Kolpitiden und bakterielle Vaginosen sind Erkrankungen der Vagina. Abgesehen von der Symptomatik, besteht die Gefahr einer aufsteigenden Infektion. Im Hammerexamen wird insbesondere häufig nach Erregern, Diagnostik und Therapie der Kolpitiden gefragt. Auch Entzündungen der äußeren Genitalien sind aus zwei Gründen ein beliebtes Prüfungsthema im Hammerexamen. Zum einen sind Vulvitiden sehr häufig und ubiquitär. Zum anderen sind die äußeren Genitalien so sensibel, dass Erkrankungen für den Patienten sehr unangenehm werden können, auch wenn sie häufig harmlos sind. Lesen Sie hier alles darüber.

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Text zeigt Trichomonas

Bild: „Micrograph showing Trichomoniasis“ von NEphron. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Kolpitis

Die Kolpitis bezeichnet eine Entzündung der Vagina. Der pathologische Fluor vaginalis und Epithelrötung sind typische Symptome.

Der pH-Wert des Vaginalmilieus ist normalerweise sauer. Er liegt zwischen 3,8 – 4,5. So wird die massenhafte Vermehrung pathogener Keime gehemmt. Verantwortlich für dieses Milieu sind die Laktobakterien. Sie werden Döderlein-Bakterien genannt und produzieren östrogenabhängig die Milchsäure.

Dementsprechend wird die Vaginalflora gestört, wenn zum Beispiel Laktobakterien gehemmt werden. Zervixschleim und Menstrualblut können zu einer Alkalisierung führen. Andere Irritationen können durch Östrogenmangel, Diabetes Mellitus, Fremdkörper (z. B. Tampons), Vaginalspülungen, Sexualkontakte oder Antibiotika verursacht werden.

Erreger der Kolpitis

Eine Entzündung der Vagina kann diverse Gründe haben. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Bakterielle Infektionen (Aminkolpitis)
  • Pilzinfektionen mit Candida (Soorkolpitis)
  • Trichomoniasis

Aminkolpitis

Aminkolpitis bezeichnet eine durch Bakterien verursachte Vaginose.

Erreger der Aminkolpitis

vaginale Epithelzellen besiedelt von Gardnerella vaginalis

Vaginale Epithelzellen besiedelt von Gardnerella vaginalis. Lizenz: Gemeinfrei

Im Scheidensekret beschwerdefreier, sexuell aktiver Frauen kann Gardnerella vaginalis gefunden werden. Man geht davon aus, dass die Übertragung durch vaginalen Geschlechtsverkehr stattfindet. Zusätzlich können Bakterien aus dem Perianalbereich und Bakterien des Partners bei Sexualkontakten die Vaginalflora verändern. Das kann Anaerobiern, wie Gardnerella vaginalis, zugunsten kommen und ihre Vermehrung begünstigen. Diese verdrängen dann die Laktobakterien.

Merke: Aminkolpitis ist die häufigste Form der Kolpitis. 5 – 8% der Frauen haben sie.

Klinik der Aminkolpitis

Bei dieser Entzündung sind meistens weder Rötung noch Juckreiz präsent. Spezifisch sind der grau-weiße, sehr dünnflüssige, manchmal blasige Fluor und dessen fischartige Geruch im alkalischen Bereich. Eine Komplikation kann eine aus der Aminkolpitis resultierende aufsteigende Infektion sein.

Diagnostik der Aminkolpitis

Um Aminkolpitis zu diagnostizieren, müssen 3 von 4 Amsel-Kriterien erfüllt werden.

I. grau-weißer dünnflüssiger Fluor
II. pH-Wert >4,4
III. Clue cells bei 20 % der Epithelzellen
IV. Amintest positiv. Das bedeutet, dass die Zugabe von einigen Tropfen 10%iger Kalilauge den Geruch verstärkt.

Klinische Untersuchung Weiß-grauer, blasiger, dünnflüssiger Fluor, fischartiger Geruch, pH-Wert 4, 8 – 5, 5
Direkte mikroskopische Untersuchung Vaginalsekret mit Leukozyten, zahlreiche Bakterien, Schlüsselzellen (Clue cells = Epithelzellen dicht bedeckt mit Gardnerella vaginalis und anderen Bakterien)
Kultur Nicht sinnvoll, da meist Mischinfektion vorliegt

Therapie der Aminkolpitis

Wenn die Diagnostik abgeschlossen ist, sollte mit einer Therapie begonnen werden. Die Behandlung mit 5-Nitroimidazol (Metronidazol 2 × 400mg für 5 Tage) ist die etablierte Standardtherapie. Die Heilungsrate liegt bei etwa 95 %. Die zeitgleiche Behandlung des Partners wird nicht empfohlen.

Da die Rezidivrate sehr hoch ist, kann eine prophylaktische Behandlung sinnvoll sein. Präventiv wird die Vagina mit Milchsäure, Milchsäurebakterien oder Ascorbinsäure angesäuert.

Soorkolpitis

soorkolpitis

Candidal Albicans. Lizenz: Gemeinfrei

Die Soorkolpitis bezeichnet eine Pilzinfektion, die zu einer Kolpitis führt. In über 80 % der Fälle sind diese Pilzinfektionen durch Candida albicans ausgelöst. Seltener werden sie durch Candida glabrata verursacht. Häufig kolonisieren Hefepilze bereits die Vulva und Vagina.

Darum handelt es sich bei der Soorkolpitis in der Regel um eine endogene Infektion. Kommt es zu einer Störung der Vaginalflora, wird die Vermehrung der Keimzahl begünstigt. Hormonelle Schwankungen (z.B. Schwangerschaft oder orale Kontrazeptiva), Antibiotikatherapie oder Immunschwäche können eine Infektion ebenfalls begünstigen.

Klinik der Soorkolpitis

Juckreiz, Brennen, Schmerzen und Ausfluss sind die typischen Symptome einer Soorkolpitis. Die Soorkolpitis tritt normalerweise zusammen mit einer Vulvitis auf.

Diagnostik der Soorkolpitis

Klinische Untersuchung Weißer bröckeliger Ausfluss
Mikroskopisches Direktpräparat Pseudomyzelien sind beweisend. Der Nachweis von Sprosszellen zeigt lediglich die Kolonisation von Hefen.
Mikrobiologischer Nachweis Nur wenn Klinik und Direktpräparat nicht aussagekräftig sind

Therapie der Soorkolpitis

Merke: Die Therapie der verschiedenen Kolpitiden gehört zu den beliebten Fragen im Hammerexamen!

Zunächst kann eine lokale Behandlung mit Nystatin- und Imidazolpräparaten in die Vagina und an der Vulva für 5 – 7 Tage ausreichen.

Handelt es sich um eine rezidivierende Soorkolpitis ist eine systemische Therapie mit Fluconazol notwendig. Die Behandlung des Partners ist nicht nötig, da es sich um eine endogene Infektion handelt. Die Rezidivrate ist jedoch relativ hoch.

Bei einer chronisch rezidivierenden Soorkolpitis wird eine mehrwöchige Stoßtherapie mit Fluconazol empfohlen. Außerdem kann eine regelmäßig durchgeführte prophylaktische antimykotische Behandlung sinnvoll sein.

Trichomoniasis (Trichomonadenkolpitis)

Text zeigt Trichomonas

Bild: „Micrograph showing Trichomoniasis“ von NEphron. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Trichomonadenkolpitis wird durch Trichomonas vaginalis verursacht. Es handelt sich um fakultativ pathogene Flagellaten. Es befällt die Vagina, Drüsenausführungsgänge, Urethra, und etwas seltener die Blase, das Rektum und den Zervix.

Die Übertragung findet durch Sexualkontakte statt. Die Infektionsgefahr liegt bei 70 %. Die Zahl der Infektionen ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen und liegt jetzt bei unter 1 %.

Klinik der Trichomoniasis

Charakteristisch für die Trichomoniasis ist ein starker, dünnflüssiger, schaumiger Ausfluss, der manchmal grün-gelb ist. Hinzu kommen Symptome wie Brennen, Juckreiz, ggf. Dysurie und Rötung.

Merke: Trichomonadenkolpitis kann bei 90 % der Männer und Frauen asymptomatisch sein.

Eine mögliche Komplikation der Trichomonadenkolpitis ist eine begleitende Aminkolpitis.

Diagnostik der Trichomoniasis

Klinische Untersuchung Schaumiger Fluor, stechender Geruch, Rötung
Mikroskopisches Direktpräparat Bewegende Trichomonaden mit umgebenden Leukozyten
Zytologischer Zervixabstrich

Therapie der Trichomoniasis

Die systemische Gabe von 5-Nitroimidazolen (1 × 2g Metronidazol) hat eine Heilungsrate von 90 %. Die Partnerbehandlung ist notwendig. Kondome können die Übertragung verhindern.

Unspezifische Kolpitis

Die unspezifische Kolpitis lässt sich nicht auf einen bestimmten Erreger zurückführen.

Vulvitis

Die Definition der Vulvitis ist eine Dermatitis der Schamlippen der Frau. Sie geht fast immer mit einer Kolpitis einher.

Ätiologie der Vulvitis

Die primären Ursachen der Erkrankung können Pilze, Bakterien oder Viren sein. Eine Entzündung der äußeren Genitalien kann auch sekundär durch mechanische Ursachen oder durch hormonelle Veränderungen bedingt sein.

Erreger der Vulvitis

Candida albicans

Bild: “ Candida albicans ” von GrahamColm. Lizenz: CC BY 3.0

Der Pilz Candida albicans ist mit 95 % der häufigste Erreger der Vulvitis, Bakterien wie A-Streptokokken, Staphylokokkus aureus, Treponema pallidum die zweithäufigste Ursache. Viren wie Herpes Simplex und Varicella-Zoster als Auslöser sind eher selten.

Sekundäre Ursachen können mechanisch sein, zum Beispiel eine Mazeration, die in Folge von Adipositas auftritt. Eine Entzündung der äußeren Genitalien kann auch durch chemische Irritation der Haut durch Scheidenspülungen oder Waschmittel erfolgen. Vulvitiden treten ebenfalls sekundär in der Schwangerschaft auf und bei Östrogenmangel in der Postmenopause. Bei Patienten mit Diabetes Mellitus kommt es häufiger zu Infektionen mit Candida albicans.

Merke: Herpes genitalis verursacht die schmerzhaftesten Vulvitiden.

Klinik der Vulvitis

Diese drei Hauptsymptome sollte man sich merken. Sie stehen bei Entzündungen der äußeren Genitalien im Vordergrund.

  • Fluor: Scheidenausfluss
  • Pruritus: Durch das Kratzen, dass durch den starken Juckreiz ausgelöst wird, verschlimmern sich häufig die Infektionen. Tritt der Juckreiz bei Kindern auf, sollte zunächst an Würmer gedacht werden.
  • Brennen und Schmerzen beim Gehen, beim Wasserlassen und bei Kohabitation.

Eine Inspektion zeigt die typischen Zeichen einer Entzündung, es ist gerötete und geschwollene Haut sichtbar. Die Candidose geht oft mit verklumptem weißen Ausfluss einher. Das Nativpräparat und Sabouraud-Kultur zeigt den Nachweis der Pilzinfektion. Bei einer Herpes genitalis Infektion sind feine Bläschen zu sehen. Handelt es sich um eine Entzündung der Haarbalgen, also um eine Follikulitis, beobachtet man oft einen kleinen roten Bereich, der auf Druck schmerzhaft reagiert.

Therapie der Vulvitis

Gegen eine Pilzinfektion wird lokal mit Clotrimazol, also einem Antimykotikum behandelt. Eine bakterielle Vulvitis kann lokal mit Povidon-Jod antiseptisch und oral mit Cephalosporin therapiert werden. Falls eine S. Aureus Infektion nicht behandelt wird, kann sie sich von einer Follikulitis zu einem Abszess ausweiten. Dieser muss chirurgisch geöffnet werden. Zur Erleichterung der Schmerzen und des Juckreizes kann die Patientin Kortisonsalben und Kamillensitzbäder anwenden.

Bartholinitis

Entzündung der Bartholin-Drüse

Bild: “Bartholin’s cyst of the right side” von Medimage. Lizenz: CC BY 3.0

Die Bartholin-Drüse befindet sich an der Innenseite der Labia minora. Ihr Ausführgang liegt im Introitusbereich. Die Bartholinitis ist eine Entzündung der Bartholin-Drüse, die zu einer schmerzhaften Schwellung führt. Diese tritt meist einseitig auf. Sind die Ausführgänge durch Stauung des Drüsensekretes verstopft (Bartholin-Zyste), kann es zu einer Infektion durch Darmkeime kommen.

Ätiologie der Bartholinitis

  • Neisseria gonorrhea
  • Staphylococcus aureus
  • Escherichia coli
  • Anaerobe Bakterien (Bacteroides, Peptokokken, Peptostreptokokken)
Merke: Die primäre Infektion mit einem pathogenen Erreger ist sehr viel seltener, als die Infektion aufgrund eines verstopften Ausflussganges.

Klinik der Bartholinitis

Sind die Drüsengänge verschlossen, kommt es zu einer Schwellung, die mitunter die Größe eines Tischtennisballs annehmen kann. Diese Zyste wird bei einer Infektion schmerzhaft und kann sogar zu Problemen beim Gehen führen.

Therapie der Bartholinitis

Bei einer großen Zyste oder einem Abszess ist die Therapie Marsupialisation, die unter Vollnarkose durchgeführt wird. Handelt es sich um eine rezidivierende Bartholinitis, kann eine Exstirpation der Bartholin-Drüse durchgeführt werden.

Lichen sclerosus: vulvärer Juckreiz

Lichen sclerosus

Bild: “Lichen sclerosus on an 82 year old woman, showing an ivory white coloring in the vulva, also stretching downward to the perineum.” von Mikael Häggström. Lizenz: CC BY 1.0

Lichen sclerosus ist eine chronische Erkrankung und eine degenerative Veränderung der Dermis. Es handelt sich um eine Schrumpfung der Vulva und eine Sklerosierung des subkutanen Fettgewebes.

Merke: Lichen Sclerosus ist eine Präkanzerose! In 15 – 20 % der Fälle entwickeln sich daraus Karzinome.

Ätiologie von Lichen sclerosus

Ausgelöst wird Lichen sclerosus durch östrogenmangelbedingte Hautschrumpfung. Ältere Frauen leiden häufig unter Östrogenmangel in der Postmenopause.

Klinik der Lichen sclerosus

Durch den unerträglichen Pruritus kommt es mitunter zu Kratzdefekten. Bei der Inspektion sind etwa Depigmentierung, Kratzdefekte und eine Superinfektion zu sehen. Mit der Schrumpfung geht eine glänzende Vulvahaut einher.

Diagnostik der Lichen sclerosus

Eine Punchbiopsie oder Exzision zur histologischen Untersuchung sollte erfolgen, um ein Vulvakarzinom und vulväre intraepitheliale Dysplasie auszuschließen.

Therapie der Lichen sclerosus

Die Therapie erfolgt mit Kortikoidsalben für mindestens 4 Wochen über den Zeitpunkt der Beschwerdefreiheit hinaus. Fettsalben sollten vor jedem Hautstress (Miktion, Defäkation, Kohabitation) aufgetragen werden. Die Behandlung mit Kortikoid muss angewendet werden, um Hautschrumpfung und Synechiebildung (Verklebung der Labien) zu verhindern.

Sofern keine Kontraindikation vorliegt, sollte eine systemische Gabe von Östrogenen in Erwägung gezogen werden. Auf jeden Fall sollte aber eine lokale Östriolbehandlung stattfinden. Bei andauernden Beschwerden sind unter Umständen Lasertherapie oder operative Eingriffe wie eine Denervierung erforderlich.

Beliebte Prüfungsfragen zu den Erkrankungen der Vagina und Vulva

1. Was ist der häufigste Erreger einer bakteriellen Vaginose?

  1. Gardnerella vaginalis
  2. Trichomonas vaginalis
  3. Neisseria gonorrhoeae
  4. Staphylococcus aureus
  5. Herpes genitalis

2. Was ist die etablierte Therapie in einer Infektion mit Gardnerella vaginalis?

  1. Kamillensitzbäder
  2. Metronidazol für 5 Tage
  3. Fluconazol
  4. Metronidazol mindestens 1 Monat
  5. Ascorbinsäure

3. Welche prophylaktischen Maßnahmen können getroffenen werden, um eine rezidivierende Aminkolpitis möglicherweise zu verhindern?

  1. prophylaktische Metronidazoltherapie
  2. Partnerbehandlung ist notwendig
  3. Gabe von Milchsäurebakterien
  4. Fluconazol
  5. regelmäßige prophylaktische antimykotische Behandlung

4. Was ist der häufigste Erreger einer Vulvitis?

  1. Herpes Zoster
  2. Staphylococcus aureus
  3. Candida albicans
  4. Bakterien
  5. Treponema pallidum

5. Wie lang sollte die Behandlung mit Kortikoidsalben bei Lichen sclerosus mindestens erfolgen?

  1. Bis 2 Wochen nach Beschwerdefreiheit
  2. 8 Wochen sind ausreichend
  3. 4 Wochen
  4. 4 Wochen nach Beschwerdefreiheit
  5. 1 Woche

Quellen

Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe von Regine Gätje, Christine Eberle, Christoph Scholz, Marion Lübke, Christine Solbach, 2. Auflage, Thieme Verlag

Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe von Kay Goerke und Axel Valet, 7. Auflage, Urban & Fischer

Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe: Lehrbuch und Atlas von Eiko-E. Petersen

http://flexikon.doccheck.com/de/Condylomata_acuminata#Therapie

Infektionserkrankungen der Schwangeren und des Neugeborenen herausgegeben von Klaus Friese, Ioannis Mylonas, Andreas Schulze – https://books.google.cz/books?id=-wgTLktUnWgC&pg=PA281&dq=amselkriterien&hl=de&sa=X&ved=0CCAQ6AEwAGoVChMI_YTSmsaSyQIVQzsUCh30tAEb#v=onepage&q=amselkriterien&f=false

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