Der Schauspieler Robin Williams nahm sich vor einiger Zeit das Leben. Als Grund wurden Depressionen infolge einer Parkinson Erkrankung angegeben. Vergessen wird dabei, dass die Depression selbst ein Symptom der Erkrankung sein kann. Morbus Parkinson ist nicht nur eine Bewegungsstörung. Die Begleiterscheinungen dieser fortschreitenden Erkrankung sind vielfältig und betreffen auch die Psyche. Hier finden Sie die wichtigsten Symptome auf einen Blick.
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Bild: “Robin Williams Trovato Morto In Casa Si Sospetta Il Suicidio” von Hot Gossip Italia. Lizenz: CC BY 2.0


Das Krankheitsbild

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung erkranken immer mehr Menschen an Morbus Parkinson. Heutzutage leiden etwa ein Prozent der über Sechzigjährigen und drei Prozent der über Achtzigjährigen unter dieser Störung des Nervensystems.
Schon 1817 verwies der Arzt und Apotheker James Parkinson auf diese langsam, aber stetig fortschreitende Erkrankung, die er mit dem Begriff „Schüttellähmung“ belegte. Morbus Parkinson zählt zu den degenerativen neurologischen Störungen und wird auch als „idiopathisches Parkinson-Syndrom“ (IPS)  bezeichnet. Idiopathisch bedeutet, dass die Ursachen dieser Erkrankung nicht geklärt sind.
Das IPS macht den Hauptteil, etwa 75% der Krankheitsfälle, von Parkinson-Syndromen aus. Nichtidiopathische Syndrome können kausal zugeordnet werden.

Weitere Syndrome

Weitere Syndrome

Ungeklärte Ursachen

So häufig die Erkrankung auch ist, kennen die Forscher noch immer nicht den genauen Auslöser. Ursache für die Symptomatik des IPS ist stets ein Mangel am Neurotransmitter Dopamin. Dieser entsteht nach dem Absterben bestimmter Zellen der pars compacta, eines Bereichs der Substantia nigra. Die melaninhaltigen Nervenzellen synthetisieren Dopamin und transportieren es in das Putamen. Gleichzeitig hemmen sie beim gesunden Organismus cholinerge Nervenzellen im Striatum.

Das Verhältnis von Dopamin zu anderen Botenstoffen wie Acetylcholin und Glutamat wird verschoben. Das sensible Gleichgewicht der Transmitter gerät aus den Fugen, so dass das extrapyramidalmotorische Bahnensystem und die Basalganglien degenerieren.

Als Auslöser werden Pestizide, Umweltgifte und sogar Glutamat diskutiert, die Punktmutationen im alpha-Synuclein-Gen erzeugen können. Alpha-Synuclein ist Grundbaustein der sogenannten Lewy-Körper, proteinöse Einschlüsse im Zytoplasma, die in Neuronen von Parkinson-Patienten nachweisbar sind.

Da Parkinson bereits vor der Verwendung von Pestiziden auftrat, stehen freie Radikale und oxidativer Stress im Verdacht, die Zellschädigung auszulösen.

Körperliche Symptome

Das extrapyramidalmotorische System dient vor allem der Aufrechterhaltung eines bestimmten Muskeltonus‘ und dem flüssigen Ablauf von Bewegungen. Fällt dieses System aus, kommt es zu den für Parkinson spezifischen Kardinalsymptomen:

  • Bradykinese/Hypokinese/Akinese: Die Bewegungen werden langsamer oder kommen ganz zum Erliegen. Die Mimik wird starr, man spricht vom sogenannten Maskengesicht. Aufstehen, Losgehen oder Durchschreiten eines Türrahmens sind mit einer Starthemmung belegt.
  • Posturale Instabilität: Es kommt zur Einschränkung von Gleichgewichtsreflexen. Typisch ist die vorsichtige, kleinschrittige Gangart, mit vorgebeugtem Oberkörper. Stürze oder Stolpern sind häufig.
  • Rigor: Die Muskeln werden zunehmend steifer, was durch einen Widerstand auch bei passiven Bewegungen offenbar wird. Testen kann man hier z. B. auf das Zahnradphänomen. Bewegt der Arzt die Extremitäten des Patienten, geben diese nur ruckartig nach.
  • Tremor: Es handelt sich um einen Ruhetremor. Bei jeglicher Anspannung kommt es zur Zunahme des Zitterns in der Amplitude, nicht aber in der Frequenz! Diese bleibt bei etwa 5 Hz.

Für die Diagnosestellung nach ICD bedarf es der Brady- oder Akinese und eines der drei übrigen Kardinalsymptome.

Initial klagen die Patienten über Schmerzen in den Extremitäten, oftmals asymmetrisch!

So wird sich ein Parkinson-Patient häufig zuerst beim Orthopäden einfinden und über Schulterschmerzen oder Verspannungen klagen. Später fehlt im Gangbild der Patienten oftmals das Mitschwingen der Arme. Wendemanöver werden langsam und in kleinen Tippelschritten durchgeführt. Die verschlechterten Stellreflexe führen zu häufigen Stürzen.

Typisches Gangbild (W.R. Gowers 1886)

Typisches Gangbild (W.R. Gowers 1886)

Wenn die motorischen Effekte so weit sichtbar sind, sind in der Regel bereits 50-60 Prozent der dopaminergen Zellen in der Substantia nigra degeneriert. Deshalb ist es wichtig, sich nicht nur an den Bewegungsauffälligkeiten zu orientieren.

Unterschätzte Begleiterscheinungen

Doch Parkinson wirkt nicht nur auf die Motorik des Menschen, sondern auch auf Psyche und Sensorik wie auch auf das vegetative Nervensystem.

So wird lange vor der ersten Bewegungsstörung in der Regel eine eingeschränkte Riechfunktion manifest. Über 80% der Riechtests ergeben negative Resultate. Anosmie, also die Unfähigkeit, Gerüche zu identifizieren, ist bei 50% der Parkinson-Patienten diagnostizierbar.

Depressionen treten ebenfalls bei der Hälfte der Patienten auf. Demenz und Konzentrationsstörungen sind häufig.

Frühzeitiges Erkennen ist essentiell!

Bisher gibt es keine Heilungserfolge bei Morbus Parkinson. Alle Behandlungen sind symptomatischer Natur. Aufgabe des Mediziners ist es deshalb, Parkinson so früh wie möglich zu erkennen. Auch die oben genannten Begleiterscheinungen sollten ihn deshalb aufhorchen lassen.

Parkinson – Symptome

Parkinson – Symptome

Leben mit Parkinson

Wie berühmt man auch sein mag, vor der Diagnose Parkinson kann man sich nicht schützen. Salvador Dalí, Papst Johannes Paul II, Erich Honecker, Mao Zedong, Ottfried Fischer, Ozzy Osbourne … Neben Robin Williams sind auch viele andere „Stars“ erkrankt, die sich der Erkrankung tapfer stellen:

Die Box-Legende Muhammad Ali setzte sich auch nach dem Krankheitsausbruch im Jahr 1984 für wohltätige Zwecke ein und vermittelte insbesondere zwischen Islam und der westlichen Welt. Daneben gilt der Schauspieler Michael J. Fox als ein weiteres Gesicht von Parkinson. Er hat eine Stiftung ins Leben gerufen, um die Parkinson-Forschung voranzutreiben.

So optimistisch diese Stars auch erscheinen, so sollte uns das Schicksal Robin Williams‘ daran erinnern, dass Parkinson mehr als die damit assoziierte „Schüttellähmung“ ist und eine dunkle Seite an sich hat, die viele Patienten in ein psychisches Tal zieht.

Selbst wenn es noch keine Möglichkeiten gibt, Parkinson ursächlich zu behandeln, gibt es zahlreiche Ansätze, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder anzuhalten. Nach Diagnosestellung bleiben dem Patienten oft noch lange Jahre uneingeschränkten Lebens.

Zum Weiterlesen:

  • Prof. Dr. Reiner Thümler (2002): Morbus Parkinson. Ein Leitfaden für Klinik und Praxis. Springer







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