22 Millionen Deutsche sind Raucher. Jeder Mediziner kommt an der Beantwortung der Frage in der Drogenanamnese, wie viele „packyears“ der Patient schon angesammelt hat, nicht vorbei. 97% beträgt die Rückfallquote nach einer versuchten Abstinenz ohne Nikotinersatzpräparate. Doch wie genau entsteht diese Sucht? Was macht das Nikotin im menschlichen Körper? Wie können Sie als Arzt mithelfen, diesen Circulus Vitiosus zu durchbrechen?
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Bild: “Smoking Trap” von Tony R. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Die vielfältigen Wirkungen

10-20 Sekunden nach Inhalation erreicht das Alkaloid Nikotin das Gehirn, wenn es durch Tabakrauchen aufgenommen wird. Das Ziel sind die nikotinischen Acetylcholinrezeptoren, die sich im ZNS, motorischen Endplatten, Nebennierenmark, parasympathischen und sympathischen Ganglien befinden. An diesen Rezeptoren werden Dopamin, Serotonin und Noradrenalin ausgeschüttet – Zielort ist primär der präfrontale Kortex.

Das dopaminerge Belohnungssystem wird durch Rauchen genauso stimuliert wie durch die existenziellen Basishandlungen Nahrungsaufnahme und Sexualität. Chronischer Nikotinabusus führt zu einer Zunahme der Nikotinrezeptoren, dieses Phänomen ist allerdings reversibel.

Wichtige Wirkungen im menschlichen Körper:

Sympathikus Ausschüttung von Adrenalin, Steigerung der Glykolyse und Lipolyse > Erhöhung des Energieumsatzes
Parasympathikus Schwitzen, erhöhte Magensäuresekretion, verstärkte Darmtätigkeit
ZNS Glücksgefühl, Beruhigung, Entspannung
Brechzentrum Appetitminderung, Übelkeit
Hypothalamus Erhöhtes ADH > erhöhter Blutdruck, Antidiurese

Die Abhängigkeitspotentiale

Psychisches Abhängigkeitspotential

Das psychische Abhängigkeitspotential entspricht Kokain. Langjährige eingeprägte Verhaltensmuster behindern Raucher beim Versuch, sich endgültig von Tabakprodukten zu lösen. Vieles spielt sich im Unterbewusstsein ab und kann erst erkannt werden durch einen Ansprechpartner wie Sie. Der Zusammenhang zwischen Zigarette und Situation wird durch ständige Repetition dieser Verhaltensweisen gefördert. Das kann sein: soziale Interaktion, sich eine Pause gönnen, Mahlzeitenverknüpfung, in Verbindung mit Alkoholgenuss.

Besonders in Stresssituationen wird auf die Zigarette zurückgegriffen, da Anspannung und Unruhe durch Rauchen gedämpft werden – dies sind aber (unerkannt) die Symptome bei schon beginnendem Entzug. Die Formulierung  „eine Zigarettenpause machen“ fasst die falsche Konditionierung im Kopf des Rauchenden von Entspannung und Nikotingenuss zusammen: Der Auslöser des Stresses wird als Erlöser empfunden. Dieses sogenannte „Suchtgedächtnis“ prägt sich im Lauf einer Raucherkarriere tief ein.

Physisches Abhängigkeitspotential

Das Physische Abhängigkeitspotential entspricht Barbituraten und Alkohol. Entzugssymptome sind: Kopfschmerzen, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, Schweißausbrüche, allgemeine innere Unruhe und Rastlosigkeit, Schlafstörungen, Nervosität, Aggressivität.

Im Gegensatz zur psychischen Abhängigkeit erreichen diese Entzugssymptome ihren Zenit nach 2 Tagen, sind nach einer Woche deutlich abgemildert und nach spätestens 30 Tagen verschwunden. Die Anzahl der Nikotinrezeptoren ist also wieder in den Normalbereich gesunken.

Was hilft gegen die Sucht?

Nur ein Nikotinpflaster zu verschreiben – damit ist Ihrem aufhörwilligen Patienten nicht geholfen. Drei Säulen müssen in einer wirksamen Anti-Raucher-Therapie angesprochen werden, welche die Komponenten der psychischen und physischen Abhängigkeit vereinen: Nikotin, Gewohnheit und positive Konsequenzen, die vermeintlich durch Rauchen entstehen.

Die Ärztekammer Saarland gliedert die Raucherberatung in vier Stufen: Patient auf das Rauchen ansprechen, Entscheidung anstreben, Aufhören vorbereiten und Folgekontakte durchführen.

Medikamentös kann unterstützt werden durch Nikotin-Agonisten (Bupropion, Vareniclin). Zusätzlich können Pflaster, Kaugummis, Inhalatoren etc. die Phase der Reduktion der Entzugssymptomatik erleichtern. Auch Antidepressiva und Neuroleptika kommen zum Einsatz. Kombiniert mit einer Verhaltenstherapie kann sich eher ein Erfolg einstellen, welcher aber vor allem von der Compliance des Patienten abhängt. Diese sollten Sie kontinuierlich durch Lob und Nachfrage bestärken und vor allem wichtige Bezugspersonen wie Partner/in und Familie miteinbeziehen.

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