Epidemiologische Untersuchungen der letzten Jahrzehnte zeigen einen deutlichen Anstieg allergischer Erkrankungen in den Industriestaaten. Die größte Bedeutung kommt dabei den atopischen Erkrankungen zu. Da die Ätiologie einer Allergie multifaktoriell und das Symptombild bunt ist, fällt die Diagnostik und Therapie in verschiedene Fächer. Dabei gibt es immunologische Grundlagen, die fächerübergreifend für die Ausprägung einer Allergie gelten. Der folgende Beitrag führt in die Grundlagen ein und stellt die prüfungsrelevanten Inhalte systematisch vor.
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Allergische Reaktion


Was ist eine allergische Erkrankung?

Der Begriff Allergie bezeichnet eine spezifische überschießende Immunreaktion gegen exogene Substanzen. Letztere werden auch als Allergene bezeichnet. Nach Kontakt mit einem exogenen Allergen und erfolgter, klinisch nicht zu verifizierender Sensibilisierung des Immunsystems auf das Allergen, kommt es zur Bildung allergenspezifischer Lymphozyten und Antikörper, was bei erneutem Allergenkontakt zu einer allergischen Reaktion des Organismus führt.

Das Bild sich zeigender Symptome ist dabei sehr breit und reicht von leichten Hautirritationen bis hin zu notfallmäßig zu behandelnden anaphylaktischen Schocksituationen.

Im direkten Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen steht der Begriff der Atopie. Mit diesem Begriff wird eine vererbbare Neigung bezeichnet, einen bestimmten Typ allergischer Reaktionen (Typ 1 Reaktion) auszuprägen. Unter der Atopie subsummieren sich Erkrankungen wie das atopische Ekzem (Neurodermitis), die Rhinitis allergica sowie das allergische Asthma bronchiale.

Pathophysiologie allergischer Reaktionen

Um in die Varietät allergischer Reaktionen in eine Ordnung zu bringen, teilt man die allergischen Reaktionen in vier Reaktions-Typen ein, wobei das Maximum der Hypersensitivitätsreaktion des jeweiligen Typs bis auf eine Ausnahme mit einer ihm eigenen Immunantwort korreliert.

Sofortreaktion (Typ 1)

allergischer Typ 1

Bild: “Allergischer Typ 1” von Christopher Streibert. Lizenz: (CC BY-SA 3.0 DE)

Bei der Sofortreaktion wird die Immunantwort über den IgE-Antikörper vermittelt. Sie zeigt ihr Maximum in einem Zeitraum von 30 Minuten bzw. 4 – 6 Stunden. Typische Allergenquellen sind Nahrungsmittel, Insektengifte, Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare u. a.. Die sofortige hyperergische Reaktion des Immunsystems basiert auf der Freisetzung von Sofortmediatoren wie Histamin oder TNF, der Bildung von Prostaglandinen sowie der Synthese von pro-allergischen Zytokinen (Grevers; Röcken 2008, S. 28).

Die Freisetzung dieser bioaktiven Mediatoren kann zur lokalen bzw. systemischen Anaphylaxie führen, wobei letzteres zu Kreislaufversagen, Schock und mithin zum Tod führen kann. Zur klinischen Einschätzung des Grades einer anaphylaktischen Reaktion bedient man sich einer Einteilung in vier Stufen (siehe unten Anaphylaxie).

Zytotoxische Reaktion (Typ 2)

Die zytotoxischen Reaktion beruht auf der Reaktion von IgG-Antikörpern. Diese reagieren auf Allergene, die auf der Zelloberfläche sitzen. Indem der Antikörper das an der Zelle befindliche Antigen bindet, leitet er entweder die Komplementkaskade ein oder aktiviert die Killerzellen. Im Ergebnis kommt es in beiden Fällen zur Zytolyse.

Das Maximum der Typ-2-Reaktion ist nach 2 Tagen zu erwarten. Klinische Beispiele sind verschiedene Formen der hämolytischen Anämie, die Thrombozytopenie (Purpura), die Tumorabwehr, aber auch die Transplantatabstoßung. Obgleich die Typ 2-Reaktion in ihrem Verlauf einer Autoimmunreaktion durchaus ähnlich ist, wird sie aufgrund der Tatsache, dass die von der Zelle exprimierten Antigene zunächst von außen in den Körper gelangen, den allergischen Reaktionen zugeordnet.

Bei den Antigenen handelt es sich typischerweise um Medikamente wie Metaboliten des Penicillins, aber auch um bakterielle wie virale Antigene (Grevers; Röcken 2008, S. 32).

Immunkomplexreaktion (Typ 3)

Wie bei der zytotoxischen Reaktion (Typ 2), so sind auch bei der Immunkomplexreaktion die IgG-Antikörper die Verursacher der allergischen Reaktion. Allerdings richten sich diese beim Typ 3 gegen lösliche Antigene wie in den Körper injizierte Seren oder Infusionen, freigesetzte Komponenten von bakteriellen oder viralen Krankheitserregern oder inhalierten Schimmelpilz- oder Hausstaubkomponenten. Bildet sich schließlich ein Immunkomplex aus Antigen und Antikörper, so kommt es im Ergebnis immunologisch zur Komplementbindung sowie zur Granulozyten- und Monozytenaktivierung.

Typische pathologische Manifestationen der Typ 3-Reaktionen sind unter anderem die Vaskulitis, die Serumkrankheit sowie die Glomerulonephritis. Das Maximum der Hypersensitivitätsreaktion liegt bei 6 – 8 Stunden.

Spätreaktion (Typ 4)

Bei der Spätreaktion handelt es sich um eine verzögert auftretende Immunreaktion, bei der nach erfolgter Antigenpräsentation T-Lymphozyten aktiviert werden, in deren Folge wiederum es zur Freisetzung spezifischer Zytokine kommt. Im Fortgang dieser Verkettung werden auf diese Weise Entzündungen vermittelt, die sich klinisch beispielsweise in einer kontaktallergischen Ekzemreaktion oder in einem Arzneimittelexanthem manifestieren.

Typische Auslöser einer Spätreaktion sind unter anderem Metallionen, Duft- oder Konservierungsstoffe, Mykobakterien, Bakterien und Hefen. Das Maximum der Reaktion ist in einem Zeitraum von 48 bis 72 Stunden zu erwarten.

Merke:

Bezeichnung Vermittelt durch Beispiel
Typ 1-Reaktion = Sofortreaktion IgE-Antikörper Allergisches Asthma bronchiale
Typ 2-Reaktion = zytotoxische Reaktion IgG-Antikörper Medikamentenvermittelte Hämolyse
Typ 3-Reaktion = Immunkomplexreaktion IgG-Antikörper Serumkrankheit
Typ 4 Reaktion = Spätreaktion T-Lymphozyten Kontaktekzem

Was ist ein Allergen?

Ein Allergen ist ein Antigen, das eine hyperergische Immunantwort hervorruft. Eine Großzahl von Allergenen sind Polypeptide bzw. Proteine, wobei Pilze, Pollen und Milben zu den differenziertesten Allergenquellen zählen (Holgate 1996, S.1). Einige Allergene allerdings sind sogenannte Haptene, kleine Moleküle, die durch die Bindung an höhermolekulare Strukturen ebenfalls eine Immunreaktion auslösen.

Ist das Immunsystem einmal sensibilisiert, reagiert es in der Regel nicht nur auf ein einziges Allergen einer gegebenen Allergenquelle. Jedoch reagieren nicht alle Menschen auf die gleichen Allergene. Daher nennt man jene Allergene, die gehäuft eine Immunantwort hervorrufen Major-Allergene und jene, die seltener als Allergenquelle ausgemacht werden, Minor-Allergene.

Allergeneigenschaften, welche die Allergenität bei genetischer Prädisposition mit beeinflussen, sind:

  • Differenzierter molekularer Aufbau
  • Fähigkeit des Allergens, physikalische Barrieren zu durchdringen
  • Fremdartigkeit
  • Stabilität
  • Biochemische Eigenschaften
  • Löslichkeit
  • Konzentration

Als typische Allergenquellen kommen in Frage:

  • Pollenallergene
  • Pilzallergene
  • Tierische Allergene
  • Arthropoden-Allergene (Insektenallergene, Arachnidenallergene)
  • Nahrungsmittelallergene
  • Medikamentenallergene

Allergiediagnostik

Allergiediagnostisch stehen verschiedene Tests zur Verfügung, die sich methodisch wie auch objektspezifisch voneinander unterscheiden.

In-vivo-Testverfahren (Hauttests)

Eine Reihe von Tests stellen Hauttests dar. Zu diesen als In vivo-Verfahren zu bezeichnende Tests gehören:

  • Reibetest
  • Pricktest
  • Scratchtest
  • Intrakutantest
  • Tuberkulintest

Im Folgenden seien der Pricktest und der Intrakutantest als zwei Standardverfahren der allergologischen Praxis in ihrer Indikation, Durchführung und Aussagekraft näher vorgestellt.

Pricktest

pricktest

Bild: “Pricktest” von Wolfgang Ihloff. Lizenz: (CC BY-SA 4.0)

Zur Abklärung von Allergien des Soforttyps (Typ 1) ist der Prick-Test der Test der ersten Wahl. Nach Auftragen von Tropfen standardisierter Allergenlösungen auf die Unterarminnenseite durchsticht man diese mit sogenannten Pricktestlanzetten, ohne dabei eine Blutung zu provozieren. Liegt eine allergische Reaktion des Soforttyps auf eines der aufgetragenen Testallergene vor, zeigt sich dies durch Erythem- und Quaddelbildung. Der dabei zu beachtende Zeithorizont liegt zwischen 20 Minuten und 24 Stunden. Weitere Hauttests sind der Reibetest, der Scratchtest sowie der Intrakutantest.

Epikutantest

Der Epikutantest dient der Überprüfung einer allergischen Kontaktdermatitis, womit demnach eine allergische Reaktion des Typ 4 (Spätreaktion) ausgeschlossen bzw. nachgewiesen wird. Zur Durchführung: Nachdem die in Verdacht stehenden Testsubstanzen in kleinen Aluminiumkammern mittels Pflastern am Rücken des Patienten fixiert worden sind, verbleiben sie dort für die nächsten 48 Stunden. Anschließend werden die Pflaster wieder abgenommen und die Reaktionen sofort (Tag 2), am Tag 3, am Tag 4 und gelegentlich auch am Tag 7 abgelesen.

Epikutantest

Bild: “patch test” von Jan Polak. Lizenz: (CC BY-SA 3.0)

Um Testverfälschungen und Irritationen so gering wie möglich zu halten, wird der Patient gebeten, während dieses Zeitraums seinen Rücken frei von Wasser oder Seife zu halten. Die Reaktionsbewertung erfolgt über eine Skala von 0 (negativ) bis ++++ (Erythem, Blasen, Erosion). Eine über ++++ hinausgehende Reaktion wird als IR (irritativ, scharf begrenzte Rötung, Decrescendo) bezeichnet.

In Europa existiert eine Standard-Epikutantestreihe, die häufige Kontaktallergene wie Metalle, Hilfsstoffe der Gummiherstellung sowie Duft- Aroma- und Konservierungsstoffe umfasst.

In vitro-Testverfahren

In vitro-Testverfahren stellen eine Ergänzung zu den in vivo-Verfahren dar und können diese im Einzelfall, wenn Hauttestungen kontraindiziert sind (z.B. Gefahr eines drohenden anaphylaktischen Schocks) auch ersetzen. Dabei nutzen diese Verfahren Körpersekrete wie Blut oder Nasensekret zur Bestimmung der Menge gebildeter Antikörper oder anderer immunologischer Substanzen (Allergie-Screening).

Der Nachteil: Die Tests machen keine Aussage über die tatsächliche Stärke der Allergiereaktion beim Patienten. In vitro-Testverfahren untersuchen und bestimmen unter anderem:

  • IgE: Bestimmung des Gesamt-IgE bzw. des Spezifischen IgE und des IgE im Nabelschnurblut
  • ECP: Eosinophiles cationisches Protein; ein Marker für die Aktivierung von Eosinophilen
  • CAST: Cellulärer Allergen-Stimulationstest zur Bestimmung des Leukotriengehalts
  • Tryptase: Ermöglicht eine Aussage über die Mastzellaktivität
  • BDT: Basophilen-Degranulationstest; Bestimmung des Histamingehalts isolierter Basophilen
  • CIE und CRIE: Gekreuzte Immunoelektrophorese bzw. gekreuzte Radioimmunoelktrophorese

Neben den genannten in vivo und in vitro-Verfahren existieren weitere Tests, die eine bereits bestehende Verdachtsdiagnose erhärten bzw. zu dieser hinführen können. Zu nennen sind:

  • Verschiedene Bronchiale Provokationsverfahren
  • Subkutane Provokationstestung
  • Provokationstests am Gastrointestinaltrakt
  • Wärme-, Kälte-, Druck- und Schwitztest

Wichtige allergische Erkrankungen

Allergische Erkrankungen zeigen aufgrund der systemisch-immunologischen Hyperreagibilität, die ihnen zugrunde liegt, eine Vielzahl von Erscheinungen, deren Einteilung sich grob an ihren Expositionsstellen (Prädilektionsstellen) orientiert. Hier eine Liste wichtiger allergischer Erkrankungen, von denen nachfolgend die Anaphylaxie und die Kontaktdermatitis näher vorgestellt werden.

Allergische Notfälle

  • Insektengiftallergie
  • Iatrogene Allergenexposition
  • Anaphylaxie

Allergische Erkrankungen der Haut

  • Neurodermitis

    Bild: “Neurodermitis” von Eisfelder. Lizenz: (CC BY-SA 3.0)

    Atopische Dermatitis (Neurodermitis)

  • Allergisches Kontaktekzem
  • Urtikaria (Nesselsucht)
  • Quincke-Ödem
  • Vaskulitis
  • Arzneimittelexanthem
  • Eosinophilie-Erkrankungen
  • Mastozystosen

Allergische Erkrankungen im HNO-Bereich

  • Rhinitis allergica
  • Polyposis nasi
  • Orales Allergie-Syndrom

Allergische Erkrankungen des Auges

  • Blepharitis

    Bild: “Blepharitis” von clubtable. Lizenz: Public Domain

    Allergische Rhinokonjuktivitis

  • Atopische Keratokonjunktivitis
  • Lidödem
  • Lidekzem
  • Blepharitis (Meibomitis)

Allergien des unteren Respirationstrakts

  • Allergisches Asthma bronchiale
  • Churg-Strauss-Syndrom
  • Allergische bronchopullmonale Aspergillose (ABPA)
  • Exogen allergische Alveolitis

Allergische Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

  • Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranz
  • Zöliakie (Sprue)
  • Histaminintoleranz
  • ASS-Intoleranz

Die Anaphylaxie – Der allergische Notfall

Symptome der Anaphylaxie

Bild: “Symptome der Anaphylaxie” von Mikkael Häggström. Lizenz: (CC0 1.0)

Definition

Im Gegensatz zu der anaphylaktoiden Reaktion handelt es sich bei der Anaphylaxie im engeren Sinne um eine durch eine Typ-1-Allergie verursachte Reaktion. Da sie sehr schnell, überraschend und zum Teil dramatisch ablaufen kann, stellt sie einen potentiellen Notfall dar und ist dementsprechend zu behandeln.

Die Pathophysiologie der Anaphylaxie

Der häufigste Pathomechanismus der Anaphylaxie ist die IgE vermittelte Hypersensitivitätsreaktion vom Soforttyp. Auslösende Allergene umfassen ein breites Spektrum und reichen von Antibiotika (bevorzugt Penicillin), Impfstoffen und Lokalanästhetika bis hin zu Fremdproteinen (Antiseren, Antitoxine) und bestimmten Nahrungsmitteln (Hülsenfrüchte, Krustentiere, Milch, Milchprodukte etc.).

Im Einzelnen folgt der Pathomechanismus der Anaphylaxie dem Muster der Typ 1-Reaktion: Nach erfolgter Sensibilisierung gegen das spezifische Antigen kommt es bei erneuter Exposition mit demselben Antigen zu einer massiven Freisetzung biochemischer Mediatoren aus Mastzellen und Basophilen, was im Ergebnis zu Spasmen der glatten Muskulatur, erhöhter Schleimsekretion sowie Aktivierung von Entzündungszellen führt.

Neben der wissenschaftlich gesicherten Anaphylaxie der Typ 1-Reaktion existieren weitere Modelle zur Erklärung anaphylaktischer Reaktionen, die hier kurz genannt sein sollen: Die Immunkomplex/Komplement-vermittelte Anaphylaxie, die Anaphylaxie infolge physikalischer Stimuli, die Anaphylaxie infolge mutmaßlicher Anomalien des Arachidonsäure-Metabolismus (Aspirinunverträglichkeit).

Klinik und Verlauf

In der Regel tritt eine Anaphylaxie völlig überraschend auf, wobei die Symptome in ihrem Schweregrad recht unterschiedlich ausgeprägt sein können. Auch sind von Fall zu Fall unterschiedliche Organe betroffen.

Zu den ersten Anzeichen einer drohenden anaphylaktischen Reaktion zählen Wärmegefühl bzw. Kribbeln der Haut (häufig der Handballen und der Fußsohlen) sowie Angstgefühle. Im weiteren Verlauf kann sich schnell eine Atemwegsobstruktion mit Dysphonie, Heiserkeit und Erstickungsgefühl einstellen, die unbehandelt auch zum Bronchospasmus und einem drohenden Atemstillstand führen kann.

Im HNO-Bereich zeigen sich als typische Symptome Niesreiz, Augentränen, Gaumenjucken sowie weitere rhinitische und konjunktivische Beschwerden. Reaktionen der Haut reichen von Juckreiz bis hin zur Bildung von Angioödemen (Quincke-Ödem). Daneben sind auch Beschwerden im Gastrointestinaltrakt wie Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe möglich.

Die größte Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion stellt der anaphylaktische Schock dar, da dieser aufgrund einer mangelhaften Durchblutung lebenswichtiger Organe schnell zum Tod führen kann.

Zur genaueren Einschätzung des jeweiligen Symptombildes hat sich die Einteilung der Anaphylaxie in fünf Stadien (Stadium 0-4) bewährt:

Stufe Beschreibung Herz-Kreislauf Atmung Haut
0 Lokalreaktion Juckreiz, Ausschlag Rötung
1 Leichte Allgemeinreaktion Husten, Dyspnoe Juckreiz, Rötung, Ausschlag
2 Ausgeprägte Allgemeinreaktion Tachykardie, Arrhythmie Branchospasmus, Dyspnoe, Nasenausfluss, Heiserkeit Urtikaria, Juckreiz, Flush, Schwellungen
3 Bedrohliche Allgemeinreaktion Blässe, Schock, Hypotension, Bewusstseinseintrübung Schwere Dyspnoe, Schwellungen im Kehlkopfbereich Urtikaria, Juckreiz, Flush, kalte Extremitäten, Schwellungen
4 Vitales Organversagen Kreislaufstillstand Atemstillstand Urtikaria, Juckreiz, Flush, kalte Extremitäten, Schwellungen

Stadieneinteilung anaphylaktischer Reaktionen (nach Müller-Werdan)

Akuttherapie des anaphylaktischen Schocks

Aufgrund des teils rasanten Verlaufs einer anaphylaktischen Reaktion hin zum manifesten Schock muss dementsprechend sofort gehandelt werden. Nach Beendigung bzw. Beseitigung der Allergenzufuhr wird, so möglich, ein großvolumiger venöser Zugang zur Volumensubstitution mit 0,9 %-iger NACL-Lösung gelegt. Zugleich sollte zur Behandlung schwerer allergischer Reaktionen Adrenalin subkutan bzw. intramuskulär in einer Gabe von 0,3 mg gegeben werden.

Weitere Notfallmaßnahmen sind eine ausreichende Sauerstoffgabe (5 – 10 l/min) sowie eine der Hypovolämie entsprechende Schocklagerung. Zur Unterdrückung der histaminvermittelten Reaktionen sind Antihistaminika, Glukokortikoide sowie Beta-2-Sympathomimetika die Medikamente der ersten Wahl. Bei Herz-Kreislauf-Versagen bzw. Atemstillstand ist nach der ABCD-Regel zu verfahren.

A = Atemwege freimachen
B = Beatmen
C = Circulation: Herzmassage, Defibrilation
D = Drugs: Medikamte

Allergisches Kontaktekzem

allergisches Kontaktekzem

Bild: “Allergisches Kontaktekzem” von Floreana. Lizenz: Public Domain

Definition und Epidemiologie

Beim allergischen Kontaktekzem handelt es sich um eine T-Zell-vermittelte Typ 4-Reaktion. Im Gegensatz zur Typ 1–Reaktion, bei der der Patient meist auf eine Vielzahl von Umweltallergenen reagiert, ist die Kontaktallergie in der Regel mono- bzw. oligovalent. Circa 5 – 15 % aller Patienten, die eine dermatologische Klinik aufsuchen, leiden an einer Kontaktallergie (Heppt, Renz, Röcken 1998, S.192).

Ätiologie und Pathogenese

Als eine Kontaktdermatitis auslösende Allergene kommen annähernd 3000 verschiedene Stoffe in Frage, die in der Regel in ihrem molekularen Aufbau so klein sind, dass sie nur über die Bindung an höhermolekulare Stoffe eine Allergie hervorrufen. Diese kleinen Moleküle werden auch Haptene genannt.

Kontaktallergene kommen in Pflanzen, Kleidern, Schmuck, Kosmetika wie auch in örtlichen Therapeutika vor. Einige Allergene können sich jedoch auch in Aerosolen widerfinden, sie sind also äußerst flüchtig (Airborne Contact Dermatitis). Andere Allergene wiederum werden erst durch die Exposition mit UVA zum Hapten, wobei im chronifizierten Stadium bereits kleinste Mengen an Tageslicht reichen, um einen Ekzemschub zu verursachen (Photokontaktallergie).

Kontaktallergien entwickeln sich bevorzugt auf dem Boden eines toxischen oder chronischen Ekzems (Heppt 1998, S.196). So verwundert es nicht, dass insbesondere Berufsgruppen wie Handwerker und Bauarbeiter (Dichromat) oder medizinisches Personal (Desinfektionsmittel, Latex) allergische Kontaktekzeme entwickeln.

Klinik

Klinisch wie morphologisch unterteilt man das allergische Kontaktekzem in die akute Dermatitis und in das chronische Ekzem, wobei in der Praxis beide Verlaufsformen nicht immer strikt voneinander abgegrenzt werden können, da sie nicht selten ineinander übergehen.

Wenngleich eine allergische Kontaktdermatitis grundsätzlich an jeder Körperstelle einschließlich der Schleimhäute auftreten kann, stellen die Hände berufsbedingt doch die häufigste Lokalisationsstelle dar.

Diagnostik

Bereits Anamnese und eingehende Inspektion des Ekzems können oftmals zum Verdacht einer Kontaktallergie führen. Dabei ist besonderer Wert auf die Lokalisation und auf die Morphologie des Ekzems zu legen. Eine gesicherte Diagnose lässt sich allerdings nur über den Epikutantest erlangen (siehe oben).

Therapie

Das Mittel der ersten Wahl bei der Therapie des allergischen Kontaktekzems ist das absolute Meiden des Haptens. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich die genaue Identifizierung des Allergens. Da das Spektrum potentiell allergieauslösender Allergene immens breit ist und das Auffinden des ursächlichen Stoffs langwierig sein kann, erfordert die Therapie seitens des Arztes neben einer guten Stoffkunde auch viel Verständnis und Einfühlungsvermögen für den Patienten.

Therapeutisch wird von einer innerlichen Steroidtherapie in den meisten Fällen abgeraten, da die Wirksamkeit gering ist und die Nebenwirkungen dabei unverhältnismäßig hoch sind. So tritt oftmals eine Therapie mit Externa an die erste Stelle, wobei bei der Wahl der Mittel auf deren Inhaltsstoffe geachtet werden sollte, um bei einer bereits bestehenden Sensibilisierung gegen eine der enthaltenen Substanzen von deren Gabe abzusehen, um jedes weitere Sensibilisierungsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Prognose – Verlauf und Prophylaxe

Die Prognose ist stark abhängig von der Verbreitung des jeweiligen Allergens. Weit verbreitete Umweltallergene, die sich von Patient und Arzt ordnungstherapeutisch nicht ausschalten lassen, führen in der Regel zu anhaltenden Beschwerden mit zum Teil schwerwiegenden sozioökonomischen Folgen für die betroffene Person.

Bei Nachweis eines kumulativ toxischen Ekzems sollte von ärztlicher Seite durch konsequente symptomatische Therapie und Aufklärung versucht werden, einer möglichen weiteren Sensibilisierung gegen das Allergen vorzubeugen.

Merke: Wichtige allergische Erkrankungen sind die atopische Dermatitis, das allergische Kontaktekzem, die Urtikaria sowie das allergische Asthma bronchiale. Weiter zu kennen sind die allergische Rhinokonjunktivitis (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde), die exogen-allergische Alveolitis (Pneumologie) sowie die atopische Keratokonjunktivitis (Augenheilunde) und die Vaskulitis.

Beliebte Prüfungsfragen zu Allergien

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussagen über Antikörper treffen zu?

  1. Sie dienen der spezifischen Abwehr körperfremder Substanzen.
  2. Die im menschlichen Organismus nachgewiesen Immunglobuline gehören den Klassen IgA, IgD, IgE, und IgM an.
  3. Es handelt sich um Lipoproteine.
  4. Sie spielen bei der Entstehung des anaphylaktischen Schocks eine entscheidende Rolle
  1. Nur 1 und 2 sind richtig.
  2. Nur 1 und 4 sind richtig.
  3. Nur 2 und 4 sind richtig.
  4. Nur 1, 2 und 4 sind richtig.
  5. Alle sind richtig.

2. Immunsuppressiv wirksam sind…

  1. Glucocorticoide.
  2. ionisierende Strahlung.
  3. Antilymphozytenserum.
  4. Y-Globuline.
  1. Nur 1 und 2 sind richtig.
  2. Nur 2 und 3 sind richtig.
  3. Nur 3 und 4 sind richtig.
  4. Nur 1,2 und 3 sind richtig.
  5. Alle sind richtig.

 3. Kontaktallergene kommen vor in:

  1. Pflanzen.
  2. Textilien.
  3. Schmuck.
  4. örtlichen Therapeutika.
  1. Nur 1 und 2 sind richtig.
  2. Nur 1 und 4 sind richtig.
  3. Nur 2, 3 und 4 sind richtig.
  4. Nur 3 und 4 sind richtig.
  5. Alle sind richtig.

Quellen

Grevers, Gerhard; Röcken, M.: Taschenatlas Allergologie, Stuttgart 2008

Heppt, W; Renz, H.; Röcken M., (Hrsg.): Allergologie Berlin 1998.

Holgar; Church, Kapp, (Hrsg.): Allergologie, Berlin 1996.

 Lösungen der Prüfungsfragen: 1D, 2D, 3E



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