In diesem Artikel bekommen sie einen Überblick über die Pathologie der Armnerven und können nachvollziehen, wie sich eine Schwurhand bei der Medianus-, eine Krallenhand bei der Ulnaris- sowie eine Fallhand bei der Radialislähmung erklären lässt.
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dieses bild zeigt eine orthese zur behandlung eines karpaltunnelsyndroms


Läsionen des N. medianus

dieses bild zeigt die muskeln die die unterarme bewegen

Bild: “Muscles That Move the Forearm” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Definition – Läsionen des N. medianus

Der N. medianus ist ein aus den Rückenmarkssegmenten C6 bis Th1 austretender peripherer Nerv, der mit einer Radix lateralis und Radix medialis aus dem Fasciculus lateralis und dem Fasciculus medialis entspringt. Neben motorischen und sensiblen Nervenfasern wird der N. medianus auch von vielen vegetativen Nerven begleitet.

Die beiden austretenden Wurzeln liegen an der A. axillaris und vereinigen sich vor ihr zum N. medianus. Aus diesem Grund spricht man auch von der Medianusschlinge oder der Medianusgabel.

Der N. medianus innerviert am Unterarm alle Flexoren mit Ausnahme des M. flexor carpi ulnaris und des ulnaren Teils des M. flexor digitorum profundus. An der Hand versorgt der Nerv die Mm. lumbricales I und II sowie von den Thenarmuskeln den M. abductor pollicis brevis, M. opponens pollicis und den oberflächlichen Kopf des M. flexor pollicis brevis.

An der Hand sind die Endglieder der Zeige- und Mittelfinger sensible Autonomgebiete.

diese abbildung zeigt die muskeln die die hand bewegen

Bild: “Titel” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Ätiologie – Läsionen des N. medianus

Die Ursachen einer Läsion des N. medianus sind vielfältig, die vom Ort der Läsion abhängig sind:

Ort der Läsionen: Läsionen:
Läsionen in der Axilla Medianusparesen durch Arterienpunktionen
Läsionen am Oberarm Fraktur des Processus supracondylaris; Knochensporn; Processus supracondylaris kann eine Reizung des Nervs ohne ein Trauma bewirken
Läsionen im Ellenbogenbereich Frakturen des distalen Humerus; Punktion und Injektion
Läsionen am Vorderarm Aufgrund einer chronischen Reizung kann es zu Schmerzen und Krämpfen der volaren Vorderarmmuskeln und Parästhesien der radialen Finger kommen.
Läsionen am Handgelenk Schnittverletzungen; selten distalen Radiusfrakturen; Tumore wie das Schwannom oder ein Fibrolipom

Symptome von Läsionen des N. medianus

Bei einer Läsion des N. medianus sind folgende Symptome typisch:

  • Die „Schwurhand“
  • Daumen- und Kleinfingerprobe sind nicht möglich: Ein Ausfall des M. opponens pollicis und der M. abductor verhindert den Zusammenschluss der Daumen- und Kleinfingerkuppe.
  • Atrophie der Thenarmuskeln (Daumenballenatrophie): Vertiefung in der lateralen Thenarmpartie; Daumenballenatrophie wird generell bei einem Karpaltunnelsyndrom diagnostiziert.
  • Sensibilitätsstörung
  • Ein „positives Flaschenzeichen“
  • Trophisch-vegetative Störung: ödematöse Veränderungen an Hand und Fingern, Schmerzhyperpathie, Ausfall von Schweißdrüsen und Befeuchtung der entsprechenden Hautbezirke.
  • Unfähigkeit Daumen und Zeigefinger zu flektieren, d.h. es gelingt nicht, das Daumen und Zeigefinger ein „schönes rundes 0“ formen.

So sieht ein unbehandeltes Karpaltunnelsyndrom aus:

dieses bild zeigt ein unbehandeltes karpaltunnelsyndrom

Bild: “Unbehandeltes Karpaltunnelsyndrom” von Dr. Harry Gouvas. Lizenz: Public Domain

Merke: Eine Schwurhand entsteht infolge des proximalen Ausfalls der vom N. medianus innervierten Muskeln, die einen Faustschluss unvollständig machen. Der Zeigefinger sowie zum Teil auch der Mittelfinger können nicht mehr gebeugt werden. Des Weiteren fehlt die Beugefähigkeit des Daumens im Grund- und Endgelenk. Ring- und Kleinfinger können hingegen gebeugt werden, da diese vom N. ulnaris versorgt werden. Bei einem Medianusausfall an der Hand findet sich motorisch am Thenar eine Parese des M. abductor pollicis brevis. Beim Versuch eine Flasche zu greifen, diagnostiziert man ein ungenügendes Abspreizen des Daumens (positives Flaschenzeichen).

Diagnostik von Läsionen des N. medianus

Um eine Medianusläsion feststellen zu können, können die vom N. Medianus innervierten Muskeln auf ihre Funktionen getestet werden.

Der N. Medianus innerviert folgende Muskeln:

  • Pronator teres und pronator quadratus
  • Flexor carpi radialis
  • Flexor digitorum superficialis
  • Flexor digitorum profundus für Finger II und III
  • Flexor pollicis longus
  • Abductor pollicis brevis

Muskelfunktionsprüfung am Beispiel des M. abductor pollicis brevis:

Den M. abductor pollicis brevis testet man, indem man die Mittelhand des Patienten fixiert und er seinen Daumenstrahl in der Handebene gegen einen Widerstand abspreizt. Alternativ kann auch ein Test mit dem Greifen eines Glases Wasser durchgeführt werden (positives Flaschenzeichen).

Elektrophysiologische Befunde sind meist nicht so zuverlässig wie der Nachweis neurogener Veränderungen in den entsprechenden Muskeln.

Differentialdiagnosen zu Läsionen des N. medianus

Durch eine traumatische Ruptur der betroffenen Muskeln oder einen Abriss der Sehnen können auch Ausfallerscheinungen der Beuger von Daumen- und Zeigefinger- Endgliedern entstehen.

Therapie von Läsionen des N. medianus

Beim Karpaltunnelsyndrom, beim N. interosseus- anterior-Syndrom sowie bei Druckbelastungen auf den N. medianus bzw. einer seiner Äste wird konservativ behandelt.

In den überwiegenden Fällen erfolgt jedoch eine chirurgische Therapie.

Das Karpaltunnelsyndrom

Definition: Karpaltunnelsyndrom

Anterior vom Retinaculum flexorum und posterior von den Handwurzelknochen wird ein schmaler Durchgang gebildet, der sog. Karpaltunnel. Als oberste Struktur läuft der N. medianus – sowie die Sehnen des M. flexor digitoum longus – zu den Fingern durch den Karpaltunnel. Sobald ein empfindlicher Druck auf diese Strukturen ausgeübt wird, entsteht als Folge das Karpaltunnelsyndrom.

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Folgende Ursachen einer Kompression des N. medianus können für ein Karpaltunnelsyndrom verantwortlich sein:

  • Entzündungsreaktion in den Sehnenscheiden
  • Flüssigkeitsansammlungen
  • Überanstrengung
  • Infektion
  • Trauma
  • Wiederholende Bewegungen, die die Hand beugen (z.B. auf einer Tastatur schreiben)

Symptome des Karpaltunnelsyndroms

An der lateralen Handseite entstehen durch die Kompression des N. medianus Empfindungsstörungen und es kommt zu einer Atrophie der Thenarmuskulatur. Die Folgen davon sind Schmerzen, ein Taubheitsgefühl und/oder ein Kribbeln der betroffenen Finger.

Diagnostik des Karpaltunnelsyndroms

Auf ein Karpaltunnel-Syndrom können klinische Zeichen bzw. einfache Funktionstests erste diagnostische Hinweise liefern. Dazu zählen vor allem zwei:

  1. Hoffmann-Tinel-Zeichen: Bei diesem Test beklopft der Untersucher den Karpalkanal des Patienten. Löst der Untersucher Parästhesien in den Fingerspitzen aus, so spricht man vom positiven Hoffmann-Tinel-Zeichen.
  2. Phalen-Test: Der Untersucher beugt das Handgelenk des Patienten passiv volar oder dorsal und hält diese Position. Der Untersucher achtet darauf, dass die Finger gestreckt gehalten werden. Bei einem positiven Phalen-Test treten schon nach ca. 30 bis 40 Sekunden Parästhesien im Medianusgebiet auf.

Die Elektrophysiologische Diagnostik wird allerdings bevorzugt. Im Vordergrund für die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms stehen die Verlängerung der motorischen Latenz zu den Daumenballenmuskeln und die Verzögerung der sensiblen Leitungsgeschwindigkeit im distalen Segment.

Therapie des Karpaltunnelsyndroms

Auch beim Karpaltunnelsyndrom können konservative sowie operative Therapien eingesetzt werden. Konservativ können nichtsteroidale Antiphlogistika, Handschienen sowie Corticosteroidinjektionen herangezogen werden.

dieses bild zeigt eine orthese zur behandlung eines karpaltunnelsyndroms

Falls konservative Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigen, werden operative Verfahren eingesetzt.

Läsionen des N. ulnaris

Definition: Läsionen des N. ulnaris

Der N. ulnaris ist ein aus den Rückenmarkssegmenten C8 bis Th1 austretender peripherer Nerv, der über motorische und sensible Nervenfasern verfügt und aus dem Fasciculus medialis des Plexus brachialis entspringt.

Auf der medialen Seite des Humerus hinter dem Septum intermusculare brachii mediale verläuft der Nerv weiter zum Sulcus n. ulnaris an der Unterseite des Epicondylus medialis, wo er dicht unter der Haut liegt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er deswegen als sog. Musikantenknochen bezeichnet.

Der N. ulnaris innerviert mit seinen Ästen motorisch die folgenden Muskeln:

  • Flexor carpi ulnaris
  • Flexor digitorum profundus (ulnaren Teil)
  • Profundus aller Hypothenarmuskeln
  • Teil der Thenarmuskeln
  • Alle Mm. interossei
  • Lumbricales III und IV

Sensibel versorgt der N. ulnaris die Haut über dem Kleinfingerballen und die entsprechende Region auf der Ulnarseite des Handrückens. Außerdem innerviert er vollständig den Kleinfinger und die ulnare Hälfte des Ringfingers. Am Endglied liegt das Autonomgebiet des N. ulnaris.

Ätiologie – Läsionen des N. ulnaris

Auch beim N. ulnaris unterscheiden sich die Ursachen einer Läsion nach ihren Läsionsorten.

Läsionen in Axilla und Oberarm:

Ein direktes Trauma (insbesondere der N. medianus ist meist mitbetroffen) kann der Grund für Läsionen in der Axilla und im Oberarm sein.

Läsionen im Ellenbogenbereich:

  • Direktes Trauma bei einem Schlag auf die Innenseite des Ellenbogens
  • Schnittverletzungen
  • Frakturen des Condylus medialis
  • Fraktur der Trochlea
  • Suprakondyläre Fraktur
  • Sekundäre Paresen
  • Druckläsionen: Sie sind die häufigste Ursache der Ulnarisparesen am Ellenbogen. Ca. 10% bis 25 % aller Ulnarisparesen entstehen nach Allgemeinnarkosen. Bei ca. 20% der Patienten bilden sich die lagerungsbedingten Paresen nicht vollständig zurück.

Luxation der Ulnarnerven aus dem Sulkus:

Eine Ulnarisluxation bleibt häufig ohne Symptome. Inspektorisch kann das Luxieren des Nervs bei gebeugten Ellenbogen schon sichtbar sein. Bei einigen Patienten traten dennoch folgende Hauptsymptome auf:

  • Eine motorische Ulnarisparese
  • Eine sensible Ulnarisparese
  • Eine Dupuytren-Kontraktur
  • Kleinfingerdeformitäten
  • „Knuckle pads“

Läsionen am Vorderarm:

Aufgrund der schützenden Muskulatur treten in diesem Läsionsort bei isolierten Schädigungen des sensiblen R. dorsalis n. ulnaris eher Sensibilitätsstörungen auf.

Diese Sensibilitätsstörungen können aufgrund folgender Ursachen auftreten:

  • Operative Eingriffe des distalen Unterarms, z.B. Shuntoperationen
  • Zu enge Uhrenarmbänder oder Handschellen

Läsionen am Handgelenk:

Ursachen für Läsionen an den Handgelenken können diese sein:

  • Direkte Traumata z.B. Schnittverletzungen
  • Ein Schlag auf das Handgelenk
  • Chronischer Druck auf das Handgelenk durch Arbeitsinstrumente

Läsionen der Fingernerven:

Durch äußeren Druck können Läsionen der Fingernerven auftreten.

Symptome von Läsionen des N. ulnaris

Kennzeichnend für eine Läsion des N. ulnaris sind folgende Symptome:

  • Die „Krallenhand“
  • Eine Atrophie des Daumen- und Kleinfingerballens
  • Eine eingeschränkte Ulnarabduktion der Hand und ein unvollständiger Faustschluss: Finger vier und fünf können aufgrund des Ausfalls des ulnaren Teil des M. flexor digitorum profundus kaum gebeugt werden.
  • Eine fehlende Adduktion des Daumens, aufgrund des Ausfalls des M. adductor pollicis
  • Ein Sensibilitätsverlust in den Kleinfingern

Krallenhand:

Der Mm. lumbricales und Mm. interossei haben die Aufgabe, die Finger zwei bis fünf in der Grundphalanx zu beugen und in der Mittel- und Endphalanx zu strecken. Mit der Ausnahme der Mm. lumbricales I und II, die vom N. medianus innerviert werden, kann man bei einem Ausfall des N. ulnaris das Bild der Krallenhand beobachten.

dieses bild zeigt eine krallenhand

Diagnostik von Läsionen des N. ulnaris

Durch unterschiedliche Funktionsprüfungen an der Hand insbesondere durch das Froment-Zeichen – sind Läsionen des N. ulnaris nachweisbar.

Folgende Muskeln können zur Funktionsprüfung herangezogen werden:

  • Flexor carpi ulnaris
  • Flexor digitorum profundus
  • Interossei

Mm. interossei: Das Ziel dieser Prüfung ist es, dass der Patient seine Langfinger gut spreizen kann. Hier ist vor allem der Mm. interossei dorsales notwendig.

diese animation zeigt die bewegung des Palmar interossei

Bild: “Palmar interossei animation” von Niwadare. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Merke: Eine Schwäche für die Adduktion des Daumens an das Zeigefinger-Grundgelenk äußert sich durch einen Ausfall des M. adductor pollicis. Der Patient flektiert automatisch das Daumenendglied mit dem medianus innervierten M. flexor pollicis longus (Froment-Zeichen). Diese Ulnarisparese wird als positives Froment- Zeichen bezeichnet.

Differentialdiagnosen zu Läsionen des N. ulnaris

Ähnliche Sensibilitätsstörungen und Armplexusparesen sowie eine Nervenwurzelschädigung der achten Halsnervenwurzel (C8) und ersten Brustnervenwurzel (Th1) können u.a. auch hierdurch hervorgerufen werden:

  • Einer Schädigung des Plexus brachialis
  • Einer Schädigung des Rückenmarks
  • Einer chronischen spinalen Muskelatrophie vom Typus Aran-Duchenne
  • Einer myatrophischen Lateralsklerose
  • Intramedullären Prozessen
  • Tumoren

Therapie von Läsionen des N. ulnaris

Ulnarisparesen:

Wenn konservative Maßnahmen durch eine Unterbrechung der pathogenen Tätigkeit oder durch eine ausgiebige Polsterung zur Verteilung des Drucks nicht möglich sind, muss operativ vorgegangen werden.

Durch eine Verlagerung des N. ulnaris an die Palmarseite des Ellenbogengelenks kann man an Länge gewinnen, die allerdings bei gestrecktem Ellenbogen relativ gering ist. Auch nach einer chirurgisch-technisch gut gelungenen Nervennaht können die regenerierenden Fasern des N. ulnaris zu einer Fehlsprossung neigen und sich bei der Koordination von Feinbewegungen der Finger störend auswirken.

dieses bild zeigt eine ulnarisparese

Bild: “Hand eines Patienten mit Lähmung des Nervus ulnaris” von Dr. Jochen Lengerke. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Ulnarisluxationen:

Ulnarisluxationen behandelt man überwiegend konservativ.

Größtenteils konservativ behandelt wird durch eine Vermeidung der pathogenen Momente, das Tragen von Polstern an der Ellenbogeninnenseite zum Schutz vor äußerem Druck sowie die Vermeidung der Ellenbogenbeugehaltung. Nur selten wird bei rezidivierenden Störungen der Nerv operativ nach volar verlagert.

Läsionen des N. radialis

Definition: Läsionen des N. radialis

Der N. radialis ist ein aus den Rückenmarkssegmenten C5 bis Th1 austretender peripherer Nerv, der über motorische und sensible Nervenfasern verfügt und gilt als der kräftigste Ast aus dem für die Innervation der dorsalen Streckergruppe bestimmten Fasciculus posterior.

Der N. radialis versorgt motorisch die Streckergruppe des Ober- und Unterarms, darunter die Extensoren und die langen Handmuskeln. Im Oberarm innerviert er u.a. den M. triceps brachii und den M. anconeus sowie am Unterarm u.a. den Musculus brachioradialis, Musculus extensor indicis und Musculus supinator.

Sensibel innerviert der Nerv die Haut über der Streckseite des Ober- und Unterarms sowie dorsal die Haut der Grund- und Mittelglieder der radialen 2 ½ Finger. Die sensible Innervation findet statt über den Nervus cutaneus brachii dorsalis, den Nervus cutaneus brachii lateralis inferior und den Nervus cutaneus antebrachii dorsalis.

Ätiologie – Läsionen des N. radialis

Läsionen des N. radialis können u.a. auftreten bei:

  • Einer Nervenunterbrechung im Bereich der Axilla (Krückenlähmung): aufgrund von Druck durch Krücken- bzw. Achselstützen kommt es zu Lähmungen
  • Läsionen am Humerusschaft: Radialisparese
  • Druckläsionen am Oberarm: Druckläsionen sind die häufigste Radialisparese, z.B. wenn der Arm ungünstig auf einer harten Unterlage auflag.
  • Frakturen und Luxationen des proximalen Speichenendes (Radius)
  • Einer operativen Radialislähmung: bei Reposition und Osteosynthese
  • Einer Läsion des N. interosseus posterior, z.B. durch eine unsachgemäße intravenöse Kanüle oder eine forcierte und wiederholte Beanspruchung des Handgelenks
  • Einer Läsion des sensiblen R. superficialis n. radialis, z.B. durch Schlag- und Schnittverletzungen sowie zu enge Uhren- sowie Schmuckbänder
  • Einer Druckparese des sensiblen N. digitalis dorsalis, z.B. durch chronischen Druck etwa durch eine Schere

Symptome von Läsionen des N. radialis

Eine Läsion des N. radialis kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Der „Fallhand“: Fehlende Dorsalextension im Handgelenk; Atrophie des M. triceps brachiis, M. brachioradialis und aller Handextensoren
  • Einem Ausfall der Streckfunktion der Langfinger
  • Einem Ausfall der Streckfunktion des Daumens im Grundgelenk
  • Einem abgeschwächten Triceps-brachii-Reflex
  • Einem abgeschwächten Brachioradialis-Reflex

Die Fallhand:

dieses bild zeigt eine fallhandDie Dorsalextension im Handgelenk kann nicht mehr aktiv ausgeführt werden, wenn die Streckergruppe des Unterarms ausfällt. Es entsteht eine sogenannte „Fallhand“, erkennbar durch das Überwiegen der Flexoren sowie einer Atrophie des M. triceps brachiis, des M. brachioradialis und aller Handextensoren.

Ein Ausfall der gesamten Streckmuskulatur von Arm und Hand ist die Folge und ein Faustschluss ist nicht mehr in voller Stärke möglich, da die volle Kraft nur bei gestreckter oder dorsalflektierter Hand entfaltet werden kann.

Diagnostik von Läsionen des N. radialis

Neben MRT- und Röntgen-Untersuchungen sowie den Triceps-brachii- und Brachioradialis-Reflextests können auch gezielte Muskelprüfungen die Funktion des N. radialis nachweisen. Folgende Muskeln können getestet werden:

  • Triceps
  • Brachioradialis
  • Extensores carpi (radialis und ulnaris)
  • Extensor digitorum communis und M. extensor indicis
  • Abductor pollicis longus
  • Extensor pollicis brevis

Muskelfunktionstest am Beispiel des M. triceps: Das Ziel ist die Überprüfung der Streckfunktion auf den Ellenbogen. Der Untersucher hält den Arm des Patienten in einer 90° Stellung und erzeugt einen leichten Gegendruck, um die Flexion zu überprüfen. Physiologisch muss der Patient den Arm flektieren können.

Differentialdiagnosen zu Läsionen des N. radialis

Neben einem fokalen Beginn einer Mononeuropathia multiplex muss auch eine anfängliche fokale spinale Muskelatrophie erwogen werden.

Therapie von Läsionen des N. radialis

Eine N. radialis Therapie erfolgt konservativ und operativ. Konservativ wird bei Druckparesen sowie bei Paresen nach der Oberarmfraktur behandelt. Druckläsionen am Oberarm haben eine gute Prognose und Rückbildung, die zumeist nach wenigen Tagen und Wochen einsetzt.

Sobald eine Kontinuitätsunterbrechung oder eine tiefgreifendere Verletzung der Binnenstruktur des Nervs vorliegt, wird operiert. Eine gute bis sehr gute motorische Erholung nach Läsionen des N. radialis sind in den Nachuntersuchungen erkennbar.

Läsionen des N. axillaris

Definition: Läsionen des N. axillaris

Der N. axillaris ist ein aus den Rückenmarkssegmenten C5 bis C6 austretender peripherer Nerv, der über motorische, sensible und vegetative Nervenfasern verfügt und aus dem Fasciculus posterior des Plexus brachialis entspringt.

Die Äste des N. axillaris bezeichnet man als Rr. Musculares, der den M. deltoideus und den M. teres minor innerviert sowie den N. cutaneus brachii lateralis superior. Dieser Endast innerviert sensibel die oberen seitlichen und dorsalen Hautgebiete des Humerus.

Ätiologie – Läsionen des N. axillaris

Folgende Ursachen sind für eine Läsionen des N. Axillaris verantwortlich:

  • Eine vordere untere Schultergelenksluxation
  • Eine Fraktur des Collum chirurgicum humeri („Sollbruchstelle des Humerus“)
  • Eine Scapulafraktur
  • Drucklähmungen bei einer lang andauernden Narkose
  • Im Schlaf auf dem Bauch mit über dem Kopf emporgeschlagenen Armen zu liegen
  • Injektionen in den M. deltoideus

Eine primär bestehende Lähmung bei einer Schulterluxation wird häufig verkannt, da vor der Reposition der Arm nicht bewegt werden kann. Eine genaue Untersuchung ist in diesem Fall besonders wichtig. Neben einer motorischen ist auch auf eine sensible Lähmung zu achten. Etwa 10 – 15 % der Läsionen des N. axillaris entstehen infolge einer Schulterluxation.

Symptome von Läsionen des N. axillaris

Folgende Symptome sind bei einer Läsion des N. axillaris typisch:

  • Eine deltoideus Atrophie und Schädigung am Nervenstamm (hervorstehende kantige Schulter und sichtbare Konturen am Akromion und Humeruskopf)
  • Ein Funktionsausfall des M. deltoideus (abgeschwächte Elevation des Armes jenseits von 15 Grad)
  • Eine Sensibilitätsstörung auf der Schulterwölbung

Diagnostik von Läsionen des N. axillaris

Bei einem Verdacht einer Läsion des N. axillaris stehen dem Untersucher u.a. diese Maßnahmen zur Verfügung:

  • Nervenleitungsgeschwindigkeitsmessungen
  • Elektromyographien
  • Röntgen
  • MRT
  • Muskelfunktionsprüfung

Muskelfunktionsprüfung des M. deltoideus:

Wird der Arm seitwärts gehoben, entfaltet der M. deltoideus erst bei ca. 15° seine Hauptwirkung. Um den M. deltoideus zu testen, kann man z.B. wie folgt vorgehen:

Der Patient sitzt und der zu prüfende Arm befindet sich im Ellenbogengelenk 90° flektiert. Um den Teil des Musculus zu testen, erzeugt der Untersucher am distalen Oberarm einen Druck in Richtung der Adduktion. Der Test ist auch mit beiden Armen gleichzeitig ausführbar. Treten die beschriebenen Symptome auf, so liegt zumeist eine Läsion des N. axillaris vor.

Differentialdiagnose zu Läsionen des N. axillaris

Bei einer Dystrophia musculorum progressiva bilateral (Muskeldystrophie) wird der M. deltoideus mitbefallen, was durch eine progressive Degeneration der Muskulatur gekennzeichnet ist.

Während einer spinalen Muskelatrophie kann eine einseitige Deltoideusatrophie den Krankheitsprozess einleiten. Des Weiteren treten bei chronischen Schultergelenksaffektionen Deltoideusatrophien als arthrogene Muskelatrophien und Inaktivitätsatrophien auf.

Bei einer Ruptur der Rotatorenmanschette durch ein Schultertrauma kommt es ebenfalls zu einem Ausfall des M. deltoideus, der eine Elevation und Abduktion verhindert.

Therapie von Läsionen des N. axillaris

Bei einer sich spontan zurückbildenden Axillarisparese kann der Arm passiv bewegt werden und der Muskel durch eine Elektrotherapie funktionsfähig erhalten. Ratsam sind weiterhin krankengymnastische Übungen, wobei besonders auf die Verhinderung einer Dehnung des M. deltoideus geachtet werden muss.

Bei einer kompletten Läsion des Plexus brachialis oder isolierten oberen Plexuslähmung ist die Aussicht auf die Wiederherstellung der vollen Deltoideusfunktion gering.

Bei einer isolierten Läsion des N. axillaris, z.B. durch schwere stumpfe Traumen, kann die Wiederherstellung des Nervs durch eine chirurgische Nerventransplantation ermöglicht werden.

Beliebte Prüfungsfragen zu Läsionen der Armnerven

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welcher Armnerv ist bei einem „positiven Flaschenzeichen“ betroffen?

  1. N. ulnaris
  2. N. axillaris
  3. N. medianus
  4. N. radialis
  5. N. cutaneus brachii

2. Welche klinischen Tests liefern erste diagnostische Hinweise auf ein Karpaltunnelsyndrom?

  1. Hoffmann-Tinel-Zeichen und Dupuytren-Kontraktur
  2. Hoffmann-Tinel-Zeichen und Phalen-Test
  3. Froment Zeichen und Phalen-Test
  4. Kernig-Zeichen und Froment-Zeichen
  5. Dupytren-Kontraktur und Kernig-Zeichen

3. Welche Handstellung ist typisch bei einer Läsion des N. radialis?

  1. Schwurhand
  2. Kratzhand
  3. Krallenhand
  4. Fallhand
  5. Keine der genannten Antworten ist richtig.


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Ein Gedanke zu „Nervus medianus, Nervus ulnaris, Nervus radialis & Nervus axillaris – Armnerven im Überblick

  • Maria Jaehne

    Sehr geehrter Hr. Weiterschan,

    es tut uns Leid, dass Sie unter diesen Beschwerden zu leiden haben und unser Lernartikel Ihnen nicht weiterhelfen konnte. Bei Ihrer Diagnosestellung und Therapiefindung können wir Sie jedoch leider nicht weiter unterstützen. Alles Gute wünscht Ihnen das Lecturio-Team.