Patienten mit Elektroschocks zu behandeln, klingt nach mittelalterlichen Methoden, die in der modernen Medizin nichts zu suchen haben. Dennoch ist die Elektrokrampftherapie für Depressive und andere psychisch Kranke oft die erlösende Rettung von ihrem Leidensweg. Besonders Medizin-Studenten sollten sich frühzeitig mit dieser Behandlungsmethode auseinandersetzen, um sie später rechtzeitig und korrekt ihren Patienten verschreiben zu können.
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Bild: “Quinn Helps Out Gestede” von Jon Candy. Lizenz: CC BY 2.0


Die Indikationen für eine EKT

Die EKT, Elektrokrampftherapie oder Elektrokonvulsionstherapie genannt, kommt besonders dann in der Psychiatrie zum Einsatz, wenn Medikamente und Psychotherapie keine Wirkung mehr zeigen. Das ist nicht nur nach einem langjährigen Krankheitsverlauf der Fall, sondern auch im Notfall, wenn beispielsweise akute Suizidalität, akute schizophrene Psychosen oder Katatonie bestehen. Über den Einsatz einer EKT sollte man bei folgenden Krankheitsbildern nachdenken:

  • Therapieresistente Depression
  • Major Depression
  • Therapieresistente Manie
  • Katatonie
  • Wahnhafte Depression
  • Schizoaffektive Psychose

Zum Einsatz kommen kann die EKT ebenfalls bei therapieresistentem Parkinson-Syndrom, dem malignen neuroleptischen Syndrom, bei therapieresistenten Schizophrenieformen und schizoaffektiven Störungen.

Therapieresistent bedeutet, dass mindestens zwei Psychopharmaka in Kombination aus bestenfalls verschiedenen Wirkungsklassen keinen Erfolg erzielt haben. Das heißt, dass mindestens 3 Kombinationen über jeweils mindestens 4 Wochen erprobt wurden und keinen Erfolg erzielen konnten. Ebenfalls eine Indikation ist gegeben, wenn Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen durch Psychopharmaka die Folge sind.

Die EKT ist demnach nur in lebensbedrohlichen Situationen Mittel der ersten Wahl und kommt im weiteren Krankheitsverlauf nur als Mittel der zweiten Wahl zum Einsatz. Letzterem geht oftmals ein jahrelanger Leidensweg der Patienten voraus, da die EKT vielerorts immer noch nur als letzte Lösung angesehen wird. Ein frühzeitiger Einsatz könnte die Leiden vieler Patienten jedoch beizeiten lindern.

Die Kontraindikationen im Überblick

Bevor eine EKT in Betracht gezogen werden kann, müssen nachstehende Kontraindikationen überprüft werden:

  • Herz- und/oder Hirninfarkt (länger als 3 Monate her)
  • kardiopulmonale Funktionseinschränkungen
  • arterieller Hypertonus
  • erhöhter Hirndruck
  • akuter Glaukomanfall
  • Gehirn- oder Aortenaneurysma

Bei bestehenden Kontraindikationen ist immer eine Abwägung der Risiken und des Nutzens möglich. Keine Kontraindikationen sind sehr junges oder hohes Alter, Schwangerschaft, Herzschrittmacher, Osteoporose, Glaukom, länger zurückliegende Herz- und Hirninfarkte. Selbst Schwangere im 1. Trimenon und Risikoschwangere können einer EKT ausgesetzt werden.

Ablauf einer EKT

Bevor eine EKT durchgeführt werden kann, muss das Einverständnis des Patienten eingeholt und ein ausführliches Aufklärungsgespräch geführt werden. Des Weiteren werden Vorbereitungen gleich einer bevorstehenden OP getroffen, entsprechende Maßnahmen wie Blutbild, EKG und dergleichen müssen eingeleitet werden.

Die EKT ist kein einmaliges Therapiemittel, sondern wird in Serie durchgeführt. Dazu sind zwischen 8 bis 12 Sitzungen notwendig, die in einem Abstand von zwei bis drei Tagen erfolgen. Während der Behandlung wird der Patient sowohl an ein EEG, EKG und Pulsoxymetrie angeschlossen. Während der EKT befindet sich der Patient in Kurznarkose, erhält ein Muskelrelaxans und einen Zahnschutz.

Die Elektroden werden in der Regel unilateral über der nicht dominanten Hemisphäre platziert, nur bei sehr schweren psychischen Störungen erfolgt die Positionierung bilateral. Hat der Patient die Bewusstlosigkeit erreicht, werden elektrische Impulse mit einer Stromstärke von 600mA appliziert.

Anhand eines Armes, der von Muskelrelaxantien mittels Stauung freigehalten wird, kann das Krampfgeschehen beobachtet werden. Sonst ist der generalisierte Krampfanfall lediglich auf dem EEG sichtbar. Damit die EKT ihre Wirkung erzielt, muss der Anfall mindestens zwischen 20 bis 30 Sekunden dauern. Ein länger dauernder Anfall kann durch den anwesenden Anästhesisten nach 120 Sekunden abgebrochen werden.

Die Wirkungsweise der EKT

Die genaue Wirkungsweise der EKT ist noch nicht bis ins Detail erforscht. Bisherigen Erkenntnissen zufolge bewirkt die EKT eine erhöhte Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, die sich bei psychischen Erkrankungen im Ungleichgewicht befinden. Des Weiteren wurde beobachtet, dass sich durch die EKT die Hirnareale, die beispielsweise bei Depressionen überaktiv sind, beruhigen.

Nebenwirkungen der EKT

Die EKT an sich hat kaum Nebenwirkungen, die meisten haben ihre Ursachen in der für die Behandlung notwendigen Narkose. Nach einer EKT kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Orientierungslosigkeit
  • kurzzeitige Gedächtnisstörungen (antero- und/oder retrograd)
  • neuropsychologische Störungen (Aphasien, Apraxien, Agnosien)
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen

Alle beschriebenen Nebenwirkungen bilden sich innerhalb weniger Stunden zurück und dauern nur in seltenen Fällen einige Wochen an. Bei bilateraler EKT treten die Nebenwirkungen verstärkt auf.

Erfolg der EKT

Die EKT zeigt bei bis zu 90 Prozent der behandelten Patienten Erfolg, auch, wenn sie teilweise in regelmäßigen Abständen wiederholt werden muss. Eine Kombination mit weniger Psychopharmaka oder gar ein gänzliches Absetzen der Medikamente ist nach dem Einsatz von EKT problemlos möglich. Nur in seltenen Fällen zeigt die EKT gar keine Wirkung.

Geschichtlicher Hintergrund

1938 wurde die EKT erstmals von den italienischen Psychiatern Ugo Cerletti und Lucio Bini ausgeführt. Ihre Erfindung beruhte auf den Beobachtungen des Ungarn Ladislaus von Meduna, der einen Zusammenhang zwischen Epilepsie und Schizophrenie feststellte. Er begann, 1934 erstmalig Krampfanfälle pharmakologisch auszulösen. Bevor Patienten während der EKT narkotisiert wurden, war es eine äußerst schmerzhafte Prozedur, die nicht selten mit Knochenbrüchen und Zahnverlust einherging.

Kritik an der EKT

Besonders die auftretenden Gedächtnisstörungen nehmen Kritiker immer wieder zum Anlass, um gegen den Einsatz der EKT zu protestieren. Auch die zu Beginn des Einsatzes der EKT in den 1930er Jahren auftretenden Schmerzen und Knochenbrüche werden noch als Kontraindikation herangezogen. Ebenfalls behaupten Kritiker, dass die EKT zu Schädigungen im Gehirn führen würden. Bis heute werden solche Annahmen jedoch regelmäßig durch Studien widerlegt.

Hätten Sie es gewusst?

Eine Examensfrage im Herbst 2004 zur EKT lautete:

Als Kontraindikation hinsichtlich Durchführung einer Elektrokrampftherapie (z.B. bei therapieresistenter Depression) – falls zusätzlich vorliegend – per se in erster Linie folgendes Faktum anzusehen:(A) Herzinfarkt vor 2 Monaten
(B) bestehende Schwangerschaft im 2. Trimenon
(C) auf Dauer implantierter Herzschrittmacher
(D) Lebensalter über 70 Jahre
(E) schwere Persönlichkeitsstörung

(Lösung A ist richtig)








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