Die akute Bronchitis ist eine der häufigsten viral bedingten Erkrankungen des Atemtrakts. Insbesondere im Winter stellen sich schnell Symptome wie Heiserkeit, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden sowie Schnupfen ein. Dringen die Erreger in die Bronchien ein, gesellt sich zum Symptombild ein quälender, zunächst noch trockener, später dann oftmals produktiver Husten dazu. Lernen Sie mit dem folgenden Beitrag alle prüfungsrelevanten Fakten der akuten Bronchitis für Prüfungen in der Klinik und Ihr Hammerexamen.
Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf AWMF einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version können Sie einsehen.

Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Pulmologie-Kurs.

Bronchitis

Bild: “Bronchitis” von BruceBlaus. Lizenz: CC BY-SA 4.0


Definition

Bei einer akuten Bronchitis handelt es sich um eine akute Entzündung der Bronchialschleimhäute. Aufgrund ihrer Pathogenese geht sie in vielen Fällen mit einer Entzündung der oberen Luftwege einher. Bei Mitbeteiligung der Trachea spricht man von Tracheobronchitis. Je nach Ursache unterscheidet man zwischen infektiöser und irritativer akuter Bronchitis.

Epidemiologie

Verbreitung der akuten Bronchitis

Die akute Bronchitis ist eine sehr häufig anzutreffende Erkrankung. Insbesondere in den Wintermonaten tritt sie gehäuft auf. Eine geschlechterspezifische Häufung existiert nicht. Kinder und Jugendliche zeigen sich anfälliger für die Ausbildung einer akuten Bronchitis als Erwachsene.

Einschränkend sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Diagnose einer akuten Bronchitis aufgrund fehlender richtungsweisender Laborparameter oftmals verfrüht bzw. voreilig gestellt wird. Nicht jeder im Zusammenhang eines Infekts der oberen Atemwege auftretende Husten wird verursacht durch eine Entzündung der Bronchialschleimhaut.

Ätiologie und Pathogenese

Viren als häufigste Ursache einer akuten Bronchitis

In den meisten Fällen geht der akuten Bronchitis eine Infektion der oberen Luftwege voraus. Circa 90 % aller akuten Bronchitiden werden dabei von Viren ausgelöst. Andere pathogene Agenzien wie Bakterien, Pilze oder chemische Reize sind dagegen nur in seltenen Fällen die primäre Ursache der Erkrankung.

Merke: Die häufigste Ursache sind Viren (in 90 % aller Fälle).

Die entzündlichen Ursachen der akuten Bronchitis

In der Regel erfolgt die Infektion mit dem jeweiligen Erreger per Tröpfcheninfektion (z.B. über Husten). Nicht selten handelt es sich um Myxoviren wie Influenza- oder Parainfluenzaviren. Weitere Viren sind Adeno-, Coxsackie- und ECHO-Viren.

Respiratory Syncytial Virus (RSV)

Respiratory Syncytial Virus (RSV)

Bei Kindern handelt es sich zumeist um den sogenannten RS-Virus (Respiratory Syncytial Virus).

Die Viren bahnen sich einen Weg über den Mund bzw. den Nasen-Rachenraum über die Trachea bis in die Hauptbronchien. Dort greifen sie die Zellen der Bronchialschleimhaut an und beeinträchtigen die Funktion der Flimmerhärchen. Schleim und Krankheitserreger werden in der Folge nur noch verlangsamt oder in einem eingeschränkten Maße aus den Bronchien entfernt. In Reaktion darauf erhöht sich die Schleimproduktion. Es kommt zu einem Schleimstau, der wiederum zu einer Reizung der Hustenfühler führt. Diese Reizung zeigt als Resultat Husten.

Demgemäß ist Husten im Rahmen einer akuten Bronchitis zunächst als körpereigene Reaktion auf Schleimexpektoration zu verstehen. In diesem Sinne ist der typische Husten einer akuten Bronchitis ein Ersatzmechanismus zur Gewährleistung der von den angegriffenen Flimmerhärchen nicht mehr geleisteten mukoziliären Clearance.

Bronchitis – Schema

Abbildung A zeigt die Lage der Lunge und Bronchien, im Körper | Abbildung B zeigt eine vergrößerte Detailansicht einer normalen Luftröhre | Abbildung C zeigt eine vergrößerte Detailansicht der Luftröhre mit Bronchitis. Die Röhre ist entzündet und enthält mehr Schleim als üblich.

Die sekundäre Superinfektion einer viralen akuten Bronchitis durch Bakterien

Wie bereits erwähnt, sind lediglich ca. 10 Prozent aller akuten Bronchitiden nicht viralen Ursprungs. Eine primär bakterielle Bronchitis ist daher selten, meist im Rahmen einer schwereren Grunderkrankung, zu erwarten. Allerdings kann auf die virale Infektion durchaus eine Sekundärinfektion mit Bakterien folgen (bakterielle Superinfektion). Auf die viral angegriffene Bronchialschleimhaut setzt sich also eine bakterielle Infektion. Die häufigsten bakteriellen Erreger einer akuten Bronchitis sind:

  • Streptokokken
  • Haemophilus influenzae
  • Chlamydien
  • Pneumokokken
  • Staphylokokkus aureus
  • Mycoplasma pneumoniae

Die irritativen Ursachen der akuten Bronchitis

Eine akute Bronchitis kann auch durch Noxen nicht-infektiöser Natur ausgelöst werden. Man spricht dann von irritativen Ursachen. Oft sind dies inhalative Dämpfe, Gase oder auch Rauch. Auch aspirierte Fremdkörper können eine akute Bronchitis auslösen. Nicht-infektiöse, eine hohe Schleimhauttoxizität aufweisende Agenzien sind konkret:

  • Ammoniak
  • Salzsäure
  • Schwefeldioxid
  • Nitrosegase
  • Ozon
  • Fluorkohlenwasserstoff
  • Kadmiumoxid
  • Platinsalze
  • Bestrahlungen im Rahmen von Krebserkrankungen

Als eine weitere wichtige, nicht-infektiöse Ursache für eine akute Bronchitis kommt die sogenannte Stauungsbronchitis im Rahmen einer fortgeschrittenen Linksherzinsuffizienz in Frage.

Verlauf

Der Verlauf einer unkomplizierten akuten Bronchitis

Die ersten Anzeichen einer akuten Bronchitis

Die akute Bronchitis macht sich in der Regel einen bis wenige Tage nach der Infektion bemerkbar. Die Inkubationszeit ist jedoch stark vom Erreger abhängig. Viren haben im Vergleich zu Bakterien eine relativ kurze Inkubationszeit.

Anfangs zeigen sich allgemeine Grippesymptome wie Fieber und Abgeschlagenheit mit Beschwerden der oberen Luftwege. Bronchitische Symptome manifestieren sich naturgemäß erst nach Infektion der Bronchien. Typische bronchiale Symptome sind:

  • Zunächst trockener, oft quälender, später dann produktiver Husten
  • Rasselgeräusche, Pfeifen und Giemen bei der Auskultation

Weitere Symptome, die im Rahmen einer viralen Infektion unter Mitbeteiligung der Bronchien auftreten können, sind:

  • Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Heiserkeit
  • Retrosternale brennende Schmerzen
  • Nachtschweiß

Symptome im weiteren Verlauf einer unkompliziert verlaufenden akuten Bronchitis

Tage nach Beginn der Erkrankung wechselt der bis dahin trockene Husten üblicherweise in einen produktiven Husten mit zähflüssigem, meist klarem Auswurf. So kann der Husten auch über den gesamten Krankheitsverlauf hinweg trocken bleiben.

Hauptsymptome der Bronchitis im weiteren Verlauf sind:

  • Quälender Husten
  • Wundgefühl im Brustkorb
  • Geröteter Rachen
  • Geschwollene Lymphknoten im Waldeyerschen Rachenring

In der Regel heilt die unkomplizierte akute Bronchitis in einem Zeitraum von ein bis drei Wochen ohne weitere Komplikationen oder Nachwirkungen ab.

Der Verlauf einer obstruktiven (spastischen) akuten Bronchitis

Eine akute Bronchitis kann durch eine bakterielle Superinfektion verkompliziert werden. Hauptsymptom für eine vorliegende bakterielle Sekundärinfektion ist der gelbliche bis grünliche Auswurf, der sich bei ausschließlicher viraler Infektion nicht zeigt. Zusätzlich dazu zeigen sich verstärkt ausgeprägte Atemgeräusche wie Giemen und Rasseln sowie mitunter Dyspnoe und expiratorischer Stridor. Liegen derlei Symptome vor, ist die Wahrscheinlichkeit für eine obstruktive bzw. spastische Bronchitis hoch.

Merke: Das wichtigste Symptom ist der akut auftretende, oft quälende Reizhusten.

Diagnose

Anamnese und Klinik als Kernstück der Diagnostik einer akuten Bronchitis

Liegt keine verkomplizierte Form vor, wird die akute Bronchitis in der Regel über Anamnese und körperliche Untersuchung diagnostiziert. Laboruntersuchungen sind nur in seltenen Fällen erforderlich.

In der Anamnese und der körperlichen Untersuchung zeigt sich:

  • Ein akuter Krankheitsbeginn
  • Grippale Begleitsymptome
  • Husten (oft quälend)
  • Retrosternale Schmerzen
  • Meist ein unauffälliger Auskultationsbefund
  • Eventuell regionär geschwollene Lymphknoten

Weiterführende Diagnostik bei akuter Bronchitis

Kann über Anamnese und Klinik keine sichere Diagnose gestellt werden, bieten sich folgende weitere Diagnoseverfahren an:

  • Laboruntersuchung (BSG, CRP, Leukozyten)
  • Nachweis viraler Erreger (nur in seltenen Fällen notwendig)
  • Röntgenuntersuchung des Thorax (bei Verdacht auf Pneumonie oder Tumor)
  • Mikrobiologische Sputum-Untersuchung
  • Bronchoskopie (bei eventuell auftretenden Hämoptysen)
  • Nachweis von Soor und Candida-albicans bei Immunsuppression bzw. Immundefekt
Merke: Die Diagnose erfolgt in der Regel über Anamnese und körperlicher Untersuchung.

Differenzialdiagnostik

Einer akuten Bronchitis ähnelnde Erkrankungen

In der Regel ist eine akute Bronchitis einfach zu diagnostizieren und bedarf keiner größeren differenzialdiagnostischer Erwägungen. Abzugrenzen ist sie in jedem Fall von:

Differenzialdiagnose Ausschlussmaßnahmen
Asthma bronchiale IgE, Lungenfunktionsprüfung, Allergietests
Pneumonie Röntgenthorax
Influenza Virusnachweis

Erhöhte differenzialdiagnostische Aufmerksamkeit sollte rezidivierenden Bronchitiden geschenkt werden, da dies ein Hinweis auf eine chronische Bronchitis oder aber auch einer verminderten immunologischen Abwehrleistung sein kann. Weitere differenzialdiagnostische Überlegungen sollten in folgende Richtungen gehen:

Differenzialdiagnose Ausschlussmaßnahmen
Tuberkulose Mykobakteriennachweis/ Röntgenthorax
Diphterie Pseudomembranen, Abstrich
Pseudokrupp Heiserkeit, starker Stridor, Abstrich
Chronische Bronchitis Anamnese, Lungenfunktionsüberprüfung
Bronchialkarzinom Anamnese, Röntgenthorax
Lungenmetastasen Röntgenthorax
Lungenembolie Szintigrafie, Röntgen-CT

Therapie

Behandlung der akuten Bronchitis

Ist der Verlauf unkompliziert, sollte lediglich symptomatisch behandelt und auf den Einsatz von antibiotisch wirksamen Pharmazeutika verzichtet werden. Im Vordergrund der symptomatischen Behandlung steht die Sekretolyse.

Vermieden werden sollten Inhalationsnoxen wie Zigarettenrauch und die gleichzeitige Gabe von Expektoranzien und Codein oder Noscapin. Bei verstärkter grippaler Begleitsymptomatik können Analgetika und Antipyretika gegeben werden.

Medikation bei akuter Bronchitis

Bei bakterieller Superinfektion mit protrahiertem bzw. fieberhaftem Verlauf und eitrigem, gelblich bis grünlich gefärbtem Sputum sollten Antibiotika eingesetzt werden. Allerdings sollte zum gezielten Einsatz, wenn möglich, zuvor ein Erregernachweis und ein Antibiogramm angefertigt werden.

Merke: Die Therapie erfolgt in den meisten Fällen symptomatisch.

Verlauf und Prognose

Meist gute Prognose der akuten Bronchitis

In der Regel heilt die akute Bronchitis nach einer Woche spontan ohne Komplikationen aus. Die akute Symptomatik besteht bei protrahiertem Verlauf mit bakterieller Beteiligung meist nicht länger als maximal zwei bis drei Wochen. Der Husten kann eventuell über das akute Stadium hinausgehen und aufgrund einer bestehenden bronchialen Hyperreaktivität noch einige Zeit anhalten.

Komplikationen

Zeigt sich der Verlauf in den allermeisten Fällen als unkompliziert und folgenlos für die Gesundheit, so kann eine akute Bronchitis für Risikopatienten zu einer schweren, folgenreichen Erkrankung werden.

Risikogruppen sind:

  • Bettlägerige, ältere Menschen
  • Raucher
  • COPD-Patienten

Bei diesen Gruppen besteht das Risiko der Verschleppung einer akuten Bronchitis. Die daraus erwachsenden Komplikationen können zum Teil ein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen. Folgende Erkrankungen können als Komplikationen aus einer akuten Bronchitis erwachsen:

  • Bronchopneumonie
  • Chronische Bronchitis
  • Bronchiolitis obliterans
  • Bronchiektasen

Personen, die überdurchschnittlich häufig (Kindern mehr als 6-10 Bronchitiden pro Jahr, Erwachsene mehr als 3-4 Episoden pro Jahr) unter einer akuten Bronchitis leiden, sollten ihren Lungenstatus überprüfen lassen, da gehäuft auftretende Episoden ein Hinweis auf eine Immunschwäche, ein Asthma bronchiale oder aber auch einen Bronchialtumor sein können.

Die akute Bronchitis bei Kindern

Kinderkrankheiten wie Masern, Keuchhusten und Mumps können eine akute Bronchitis mitbedingen. Da der untere Atemtrakt bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern noch nicht voll ausgereift ist, kann eine virale Infektion des Bronchialbereichs schnell zu einer Entzündung der Bronchiolen (Bronchiolitis) führen. In schweren Fällen kommt es so zu einer massiven Obstruktion der unteren Atemwege.

Häufigste Ursache der akuten Bronchitis bei Kindern ist das RS-Virus. Die häufigsten bakteriellen Erreger sind:

  • Chlamydia pneumoniae
  • Streptococcus pneumoniae
  • Haemophilus influenzae
  • Mykoplasma pneumoniae
  • Moxarella catarrhalis

Beliebte Prüfungsfragen zur akuten Bronchitis

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Die Verkleinerung der Lunge bei der Expiration wird gefördert durch

  1. Den Strömungswiderstand in den Lumina der Bronchioli respiratorii
  2. Die Oberflächenspannung der Alveolen
  3. Die Surfactant-Bildung
  4. Eine Aktivierung der Mm. Scaleni
  5. Eine Bronchokonstriktion in der frühen Expirationsphase

2. Welche Aussage trifft nicht zu? Am Aufbau der Blut-Luft-Schranke sind beteiligt

  1. Das Zytoplasma der Endothelzellen der Kapillaren
  2. Die verschmolzenen Basalmembranen der Kapillaren und des Alveolarepithels
  3. Das Zytoplasma der Alveolarepithelzellen
  4. Die Alveolarmakrophagen
  5. Der Surfactant

3. Welche Aussage trifft für den Surfactant der Lunge nicht zu?

  1. Er ist ein Gemisch oberflächenaktiver Substanzen auf dem Alveolarepithel
  2. Er erhöht die Oberflächenspannung in den Alveolen
  3. Er wird von Alveolarzellen produziert
  4. Er trägt zur Verhütung von Atelektasen bei
  5. Er enthält Lipide

Quellen

Böhm, M. (Hrsg.): Innere Medizin, 6., komplett überarbeitete Auflage, München 2009.

Kroegel, Claus; Costabel, Ulrich: Klinische Pneumologie, 1. Auflage, Stuttgart 2014.

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 260. Auflage, Berlin 2004.

Schweitzer, R.: Atmungssystem und Sinnesorgane, München 2012.

www.atemwegsliga.de

www.pneumologenverband.de

www.lungenstiftung.de

Lösungen: 1B; 2D; 3B

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *