Die Bauchspeicheldrüse (griechisch: Pankreas) ist zwei in einem: exokrine und endokrine Drüse. Sie ist für die Verdauung und den Kohlenhydratstoffwechsel essentiell, weshalb ein Funktionsverlust zu schweren Krankheitsbildern führt. Lesen Sie hier einen kompakten Überblick über den Aufbau, die Funktionen und Krankheiten der Bauchspeicheldrüse.
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Pankreas im Ultraschall

Bild: “Ultrasound image of pancreas” von Nevit Dilmen. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Makroskopische Anatomie der Bauchspeicheldrüse

Lage der Bauchspeicheldrüse

Die 14 bis 18 Zentimeter lange und 70 bis 100 Gramm schwere Bauchspeicheldrüse befindet sich retroperitoneal im Oberbauch. Sie liegt der hinteren Bauchwand an und zieht vom Duodenum quer über die Regio epigastrica aufsteigend zur Milz. Auf die Wirbelsäule projiziert, reicht das Pankreas bis zu den Lendenwirbelkörpern I/II (LWK I/II).

Äußere Form der Bauchspeicheldrüse

Das Pankreas hat einen S-förmigen Verlauf und ist durch die das Organ umgebende dünne Capsula fibrosa und davon ausgehende feine Bindegewebssepten in Läppchen gegliedert. Es lässt sich in drei Abschnitte unterteilen:Pankreas

  • Caput pancreatis (Pankreaskopf): Liegt der konkaven Seite des Duodenums (duodenales „C“) an und besitzt einen hakenförmigen Fortsatz (Processus uncinatus), der die Arteria und Vena mesenterica superior umschlingt.
  • Corpus pancreatis (Pankreaskörper): Stellt den Hauptteil des Pankreas dar und ist mit der hinteren Bauchwand verwachsen. Die Vorderseite ist von Peritoneum überzogen und bildet die Rückwand der Bursa omentalis.
  • Cauda pancreatis (Pankreasschwanz): Reicht bis zur Milz und lässt sich nicht scharf vom Pankreaskörper abgrenzen.

    Papilla duodeni major und minor endoskopisch

    Bild: “Papilla duodeni major und minor endoskopisch” von Zhang Y, Sun W, Zhang F, Huang J, Fan Z. Lizenz: CC BY 3.0

Quer durch die gesamte Drüse zieht der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse, der Ductus pancreaticus (auch: Wirsung-Gang) und mündet mit dem Ductus choledochus auf der Papilla duodeni major im Duodenum. Bedingt durch die Entwicklung des Pankreas aus zwei unterschiedlichen Anlagen (ventrale und dorsale Anlage), kann ein zusätzlicher Ductus pancreaticus accessorius (auch: Santorini-Gang) mit Mündung auf der Papilla duodeni minor vorhanden sein.

Gefäßversorgung der Bauchspeicheldrüse

Die arterielle Gefäßversorgung des Pankreas erfolgt einerseits aus dem Truncus coeliacus und andererseits aus der Arteria mesenterica superior. Dieser sowohl von kranial als auch von kaudal erfolgender Zufluss wird durch die Anastomosierung der Äste im Bereich des Caput pancreatis als Pankreasarkade bezeichnet. Hierzu gehören:

  • Arteria pancreaticoduodenalis superior anterior und posterior (aus der Arteria gastroduodenalis, die aus dem Truncus coeliacus stammt).
  • Arteria pancreaticoduodenalis inferior (aus Arteria mesenterica superior).

Blutkreislauf

Zusätzlich gibt die Arteria splenica im Bereich des Corpus und der Cauda pancreatis kleine Rami pancreatici sowie die Arteria pancreatica dorsalis und Arteria pancreatica magna ab, die mit der am Unterrand des Pankreas verlaufenden Arteria pancreatica inferior anastomosieren.

Der venöse Abfluss erfolgt über die Vena splenica und Vena mesenterica superior, die sich schließlich zur Pfortader vereinigen. Durch die enge Lage des Caput pancreatis zu diesen Gefäßen kann es bei einem Pankreaskopfkarzinom zu Stauungen mit Aszites als Folge kommen.

Peritonealverhältnisse und Beziehung der Bauchspeicheldrüse zu Nachbarorganen

Die Bauchspeicheldrüse liegt sekundär retroperitoneal an der hinteren Bauchwand. Dadurch hat es enge topographische Beziehungen zu zahlreichen Strukturen:

  • Magen: Die Bursa omentalis trennt die beiden Organe voneinander.
  • Dünndarm und Zwölffingerdarm: Während der Dünndarm bis an den Unterrand des Pankreas reichen kann, schmiegt sich der Pankreaskopf eng an das Duodenum an.
  • Linke Niere: Mit der Cauda pancreatis zieht das Pankreas über die Niere hinweg.
  • Milz: Am Milzhilum endet das Pankreas mit dem Pankreasschwanz.
  • Ductus choledochus: Kann im Pankreas eingebettet sein. Durch ein Pankreaskopfkarzinom kann der Gallengang verlegt werden und zu einem Stauungsikterus kommen.
  • Arteria und Vena mesenterica superior: Die Gefäße ziehen dorsal des Pankreaskopfes entlang und treten an der Incisura pancreatis auf die Vorderseite. Hier werden sie vom Processus uncinatus hakenförmig umschlungen. Ein Pankreaskopfkarzinom kann auf die beiden Gefäße übergreifen, was zu Durchblutungsstörungen er Organe führt.
  • Arteria und Vena splenica: Während die Milzarterie am oberen Rand des Pankreas verläuft, ist die Milzvene tiefer und hinter der Drüse zu finden.

Fehlbildungen der Bauchspeicheldrüse

Verschmelzen ventrale und dorsale Pankreasanlage während der Entwicklung nicht miteinander, entsteht ein Pankreas divisum, welches durch zwei getrennte Drüsen gekennzeichnet ist. Hierbei unterbleibt auch die Verschmelzung der beiden Pankreasgänge, sodass diese getrennt im Duodenum münden: Der Ductus pancreaticus major auf der Papilla duodeni major und der Ductus pancreaticus minor auf der weiter kranial liegenden Papilla duodeni minor. Diese relativ häufige Anomalie hat normalerweise keinen Krankheitswert. Umstritten ist die Prädisposition für eine Pankreatitis.

MRCP Pankreas divisum

Bild: „MRCP Pankreas divisum“ von Hellerhoff (Eigenes Werk). Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei der Entwicklung des Pankreas wandert ein Teil der ventralen Anlage (rechte Knospe) von dorsal um das Duodenum herum, während der andere Teil (linke Knospe) sich zurück bildet. Unterbleibt diese Rückbildung, wandert die linke Knospe ventral um das Duodenum herum und verschmilzt mit der rechten Knospe, es entsteht ein Pankreas anulare: Die Pars descendens des Duodenums wird ringförmig von Pankreasgewebe umschlungen. Diese relativ seltene Anomalie kann zu einer Duodenalstenose führen.

Bildbeschriftungen: (a) Gallenblase, (b) Gallengang, der den (c) langen Ductus Santorini kreuzt, (d) kurzer Ductus Wirsungianus gemeinsam mit dem Gallengang zur Papilla duodeni major, (e) mit abgebildetes Nierenhohlsystem.

Mikroskopische Anatomie der Bauchspeicheldrüse

Im histologischen Schnitt wird im Gegensatz zur Makroskopie die Aufteilung der Bauchspeicheldrüse in einen exokrinen und einen endokrinen Anteil deutlich.

Exocrine und Endocrine Pankreas

Bild: “Exocrine and Endocrine Pancreas” von philschatz. Lizenz: CC BY 2.0

Exokriner Teil der Bauchspeicheldrüse

Der exokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse zeigt histologisch den typischen Aufbau einer rein serösen Drüse und stellt ca. 98% der Organmasse dar. Die Endstücke (Azini) bestehen aus stark basophilen Zellen, die zahlreiche Sekretgranula enthalten. Hier befinden sich die inaktiven Vorstufen der Verdauungsenzyme, welche zum Schutz vor Selbstverdauung erst außerhalb des Pankreas aktiviert werden (s.u.). Auf die Endstücke folgen die Schaltstücke, welche die Azini mit dem Gangsystem verbinden.

Azinus Pankreas

Azinus Pankreas

Eine Besonderheit im Pankreas sind die zentroazinären Zellen, welche Einstülpungen der Schaltstücke in das Lumen der Azini darstellen. Durch ihre helle Färbung heben sie sich gut von den Endstücken ab und sind so im histologischen Bild leicht zu identifizieren. Streifenstücke, wie sie z.B. in der Glandula parotis zu finden sind, fehlen im Pankreas. Das Gangsystem besteht aus intralobulären Gängen mit isoprismatischem Epithel, welche sich zu interlobulären Gängen mit hochprismatischem Epithel vereinigen und schließlich in den Ductus pancreaticus major oder minor übergehen.

Endokriner Teil der Bauchspeicheldrüse

Langerhanssche_Insel

Bild: “Langerhanssche Insel histologisch” von User:Polarlys. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse beträgt etwa 2% und wird von im exokrinen Gewebe liegenden Zellansammlungen (Langerhans-Inseln) gebildet, die sich durch ihre schwach eosinophile Färbung von den dunklen Azini abgrenzen. Die Inseln sind vor allem im Pankreasschwanz zu finden.

Mit immunhistochemischen Spezialfärbungen lassen sich vier verschiedene Zelltypen mit unterschiedlicher Hormonproduktion sichtbar machen: Die A-Zellen (20%, v.a. in der Peripherie, Glukagonproduktion), B-Zellen (70%, gleichmäßig verteilt, Insulinproduktion), D-Zellen (5%, Somatostatinproduktion) und PP-Zellen (5%, Pankreaspolypeptidproduktion).

Funktion der Bauchspeicheldrüse

Der exokrine Anteil produziert vor allem Verdauungsenzyme, während der endokrine Anteil durch die Insulinproduktion für die Regulation des Kohlenhydratstoffwechsel verantwortlich ist.

Exokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse

Im Pankreas werden täglich ca. 1,5 bis 2 Liter Verdauungssekret gebildet und über den Ductus pancreaticus in das Duodenum abgegeben. Dieses Sekret besteht aus Bicarbonat, wodurch es alkalisch wird (pH 8), und aus zahlreichen für die Verdauung essentiellen Enzymen. Trypsinogen und Chymotrypsinogen sind inaktive Protease-Vorstufen (Zymogene), die erst im Darmlumen durch die Enterokinase zu den Endopeptidasen (Spaltung der Peptidbindung innerhalb eines Proteins) Trypsin und Chymotrypsin aktiviert werden. So wird verhindert, dass es zu einer Selbstverdauung des Pankreasgewebes kommt. Das Trypsin ist in der Lage, selbst weitere inaktive Enzyme zu aktivieren.

Ebenfalls zu den Zymogenen zählen die Carboxypeptidasen, welche Exopeptidasen (Spaltung der Peptidbindung am Ende eines Proteins) sind. Bereits aktive Enzyme des Verdauungssekretes sind die Pankreaslipase und die Phospholipase A2, die Triglyceride und Phospholipide hydrolysieren, die α-Amylase zur Spaltung von Polysacchariden und die (Desoxy-)Ribonukleasen zum Abbau von Nukleinsäuren. Reguliert wird die Freisetzung dieser Enzyme durch Hormone der Darmwand: Sekretin, das die Freisetzung des alkalischen Sekrets zur Neutralisation des sauren Mageninhaltes fördert und Cholezystokinin, das die Produktion und Absonderung der Enzyme anregt. Kommt es durch Gallensteine im Ductus choledochus zu einem Sekretrückstau, kann dies zu einer frühzeitigen Aktivierung der Enzyme mit folgender Selbstverdauung des Pankreas und akuter Pankreatitis führen (s.u.).

Endokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse

Das Pankreas ist nicht nur Verdauungs-, sondern auch Hormondrüse. Als solche bildet es unter anderem zwei wichtige Hormone des Kohlenhydratstoffwechsels: Insulin und Glukagon. Das anabole Hormon Insulin wird in den B-Zellen gebildet und basal pulsatil freigesetzt. Die Halbwertszeit im Blut beträgt nur sechs bis acht Minuten. Stimulus für die induzierte Freisetzung ist vor allem ein hoher Blutglukosespiegel. Liegt ein solcher vor, fördert Insulin den Einbau des insulinabhängigen Glukosetransporters GLUT 4 in Plasmamembranen, sodass Glukose nun schnell in die Zielzellen gelangen kann und der Blutzuckerpiegel sinkt.

Durch Insulin werden außerdem die Glykolyse und die Glykogensynthese gefördert, so wird die aufgenommene Glukose entweder in Energie umgewandelt oder gespeichert. Der direkte Gegenspieler zum Insulin ist das Glukagon, welches von den A-Zellen des Pankreas sezerniert wird. Bei zu niedriger Blutglukose stimuliert Glukagon den Glykogenabbau und Gluconeogenese und hemmt Glykolyse und Glykogensynthese, sodass der Blutzuckerspiegel steigt. Es ist somit ein kataboles insulinantagonistisch wirkendes Hormon. Das von den D-Zellen gebildete Somatostatin hemmt die Sekretion von Insulin, Glukagon, Pankreasenzymen und Magensäure. Das von den PP-Zellen sezernierte pankreatische Polypeptid ist ebenfalls inhibitorisch: Es hemmt die Freisetzung der Pankreasenzyme und die Gallesekretion.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Akute Pankreatitis

Bei einer akuten Pankreatitis kommt es zur Autodigestion des Bauchspeicheldrüsengewebes durch vorzeitig aktivierte Enzyme. Die häufigsten Ursachen hierfür sind Choledocholithiasis und Alkoholabusus. Die Patienten haben heftige Schmerzen im Oberbauch, die sich gürtelförmig bis in den Rücken ausbreiten können. Es kommt zu Übelkeit und Erbrechen, manchmal begleitet von Fieber. Auch Ileus und Ikterus sind mögliche Symptome. Gefürchtete Komplikationen sind Kreislaufschock, akutes Nierenversagen, Sepsis, Atemversagen, Herzinsuffizienz, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Koma.

Akute exsudative Pankreatitis CT

Bild: „Akute exsudative Pankreatitis – CT axial“ von Hellerhoff (Eigenes Werk). Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bis zu 30% der Patienten entwickeln Pseudozysten, die sich spontan wieder zurück bilden können (s.u.). Bei der körperlichen Untersuchung des Patienten mit akuter Pankreatitis fallen ein „Gummibauch“ (elastische Bauchdeckenspannung), Gesichtsröte, und selten auch bläuliche Flecken periumbilikal (Cullen-Zeichen) und im Flankenbereich (Grey-Turner-Zeichen) auf. Laborchemisch lässt sich eine Erhöhung der Amylase und Lipase (> 3-facher Norm) im Serum feststellen, wobei die Lipase pankreasspezifisch ist.

Grey-Turner-Zeichen Pankreatitis

Bild: „Hemorrhagic pancreatitis – Grey Turner’s sign“ von Herbert L. Fred, MD and Hendrik A. van Dijk. Lizenz: CC BY 2.0

Für die Obstruktion des Ductus choledochus als Ursache der Pankreatitis spricht eine Erhöhung von GGT, AP, GOT und Bilirubin. Die Therapie besteht in strikter Nahrungskarenz und Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution mit Überwachung auf der Intensivstation. Steine im Gallengangssystem müssen entfernt werden. Versagt die konservative Therapie, wird eine Operation angestrebt.

Cullen-Zeichen Pankreatitis

Bild: „Cullen’s sign“ von Herbert L. Fred, MD and Hendrik A. van Dijk. Lizenz: CC BY 2.0

Chronische Pankreatitis

Die häufigste Ursache einer chronischen Pankreatitis ist mit ca. 80% der Alkoholabusus. In 10% der Fälle findet sich keine Ursache für die Erkrankung (idiopathisch). Im Gegensatz zur akuten Pankreatitis spielen Gallensteine hier keine Rolle. Leitsymptom ist der oft Stunden bis Tage andauernde rezidivierende Schmerz im Epigastrium, der bei 90% der Patienten vorhanden ist. Nicht selten führt dies zu weiterem Alkohol- und auch Analgetikaabusus.

Chronische Pankreatitis mit Verkalkungen CT axial

Bild: „Chronische Pankreatitis mit Verkalkungen – CT axial“ von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Erst im Spätstadium der Krankheit können die Schmerzen vollends verschwunden sein. Durch die andauernde Entzündung kommt es zum Untergang des Bauchspeicheldrüsengewebes mit folgender exokriner und endokriner Insuffizienz.

Dies führt zu Maldigestion und Nahrungsintoleranz (v.a. Fette) mit Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus und Gewichtsabnahme sowie zu Diabetes mellitus. Im Frühstadium können die genannten Folgen noch reversibel sein, im Spätstadium bei „ausgebrannter“ Drüse jedoch ist die Pankreasinsuffizienz irreversibel.

Zum Nachweis der exokrinen Pankreasinsuffizienz wird die indirekte Bestimmung der Elastase-1 im Stuhl (bei Insuffizienz < 100 µg/dl) durchgeführt. Sonografisch festgestellte Verkalkungen des Pankreas beweisen eine chronische Pankreatitis.

Zur kausalen Therapie kommen nur strikte Alkoholabstinenz bzw. die Beseitigung einer vorliegenden Grunderkrankung in Frage. Symptomatisch gilt der akute Schub entsprechend der akuten Pankreatitis zu therapieren.Die Therapie der exokrinen Insuffizienz besteht in einer kohlenhydratreichen Ernährung mit vielen kleinen Mahlzeiten und Pankreasenzymsubstitution.

Aufgrund der endokrinen Insuffizienz werden die Patienten insulinpflichtig (CAVE: Hypoglykämiegefahr). Da die Gefahr der Abhängigkeit von Analgetika besteht, sind diese in der Schmerztherapie möglichst zu vermeiden. In vielen Fällen lassen sich die Schmerzen durch Beseitigung von Drainagehindernissen und ERCP mit Stenteinlage vermindern, da hierdurch der prästenotische Druck gesenkt wird. Therapieresistente Schmerzen sind eine Indikation zur Operation. Die Prognose der chronischen Pankreatitis ist schlecht, die Letalität beträgt 30-40% (innerhalb zehn Jahre).

Pankreaspseudozysten

Pankreaspseudocyste

Bild: „Pankreaspseudocyste 01 THWZ“ von Thomas Zimmermann (THWZ). Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Pankreaspseudozysten können bei einer Pankreatitis entstehen und heilen in 50% der Fälle spontan wieder ab. Sie bestehen aus einer Ansammlung von Flüssigkeit, neurotischem Gewebe, Pankreasenzymen und altem Blut. Leitsymptome sind Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust.Weitere Symptome können durch Kompression der benachbarten Organe (Magen-Darm-Trakt, Milz, Niere) entstehen.

Häufig sind Pankreaspseudozysten jedoch auch asymptomatisch. Komplikationen sind Spontanrupturen in die freie Bauchhöhle und Blutungen in die Zyste. Zur Diagnostik eignet sich die Sonografie, in der die Zysten als echofreie Strukturen mit echoreichem Randsaum imponieren. Bei einem Durchmesser von über fünf Zentimetern oder dem Auftreten lokaler Komplikationen ist therapeutisch eine Operation mit Zystojejunostomie oder Pankreasteilresektion anzustreben.

Diabetes mellitus

Die „Zuckerkrankheit“ begegnet dem Mediziner in seiner Praxis häufig. Da Insulin das einzige Hormon des Körpers ist, das den Blutzuckerspiegel senken kann, kommt es bei Insulinmangel zu einem Anstieg der Glukose im Blut (Hyperglykämie) und zu vermehrter Glukoseausscheidung (Glucosurie) im Urin. Hierbei muss man zwischen relativem und absolutem Insulinmangel differenzieren.

Beim Typ-1-Diabetes liegt durch Zerstörung der B-Zellen des Pankreas durch Autoantikörper ein absoluter Insulinmangel vor. Die Patienten sind meist jung (Erkrankungsgipfel zwischen 15. und 25. Lebensjahr) und müssen in der Regel lebenslang mit Insulin (Injektion) substituiert werden. Typische Symptome sind gesteigerter Durst (Polydipsie) und Harndrang (Polyurie), sowie Gewichtsverlust und Leistungsminderung.

Der weitaus häufigere Typ-2-Diabetes ist durch eine Insulinresistenz der peripheren Zellen gekennzeichnet, es herrscht also ein relativer Insulinmangel. Da hiervon vor allem ältere Menschen betroffen sind, wird die Krankheit auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Bei den meisten Patienten kann man Adipositas, Hypertonie und Hypertriglyzeridämie diagnostizieren. Zusammen mit dem Diabetes mellitus wird dieses Quartett als metabolisches Syndrom bezeichnet. Wichtig für die Therapie sind eine ausgewogene Ernährung, Gewichtsnormalisierung und Bewegung. Medikamentös sind orale Antidiabetika Mittel der Wahl.

Mukoviszidose

Die Mukoviszidose oder auch zystische Fibrose ist eine häufige autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselkrankheit, die vor allem die Lunge und das Pankreas betrifft. Eine Mutation des CFTR-Gens führt zu defekten Chloridkanälen in exokrinen Drüsenzellen, woraufhin ein stark visköses Sekret gebildet wird, das schlecht abtransportiert werden kann und die Drüsengänge verstopft. Es kommt zu zystischem oder fibrotischem Umbau des Organs mit allmählichem Funktionsverlust.

Neben Lunge und Pankreas können auch Darm, Leber und Gallenwege sowie die Gonaden betroffen sein, sodass die Symptomatik stark vom betroffenen Organ abhängt. Bei der Bauchspeicheldrüse steht die exokrine Insuffizienz im Vordergrund: Es kommt zu Maldigestion mit Durchfällen und Gewichtsverlust bis zur Kachexie. Eventuell kann es durch Untergang des Inselgewebes zu verminderter Insulinproduktion mit Diabetes mellitus als Folge kommen.

Zur Diagnosesicherung wird der Pilokarpin-Iontophorese-Schweißtest (Messung des Chlorid-Gehaltes im Schweiß. Bei > 60 mmol/L pathologisch) durchgeführt. Da Mukoviszidose nicht heilbar ist, kommt nur eine symptomatische Therapie in Frage. Die Lebenserwartung ist vor allem durch die respiratorische Insuffizienz eingeschränkt und beträgt ca. 40 Jahre.

Merke: Eine frühe Diagnose (möglichst im ersten Lebenshalbjahr) ist wichtig, um die Lebenserwartung zu verlängern!

Pankreaskarzinom

Das Pankreaskarzinom ist der dritthäufigste Tumor des Verdauungstraktes, von dem Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Das Erkrankungsalter liegt am häufigsten zwischen 60 und 80 Jahren. Die Ursachen sind unbekannt, jedoch gelten Zigarettenrauchen, Adipositas und hoher Alkoholkonsum als Risikofaktoren. Von diesem vom Gangepithel ausgehenden Adenokarzinom ist in ca. 70% der Fälle der Pankreaskopf betroffen.

Pankreaskarzinom CT

Bild: „Pankreas-Ca im CT – Coeliacusblockade“ von Hellerhoff (Eigenes Werk). Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das Fehlen von Frühsymptomen gestaltet die Diagnose des Pankreaskarzinoms schwierig und wirkt sich ungünstig auf die Prognose aus, da es so erst spät erkannt wird. Symptome wie Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Gewichtsverlust lassen als Differentialdiagnose eine chronische Pankreatitis in Betracht kommen. Viele Patienten geben in den Rücken ausstrahlende Schmerzen an, die ebenso wie ein Ikterus auf eine fortgeschrittene Erkrankung hinweisen. Ein weiteres, eher seltenes Symptom ist eine rezidivierende Thromboseneigung. Sind Pankreaskörper oder -schwanz befallen, treten Symptome in der Regel noch später auf, sodass die Prognose noch schlechter als beim Pankreaskopfkarzinom ist.

Pankreaskopftumor intraoperativ

Bild: “Pankreaskopftumor intraoperativ” von McFarlane ME, Plummer JM, Patterson J, Pencle FK. Lizenz: CC BY 2.0

Der Tumor ist in der Regel nicht tastbar. Durch den tumorbedingten Verschluss des Ductus choledochus wird jedoch die Gallenblase prallelastisch tastbar und es kommt zum Ikterus (=Courvoisier-Zeichen). Die Tumormarker CA 19-9 und CEA sollten nicht zur Frühdiagnose dienen, sind aber gut für die postoperative Verlaufskontrolle geeignet. Nur wenige Patienten können durch eine Resektion des Tumors geheilt werden, da zum Zeitpunkt der Diagnose meist bereits Fernmetastasen bestehen. Die Ergebnisse der Chemo- und Strahlentherapie sind ebenfalls nicht befriedigend. Allerdings lässt sich letztere gut zur Therapie des Pankreasschmerzes einsetzen. Bei den meisten Patienten sind palliative Eingriffe (biliodigestive Anastomose, Cholangiodrainage), die das Leben um sechs bis neun Monate verlängern können, indiziert.

Merke: Pankreaskarzinom = schwierige Diagnose, schwierige Therapie, schlechte Prognose!

Untersuchung der Bauchspeicheldrüse

Durch seine retroperitoneale Lage, kann man das gesunde Pankreas weder tasten, noch hören oder im konventionellen Röntgenbild abbilden. Schmerzen äußern sich oft gürtelförmig im oberen Abdomen.

Merke: Die Bauchspeicheldrüse ist einfachen Untersuchungen nicht zugänglich!

Oft macht sich eine Erkrankung des Pankreas erst durch Symptome der Nachbarorgane bemerkbar. Bei einem Pankreaskopfkarzinom zum Beispiel kann es zu einer Verlegung des Ductus choledochus mit folgendem Ikterus (s.o.) kommen.

Sonografie

Leitstruktur zur Auffindung des Pankreas ist die Vena splenica, die ihm dorsal anliegt. Die Echogenität ist ähnlich der Leber, bei Adipositas und zunehmendem Alter erfolgt eine Echogenitätszunahme (=Pankreaslipomatose). Pankreastumore sind meist echoarm. Verkalkungen sind beweisend für eine chronische Pankreatitis.

Zur besseren Darstellung des Pankreasschwanzes dreht man den Schallkopf leicht gegen den Uhrzeigersinn.

CT/MRT In den Schnittbildern liegt die Bauchspeicheldrüse hufeisenförmig vor den Wirbelkörpern.
ERCP (Endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatographie) Darstellung der Gallen- und Pankreasgänge mittels Kontrastmittelgabe über die Papilla duodeni major und anschließende Durchleuchtung. Bei Bedarf ist ein direkter therapeutischer Eingriff (Papillotomie, Steinextraktion, Drainageanlage) möglich.
MRCP (Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikographie) Nicht-invasiv und ohne Strahlenbelastung. Signalreiche Darstellung der Flüssigkeiten in Pankreas- und Gallengängen, allerdings kein direkter therapeutischer Eingriff möglich.

Beliebte Prüfungsfragen zur Bauchspeicheldrüse

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussage bezüglich der Topographie des Pankreas trifft zu?

  1. Das Pankreas reicht mit seinem Caput bis an das Milzhilum hinan.
  2. Das Pankreas liegt primär retroperitoneal.
  3. Die Arteria splenica verläuft auf der Rückseite und die Vena splenica am Oberrand des Pankreas.
  4. Das Corpus pancreatis bildet die Rückwand der Bursa omentalis.
  5. Die Arteria und Vena mesenterica inferior treten an der Incisura pancreatis von der Rückseite auf die Vorderseite des Pankreas.

2. Welche histologische Struktur lässt sich nicht im Pankreas finden?

  1. Schaltstücke
  2. Endstücke
  3. Streifenstücke
  4. Zentroazinäre Zellen
  5. Ausführungsgänge

 3. Welche Aussage zur Funktion des Pankreas ist richtig?

  1. Im Pankreas werden das katabole Hormon Insulin und das anabole Hormon Glukagon produziert.
  2. Ribonukleasen werden als inaktive Vorstufen produziert.
  3. Mit einem pH-Wert von 6 ist das Pankreassekret alkalisch.
  4. Die Bauchspeicheldrüse hat sowohl exokrine als auch endokrine Funktion.
  5. Die vom exokrinen Pankreas produzierten Enzyme Pankreaslipase und Phospholipase A2 sind am Kohlenhydratabbau beteiligt.

4. Welche Aussage bezüglich des Pankreaskarzinoms ist falsch?

  1. Zur Diagnose eignen sich die Tumormarker C19-9 und CEA.
  2. Die schlechteste Prognose haben Tumoren im Körper- und Schwanzbereich.
  3. Frühsymptome fehlen, was die Diagnose schwierig macht.
  4. Bei einem Pankreaskopftumor kann ein Ikterus auftreten.
  5. Das Courvoisier-Zeichen ist durch eine prallelastische Gallenblase und einen Ikterus gekennzeichnet.

Quellen

Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage – Thieme Verlag

Lippert: Lehrbuch Anatomie, 8. Auflage – Urban & Fischer

Welsch: Lehrbuch Histologie, 3. Auflage – Urban & Fischer

Prometheus, Innere Organe, 2. Auflage – Thieme Verlag

Hofer, Matthias: Sono Grundkurs, 7. Auflage – Thieme Verlag

Duale Reihe Biochemie, 3. Auflage – Thieme Verlag

Duale Reihe Innere Medizin, 2. Auflage – Thieme Verlag

Herold, G. und MA. Innere Medizin (2014) – Gerd Herold Verlag

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2C, 3D, 4A




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