Die Arteriosklerose ist eines der Krankheitsbilder, die man als angehender Mediziner unbedingt sicher beherrschen sollte. Sie ist nicht nur die häufigste arterielle Gefäßerkrankung, sondern auch pathologische Grundlage von vielen anderen häufigen und oft lebensbedrohlichen Krankheitsbildern wie dem Herzinfarkt, Schlaganfall und Aneurysmen. Diese kardiovaskulären Krankheitsbilder sind immer noch die häufigste Todesursache in Industrieländern. Medizinisch hat die Arteriosklerose daher eine hohe Relevanz. Auch die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK, entsteht auf dem Boden einer Arteriosklerose. Erfahren Sie hier alles über den Pathomechanismus der Arteriosklerose und die pAVK als klinische Ausprägung.

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Arteriosklerose

Bild: “Runter kommen” von Janine Pusa. Lizenz: CC BY 2.0


Arteriosklerose

Veränderungen an Intima und Media

Die Arteriosklerose ist eine systemische Gefäßerkrankung mit Verkalkung der arteriellen Gefäße. Veränderungen in der Endothelschicht (Intima) der Arterien mit Kollagen- und Lipideinlagerungen („fatty streaks“) führen zu einer Entzündungreaktion, die auf die mittlere Gefäßwand (Media) übergreift. Komplikationen sind die Gefäßverengung und die Thrombenbildung, die zum kompletten Verschluss und damit zur Sauerstoffunterversorgung des versorgten Gewebes führen können.

Ätiologie der Arteriosklerose

Die Arteriosklerose ist die häufigste Erkrankung der Arterien. Sie ist ein degenerativer Prozess, der bereits im Jugendalter beginnt. Über die genaue Entstehung gibt es trotz intensiver Forschung noch mehrere, gleichwertige Theorien. Diese sind sich darüber einig, dass der Pathomechanismus mit arteriosklerotischen Veränderungen der Intima einhergeht.

Aufgrund einer chronischen Endothelschädigung erhöht sich die Permeabilität und Lipide können sich in diesem Bereich ablagern. Oxidiertes LDL-Cholesterin induziert eine Expression von Adhäsionsfaktoren. Dadurch wandern zunehmend Entzündungszellen ein und binden an diese. Es entstehen Schaumzellen oder auch „fatty streaks“ genannt. Diese Entzündungsreaktion der Intima bewirkt eine zunehmende Proliferation der glatten Muskelzellen. Sie wandern anschließend in die Intima ein und es kommt zur Kollagenbildung, welche einen stenosierenden Plaque darstellt.

Diese Faktoren erhöhen das Risiko für Arteriosklerose

Trotz Unklarheiten über den genauen Entstehungsmechanismus, konnten über die Jahre einige Risikofaktoren für die Entwicklung der Arteriosklerose identifiziert werden. Man unterscheidet Risikofaktoren erster Ordnung, die statistisch das Erkrankungsrisiko erhöhen, und Risikofaktoren zweiter Ordnung, die das Risiko wahrscheinlich erhöhen (siehe Tabelle). Eine groß angelegte Studie (PROCAM-Studie) untersuchte die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestätigte den Einfluss der aufgelisteten Faktoren.

Risikofaktoren 1.Ordnung Risikofaktoren 2.Ordnung
– Nikotinabusus- arterielle Hypertonie

– Hyperlipidämie (Erhöhung der LDL, Reduktion der HDL)

– Diabetes mellitus

– hohes Lebensalter

– männliches Geschlecht

– genetische Prädisposition- Adipositas

– Bewegungsmangel

– chronischer (negativer) Stress

 

Halt an langweiligen Schaufenstern – die pAVK

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist im Volksmund als „Schaufensterkrankheit“ bekannt, da die mit ihr einhergehenden Gefäßverschlüsse und Durchblutungsdefizite die Patienten oft zu einer ungewollten Pause, z.B. an Schaufenstern, zwingen. Sie ist die Manifestation der Arteriosklerose an den peripheren Gefäßen, meist der Aorta oder den Beinarterien.
Klinisch zeigt sich die pAVK neben den genannten Schmerzen bei Belastung (Claudicatio intermittens) als abgeschwächte oder nicht mehr tastbare Pulse an den Beinarterien, Blässe, Kälte, Parästhesien. Banale Wunden heilen schlechter und es kann durch die Durchblutungsstörung zu Ulzera bis hin zu Nekrosen kommen. Die klinische Stadieneinteilung der pAVK erfolgt nach Fontaine. (siehe Tabelle)

 Stadium Symptome
 I  Keine Beschwerden
 II  Claudicatio intermittens, IIa: schmerzfreie Gehstrecke >200m, IIb: schmerzfreie Gehstrecke <200m
 III  Ruheschmerz im Liegen
 IV  Nekrotische Veränderungen

Neben der Vermeidung der typischen Risikofaktoren für Arteriosklerose können in den niedrigeren Stadien eine sorgfältige Fußpflege, nächtliches Tieflagern der Beine, Gehtraining und die Thromboseprophylaxe mit ASS wirksam sein.

Ab Stadium IIb sollte die Indikation für eine operative Versorgung geprüft werden, wobei es mehrere Alternativen gibt. Mittels perkutaner transluminaler Angioplastie (PTA) kann die Durchgängigkeit des Gefäßes wieder hergestellt werden und eventuell gleich ein Stent mit eingesetzt werden. Bei kurzen Verschlüssen kann eine Ausschälung (Thrombendarterieektomie, TEA) genügen. Eine weitere Alternative ist ein Bypass mit körpereigenem Gefäßmaterial (V. saphena magna) oder Fremdmaterial. Die Amputation ist die letzte erwogene Maßnahme (ultima ratio).

 

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