Die Diagnose beim Gynäkologen lautet: Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). Die meist 20-30-jährigen Betroffenen leiden unter Akne, vermehrter Körperbehaarung, Hirsutismus und Virilisierung. Die Zysten im Ovar jedoch, die für die Namensgebung des Syndroms verantwortlich sind, spielen diagnostisch keine prioritäre Rolle. Die Assoziation dieser Stoffwechselstörung mit dem metabolischen Syndrom ist hoch, etwa 50 % der Patientinnen leiden an Adipositas. Alles, was Sie über das PCO-Syndrom sonst noch wissen sollten, lesen Sie im Folgenden.

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PCO-ultraschallbild

Bild: „Transvaginal ultrasound scan of polycystic ovary“ von Schomynv. Lizenz: CC0 1.0


Ätiologie

Wie entsteht das PCOS?

Die Ätiologie des PCOS ist nicht abschließend geklärt. Ursächlich ist wohl eine Störung im Insulinstoffwechsel. Dies zeigt sich bei den Patientinnen in einer peripheren Insulinresistenz und daraus resultierender Hyperinsulinämie.

Diese Hyperinsulinämie ist nicht nur Ursache für die Adipositas, sondern auch für ein Ungleichgewicht zwischen den Androgenvorstufen und Beeinflussung hormoneller Regelkreise. Es kommt letztlich zu einer Störung der Follikelbildung mit Anovulation/Oligoovulation, was zu Sterilität bei der Patientin führen kann.

Oft ist das PCOS unbemerkt die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Symptomatik

Bei einer Patientin mit Zyklusstörungen kommt eine große Zahl an Differentialdiagnosen in Frage, die sie abarbeiten müssen, um zur Ausschlussdiagnose PCOS zu gelangen. Eingrenzender sind die Virilisierungserscheinungen wie männliches Behaarungsmuster (Rücken, Oberschenkel, Gesäß, …), Stimmveränderung und Hyperseborrhoe mit Akne vulgaris.

Neben Virilisierungserscheinungen und Zyklusstörungen sind die Symptome des metabolischen Syndroms diagnostisch wegweisend: Adipositas, Hyperglykämie, Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterinämie.

Die wesentlichen Differentialdiagnosen für diese ovarielle Hyperandrogenämie sind M. Cushing, adrenogenitales Syndrom und androgenproduzierende Tumoren. Außerdem muss auf eine evtl. externe Androgenzufuhr geachtet werden, z. B. durch Anabolika und Steroide. Das polyzystisches Ovarialsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose.

Diagnostik

Blutbild zur Erkennung des PCO-Syndroms

Neben dem Blutbild untersuchen Sie im Labor die Hormone LH und FSH sowie Progesteron, Testosteron und Östrogene. Meist zeigt sich eine LH-Dominanz bei erhöhtem LH/FSH-Quotienten. Östrogene und Testosteron präsentieren sich erhöht, Progesteron und SHBG erniedrigt. Sonografisch zeigt der positive Befund zahlreiche (sich echoleer darstellende) Zysten in den meist vergrößerten Ovarien.

PCO-im-ultraschall

Bild: „polizystisches Ovar im Ultraschall“ von Je Hyuk Lee. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Nach der American Society of Reproductive Medicine (ASRM) müssen zwei dieser drei Kriterien vorliegen, um ein PCOS zu diagnostizieren:

  • Polyzystische Ovarien
  • Oligo- und/oder Anovulation
  • Virilisierung durch Hyperandrogenismus

Sie können die Diagnose also auch stellen, wenn keine Zysten im Ovar vorliegen sollten!

Therapie

Therapiemaßnahmen des PCO-Syndroms vom Kinderwunsch abhängig

Entscheidend für die Therapie ist, ob ein Kinderwunsch bei der Patientin besteht oder nicht. Entsprechend wird hier der Fokus auf die Normalisierung der Ovarialfunktion gelegt. Ansonsten liegt das Hauptaugenmerk auf der Behandlung der Virilisierung.

Mittel der Wahl sind orale Kontrazeptiva (die bei aktuellem Kinderwunsch abgesetzt werden und die Follikel zusätzlich z.B. durch Clomifen stimuliert werden können), Glukokortikoide und Metformin im Off-Label-Use. Besteht kein Kinderwunsch kann mit Antiandrogenen behandelt werden.

Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen und Endokrinologen ist unumgänglich!

Fallbeispiel

Zum Abschluss lesen Sie noch ein Fallbeispiel, wie sich eine „klassische“ Patientin bei Ihnen präsentieren könnte:

Bei einer 26-jährigen, stark übergewichtigen Patientin finden sich bei wiederholten Messungen eine Hyperglykämie und ein arterieller Hypertonus. Anamnestisch gibt die Patientin außer seit Langem bestehenden menstruellen Blutungsunregelmäßigkeiten keine weiteren gesundheitlichen Beschwerden an. Bei der körperlichen Untersuchung fällt neben einer Akne eine verstärkte Behaarung an den Oberschenkelinnenseiten, der Schamregion und der Brust auf. Darauf angesprochen, berichtet die Patientin, dass sie „unreine Haut“ und den starken Haarwuchs schon seit der Pubertät habe und sie das nicht weiter störe. Die Sonographie zeigt keine pathologischen Befunde an Leber, Pankreas und Nieren. In den deutlich vergrößerten Ovarien kommen jedoch beidseits zahlreiche zystische, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume von bis zu 10 mm Durchmesser zur Darstellung.

Quelle

Leidenberger, Strowitzki, Ortmann (Springer Verlag 2009): Klinische Endokrinologie für Frauenärzte.







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Ein Gedanke zu „PCO-Syndrom – So behandeln Sie es richtig

  • Maria

    Mir hat als Therapie Clavella geholfen. Das wäre vielleicht noch eine kleine Ergänzung wert. Ansonsten ist der Bericht sehr gut gelungen.