Zentrale Notaufnahme: ein älterer Herr stellt sich mit allgemeinem Völlegefühl und Bauchschmerzen vor. Auf Nachfragen gibt er an, dass das Wasserlassen beeinträchtigt sei, er müsse nachts öfter auf Toilette, auch dauere es immer ein bisschen, bis etwas kommt. Das Abdomen ist aufgebläht aber nicht druckschmerzhaft, die Darmgeräusche sind lebhaft. Im Ultraschall zeigt sich schließlich eine prall gefüllte Harnblase. Nachdem die Schwester einen transurethralen Katheter gelegt hat, geht es dem Patienten innerhalb von einer halben Stunde deutlich besser.

Wie etwa die Hälfte aller Männer über 60 leidet er unter einer benignen Prostatahyperplasie, deren Symptome heute als „benignes Prostatasyndrom“ zusammengefasst werden. Erfahren Sie hier alles über dieses weit verbreitete Leiden.

Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann lernen Sie doch einfach online. Wählen Sie hier einfach einen oder mehrere Medizin-Kurse aus und starten Sie kostenlos.

Bild: “Tretstein-Wasserfall” von Carsten Frenzl. Lizenz: CC BY 2.0

Bild: “Tretstein-Wasserfall” von Carsten Frenzl. Lizenz: CC BY 2.0


Das benigne Prostatasyndrom

Unter dem benignen Prostatasyndrom fasst man verschiedene Symptome, ein vergrößertes Prostatavolumen und eine Blasenauslassobstruktion zusammen. Der früher hauptsächlich verwendete Begriff „benigne Prostatahyperplasie“ zielt vor allem auf die histologischen Veränderungen ab, die dem Syndrom zugrunde liegen. Im englischen Raum wird der Begriff „lower urinary tract symptoms“, kurz LUTS, verwendet. Allen Begriffen und Symptomen gemeinsam ist, dass ein gutartiges Geschehen die Grundlage bildet.

Diese Ansätze erklären die Prostatavergrößerung

Die benigne Vergrößerung der Prostata geht von der Übergangszone und den periurethralen Drüsen aus. Muskel-, Bindegewebs- und Drüsenzellen nehmen zu und engen im Verlauf die Urethra ein, was zu den typischen Symptomen führt.

Trotz intensiver Forschung ist die Ursache dieser Vergrößerung noch nicht eindeutig geklärt. Ein fortschreitendes Alter, genetische Faktoren und ein Missverhältnis von Androgenen und Östrogenen gelten als gesichert. Andere Theorien sind die abnorme Proliferation von Stammzellen mit Überproduktion der proliferierenden Zellen, ein verminderter Zelltod von Prostatazellen, eine abnorme Stimulation durch Wachstumsfaktoren und ein erhöhter Dihydrotestosteron-Spiegel.

Symptome des benignen Prostatasyndroms

Grob kann man die Symptome in obstruktive und irritative Symptome einteilen. Die Obstruktion führt zu einem abgeschwächten Harnstrahl, verlängerter Miktionszeit, verzögertem Miktionsbeginn, Harnstottern, Nachträufeln und Restharn. Irritative Symptome sind eine erhöhte Miktionsfrequenz, Nykturie, imperativer Harndrang, Dranginkontinenz und ein Restharngefühl. Zur Erfassung der Schwere dieser Symptome gibt es einen standardisierten Fragebogen, den IPSS. Nach Alken teilt man die benigne Prostatahyperplasie zudem in drei Stadien ein.

Stadium Symptome
 I Reizstadium Irritative Symptome wie häufiges Wasserlassen, Nykturie, abgeschwächter Harnstrahl, kein Restharn
 II Restharnstadium Entleerungsmechanismus dekompensiert, Restharn verbleibt in der Blase, Miktionsfrequenz gesteigert
 III Rückstauungsstadium hohe Mengen an Restharn, Austreibungskraft der Blase versagt, Harnverhalt mit Rückstau oder Überlaufblase

So kommt man der BPH diagnostisch auf die Spur

Wenn nach der allgemeinen Anamnese der Verdacht auf ein benignes Prostatasyndrom besteht, eignet sich folgende Diagnostik: zunächst kann man mit einer rektalen Untersuchung die Prostatavergrößerung bestätigen. Getastet werden sollten Größe, Kontur, Symmetrie und Konsistenz. Der transrektale Ultraschall ermöglicht eine genauere Größenbestimmung und das Erkennen von strukturellen Veränderungen. Mit der Uroflowmetrie kann man Symptome wie einen abgeschwächten Harnfluss objektivieren. Die Laborwerte sind meist unverändert, insbesondere ist das PSA im Vergleich zum Prostatakarzinom nicht erhöht.

Therapie des benignen Prostatasyndroms

Bei akutem Harnverhalt steht wie in oben beschriebenem Fall die Katheterisierung im Vordergrund. Bei Patienten mit milden Symptomen und geringem Leidensdruck bietet sich die Strategie des kontrollierten Zuwartens oder „Watchful Waiting“ an. Lebensstiländerungen wie das Vermeiden von Koffein und Alkohol sowie kalten Getränken und ausreichend Bewegung können das Fortschreiten der Prostatavergrößerung positiv beeinflussen. Phytotherapeutika wie Brennesselwurzel werden schon lange eingesetzt, werden in den aktuellen Leitlinien aber nicht als sicher wirksam eingestuft. Der Einsatz von α-1-Blockern wird dagegen empfohlen. Sie wirken über Adrenorezeptoren auf die glatte Muskulatur. Eine weitere Möglichkeit der medikamentösen Therapie ist die Behandlung mit 5-α-Reduktase-Hemmern. Sie blockieren die Verstoffwechselung von Testosteron zu Dihydrotestosteron und reduzieren so das Prostatavolumen langfristig.

Absolute OP-Indikationen sind nach aktuellen S2-Leitlinien rezidivierender Harnverhalt und rezidivierende Harnwegsinfektionen, konservativ nicht beherrschbare Makrohämaturien, Harnblasenkonkremente, und die aus der Obstruktion hervorgehende Erweiterung des oberen Harntrakts mit Einschränkung der Nierenfunktion bis hin zur Niereninsuffizienz.

Dazu stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Die gängigste Methode ist die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P). Dabei wird die Prostata mit einem Spezialinstrument entfernt. Eine Elektroschlinge zerlegt das Gewebe mittels Hochfrequenzstrom in kleine Teile, die dann durch den Schaft des Instruments wieder herausgespült werden. Gefahr dieses Verfahrens ist das sogenannte TUR-Syndrom, dass durch die Spülflüssigkeit des Instruments ausgelöst wird. Dieses gelangt in die Venen und führt zu einem Natriummangel, Lungen- und Hirnödem und Nierenversagen. Um eine TUR-P anzuwenden, darf die Prostata ein Volumen von 80 cm³ nicht überschreiten.

Eine weitere Operationstechnik ist die chirurgisch offene Enukleation, für die es drei Zugänge gibt (suprapubisch, retropubisch und perineal). Während das Risiko für ein TUR-Syndrom hier nicht besteht, ist das Risiko für eine postoperative Inkontinenz insbesondere beim suprapubischen Zugangsweg erhöht.

Beliebte Prüfungsfragen zum benignen Prostatasyndrom

Die Lösungen sind unterhalb der Quellenangaben.

1. Was ist keine typische OP-Indikation zur operativen Therapie eines BPH?

  1. Makrohämaturie
  2. 200 ml Restharn
  3. Harnstauung mit Niereninsuffizienz
  4. rezidivierende Harnwegsinfekte
  5. Blasensteine

2. Was ist ein typisches Symptom der BPH?

  1. Thoraxschmerz
  2. Brennen beim Wasserlassen
  3. Pollakisurie mit Restharnbildung
  4. Nierenklopfschmerz
  5. Kopschmerz

3. Welche der folgenden Maßnahmen ist diagnostisch als erstes indiziert?

  1. transrektaler Ultraschall
  2. PSA- Bestimmung
  3. Dauerkatheter- Anlage
  4. digital-rektale Untersuchung
  5. Uroflowmetrie

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *