Während das Immunsystem eigentlich konzipiert ist, um uns vor Krankheiten zu schützen und ein Überleben in der Umwelt möglich zu machen, kann es auch krank machen. Wenn es plötzlich auf Umweltantigene reagiert, gegen die es eigentlich tolerant sein sollte und diese Immunreaktion den Körper schädigt, spricht man von einer Allergie oder Überempfindlichkeitsreaktion. Diese krankmachenden Immunreaktionen wurden von Coombs und Gell in vier Typen eingeteilt, die Sie unbedingt kennen sollten, weil sie Grundlage für eine Reihe von Krankheiten sind und gleichzeitig beliebter Prüfungsklassiker. Gewinnen Sie hier einen schnellen Überblick.

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Bild: „Pricktest“ von Wolfgang Ihloff. Lizenz: CC BY-SA 4.0


Damit eine Allergie entstehen kann, muss vorher eine sogenannte Sensibilisierung stattgefunden haben, das heißt der Körper muss schon mal Kontakt mit dem Antigen gehabt haben. So ist eine Immunreaktion abgelaufen, die aber ohne klinische Symptome geblieben ist. Auf diese Weise wurden körpereigene Lymphozyten durch eigentlich harmlose Stoffe sensibilisiert und es sind Antikörper dagegen vorhanden, die dann bei erneutem Kontakt zu einer krankmachenden Immunreaktion führen.

Wie lange diese Sensibilisierungsphase dauert, hängt vom Allergietyp ab: Bei den ersten drei Typen der Immunreaktion (die über Antikörper laufen) dauert es etwa eine Woche und bei der Immunreaktion vom Typ IV (die über zelluläre Mechanismen läuft) dauert es länger, bis zu drei Wochen. Für die Entstehung von Allergien gibt es keine eindeutige Erklärung, sondern viel mehr verschiedene Theorien. Man geht unter anderem von einer genetischen Prädisposition des Individuums, aber auch des Immunsystems aus. Außerdem soll es eine Rolle spielen, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Menge man Kontakt zu den Allergenen hat.

Typ I: Die Soforttypreaktion über IgE-Antikörper

Ist ein Organismus gegen ein bestimmtes Antigen sensibilisiert, läuft die Reaktion vom Soforttyp bei Folgekontakt innerhalb von wenigen Minuten ab. Antikörper vom Typ IgE sind über ihren Fc-Teil an Basophile und Mastzellen gebunden. Binden sie zusätzlich an das passende Allergen, kommt es zu einer Degranulation der Mastzellen mit Freisetzung von Mediatoren wie Histamin und Serotonin.

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Bild: „Allergische Reaktion Typ1“ von Christopher Streibert. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Diese Stoffe sorgen für die typischen körperlichen Reaktionen der Soforttypreaktion: erhöhte Gefäßdurchlässigkeit mit Ödemneigung, vermehrte Schleimproduktion in den Schleimhäuten, Konstriktion der glatten Muskulatur vor allem in der Lunge (Bronchokonstriktion).

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Bild: „Hives on the left chest wall. Notice that they are slightly raised.“ von James Heilman, MD. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ist die Reaktion vom Soforttyp systemisch, spricht man von Anaphylaxie. Über ein Kreislaufversagen kann diese schnell akut lebensgefährlich werden, dann spricht man vom sogenannten anaphylaktischen Schock.

Beispiele für Krankheiten: Asthma bronchiale, allergische Rhinitis und Konjunktivitis, Insektengiftallergie, Urtikaria, Milbenallergie

Typ II: Die zytotoxische Reaktion über Antikörper

Bei der Immunreaktion vom Typ II richten sich Antikörper vom Typ IgG oder IgM gegen Antigene auf körpereigenen Zellen. Solche Antigene sind zum Beispiel Medikamente, die sich leicht auf Zelloberflächen setzen, aber auch körpereigene Zellwandrezeptoren oder Blutgruppenantigene. Werden diese antigenbesetzten Zellen als fremd erkannt, werden sie vom Immunsystem vernichtet. Dies kann neben der antikörpervermittelten Immunreaktion auch durch zytotoxische Killerzellen passieren.

Beispiele für Krankheiten: Rhesusinkompatibilität, Morbus Basedow, HIT (Heparin induzierte Thrombozytopenie), medikamenteninduzierte Agranulozytose, Myasthenia gravis, Goodpasture-Syndrom

Typ III: Die Immunkomplexreaktion

Normalerweise werden Antigen-Antikörper-Komplexe, die sich bei jeder Immunreaktion bilden, durch Phagozytose vernichtet. Bei der Immunkomplexreaktion ist das nicht oder nicht ausreichend der Fall und die Komplexe können sich zum Beispiel an der Basalmembran in Gelenken, kleinen Gefäßen oder der Lunge anlagern und diese durch lokale Entzündungsreaktionen schädigen. Dabei kann ein Antigenüberschuss die Ursache sein oder ein Antikörperüberschuss, sodass die eigentlich physiologische Reaktion der Komplexbildung zur pathologischen Immunreaktion wird.

Beispiele für Krankheiten: Glomerulonephritis bei SLE (Systemischer Lupus erythematodis) oder postinfektiös nach Streptokokkeninfektion, Hautausschläge (kutane Arthusreaktion), allergische Alveolitis, allergische Vaskulitiden

Typ IV: Die zellvermittelte Reaktion

Die zellvermittelte Reaktion ist die sogenannte Immunreaktion vom Spättyp. Erst 24 bis 72 Stunden nach Antigenkontakt tritt eine Reaktion auf. Auch diese zellvermittelte Reaktion läuft auf der Basis von physiologischen Mechanismen ab, der normalen T-Zell-Reaktion, die dann zu einer krankmachenden Entzündungsreaktion wird. Sensibilisierte T-Zellen erkennen das Antigen und schütten Zytokine aus. Die Immunreaktion vom Spättyp macht man sich mittels Hauttest bei der Allergiediagnostik zu Nutze (Epikutantest).

Beispiele für Krankheiten: allergische Kontaktdermatitis, Hautreaktion nach Tuberkulintest, Arzneimittelexanthem, Kontaktekzem

Pseudoallergie

Krankheiten, deren Symptome denen einer Typ-1-Allergie gleichen, aber nicht immunologisch bedingt sind, zählen in die Gruppe der Pseudoallergien. Ursächlich ist die Aktivierung bzw. Zerstörung von Mastzellen ohne Antikörper-Kontakt oder ein mangelnder Abbau von Histamin, aufgrund Enzymmangels wie bei der Histaminintoleranz. Die Mastzellen können durch verschiedene Auslöser unspezifisch aktiviert werden. In Frage kommen Röntgenkontrastmittel, Medikamente wie Muskelrelaxantien, NSAR und Opiate und Nahrungsmittelbestandteile wie Lectine aus Erdbeeren und Säurungsmittel.

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Bild: „Allergie und Pseudoallergie“ von Mæx. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Merke: Charakteristisch für Pseudoallergien ist eine Dosis-Wirkungskurve, die bei Allergien nicht beobachtet werden kann. Außerdem kann sie bereits beim ersten Kontakt mit dem Auslöser auftreten, da keine Sensibilisierung nötig ist.

Beliebte Prüfungsfragen zur Allergie

Die Lösungen finden Sie unter den Fragen.

1. Zu welchem Typ Allergie zählt die Rhesusinkompatibilität?

  1. Typ I
  2. Typ II
  3. Typ III
  4. Typ IV
  5. Pseudoallergie

2. Eine 27-jährige Patientin stellt sich in Ihrer hautärztlichen, allergologischen Praxis vor. Sie berichtet, dass Sie kleine Mengen bestimmter Lebensmittel vertrage. Umso mehr Sie aber davon esse, desto schlimmer seien die Symptome, angefangen mit laufender Nase bis hin zu Durchfall, Herzrasen und Bewusstlosigkeit. Es handelt sich am ehesten um eine…

  1. … Allergie Typ I
  2. … Allergie Typ II
  3. … Allergie Typ III
  4. … Allergie Typ IV
  5. … Pseudoallergie

3. Ein 40-jähriger Mann leidet unter einer systemischen Mastozytose und hat auf einer Gartenparty nach dem Verzehr von Grillfleisch Symptome wie Herzrasen, Atemnot und Anschwellen der Schleimhäute. Er sagt, dass ihm schwarz vor Augen wird und Sie ihm den Pen in seiner Tasche applizieren sollen. Welches Medikament enthält der Pen am wahrscheinlichsten?

  1. Insulin
  2. Dexamethason
  3. Dobutamin
  4. Adrenalin
  5. Ranitidin

Lösungen: 1B, 2E, 3D

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