Erworbene Herzklappenfehler können sich als Insuffizienz (Schlussunfähigkeit der Klappe), als Stenose (also einer Verengung der Klappe) oder als kombiniertes Klappenvitium äußern. Prinzipiell können alle Klappen befallen sein. Lernen Sie hier die wichtigsten prüfungsrelevanten Fakten zur Mitralklappenstenose. Mit diesem Artikel sind Sie optimal vorbereitet auf klinische Prüfungen und Ihr Hammerexamen.
Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf DGK einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version können Sie einsehen.

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Mitralklappenstenose

Bild: „Mitralklappenstenose” von CDC. Lizenz: Public Domain


Die Mitralklappenstenose ist in den meisten Fällen eine späte Folge des rheumatischen Fiebers. Ihr Schweregrad kann unter anderem von der verbliebenen Öffnungsfläche abhängig gemacht werden und bedingt die auftretenden Symptome.

Phonocardiograms from normal and abnormal heart sounds

Bild: „Phonocardiograms from normal and abnormal heart sounds” von Madhero88. Lizenz: CC BY 3.0

Definition

Die Mitralklappenstenose bezeichnet eine Verengung der Mitralklappe, wodurch die Füllung des linken Ventrikels behindert wird.

Ätiologie

Ursachen der Mitralklappenstenose

Häufigste Ursache der Mitralklappenstenose ist das rheumatische Fieber, welches aber Jahre zurückliegen kann, sodass der Zusammenhang nicht immer rekonstruierbar ist. Selten kann es zur angeborenen Stenose im Bereich der Mitralklappe kommen.

Klassifikation

Unterteilung der Mitralklappenstenose in 3 Schweregrade

Mitralklappenstenose

Bild: „Mitral Valve Stenosis” von Blausen Medical Communications, Inc. Lizenz: CC BY 3.0

Je nach verbleibender Öffnungsfläche, mittlerem Druckgradienten und mittlerem Pulmonalkapillardruck kann die Mitralklappenstenose in die Schweregrade leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt werden.

  • Leicht: Der Schweregrad leicht hat einen mittleren Druckgradienten von unter 7 mmHg, eine Öffnungsfläche, die zwischen 1,5 und 2 cm2 liegt, sowie einen mittleren Pulmonalkapillardruck von unter 20 mmHg.
  • Mittelschwer: Die mittelschwere Form weist einen mittleren Druckgradienten von 8 bis 15 mmHg, eine Öffnungsfläche von 1 bis 1,5 cm2 und einen mittleren Pulmonalkapillardruck von 21 bis 25 mmHg auf.
  • Schwer: Bei der schweren Mitralklappenstenose steigt der mittlere Druckgradient auf über 15 mmHg an, die Öffnungsfläche sinkt unter 1 cm2 und der mittlere Pulmonalkapillardruck steigt auf über 25 mmHg an.

Pathophysiologie

Was passiert bei der Mitralklappenstenose?

Durch die Stenose kann das Blut nicht korrekt in den linken Ventrikel fließen. Somit kommt es zu einem Blutstau im linken Atrium, den Pulmonalvenen und letztlich im rechten Herzen. Daher besteht die Gefahr einer Rechtsherzinsuffizienz sowie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern aufgrund der Überdehnung des linken Vorhofs. Dies wiederrum birgt die Gefahr für eine Thrombenbildung.

Symptome und Klinik

Der Schweregrad der Erkrankung bedingt die Symptome. Die Dehnung des linken Vorhofs kann zu Vorhofflimmern und Thrombenbildung und somit zu arteriellen Embolien führen. Aufgrund der Stauung des Blutes in der Lunge kommt es zur pulmonalen Hypertonie mit Symptomen wie Dyspnoe und nächtlichem Husten. Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz können auftreten. Das reduzierte Herzzeitvolumen führt zu Leistungsabfall, Müdigkeit und peripheren Zyanosen.

Verlaufs- und Sonderformen

Der Verlauf der Mitralklappenstenose zeigt sich abhängig vom Schweregrad. Lungenödem und Rechtsherzinsuffizienz sind die häufigsten Todesursachen. Auch arterielle Embolien sowie die Lungenembolie sind zum Tode führende Komplikationen.

Diagnostik

Auskultation bei der Mitralklappenstenose

In der Auskultation lässt sich ein paukender erster Herzton sowie ein gespaltener zweiter Herzton und ein Mitralöffnungston finden. Ein diastolisches Decrescendogeräusch mit Punctum maximum über der Herzspitze kann auskultiert werden. Zeichen der reaktiven Pulmonalinsuffizienz ist das Graham-Steel-Geräusch. Präsystolisch kann ein Crescendogeräusch zu hören sein.

Radiologische Untersuchung bei der Mitralklappenstenose

Das EKG kann ein doppelgipfliges P, sowie Rechtsherzhypertrophiezeichen und einen Rechtstyp zeigen. Auch im Röntgenbild können eine Rechtsherzvergrößerung sowie ein vergrößerter linker Vorhof und eine Mitralkonfiguration zu sehen sein. In der Echokardiografie kann die Klappe gut beurteilt werden und eine Quantifizierung des Stenosegrades vorgenommen werden. Zusätzlich kann eine Herzkatheteruntersuchung zur Beurteilung durchgeführt werden.

Therapie

Behandlungsmöglichkeiten bei der Mitralklappenstenose

Zu den konservativen Therapiemöglichkeiten zählen die medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz und das Erhalten eines normofrequenten Sinusrhythmus, die Thromboembolie- und Endokarditisprophylaxe. Mittels Katheterverfahren bietet sich die Möglichkeit einer Mitralklappenvalvuloplastie, mit der ein großer operativer Eingriff vermieden werden kann. Der Mitralklappenersatz ist der chirurgische Therapieansatz, der ab einer mittelschweren Stenose indiziert ist.

Herzklappenrekonstruktion

Bild: „Mitral Valvuloplasty” von Blausen Medical Communications, Inc. Lizenz: CC BY 3.0

Komplikationen

Zu den Komplikationen der Mitralklappenstenose zählen arterielle Embolien, die bakterielle Endokarditis und das Lungenödem.

Prognose

  • > 50% der Patienten bleibt asymptomatisch
  • Patienten mit Symptomatik leiden unter progredienter Verschlechterung der Herzfunktion
  • Bei pulmonaler Hypertonie: 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei 10 %.

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Beliebte Prüfungsfragen zur Mitralklappenstenose

Die Lösungen sind unterhalb der Quellen angegeben.

1. Was ist kein Zeichen einer Mitralklappenstenose bei der Herzauskultation?

  1. paukender erster Herzton
  2. bandförmiges Systolikum mit Fortleitung in die Axilla
  3. diastolisches Decrescendogeräusch mit Punctum maximum über der Herzspitze
  4. Graham-Steel-Geräusch
  5. präsystolisches Crescendogeräusch

2. Welcher ist der häufigste erworbene Herzklappenfehler in den Industrieländern?

  1. Mitralklappeninsuffizienz
  2. Mitralklappenstenose
  3. Aortenklappeninsuffizienz
  4. Aortenklappenstenose
  5. Trikuspidalklappenstenose

3. Was trifft auf den mittleren Schweregrad der Mitralklappenstenose zu?

  1. mittlerer Pulmonalkapillardruck > 25 mmHg
  2. Öffnungsfläche von < 1 cm2
  3. mittlerer Druckgradient von > 15 mmHg
  4. mittlerer Druckgradient 8-15 mmHg
  5. Öffnungsfläche 1,5- 2 cm2

Quellen und Leitlinie zur Mitralklappenstenose

Leitlinie Mitralklappenstenose der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) In: ESC Pocket Guidelines: Herzklappenerkrankung

AllEX Alles fürs Examen Band A – Thieme 2012

Herold, Gerd u.a.: Innere Medizin 2015

Lösungen: 1B, 2D, 3D

 

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