Dass sich das Rauchen während der Schwangerschaft negativ auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes auswirkt, ist hinlänglich bekannt. Welchen Einfluss der mütterliche Tabakkonsum darüber hinaus auch auf die Enkelgeneration hat, haben englische Forscher im American Journal of Biology veröffentlicht und Erstaunliches herausgefunden.
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Schwangerschaft Rauchen

Bild: von Kevin Dooley. Lizenz: CC BY 2.0


Die Studie

Über eine Zeitspanne von 10 Jahren beobachteten die Forscher die körperliche Entwicklung von über 5000 Kindern, die im Zeitraum von 1991-1992 in der britischen Grafschaft Avon geboren worden waren (ALSPAC- Studie).  Dabei kontrollierten sie in jährlichen Abständen, beginnend ab dem 7. Lebensjahr, die  Körpergröße, das Gewicht, den Kopf- und Hüftumfang, die Handkraft, den Körperfettanteil und die Knochenmasse der Kinder. Mit Hilfe von Fragebögen, die sie den Eltern zusandten erfassten sie darüber hinaus, ob die Mütter und/oder die Großmütter mütterlicher- bzw. väterlicherseits im Zuge ihrer Schwangerschaft geraucht hatten.

Ergebnisse

Die Forscher fanden dabei Überraschendes heraus: Jungen, deren Großmütter mütterlicherseits– nicht aber deren Mütter- unter der Schwangerschaft geraucht hatten, waren bei Geburt und zu den Erhebungszeitpunkten größer, schwerer und kräftiger als die Enkelsöhne von Nichtraucherinnen.  Rauchte zusätzlich die Mutter unter der Schwangerschaft, war dieser Effekt nicht nachweisbar.

Anders sah es bei den Mädchen aus: Hier zeigte das Rauchverhalten der Großmütter mütterlicherseits allein keinen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Rauchte jedoch zusätzlich die Mutter unter der Schwangerschaft, dann waren die Mädchen kleiner und schmächtiger als ihre Altersgenossinen, deren Mütter- nicht aber deren Großmütter- geraucht hatten.

Unabhängig vom Geschlecht zeigte sich ein Entwicklungsvorsprung bezüglich Muskel- und Knochenmasse auf Seiten der Kinder, deren Großmütter väterlicherseits unter der Schwangerschaft geraucht hatten, gegenüber den Enkeln von Nichtraucherinnen. Die Enkelinnen der Raucherinnen waren zudem größer, hatten einen höheren Taillenumfang und einen höheren Körperfettanteil als Enkelinnen von Nichtraucherinnen. Waren Großmutter und Mutter Raucherinnen, zeigten sich hingegen keine Entwicklungsunterschiede.

Erklärungsansätze

Eine abschließende Beurteilung der beobachteten Effekte gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Die Autoren der Studie fordern daher eine Bestätigung ihrer Beobachtungen in Folgestudien als Grundlage für weiterführende Untersuchungen.

Bisherige Erklärungsansätze der Forscher gründen auf der Annahme, dass sich der Tabakkonsum auf die Erbanlagen der ungeborenen Kinder auswirken könnte. Denkbar wäre in etwa eine veränderte Genregulation durch Einflussnahme des Rauchens auf die DNA- Methylierung innerhalb der menschlichen Keimzellen. Somit wäre nachvollziehbar, dass die Nachkommen der in utero Tabakrauchexponierten größer und kräftiger sind als die Nachkommen der Eltern, deren Mütter unter der Schwangerschaft nicht geraucht hatten.

Die darüber hinaus beobachteten Geschlechtsunterschiede in der Ausprägung der beobachteten Merkmale ließen sich durch chromosomale Veränderungen auf Ebene der Geschlechtschromosomen (X,Y) erklären. Die genauen molekularen Mechanismen sind jedoch noch unbekannt.

Rauchen in der Schwangerschaft ist ein Risikofaktor

Rauchen ist und bleibt ein Risikofaktor für das ungeborene Kind. Zwar wurden keine Fehlbildungen im Zusammenhang mit dem Zigarettenkonsum unter der Schwangerschaft beschrieben. Doch sind viele Inhaltststoffe des Tabakrauches direkt plazentagängig und damit  potentiell embryo- und fetotoxisch. Zudem führt der Nikotinkonsum zu einer Durchblutungsstörungen der Plazenta mit zum Teil schwerwiegenden Folgen für das ungeborene Kind:

  • Das fetale Wachstum ist beeinträchtigt (intrauterine Wachstumsretardierung). Diese Entwicklungsverzögerung wird i.d.R.  bis zum Zeitpunkt der Geburt nicht mehr aufgeholt (small for date babies) und kann sich bis ins Kindesalter fortsetzen.
  • Die Frühgeburtlichkeitsrate ist erhöht.
  • Das Risiko von Plazentationsstörungen (vorzeitige Plazentalösung, Plazenta pravia) ist erhöht.
  • Die perinatale Mortalität ist erhöht.

Quelle: Jean Golding, Kate Northstone et. al. The anthropometry of children and adolescents may be influenced by the prenatal smoking habits of their grandmothers: A longitudinal cohort study. American Journal of Human Biology, 2014; DOI: 10.1002/ajhb.22594






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