Der Mund ist die Eingangspforte in den Körper. Lebensmittel, Allergene, die Luft zum Atmen - alles findet seinen Weg durch ihn hinein in das Innere. Saisonbedingt kämpft unser Abwehrsystem in diesem Bereich mit Erkältungserregern. Dazu dienen Lymphzellen direkt unter der Epitheloberfläche der Mundhöhle und des Oropharynx. Welche Aufgaben diese erfüllen und was passiert wenn diese überfordert werden und ihre Funktion nicht mehr ausüben können, erfahren Sie hier in diesem Artikel.
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tonsillitis

Bild: „Tonsillitis“ von Michaelbladon. Lizenz: Public Domain


Funktion und Lage der Tonsillen

Beschriftete Abbildung der Kehle

Bild: „Throat“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Die Tonsillen werden im Volksmund auch Mandeln genannt, liegen im oberen Pharynxbereich und gehören zum körpereigenen immunbiologischen Abwehrsystem des Körpers. Insgesamt gibt es sechs Tonsillen: die paarigen Tonsillae palatinae (Gaumenmandel) und Tonsillae tubariae (Tubenmandel an Tubenmündung) und die jeweils unpaare Tonsilla lingualis (Zungenmandel am Zungengrund) und Tonsilla pharyngealis (Rachenmandel am Rachendach, auch Polypen genannt). Zusammenfassend wird die Region der Tonsillen als lymphatischer Rachenring (Waldeyer-Rachenring) bezeichnet. Durch die exponierte Lage am Eingang des Epi- und Mesopharynx haben sie die Aufgabe die mit der Nahrung oder der Atemluft ankommenden Antigene auszufiltern und für den Körper unschädlich zu machen.

Feinbau der Tonsillen

Die Tonsillen liegen unmittelbar unter der Epitheloberfläche, weshalb sie auch zum mukosaassoziierten lymphatischen Gewebe (MALT) gehören und als lymphoepitheliale Organe bezeichnet werden. Das Lymphgewebe liegt unmittelbar unter dem Epithel, wodurch die Lymphozyten direkt in Kontakt mit den Epithelzellen kommen.

Histologisch ist ein charakteristisches Oberflächenrelief zu erkennen: Einstülpungen und Krypten sorgen für eine zerklüftete Morphologie und für eine Vergrößerung der Oberfläche und damit einer Erhöhung des Antigenkontaktes.

Merke: Das MALT ist Lymphgewebe, welches vorwiegend im epithelialen Gewebe vorkommt und prinzipiell überall gleich aufgebaut ist. Es besteht aus einer T-Zone, die sich zwischen den Follikeln der B-Zone befindet sowie einem retikulären Grundgerüst. Zum MALT gehören neben den Mandeln auch die Peyer-Plaques sowie die Lymphfollikel der Appendix vermiformis.

Die Tonsillae palatinae und Tonsilla lingualis werden von einem mehrschichtigem unverhorntem Plattenepithel bedeckt. Die Tonsillae palatinae liegen im Bereich der Schlundenge (Isthmus faucium) in der Fossa tonsillaris. Die Tonsilla lingualis liegt in der Schleimhaut der Zungenwurzel. Circa 20 Krypten ziehen sich bis nahe an den Grund der Mandel. Ausführungsgänge muköser Drüsen münden in den Kryptengrund. Das lymphatische Epithel ist aufgelockert, der Zellverband ähnelt einem weitmaschigen Netz und ist mit freien Zellen (dendritische Zellen, Lymphozyten) durchsetzt.

Tonsils

Bild: „Diagram of the palatine tonsils“ von US National Cancer Institute. Lizenz: Public Domain

Die Basalmembran ist diskontinuierlich und vielfach unterbrochen. Das erleichtert den Übertritt von Antigenen in den darunter liegenden sekundären Lymphfollikeln (B-Zone), deren kappenförmige Oberfläche zur Oberfläche Richtung Mundraum gerichtet ist. Ungeklärt ist bisher noch wie die Antigene in gesunde Tonsillen mit Plattenepithel eingeschleust werden. In den Einbuchtungen bzw. Krypten kann sich Detritus („Abrieb“) aus abgestorbenen Zellen und abgelagerten Materialien befinden. Die Krypten der Tonsilla lingualis sind weniger tief als die der Tonsilla palatina.

Die Tonsilla pharyngealis liegt im Rachendach, genauer gesagt in der Mukosa der Hinterwand des Nasenrachenraumes. Die Oberfläche besteht aus unregelmäßigen Falten und ist von respiratorischem Epithel bedeckt. Im Schulkind-Alter ist diese Mandel lymphatisch sehr aktiv was sich mit zunehmendem Alter ändert. Im Erwachsenenalter ist sie meist atrophisch.

Die Tonsillae tubariae sind eine Ansammlung von Lymphfollikeln im Bereich des Tubenwulstes (Torus tubarius) wo die Ohrtuben in den Rachenraum münden (Ostium pharyngeum tubae auditivae). Alle Tonsillen gehören zwar zum lymphatischen System, liegen allerdings nicht direkt im Verlauf der zu- und abführenden Lymphgefäße des Körpers. Wichtig ist, dass alle Tonsillen keine zuführenden sondern nur kleine abfließende Lymphgefäße haben, die über die Nodi lymphoidei submandibulares weiter zu den Nodi lymphoidei cervicales laterales profundi superiores drainiert werden.

Tonsillenhyperplasie und Tonsillitis

Tonsils und Adenoids

Bild: „Tonsils and Adenoids“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Eine Entzündung der Tonsillen wird als Tonsillitis bezeichnet. Aufgrund der Lage an der Eintrittspforte des Respirationstraktes kommen viele Keime und Nahrungsbestandteile mit den Mandeln in Kontakt. Physiologisch werden diese unschädlich gemacht. Doch häufig führt der enge Kontakt von viralen und bakteriellen Erregern mit dem Lymphgewebe zur Induktion humoraler und zellulärer Immunantwort. Es resultieren inflammatorische Prozesse mit Schmerzen, Fieber, Schwellung, Rötung der Tonsillen und Austritt von gelbem Eiter aus den Kryptenmündungen.

tonsillitis

Bild: „Tonsillitis“ von Michaelbladon. Lizenz: Public Domain

Die besonders im Kindesalter stattfindende Auseinandersetzung des Immunsystems mit sämtlichen Erregern führt im Rahmen der Entzündung zu einer Vergrößerung der Tonsillen (Tonsillenhyperplasie oder Adenoide), bei der sich der Sekundärfollikel in den Tonsillen stark vergrößert, was die „Kampfbereitschaft“ des Immunsystems ausdrückt.

Bei einer stark vergrößerten Rachenmandel (Rachenmandeln werden auch Polypen genannt) kann es insbesondere bei Kindern zu einer Beeinträchtigung der Nasenatmung (alveoläre Hypoventilation) und des Hörvermögens aufgrund mangelnder Belüftung der Paukenhöhle über die Tuba auditiva kommen. Unbehandelt führt dies unter Umständen zu einer schweren Verzögerung des Spracherwerbs.

Therapeutisch wird die Tonsillenhyperplasie je nach Schweregrad durch eine teilweise (Tonsillotomie, TT) oder vollständige Entfernung (Tonsillektomie, TE) behandelt. Für eine Tonsillektomie spricht eine chronische Entzündung der Tonsillen mit Herdcharakter (Streuung in den Organismus), Prophylaxe von rezidivierenden oder persistierenden HNO-Infektionen (Sinusitis u.a.), gestörtes kraniofaziales (Zahn-) Wachstum infolge chronischer Luftgewebsobstruktion, Artikulationsfehler, Tagesmüdigkeit und starke Schluckbeschwerden.

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist die chronische Tonsillitis zu 70% der Hauptgrund einer TE, gefolgt von der Tonsillenhyperplasie (10,9%), dem Peritonsillarabszess (10,9%) sowie sonstigen Ursachen (Tumore). Bezüglich der Häufigkeit einer TT mit Adenotomie bei Kindern wurde ein Altersgipfel um das 5. Lebensjahr festgestellt.

Wissenswertes zur Operationstauglichkeit und zum Verfahren einer Tonsillektomie und einer Tonsillotomie

Der Eingriff wird in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 20 Minuten. Wenn gleichzeitig bei Kindern noch eine Mittelohrschwerhörigkeit besteht, wird diese unter der gleichen Operation mitbehandelt, in dem zusätzlich ein kleiner Schnitt ins Trommelfell (Parazentese) gemacht wird um die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern. Es kommt auch vor, dass ein Röhrchen ins Trommelfell gesetzt wird (Paukendrainage) damit zusätzlich Sekret abfließen kann.

Diese Maßnahmen verlängern die Operationszeit. Eine Operation sollte nur dann durchgeführt werden, wenn das Kind bzw. die jugendliche oder erwachsene Person körperlich gesund ist und mindestens eine Woche vorher weder an Fieber noch an einer Erkältung erkrankt war. Ein operativer Eingriff bei Kindern unter einem Jahr ist umstritten, da sich zu dem Zeitpunkt das Immunsystem des Kindes im Zustand der Aufbauphase befindet. Eine Agranulozytose oder Leukämie stellen ebenfalls eine Kontraindikation der Operation dar.

Vor jeder Operation findet ein Gespräch mit der/m Narkosearzt/-ärztin statt. Sollte ein Narkoserisiko bestehen ist ebenfalls von einer Operation abzuraten. Patienten mit regelmäßiger Medikamenteneinnahme von beispielsweise blutverdünnenden Substanzen müssen vor dem Eingriff diese, in Absprache mit dem Arzt, absetzen. Etwa zwei Wochen vor dem Eingriff sollten auch keine Impfungen mehr vorgenommen werden.

Tonsillotomie: Bei dieser Maßnahme, die häufig im Kindesalter zwischen 3 und 6 Jahren durchgeführt wird, werden die Mandeln teilweise entfernt. Als Indikation gilt eine starke Hyperplasie die mit schweren Atem- und Schluckbeschwerden einhergeht. Der wichtigste Unterschied der eine TE bedingt, ist der, dass bei einer TT die Mandeln keinen chronischen Entzündungsherd darstellen. Bei der Tonsillotomie wird mit Hilfe eines Lasers oder mittels Radiofrequenz ein Teil der Mandel ambulant abgetragen. Für Kinder bleibt so die wichtige Abwehrfunktion der Mandel erhalten.

lymphangioma

Bild: „Lymphangioma“ von openI. Lizenz: CC BY-SA 2.5

Tonsillektomie: Bei diesem Verfahren werden die Mandeln vollständig entfernt und die Narbe verödet. Je weniger Wärme produziert wird während der OP, desto besser für die Wunde und desto weniger Schäden treten im umgebenden Gewebe auf. Die nachfolgenden verschiedenen Methoden unterscheiden sich in dem Grad der angewandten Hitze. Zunächst wird die Mandel mit einer Fasszange gefasst, die Mundschleimhaut mit einer Lanzette inzidiert, der Gaumenbogen angeschnitten und die Mandel aus ihrer Fossa entfernt. Dazu dient:

  1. Chirurgisches Schabinstrument (Raspartorium)
  2. Harmonic-Skalpell-Methode: Gewebsentfernung mittels Ultraschall mit anschließender Verödung
  3. Bipolare Radiofrequenzdissektion: Die Mandel wird durch ein hochfokussiertes Plasmafeld herausgetrennt und das Gewebe verödet
  4. Kohlendioxid-/Dioden-Laser: Mandelgewebszerstörung durch Laserenergie
Tonsillektomie

Bild: „Lymphangioma“ von openI. Lizenz: CC BY-SA 2.5

Zum Abtragen des Gefäßstiels, der an den unteren Gaumenbogen grenzt, wird eine Schlinge verwendet. Die Blutstillung erfolgt mit einer bipolaren Elektropinzette. Nach einem erfolgreich abgelaufenem Eingriff  ist zwischen den vorderem und dem hinteren Gaumenbogen eine etwa 2 cm große Wundfläche zu sehen, die sich in den folgenden Tagen mit einem weißen Wundschorf belegt (Fibrinbelag). Nach etwa einer Woche wird dieser initiale Wundschorf abgestoßen und es können gegebenenfalls Nachblutungen auftreten. Anschließend setzt der Prozess der Narbenheilung ein.

Komplikationen und Risiken der Operation

Aufgrund der direkten Nachbarschaft zu großen blutleitenden Gefäßen des Gehirns ist eine Ruptur dieser Gefäße unter der Operation eines der gefürchteten Szenarien. Die häufigsten Komplikationen ergeben sich eher aus den offenen Wundflächen, bei denen es aufgrund des permanenten physiologischen Schluckaktes zu einer Abtragung der verkrusteten initial verheilten Oberfläche kommt und eine lange Heilungsphase benötigt.

Ein Häufigkeitsgipfel von Nachblutungen aus diesen Wundflächen trifft in den ersten 24 Stunden nach der Operation auf, weshalb ein postoperativer stationärer Aufenthalt zur Überwachung der Regelfall ist. Speziell nach einer TE können schwere chirurgisch zu versorgende Nachblutungen auftreten, weshalb die Forderung einer ambulanten Durchführung dieses Eingriffes abzulehnen ist.

Insgesamt ergab sich laut der Österreichischen Tonsillenstudie 2009/2006 (Sarny S, Ossimitz G, Habermann W, Stammberger H (2012) Die österreichische Tonsillenstudie 2010. Laryngorhinootologie 91:16–21 [PubMed][CrossRef]) bei der Erhebung von 1.000.000 Patientendaten eine versorgungspflichtige Nachblutung in nur 2,7 % aller Fälle. Bei einer Patientengruppe die durch eine TT behandelt worden war, betrug das Nachblutungsrisiko 2,7 % von denen lediglich 0,8 % eine Reintervention benötigten.

Merke:

  1. Die Rachenmandel ist ein lymphatisches Organ und sollte daher nicht leichtfertig entfernt werden
  2. Die konservative Therapie mit Medikamenten wird über einen Zeitraum von über 7 Tagen mit Penicillin durchgeführt
  3. Zu den Hauptindikationen einer TE zählen derzeit die Hyperplasie mit Luftgewebsobstruktion, wiederholte und chronische Entzündungen und der Verdacht auf Tumore
  4. Zu der Hauptindikation einer TT zählt nur eine Hyperplasie der Mandel, die keinen chronischen Entzündungsherd darstellt
  5. Als häufigstes Risiko der TE zählt eine Nachblutung direkt nach der OP oder etwa eine Woche danach nach Abfall des initialen Wundschorfes, die bei einer TT deutlich seltener auftritt

Pharyngitis

Unter einer Pharyngitis ist eine Entzündung der Rachenschleimhaut zu verstehen, die sich symptomatisch durch Halsschmerzen, Fieber und das Gefühl eines grippalen Infektes äußert. Nicht selten kommt eine kombinierte Entzündungserkrankung mit den Tonsillen vor, welche man als Tonsillo-Pharyngitis bezeichnet. Tendenziell sind Kinder deutlich häufiger an der Pharyngitis erkrankt als Erwachsene.

Ursache einer Pharyngitis

Die Ursache können Bakterien oder Viren sein, am häufigsten wird eine Pharyngitis durch die ganz normalen und am häufigsten vorkommenden Erkältungserreger verursacht. Dazu zählen Parainfluenza-, Adeno-, Rhino– und Coronaviren. Ist die Schleimhaut des Rachens durch Viren erst einmal geschwächt, können sich Bakterien zusätzlich einnisten und eine Verstärkung der Entzündung verursachen (Super-/Sekundärinfektion).

Bei einer Pharyngitis handelt es sich meist um Streptokokken der Serogruppe A. Der Mechanismus, der zu dieser Erkrankung führt ist sehr simpel und typisch für die in den Wintermonaten umgehenden Erkrankungen: Die Schleimhäute werden durch die feuchtigkeitsarme kalte Außenluft und die heizungswarme Luft der Innenräume gereizt und ausgetrocknet, was zu einer abgeschwächten Abwehrfunktion führt.

Eine Pharyngitis kann auch durch eine chronische Schleimhaut-Funktionsstörung, durch Reizung durch Zigaretten und Chemikalien sowie durch die in den Wechseljahren vorkommende Hormonumstellung des Körpers ausgelöst werden. Die Übertragung der Krankheit erfolgt über Tröpfcheninfektion.

Diagnose und Behandlung der Pharyngitis

Um eine Pharyngitis differenzialdiagnostisch von anderen Krankheiten abzugrenzen sollte bei einem Arztbesuch der Impfpass mitgebracht werden. Bei regelmäßig erfolgter Schutzimpfung gegen Diphtherie ist diese schon mal sicher auszuschließen. Um einen bakteriellen Erreger ausfindig zu machen und zu identifizieren wird ein Abstrich der Schleimhaut genommen.

Die Pharyngitis klingt bei ausreichend körperlicher Schonung und dem Befolgen des ärztlichen Rates meist nach einer Woche ab, weshalb die Therapie symptomatisch erfolgt. Hausmittel wie beispielsweise Kräuter in Tees oder Ölen können zur Unterstützung eingenommen werden. Liegt ein bakterieller Erreger vor, wird ein Antibiotikum verabreicht.

Mundbodenkarzinom

Definition des Mundbodenkarzinoms

Beim Mundbodenkarzinom handelt es sich um eine maligne Erkrankung, die sich im Plattenepithel des Zungengrundes gebildet hat und Zellen der Mundschleimhaut befällt. Der Radius des befallenen Gewebes ist dabei je nach Zeitpunkt der Diagnose unterschiedlich weit. Im fortgeschrittenen Stadium können sogar die Mundbodenmuskulatur und später auch die Halslymphknoten betroffen sein.

Epidemiologie des Mundbodenkarzinoms

Im Schnitt sind drei Mal mehr Männer betroffen als Frauen. Mit 6% aller Krebserkrankungen liegt das Mundbodenkarzinom weltweit auf Platz 6. Die Erkrankung verläuft selten ohne Präkanzerosen, das heißt oft ist vor dem Ausbruch des eigentlichen Krebses ein Frühstadium erkennbar (s.u.).

Ätiologie des Mundbodenkarzinoms

In acht von zehn Fällen sind Patienten betroffen, die einen regelmäßigen Tabakkonsum (Zigaretten, Kau- oder Schnupftabak) aufweisen.

Der Effekt des Rauchens auf die Tumorerkrankung lässt sich wie folgt erklären: Die Kanzerogene des Zigarettenrauchs sammeln sich unter der Zunge im Speichel. Dort haben die krebserregenden Substanzen genug Zeit ihre schädliche Wirkung auf die Zellen auszuüben. Kommt dazu noch regelmäßiger Alkoholmissbrauch, erhöht dies das Risiko für Mundkrebs noch um ein weiteres. Schlechte Mundhygiene und vitaminarme Ernährung, besonders ein Mangel an Vitamin A und C, können sich ebenfalls schädlich auswirken.

Zudem unterscheidet man fakultative und obligate Präkanzerosen. Im Bereich der Mundhöhle gehören zu den fakultativen Präkanzerosen kleine weiße Stippchen, sogenannte Leukoplakien, die oft nur ein stecknadelkopfgroßes Ausmaß erlangen und damit oft übersehen werden. Ein besonderes Auge sollte der Zahnarzt daher bei Routineuntersuchungen besonders ab dem 50. Lebensjahr darauf haben. Leukoplakien sind häufig in der Wangenschleimhaut oder den Mundwinkeln lokalisiert. Obligate Präkanzerosen, wie beispielsweise der Morbus Bowen, sind an der Schleimhaut oder der Zungenseite zu finden und meistens schon zur Zeit des Fundes maligne entartet.

Morphologie und Metastasierung des Mundbodenkarzinoms

oral cancer

Bild: „Oral cancer“ von openI. Lizenz: CC BY-SA 2.5

Man unterscheidet zwei Formen des Krebses, die sich prognostisch voneinander unterscheiden: Die ulzeröse Form wächst nach innen und ist die zu 99% auftretende Form des Krebses. Es handelt sich um ein Plattenepithelkarzinom. An der Lippe lokalisiert hat dieser Krebs eine bessere Heilungsprognose als am Zungengrund. Die nach außen wachsende verruköse Form wächst langsamer und metastasiert erst später. Die Metastasierung, findet nicht hämatogen statt, sondern lymphogen in submandibuläre und seltener in submentale Lymphknotenstationen. Bei dem Schleimhautkrebs sind sowohl parotideale als auch Rachenlymphknoten betroffen.

Cancer of the tongue

Bild: „Cancer of the Tongue“ von wellcomeinages.org. Lizenz: CC BY 4.0

Symptome und Diagnostik des Mundbodenkarzinoms

Ein Mundbodenkarzinom festzustellen ist sehr schwierig da die anfänglichen und zu dem Zeitpunkt noch gut heilbaren Stadien des Tumors keine Schmerzen verursachen und optisch meist noch gar nicht festzustellen sind. Viele unspezifische Symptome wie beispielsweise Mundgeruch oder phonetische Sprachstörungen können als Hinweise auf einen initialen Mundbodenkrebs gedeutet werden.

Um einen Tumor differenzialdiagnostisch abzusichern sollte eine Computertomographie oder eine Kernspintomographie des vermuteten Areals durchgeführt werden. Bei fortgeschrittenem Stadium (ab T3) müssen die eventuell von Metastasen betroffenen Organe wie beispielsweise die Leber oder die Nieren ebenfalls untersucht werden.

Therapie des Mundbodenkarzinoms

Die Therapie lässt sich in einen chirurgischen und einen radiologischen Teil unterscheiden. Mit einem Sicherheitsradius von einem knappen Zentimeter ist eine Resektion meistens das Mittel der Wahl. Ist der Krebs bereits weiter fortgeschritten, ist eine partielle Sektion des Unterkiefers nötig. Auch die Entfernung der Lymphknoten im Halsbereich („Neck-Dissection“), welche schon bei einem relativ frühen Diagnose Zeitpunkt als prophylaktische Maßnahme durchgeführt wird, ist eine Therapiemöglichkeit. Die radiologische Therapie umfasst ausschließlich eine Strahlentherapie, die bei kleineren Tumoren angewendet wird. Ist der Tumor sehr aggressiv, ist auch eine Kombination aus chirurgisch-radiologischer Therapie möglich.

Zungenkarzinom

Zungenkrebs

Bild: „Cancer of the Tongue“ von openI. Lizenz: CC BY-Sa 2.5

Symptome und Diagnostik des Zungenkarzinoms

Der Zungenkrebs ist wie der Mundbodenkrebs symptomatisch schwer zu diagnostizieren.  Frühe Anzeichen dieses Tumors können Halsschmerzen, Schluckstörungen, starker Speichelfluss oder im fortgeschrittene Stadium eine verwaschene Aussprache und ein Fremdkörpergefühl im Hals und Rachen sein. Ein weißlich-gelber nicht abwischbarer Belag ist ein manifester Hinweis. Bewegungsstörungen der Zunge treten erst bei fortgeschrittener Entwicklung auf und sind je nach Lokalisation und Ausmaß des Tumors unterschiedlich stark. Eine eindeutige Diagnose kann der Arzt durch Zuhilfenahme einer Biopsie, eines CT oder MRT stellen.

Zungentumor

Bild: „Cancer of the Tongue“ von openI. Lizenz: CC BY-Sa 2.5

Therapie des Zungenkarzinoms

Wenn es möglich ist, wird der Tumor operativ entfernt. Ist der Befall jedoch so groß, dass der überwiegende Muskelanteil der Zunge entfernt werden müsste, wird meistens nur ein kleiner Teil operiert und zusätzlich eine Strahlentherapie eingesetzt. Andererseits wäre eine Wortbildung nicht mehr möglich. Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet wird eine Chemotherapie empfohlen. Auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten mindert ebenfalls das Risiko, dass der Zungenkrebs erneut oder überhaupt erst entsteht.

Merke: In der Histopathologie hat sich die 5S-Regel zur Entstehung eines Krebses etabliert: Smoking, spirits, syphilis and septic teeth. Inzwischen ist auch bekannt, dass zu der Entstehung eines Mundkrebses neben den beschriebenen Ursachen wie Rauchen, Alkohol und schlechter Mundhygiene auch Sexualpraktiken und die dadurch verbundene Übertragung von humanen Papillomviren zählen.

Zahnersatz als Ursache für Zungenkrebs?

Die Ursache von Zungenkrebs bei Nichtrauchern ist schwer zu finden. Da dieser Typ von Krebs meistens erst ab dem 50. Lebensjahr auftritt, wenn viele Patienten bereits zahnprothetisch mit Brücken, Prothesen oder Kronen versorgt sind, lässt die Vermutung zu, dass gegebenenfalls der Zahnersatz, meistens schlecht sitzender Zahnersatz, einen Einfluss auf den Ausbruch eines Zungenkrebses hat. Manifeste Zusammenhänge wurden bisher klinisch aber nicht bewiesen.

Hypopharynxkarzinom

Anatomy of Nose Pharynx Mouth Larynx

Bild: „Anatomy of Nose Pharynx Mouth Larynx“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Unter dem Begriff Hypopharynxkarzinom versteht man eine maligne Epithelentartung im unteren Schlundbereich. Als Ursachen sind Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch, schlechte Mundhygiene mit pathologischer Speichelzusammensetzung sowie ein beruflich bedingter Kontakt zu Metallstäuben zu nennen. Wie auch bei dem Zungen- und Mundbodenkarzinom ist das Hypopharynxkarzinom ein Plattenepithelkarzinom.

Lokalisation und Symptome des Hypopharynxkarzinoms

Zu den drei häufigsten Orten des Krebsausbruchs im Bereich des Hypopharynx zählen der Sinus piriformis, die Postkrikoidregion und die hintere Pharynxwand. Zu den häufigsten Symptomen gehören Dysphagien (Schluckbeschwerden), Fremdkörpergefühle oder stechende zum Ohr ziehende Schmerzen. Ist der Tumor auf den Kehlkopf übergegangen, sind des weiteren Heiserkeit und Hyperventilation aufgrund von Atemnot festzustellen. Eine Vergrößerung der Lymphknoten hinter dem Ohr und am Kieferwinkel ist zu palpieren.

Beliebte Prüfungsfragen zu den Erkrankungen der Mundhöhle

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Struktur gehört nicht zum „Waldeyer-Rachenring“?

  1. Tonsilla palatina
  2. Thymus
  3. Tonsilla pharyngea
  4. Tonsilla tubaria

2. Welche Indikation führt zu einer Tonsillotomie?

  1. Chronisch entzündete Tonsillen
  2. Eine mit Eiter belegte Tonsilla palatina
  3. Deutlich erhöhte Entzündungswerte im Blut
  4. Eine Hyperplasie im Kindesalter

3. Welches diagnostisches Hilfsmittel dient nicht der Erkennung einer Oropharynxerkrankung?

  1. Computertomographie
  2. Palpieren mit Daumen und Zeigefinger
  3. Magnetresonanztomographie
  4. Biopsie

Quellen

Tonsillektomie und Tonsillotomie via Springer

Mandeloperation (Tonsilektomie/ Tonsillotomie) via HNO-Ärzte im Netz

OP-Methoden zur Tonsillektomie via Spiegel Online

Tonsillektomie via PflegeWiki

Rachenentzündung via netdoktor

Krebs im Mund stoppen: Bei einem Mundbodenkarzinom ist die Entfernung der Lymphknoten sinnvoll via paradisi.de

Entstehung, Behandlung und Prävention von Mundhöhlenkrebs via Fanconi-Anämie

Endspurt Vorklinik Histologie (2011) – Thieme Verlag

Aumüller, G. et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage (2010) – Thieme Verlag

Riede, U.-N.: Taschenatlas der allgemeinen Pathologie (1998) – Thieme Verlag

Richtige Lösungen: 1B, 2D, 3B



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