Die Gallenblase (lateinisch: Vesica fellea oder Vesica biliaris) ist das Speicherorgan der Gallenflüssigkeit und hat ein Fassungsvermögen von 40-50 ml. Die Galle durchläuft auf ihrem Weg von der Leber ins Duodenum ein Gangsystem, das man in seiner Gesamtheit als Gallenwege bezeichnet. Die Funktion der Gallenblase und Gallenwege ist eine elementare Voraussetzung für das komplizierte Zusammenspiel der Verdauung und kann von typischen Krankheiten gestört sein, die man als Mediziner kennen und verstehen sollte. Um die Verdauung nachvollziehen zu können, sind die Milz und Bauchspeicheldrüse ebenso wichtig.
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diese abbildung zeigt den aufbau der gallenblase

Bild: “Gallbladder” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0


Aufbau der Gallenwege

Die Gallenwege unterteilt man üblicherweise in einen intrahepatischen (innerhalb der Leber liegenden) und extrahepatischen (außerhalb der Leber liegenden) Teil.

Intrahepatische Gallenwege

diese abbildung zeigt die lage der intrahepatischen gallenwege

Bild: “Diagram showing the position of the intrahepatic bile ducts.” von Cancer Research UK. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Den Beginn der Gallenwege bilden die Gallenkanälchen (Canaliculi biliferi), die kein eigenes Epithel besitzen. Ihr Lumen wird einzig von den apikalen Polen gegenüberliegender und durch Tight Junctions dicht verbundener Hepatozyten gebildet. Aus diesem Grund wird die apikale Seite der Hepatozyten auch peribiliärer Zellpol genannt.

Am Rande des Leberläppchens mündet die Galle zuerst in die kurzen Schaltstücke (Hering-Kanälchen) und von dort in den Periportalfeldern in die Gallengänge (Ductuli biliferi interlobulares). Diese haben einen Durchmesser von ca. 40µm und laufen zusammen mit den Ästen der V. portae hepatis (Leberpfortader) und A. hepatica propria in der Glisson-Trias.

Ausgekleidet sind die Gallengänge von einem Epithel, das durch die Sekretion von Bikarbonat und einem passivem Wassernachstrom das Volumen der Galle deutlich erhöhen kann. Die Ductuli biliferi laufen letztendlich in den zwei großen Lebergängen Ductus hepatici dexter bzw. sinister zusammen.

Extrahepatische Gallenwege

Der extrahepatische – also außerhalb der Leber gelegene – Teil der Gallenwege beginnt mit der Vereinigung der Ductus hepatici dexter und sinister, aus der der Ductus hepaticus communis entstammt.

das ist eine abbildung der gallenblase

Dieser verläuft von der Leberpforte an der Leberunterseite etwa 4cm nach kaudal und gibt dort seitlich den Ductus cysticus ab, der die Gallenflüssigkeit zur Gallenblase führt. An dieser Stelle wird der Ductus hepaticus zum Ductus choledochus, der im Ligamentum hepatoduodenale ca. 6cm in Richtung Duodenum verläuft.

Merke: Häufig wird nach den Strukturen im Lig. Hepatoduodenale gefragt. Dies sind die Ursprünge der Glisson-Trias: Vena portae, Arteria hepatica propria und Ductus choledochus.

Der Ductus choledochus enthält an seinem distalen Ende und vor der Vereinigung mit dem Ductus pancreaticus einen Ringmuskel, den Musculus sphincter ductus choledochi, der durch Kontraktion die zwischenzeitliche Speicherung in der Gallenblase sicherstellt.

Trifft der Ductus pancreaticus auf den Ductus choledochus, so bilden diese gemeinsam eine Ampulle (Ampulla hepatopancreatica), die an der Papilla duodeni major (Vateri) in das Duodenum descendens mündet. Der aus glatter Muskulatur bestehende Musculus sphincter ampullae hepatopancreatica (M. sphincter Oddi) reguliert an dieser Stelle die Abgabe von Pankreassekret und Gallenflüssigkeit in das Duodenum.

Lage der Gallenblase

Die Gallenblase liegt der Facies visceralis an, d. h. der den Bauchorganen zugewandten Seite der Leber und liegt dort in der Fossa vesica biliaris. Die Gallenblase liegt in etwa auf der Höhe der neunten Rippe und grenzt mit ihrem Corpus an die Flexura coli dextra an.

diese abbildung zeigt, wo sich die gallenblase befindet

Bild: “Accessory Organs” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Das Collum und Teile des Corpus liegen nach dorsal direkt der Pars superior des Duodenums an. Die Gallenblase teilt den Peritonealüberzug der Leber auf der dem Darm zugewandten Seite und liegt dementsprechend intraperitoneal.

Form und Aufbau der Gallenblase

Die Gallenblase wird in ihrer Form am häufigsten mit einer Birne verglichen, misst in ihrer Länge acht bis zwölf Zentimeter und hat eine Breite von vier bis fünf Zentimetern. Man unterteilt die Gallenblase in drei Abschnitte:

  1. Hals (Collum vesicae biliaris)
  2. Körper (Corpus vesicae biliaris)
  3. Grund (Fundus vesicae biliaris)

Die grüne Farbe der Gallenblase erklärt sich durch die in der Galle enthaltenen Gallenfarbstoffe.

diese abbildung zeigt den aufbau der gallenblase

Bild: “Gallbladder” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Wandbau der Gallenblase

Der Wandbau der Gallenblase folgt dem grundlegenden Bauplan menschlicher Hohlorgane und weist von innen nach außen folgende Schichten auf: die Tunica mucosa, Tunica muscularis und Lamina subserosa.

Die Tunica mucosa wird durch eine Bindegewebsschicht in weit in das Lumen reichenden Schleimhautfalten aufgeworfen, die bei zunehmender Füllung abflachen und dem Organ so eine große Elastizität verleihen. Gelegentlich findet man tiefe Rokitanski-Aschoff-Krypten und charakteristisch für die Mukosa der Gallenblase sind Schleimhautbrücken, die sich durch Aneinanderlagerung der Schleimhautfalten erklären.

Das Lumen der Gallenblase wird von hochprismatischen Epithelzellen mit Mikrovili und Tight Junctions ausgekleidet. Diese Epithelzellen sind durch eine Na+-Resorption und einem passiven Flüssigkeitsstrom in der Lage, die Galle erheblich zu konzentrieren. Die Lamina propria der Mukosa besteht aus kollagenem Bindegewebe, elastischen Fasern und Blutgefäßen, die die Schleimhaut versorgen.

Die Tunica muscularis besteht aus glatter Muskulatur in scherengitterartiger Anordnung und bewirkt durch Kontraktion eine Entleerung der Gallenblase in den Ductus choledochus.

Die äußerste Schicht leberwärts bildet die Lamina subserosa, eine bindegewebige Schicht die in die Capsula fibrosa (Glisson-Kapsel) der Leber übergeht. Auf der dem Darm zugewandten Seite entspricht dies der Tunica serosa (Peritoneum).

Gefäßversorgung und Innervation der Gallenblase

Die arterielle Versorgung der Gallenblase erfolgt über die A. cystica, die dem Ramus dexter der A. hepatica propria entstammt. Die V. cysticae mündet am Lig. Hepatoduodenale in die V. portae.

Die vegetative Innervation entstammt dem Plexus hepaticus, der Fasern des Plexus coeliacus empfängt. Eine parasympathische Stimulation verstärkt die ansonsten hormonell gesteuerte Kontraktion der Gallenblasenmuskulatur und lässt die Sphinctermuskeln erschlaffen.

Teile des Peritonealüberzugs der Gallenblase werden vom N. phrenicus sensibel innerviert. Ebenfalls aus dem Segment C4 innerviert wird auf der rechten Seite die Schulter, womit sich die Head-Zone der Gallenblase an dieser Stelle erklären lässt.

Merke: Die Head-Zone der Gallenblase liegt im Bereich der rechten Schulter (C4) und kann bei einer krankhaften Veränderung zur Projektion von Schmerzen dorthin führen.

Funktion der Gallenblase und Gallenwege

Die Gallenblase ist in erster Linie ein Zwischenspeicher für die Gallenflüssigkeit, während diese nicht im Dünndarm benötigt wird. Unter physiologischen Bedingungen kann die Gallenblase ein Volumen von 40-50 ml erreichen.

Um kein unnötiges Volumen aufzunehmen, entzieht die Mukosa der Galle Na+ sowie Wasser und kann so eine fünf- bis zehnfach höher konzentrierte Gallenflüssigkeit erreichen. Diese „eingedickte“ Galle bezeichnet man als Blasengalle.

Um bei hohen abdominellen Drücken z. B. beim Stuhlgang eine ungewollte Entleerung der Gallenblase zu verhindern, befindet sich im Collum vesicae biliaris mit Übergang in den Ductus choledochus die Heister-Klappe, eine Reihe schraubenförmig angeordneter Schleimhautfalten, die den Ausgang verschließen können.

Maßgeblich verantwortlich für die Ausschüttung der Gallenflüssigkeit ist das Hormon Cholecystokinin (CCK), das von enteroendokrinen Zellen der Dünndarmschleimhaut gebildet wird und bei fett- und aminosäurehaltigem Nahrungsbrei ausgeschüttet wird. Das Hormon bewirkt eine Kontraktion der Tunica muscularis der Gallenblase, die die gespeicherte Gallenflüssigkeit über den Ductus cysticus zurück in die Gallenwege drückt.

Durch Erschlaffung des M. sphincter ductus choledochi (M. sphincter Oddi) folgt die Galle dem geringsten Abflusswiderstand in die Pars descendens des Duodenums. Einen vergleichbaren Effekt hat das vegetative Nervensystem, hier über Acetylcholin vermittelt. Das ebenfalls aus dem Dünndarm stammende Hormon Sekretin stimuliert direkt die Sekretionsleistung in der Leber und steigert so die Produktion an Lebergalle.

Gelangt die Galle letztendlich an der Papilla duodeni major in das Duodenum, ist diese ein wichtiger Mitspieler in der Lipidresorption, indem Gallensäuren und Phospholipide mit den Fetten der Nahrung sogenannte Mizellen bilden, die dann von der Darmschleimhaut resorbiert werden können.

Die wichtigen Gallensäuren werden zur Minimierung des Syntheseaufwands im terminalen Ileum wieder rückresorbiert und gelangen über die V. portae zurück in die Leber. Dies bezeichnet man als enterohepatischen Kreislauf.

Krankheiten der Gallenblase und Gallenwege mit ihren Symptomen

Die Funktion der Gallenwege und Gallenblase kann durch einige typische Krankheiten gestört sein, die häufig miteinander zusammenhängen. Im Folgenden findet sich eine Auswahl der wichtigsten Pathologien, um einen Überblick zu erlangen:

Cholelithiasis – Gallengangsteine

Als Cholelithiasis bezeichnet man die Ausscheidungsstörung der Galle durch eine Abflussbehinderung in Form eines Konkrements (Gallengangstein). In den intrahepatischen Gallenwegen wird dies als Hepatolithiasis bezeichnet, während ein Konkrement im Ductus choledochus als Choledocholithiasis bezeichnet wird. Der häufigste Manifestationsort ist allerdings die Gallenblase, man spricht dann von einer Cholezystolithiasis.

dieses roentgenbild zeigt gallensteine

Bild: “Unauffälliger Gallen- und Pankreasgang, mehrere unterschiedlich große Gallensteine in der Gallenblase und im Gallenblasengang” von J. Guntau. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die häufigste Ursache hierfür ist ein Lösungsungleichgewicht in der Galle und ein daraus folgendes Präzipitieren und Kristallisieren, v. a. des Cholesterins. Neben diesen – bei weitem am häufigsten vorliegenden – Cholesterinsteinen existieren Bilirubinsteine und Kalziumkarbonatsteine.

Patienten weisen häufig erst bei einem Steinabgang aus der Gallenblase in die Gallenwege Symptome auf und leiden dann v. a. postprandial unter kolikartigen Schmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen.

Diagnostizieren lässt sich ein Gallenstein am besten mit der Sonographie, wo man Steine mit dorsalem Schallschatten gut erkennen kann. Therapeutisch ist die Maßnahme erster Wahl meist eine ERCP mit Papillotomie, also einer Inzision der Papilla Vateri.

Merke: Die 6xF-Regel für die Risikofaktoren: female (weiblich), fat (Adipositas), fertile (fruchtbar), forty (>40. Lebensjahr), fair (hellhäutig), family (Familienanamnese).

Cholezystitis – Gallenblasenentzündung

Eine Cholezystitis ist die Entzündung der Gallenblase und beruht in 90% auf einer vorangehenden Cholezystolithiasis. Durch den Gallenflüssigkeitsrückhalt wird die Schleimhaut geschädigt und sekundär von aufsteigenden Darmbakterien infiziert.

Patienten klagen über Schmerzen im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung in die rechte Schulter, haben häufig Fieber und gelegentlich einen Ikterus. Eine Cholezystitis kann das klinische Bild eines akuten Abdomens verursachen.

In der Sonographie erkennt man eine Verdickung der Gallenblasenwand mit für die Krankheit charakteristischer Dreischichtung aufgrund eines Wandödems. Die Therapie der Wahl ist die operative Entfernung der Gallenblase in einer laparoskopischen Cholezystektomie nach Abklingen der akuten Entzündung.

Merke: Prüfer fragen gerne nach dem Murphy-Zeichen, das bei reflektorischem Abbruch der Inspiration bei Palpation des rechten Oberbauches als positiv zu werten ist.
dieser mann hat eine gelbsucht

Bild: “A person with jaundice from hepatic failure.” von James Heilman, MD. Lizenz: CC BY 3.0

Ikterus – Gelbsucht

Der Ikterus (Gelbsucht) ist die Manifestation einer Hyperbilirubinämie, also einer erhöhten Konzentration an Bilirubin im Blut mit Austritt von Gallenfarbstoffen aus dem Blut in das Gewebe.

Anfänglich erkennt man einen Ikterus insbesondere an der Sklera (Sklerenikterus), bei stärkerer Ausprägung auch an der gesamten übrigen Haut des Menschen. Man unterteilt den Ikterus abhängig vom Ort der Schädigung folgendermaßen:

  • Der prähepatische Ikterus entsteht durch eine übermäßige Bildung von Bilirubin.
  • Der hepatische Ikterus entsteht durch eine Störung innerhalb der Leberzelle.
  • Der posthepatische Ikterus entsteht aufgrund einer mechanischen Abflussbehinderung in den Gallenwegen.

Eine Pathologie der Gallenblase (z.B. Cholelithiasis) führt daher in der Regel zu einem posthepatischen Ikterus bei einer Gallengangsobstruktion.

Eine weitere schwerwiegende Erkrankung der Gallenblase und Gallenwege ist der Gallenblasenkrebs.

Untersuchungsmöglichkeiten der Gallenblase und Gallenwege

Palpation Die gesunde Gallenblase ist nicht tastbar. Bei Abflussstörungen kann es zu einer prall gefüllten, unter dem rechten Rippenbogen tastbaren Gallenblase kommen. Dies bezeichnet man klinisch als positives Courvoisier-Zeichen.
Sonographie Die Ultraschall-Untersuchung der Gallenblase ist eine einfache, schnelle und umfassend verfügbare Methode der Diagnostik und erlaubt u. a. eine Beurteilung der Größe, Wandbeschaffenheit und eventuell vorliegender Konkremente der Gallenblase.
ERCP Die ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) ist eine endoskopische Untersuchungsmethode, um vom Duodenum ausgehend retrograd die Gallenwege, die Gallenblase und die Pankreasgänge mit Kontrastmittel darzustellen. Der Vorteil der Untersuchung ist, dass über das Endoskop zeitgleich eine Therapie erfolgen kann, auf der anderen Seite hat der Eingriff noch immer eine Gesamtkomplikationsrate von etwa 10%.

Beliebte Prüfungsfragen zur Gallenblase

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche der folgenden Aussagen zur Galle trifft zu?

  1. Die Lebergalle hat eine höhere Konzentration an Gallensäuren als die Blasengalle.
  2. Die Gallenflüssigkeit gelangt über den Ductus choledochus in die Gallenblase.
  3. Die Galle tritt an der Papilla duodeni minor in das Duodenum ein.
  4. Die Entleerung der Gallenblase wird über das Hormon CCK vermittelt.
  5. Der M. sphincter Oddi ist der Schließmuskel des Ductus cysticus.

2. Welches ist kein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gallensteinen?

  1. Alter > 40 J.
  2. Rauchen
  3. Adipositas
  4. weibliches Geschlecht
  5. Helle Haut

3. Welche Aussage ist falsch?

  1. Patienten mit Cholezystitis haben oft Schmerzen an der rechten Schulter.
  2. Gallensteine finden sich am häufigsten intrahepatisch.
  3. Ein Ikterus zeigt sich meist zuerst an den Skleren.
  4. Die Gallenblase hat eine Größe von etwa 10cm x 5cm.
  5. Die Gallenblase liegt im Drainagegebiet der Leberpfortader.

Quellen

Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage – Thieme Verlag

PROMETHEUS LernAtlas der Anatomie: Innere Organe, 2. Auflage – Thieme Verlag

Herold, G. und MA. Innere Medizin (2015) – Gerd Herold Verlag

Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie, 4. Auflage – Thieme Verlag

Grundmann: Allgemeine Pathologie, 11. Auflage – Elsevier Verlag

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2B, 3B





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