verlängerten Exspirium. Eventuell liegt ein Pulsus paradoxus vor, wenn der Blutdruck bei Inspiration um mehr als 10 mmHg abfällt.

Bei der Auskultation finden sich oftmals Giemen, Brummen oder Pfeifen (v.a. exspiratorisch).

Cave: Im akuten Anfall mit ausgeprägter Lungenüberblähung (Volumen pulmonum auctum) oder Emphysem kann sich der Patient eventuell mit einer „silent chest“ präsentieren: Man hört nichts – Stille!

Die Perkussion zeigt einen hypersonoren Klopfschall sowie ein wenig verschiebliches tiefstehendes Zwerchfell.

Lungenfunktionsdiagnostik bei Asthma bronchiale

Die Lungenfunktionsdiagnostik ist essentiell zur Festigung der Diagnose. Hier zeigt sich eine Obstruktion mit konsekutiv erhöhtem Atemwegswiderstand: die Einsekundenkapazität (FEV1) ist vermindert. Bei in etwa gleich bleibender Vitalkapazität ergibt sich somit ein verminderter Tiffeneau-Index: FEV1 / VC < 70 %.

Differentialdiagnostisch (z.B. zur COPD) entscheidend ist die Reversibilität der Obstruktion im Bronchospasmolysetest (= Reversibilitätstest): Der FEV1-Wert verbessert sich deutlich, entweder direkt nach der Gabe von inhalativen Bronchodilatatoren (z.B. 400 µg Salbutamol) oder bei Nichtansprechen hierauf nach der Gabe von inhalativen Glukokortikoiden über 4 Wochen.

Als Faustregel gilt: Steigt der FEV1-Wert nach dem Bronchospasmolysetest um mehr als 15 % gegenüber dem Ausgangswert, ist das Asthma therapiebedürftig!

Zeigt die Lungenfunktionsdiagnostik primär keine Auffälligkeiten, kann ein Provokationstest (Methacholintest) die Diagnose sichern. Hier wird durch das Inhalieren von Methacholin oder Histamin aufgrund der Hyperreagibilität der Atemwege eine Bronchokonstriktion ausgelöst, welche zu einem um mindestens 20 % verminderten FEV1 – Wert und einer Verdopplung der Resistance führt. Das anschließende Inhalieren von Salbutamol stellt die Bronchien wieder weit und sollte eine Normalisierung der Lungenfunktionsparameter erwirken.

Weiterführende Diagnostik bei Asthma bronchiale

Da das allergische Asthma insgesamt die häufigste Form der Erkrankung darstellt, sollte auch immer eine allergologische Diagnostik durchgeführt werden (insbesondere Prick-Test oder Intrakutantest, Bestimmung von Gesamt-IgE und spezifischem IgE).

Ein EKG kann Rechtsherzbelastungszeichen zeigen.

Im Labor fällt eventuell eine Eosinophilie auf. Außerdem ist bei allergischem Asthma oftmals das IgE erhöht, bei nicht-allergischem Asthma findet man nicht selten eine Leukozytose sowie erhöhte BSG – und CRP – Werte.

Im Röntgen-Thorax kann die überblähte Lunge eine erhöhte Strahlentransparenz zeigen, das Zwerchfell steht tiefer und die Interkostalräume sind verbreitert. Es entsteht der Eindruck eines “Fassthorax”. Die Herzsilhouette ist verschmälert.

asthma-CT

Bild: „Quantitative CT in healthy subjects (A+C) and patients with severe asthma (B+D).“ (nähere Erläuterung siehe Bildlink) von Openi. Lizenz: CC BY 3.0

Klassifikation

Einteilung des Asthma bronchiale

Bei Erstdiagnose wird das Asthma in verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Intermittierend
  • Geringgradig-persistierend
  • Mittelgradig-persistierend
  • Schwergradig-persistierend

Wichtiger im langfristigen Verlauf der Erkrankung ist jedoch die Einstufung des Asthmas bezüglich des Ansprechens auf die Therapie in ein kontrolliertes, teilweise kontrolliertes oder unkontrolliertes Asthma.

In der Nationalen Versorgungsleitlinie für Asthma findet sich folgende, im Klinikalltag etablierte Einteilung:

Kriterium Kontrolliertes Asthma Teilweise kontrolliertes Asthma Unkontrolliertes Asthma
Symptome tagsüber ≤ 2 mal pro Woche > 2 mal pro Woche Drei oder mehr Kriterien des teilweise kontrollierten Asthmas innerhalb einer Woche erfüllt
Einschränkung von Aktivitäten im Alltag nein ja
Nächtliche Symptome nein ja
Einsatz einer Bedarfsmedikation bzw. Notfallbehandlung ≤ 2x pro Woche > 2x pro Woche
Lungenfunktion (PEF oder FEV1) normal < 80 % des Sollwertes (FEV1) oder des persönlichen Bestwertes (PEF)
Exazerbation (Asthmaanfall) nein eine oder mehrere pro Jahr eine pro Woche

Differentialdiagnosen

Ähnliche Krankheitsbilder wie das Asthma bronchiale

Nicht umsonst werden im Studium immer wieder COPD und Asthma gegenübergestellt. Die Patienten präsentieren sich nicht selten mit sehr ähnlicher Symptomatik. Therapie und Prognose entscheiden sich jedoch deutlich, weshalb eine richtige Diagnose von großer Bedeutung ist!

Schon in der Anamnese kann es viele Hinweise geben, die eher für eine COPD sprechen: Die Patienten sind meist Raucher, befinden sich in der zweiten Lebenshälfte (ab 40 Jahre) und weisen einen schleichenden Beginn mit chronischer Progredienz auf. Währenddessen wird Asthma häufig im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert und tritt episodisch auf. Wesentliches Unterscheidungskriterium ist aber vor allem die Reversibilität der Obstruktion der Atemwege im Bronchospasmolystest (siehe Diagnostik).

Merke: Eine vollständige Reversibilität schließt eine COPD aus!

Weitere wichtige Differentialdiagnosen sind:

  • Asthma cardiale: Patienten mit Linksherzinsuffizienz, die eine Lungenstauung mit Atemnot entwickelt haben. Feuchte Rasselgeräusche bei der Auskultation und ein Röntgen-Thorax mit pulmonalen Stauungszeichen führen hier zur richtigen Diagnose.
  • Lungenembolie mit Atemnot: Diese setzt akut und plötzlich ein. Aber auch mehrzeitige, kleine Lungenembolien können ein Asthma vortäuschen!
  • Spannungspneumothorax: Achten Sie hier auf die Seitendifferenz bei der Auskultation!
  • Obstruktionen anderer Genese: z.B. Fremdkörperaspiration, Tumor, Glottisödem. Ein inspiratorischer Stridor bei der Auskultation spricht für eine Obstruktion der oberen Luftwege!

Therapie

Kausale Therapie des Asthma bronchiale

Hier gilt es, auslösende Substanzen zu meiden. Für das allergische Asthma heißt dies, auf auslösende Agentien (z.B. Pollen) zu achten und gegebenenfalls eine frühzeitige Hyposensibilisierung durchzuführen. Bei analgetika-induziertem Asthma muss strikt auf die Einnahme von ASS und NSAR verzichtet werden. Bei infektassoziiertem Asthma sollten die auftretenden Infekte frühzeitig behandelt werden.

Die Patienten sollten außerdem versuchen, eine Reizung der Atemwege zu minimieren. Hier helfen:

  • Rauchverzicht
  • Allergenkarenz
  • Meiden von Kaltluft, Nebel und Staub
  • Infektprophylaxe und Meiden von übertriebener körperlicher Anstrengung.

Weiterhin können supportiv eine Patientenschulung zum Umgang mit Inhalationssystemen, Tabakentwöhnung und Atemphysiotherapie in Betracht gezogen werden.

Symptomatische Therapie des Asthma bronchiale

Hier ist es das Ziel, die kontrollierte Form des Asthmas zu erreichen (siehe Klassifikation). Hierfür werden je nach Schweregrad ein Bedarfsmedikament (“Reliever”) im akuten Anfall und gegebenenfalls eine langfristige Dauertherapie (“Controller”) eingesetzt.

Es ergibt sich eine sogenannte Stufentherapie nach dem Prinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Der Schritt auf die nächsthöhere Therapiestufe erfolgt, wenn trotz Therapie keine Anfallsfreiheit besteht.

Die aktuelle Therapieempfehlung nach der Leitlinie der GINA (Global Initiative for Asthma) lautet wie folgt:

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 5
Dauertherapie Dauertherapie ICS niedrige Dosis ICS (oder LABM) niedrige bis mittlere Dosis ICS
mittlere bis hohe Dosis
PLUS
LABM
ICS
mittlere bis hohe Dosis
PLUS
LABA
PLUS
OCS
niedrigst wirksame Dosis
Dauertherapie -Alternative
ggf. ICS
niedrige Dosis
LTRA ICS
niedrige Dosis und
LTRA oder Theophillin
ggf. PLUS  und LTRA und/oder
Theophillin
ggf. Omalizumab (Anti-IgE-Antikörper) bei allergischem Asthma
Bedarfs-Medikament Inhalatives kurzwirksames ß2-Sympathikomimetikum (Salbutamol, Fenoterol, Terbutalin)

 

ICS = inhalatives Kortikosteroid (meist Budesonid oder Beclomethason)

LABM = langwirksames ß2-Mimetikum (Salmeterol, Formoterol)

LTRA = Leukotrienrezeptor-Antagonist (meist Montelukast)

OCS = orales Kortikosteroid

Bei der Asthmatherapie für Kinder gilt: Montelukast und der Mastzellstabilisator Cromoglicinsäure sind gegenüber langwirksamen ß2-Mimetika zu bevorzugen.

AsthmaInhalerDie inhalative Applikation der oben genannten Medikamente erfolgt meist in Form eines Dosieraerosols, vom Patienten oft “Asthmaspray” genannt. Wichtig ist es hier, den Patienten gut in die Handhabung des Gerätes einzuweisen – nur wenn das Medikament richtig inhaliert wird, kann es entsprechend wirken!

Eine gute Möglichkeit zur objektiven Einschätzung des Therapieerfolgs für Patient und behandelnden Arzt ist die Anwendung eines Peak-Flow-Meters.

Peak-Flow-Meter

Bild: „Zwei Peak flow meter.“ von Hosse. Lizenz: Public Domain

Mit diesem kleinen und einfach zu handhabenden Gerät kann der Patient zu Hause selbst seinen exspiratorischen Maximalfluss in l/sek messen. Ein Abfall der Peak-Flow-Werte zeigt schon recht früh die mangelnde Kontrolle des Asthmas an und kann somit eine Exazerbation bei rechtzeitigem Handeln verhindern.

Komplikationen

Der Asthmaanfall

Der Asthmaanfall beschreibt die akute Obstruktion der unteren Atemwege. Ist dieser lebensbedrohlich und therapierefraktär, spricht man auch von einem “Status asthmaticus”. Dies ist ein Notfall! Hier muss der Patient sofort unter Notarztbegleitung in das nächste Krankenhaus eingewiesen werden.

Asthma-attacke

Bild: „Animation der Atemwege (bronchiole) Verengung, die in einem Asthma-Anfall auftritt. Reizstoffe Eingabe der Lunge und Schleimbildung sind ebenfalls gezeigt.“ von 7mike5000. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Als Initialtherapie eines Asthmaanfalls werden unabhängig vom Schweregrad des Anfalls 2-4 Hübe eines kurzwirksamen ß2-Sympathomimetikums gegeben (ggf. nach 10 min wiederholen). Diese gelten als effektivste Bronchodilatatoren!

Unterstützend sollte eine atemerleichternde Körperposition eingenommen werden (Sitzen mit aufgestützten Armen) und eventuell erlernte Selbsthilfetechniken eingesetzt werden (Lippenbremse, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur).

Das weitere Therapiemanagement richtet sich nach dem Schweregrad des Asthmaanfalls:

Schwere des Anfalls
Symptome
Versorgung Therapie
Leicht bis mittelschwer
Sprechen normal
AF < 25/min
HF < 110/min
PEF > 50 % des Sollwertes
Ansprechen auf Initialtherapie abwarten 2-4 Hübe eines kurzwirksamen ß2-Sympathikomimetikums
Schwer Atemnot beim Sprechen
AF > 25/min
HF > 110/min
PEF < 50 % des Sollwertes
Stationäre Aufnahme in Erwägung ziehen 2-4 Hübe eines kurzwirksamen ß2-SympathikomimetikumsO2 2-4 l/min
50-100 mg Prednisolonäquivalent
Oral oder i.v.
Ipratropiumbromid inhalativ
Lebensbedrohlich “Silent chest”, frustrane Athmung, Zyanose
Hypotonie, Bradykardie, Erschöpfung, Koma
SaO2 < 92 %
PEF < 33 % des Sollwertes
Sofortige Krankenhauseinweisung mit Notarztbegleitung

 

Merke: Gib niemals ß-Blocker während eines akuten Asthmaanfalls!

Prävention

Dem Asthma bronchiale vorbeugen

Hier gilt es insbesondere die Exposition mit Tabakrauch im Kindesalter zu vermeiden. Langes Stillen, hypoallergene Säuglingsnahrung und Reduktion von Hausstaubmilben werden als möglicherweise vor Asthma schützende Faktoren diskutiert, sind jedoch derzeit noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.

Beliebte Prüfungsfragen zum Thema Asthma bronchiale

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussage zum allergischen Asthma trifft nicht zu?

  1. Die Erstmanifestation liegt zumeist im Kindesalter.
  2. Bei der Pathogenese spielt die IgE-vermittelte Soforttyp-Reaktion (Typ I) eine entscheidende Rolle.
  3. Der Methacholintest (Provokationstest) ist meist negativ.
  4. Fenoterol kann als Bedarfsmedikament eingesetzt werden.
  5. Sind beide Elternteile betroffen, liegt das Erkrankungsrisiko der Kinder bei 60-80 %.

2. Was trifft auf einen “Status asthmaticus” zu?

  1. Es sollte zuerst ein langwirksames ß2-Sympathikomimetikum gegeben werden.
  2. Der Patient sollte sich sofort hinlegen.
  3. Bei der Auskultation sind feuchte Rasselgeräusche zu hören.
  4. Der Patient sollte umgehend in Begleitung eines Notarztes in ein Krankenhaus gebracht werden.
  5. Er beschreibt die akute Obstruktion der oberen Atemwege.

3. Das Peak-Flow-Meter…

  1. …misst den exspiratorischen Maximalfluss in l/sek.
  2. …misst den Tiffeneau-Index.
  3. …wird stationär zur Therapiekontrolle des Asthmas angewandt.
  4. …ermittelt einmal jährlich die wichtigsten Lungenfunktionsparameter bei Asthma-Patienten.
  5. …ermittelt Werte, welche bei Abfall für eine gute Kontrolle des Asthmas sprechen.

Quellen und Leitlinie zum Asthma bronchiale

S3-Leitlinie Nationale Versorgungsleitlinie Asthma von NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF. In: AWMF online (letzte Änderung 2013, wird aktuell überarbeitet)

Gerd Herold und Mitarbeiter, Innere Medizin, 2012

Dr. Hanns Ackermann, Dr. med. Konrad Aden u.a. , AllEx Kompendium für die 2. ÄP, Thieme Verlag, 2012

Lisa Mousseau et al., Determinants of Allergic Rhinitis in Young Children with Asthma, 2014, via Plos One

Global Initiative of Asthma, Global Burden Of Asthma, 2004

Taube, Christian, Asthma bronchiale, 2014

Schmidt, A., Therapieerfahrungen und Monitoring von Omalizumab bei Kindern und Jugendlichen mit einem schweren allergischen Asthma bronchiale, 2015

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Nationale Versorgungs Leitlinie Asthma – Kurzfassung, 2. Auflage, Version 5, 2009, zuletzt geändert: August 2013. 2013

Richtige Lösungen: 1C, 2D, 3A



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5 Gedanken zu „Asthma bronchiale

  • Richard Friedel

    Sehr geehrte Frau Jaehne,
    man schreibt oben über Asthma „Das Chamäleon der Pulmologie: Bei den vielen klinischen Phänotypen ist die Diagnose nicht immer leicht zu stellen, die Pathogenese ist komplex“
    Aber Fingerdruck an einer Lippe vertieft atemwegserweiternd die Atmung durch Reflexbogen und ist der Gegenspieler zu Asthma. Hier hat man die Verbindung zwischen Asthma und Fehlatmung
    Dieser Sachverhalt muss in den Lehrstoff aufgenommen werden.

    1. Maria Jaehne

      Sehr geehrter Herr Friedel,
      wir konnten dafür keine Quelle finden, die das bestätigen kann. Laut Pulmologen ist dieser Reflexbogen nicht evidenzbasiert.

      Freundliche Grüße,
      Maria Jähne.

  • Richard Friedel

    Ich empfehle bei Asthma die Atemgymnastik von Frau. Strelnikova mit dem Video gimnastika strelnikovoi peredniy shag (googeln) mit lauter Einatmung durch die Nase und selbstredend mit steifer Oberlippe.. Nach meiner Erfahrung spielt kräftige Bewegung der Arme eine große Rolle. Die Fäuste werden in Takt mit dem Atemholen zusammen geballt.
    Eine gute Gelegenheit ist ein strammer Spaziergang.. Das unterstützt die Nasenatmung, die dann sich von alleine entwickelt und Kraft spendet statt eher zu behindern. .
    Richard Friedel s3e0101@mail.lrz-muenchen.de

  • Paula Liebner

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    es ist eine sehr interessante Seite. Ich schreibe mein Abitur 5. Prüfungskomponente über das Thema Asthma und suche nun auch nach Material für diesen Tag. Hätten sie vielleicht ein Plakat über etwas davon oder auch Broschüren. Falls nicht, ob sie wissen, wo ich so etwas herbekommen kann ! ?

    Über Hilfe wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen

    Paula Liebner

    1. Maria Jaehne

      Sehr geehte Frau Liebner,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und ihr Lob.
      Wir würden insbesondere auf die Leitlinie verweisen. Diese ist zwar nicht direkt eine Broschüre, enthält aber auch einige gute Abbildungen (auch wenn sie als abgelaufen gilt und überarbeitet werden muss, ist sie dennoch mehr als ausreichend).
      Weiterhin gibt es auf der Seite der Bundeszentrale für Gesundheit und Aufklärung eine Broschüre zum Thema chronische Erkrankungen, die auch das Thema Asthma bronchiale behandelt und die man als PDF herunterladen kann (http://www.bzga.de/botmed_20400000.html). Eine Seite, die eher an Laien gerichtet ist und mehrere (gute) Download -Materialien anbietet, ist diese: http://www.atemwegsliga.de/asthma.html
      Etwas kürzer und für Laien erklärt, bietet auch die Seite http://www.patienten-information.de Download Materialien.

      Ich hoffe, wir konnten Ihnen so weiterhelfen.
      Freundliche Grüße und viel Erfolg bei der Prüfung!
      Maria von Lecturio.