Je komplexer Strukturen und Organe sind, desto störanfälliger ist das gesamte System und seine Funktionen. Das Gehirn ist unser wohl komplexestes Organ. Dementsprechend vielfältig sind Krankheiten, Verletzungen und Schäden, die das Gehirn davontragen kann. Bei allen potenziellen Störungen den Überblick zu behalten und verschiedene Krankheitsbilder kategorisieren zu können, fällt nicht leicht. Hier finden Sie das medizinische Wissen, um die Metaebene in der Neurologie nicht zu verlieren.
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Kurs über das zentrale Nervensystem.

Regionen-von-Gehirnturmoren

Bild: „Brain Cancer Regions“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY-SA 4.0


Sechs Kategorien von Störungen

Ob Krankheiten oder äußere Einflüsse, das Gehirn und die umgebenden Hüllen sind störanfällig. Man kann die neurologischen Schädigungen grob in sechs Kategorien einteilen:

  • Prozesse, die Raum fordern
  • Entzündungsprozesse
  • Prozesse der Degeneration und Dystrophie
  • Traumen
  • Anfälle
  • Krankheiten der Gefäße

Zu jeder dieser Kategorie gehören wiederum eine Vielzahl von Erkrankungen bzw. Schädigungen, von denen die wichtigsten geläufig sein sollten. Gut ist es, schon ein Konzept von generellen Abläufen bei Störungen der jeweiligen Kategorie zu haben. Im Folgenden finden sich Charakteristika und Beispiele jeder der Kategorien.

Raumfordernde Prozesse

Das Gehirn ist durch die Schädelhöhle räumlich limitiert. Jede Form von räumlicher Ausdehnung führt zu Gewebeverdrängung oder -verdichtung. Druck auf neuronalem Gewebe wirkt zwangsläufig schädigend.

Ein klassischer raumfordernder Prozess ist ein Gehirntumor. Aber auch Hirnmetastasen und ein Hydrozephalus gehören zu dieser Kategorie. Der Norm- oder Normaldruckhydrozephalus besteht in einer Expansion der Liquorräume ohne deutlich erhöhten intrakraniellen Druck. Obwohl sich der Druck nur zeitweise erhöht, resultiert die Abnahme des Drucks doch in einem Abbau von Hirnsubstanz.

Zu den wichtigsten raumfordernden Prozessen gehören:

  • Meningeome
  • Astrozytome
  • Medullablastome
  • Glioblastome
  • Neurinome
  • Kraniopharyngeome
  • Oligodendrogliome
  • Hirnmetastasen
  • Normaldruckhydrozephalus

Entzündungsprozesse

Entzündungen des Gehirns werden oftmals durch Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren verursacht. Im weiteren Sinne zählen hierzu auch Erkrankungen, z.B. Prionenerkrankungen, die Entmarkungsprozesse mit sich bringen.

Nicht immer muss ein Erreger im Spiel sein. So zählt auch die Meningeosis neoplastica oder carcinomatosa hierunter. Hier kommt es zur Metastasenbildung in den Meningen, die zu einem entzündlichen Prozess führen.

Die Enzephalomyelitis disseminata führt zu einem fortschreitenden Abbau des Marks und ist besser bekannt als multiple Sklerose. Die Ursache ist hierbei nicht geklärt.

Zu den wichtigsten Entzündungs- und Entmarkungsprozessen gehören:

  • Meningitis (verschiedene Formen, z.B. bakteriell oder tuberkulös)
  • Enzephalitis (verschiedene Formen, z.B. FSME, Herpes-simplex-Enzephalitis)
  • Borreliose
  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Multiple Sklerose
  • Meningeosis neoplastica

Degenerative Prozesse und Dystrophien

Charakteristisch für diese Krankheitsgruppe ist der Verlust von Nervenzellen, der die Funktionsweise des Gehirns in der ein oder anderen Weise einschränkt. Meist handelt es sich um erbliche oder sporadische, langsam fortschreitende Mechanismen. Die neurologischen Symptome sind vielfältig und reichen von Gangstörungen über Gedächtniseinbußen bis zu starker Demenz.

Degenerative Erkrankungen treten mit gewisser Wahrscheinlichkeit in höherem Lebensalter auf, müssen es aber nicht. Das Syndrom der „restless legs“ manifestiert sich beispielsweise meist vor dem 3. Lebensjahrzehnt.

Die wichtigsten Erkrankungen dieser Gruppe sind:

Traumen

Hierbei handelt es sich ausnahmslos um Schädigungen durch äußere Einflüsse wie Stürze oder Kompressionen infolge schneller Bewegungen. Die Symptomatik ist stark von der Schwere der Schäden abhängig.

Eine einfache Hirnerschütterung kann allein durch Schwindel und Übelkeit gekennzeichnet sein. Eine Prellung geht oft mit Amnesien und Lähmungserscheinungen einher.

Bei Hämatomen genügen oft winzige Traumen (sogenanntes Bagatelltrauma), um große Schädigungen zur Folge zu haben. Da ein Hämatom früher oder später zum raumfordernden Prozess wird, ist eine Trepanation oder eine operative Hämatomentleerung oft unerlässlich.

  • Commotio cerebri – Hirnerschütterung
  • Contusio cerebri – Hirnprellung
  • Epidurales Hämatom – Blutung zwischen Schädelknochen und Dura mater mit Gehirnkompression
  • Subdurales Hämatom – Blutung zwischen Dura mater und Arachnoidea

Anfälle

Unter den Anfallsleiden werden gemeinhin Epilepsien bezeichnet. Gut 10 % der deutschen Bevölkerung zeigen eine Neigung zu neuronalen Krämpfen.

Die kortikalen Entladungserscheinungen sind paroxysmaler Natur, treten also bei Epilepsie anfallsartig auf und zeigen sich durch psychische sowie EEG-Veränderungen. Schon ein einziger Anfall mit entsprechender Befundung macht einen Epileptiker aus.

Die Ursachen für Epilepsien sind sehr verschieden. Man differenziert genuine Formen (angeboren bzw. erblich) von symptomatischen Anfällen, die ihre Ursachen in Schädigungen, Tumoren oder Stoffwechselstörungen haben. Weiterhin gibt es fokale, also lokalisierte Anfälle, und generalisierte Anfälle (wie z.B. Petit-mal- und Grand-mal-Anfälle).

Neben den Epilepsien zählt auch die Narkolepsie zu den Anfallsleiden. Hierbei handelt es sich um Störungen der Schlaf-Wach-Regulation.

  • Epilepsien
  • Narkolepsie

Gefäßkrankheiten

Durchblutungsstörungen des Gehirns zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Insbesondere der Schlaganfall oder Insult ist ein wohlbekannter Vertreter dieser Kategorie von Störungen des Gehirns.

Auch wenn nicht jeder Insult einfache Ursachen hat: Die Risikofaktoren Arteriosklerose und der gesundheitliche Aspekt (metabolisches Syndrom) sind bei dieser Form der Gefäßerkrankungen nicht wegzureden.

Subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathien (SAE) sind Demenzen, die auf chronischem Bluthochdruck beruhen. Daneben sind intrazerebrale Blutungen zu nennen, die auch in Folge von Hirninfarkten auftreten können.

Thrombosen der Hirnvenen können insbesondere in Folge von Schwangerschaft (oder Einnahme von Ovulationshemmern) auftreten.

Die Subarachnoidalblutung kann aus kompletter Gesundheit heraus ohne sichtliche Ursache erfolgen und geht oft mit einem starken „Vernichtungskopfschmerz“ einher.

  • Insult (verschiedene Formen, z. B. kompletter Insult, A. cerebri media-Syndrom)
  • Subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathien
  • Thrombosen
  • Intrazerebrale Blutungen
  • Subarachnoidalblutung

Literatur zu Störungen des Gehirns

Mattle, Mumenthaler: Kurzlehrbuch Neurologie, 3. Auflage – Thieme Verlag

Gehlen, Delank: Neurologie, 12. Auflage – Thieme Verlag

Trepel: Neuroanatomie: Struktur und Funktion, 6. Auflage – Elsevier Verlag



So bekommen Sie bessere Noten im Medizinstudium!

Verbessern Sie Ihre Prüfungsergebnisse! Lernen Sie mit dem kostenlosen Lerncoaching für Mediziner:

Effektive Lerntechniken

Individuelle Hilfestellungen

Anwendungsbeispiele für den Alltag

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *