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Vaginale Blutung in der Spätschwangerschaft

Die möglichen Ursachen für vaginale Blutungen im 2. und 3. Trimenon sind praktisch identisch. Die häufigsten Differentialdiagnosen sind dabei die vorzeitige Plazentalösung, eine Placenta oder Vasa praevia, sowie die Uterusruptur. Die Diagnosestellung einer vorzeitigen Plazentalösung und einer Uterusruptur erfolgt vor allem auf Basis der klinischen Befunde. Das Vorliegen einer Placenta/Vasa praevia wird in den allermeisten Fällen im Rahmen des sonografischen Routinescreenings im 2. Trimenon diagnostiziert. In diesen Fällen ist eine digitale vaginale Untersuchung kontraindiziert. Alle Differentialdiagnosen einer Blutung in der Spätschwangerschaft können zu bedrohlichen maternalen sowie fetalen Blutverlusten führen, die eine notfallmäßige Sectio oder auch Reanimation erforderlich machen können.

Aktualisiert: Sep 29, 2022

Überblick

Definition

Als Blutung im 3. Trimenon wird eine vaginale Blutung bezeichnet, die ab 24 SSW bis zu Beginn einer regelmäßigen Wehentätigkeit auftreten. Eine klare Abgrenzung zu Blutungsursachen im 2. Trimenon ist nicht sinnvoll, da die häufigsten Differentialdiagnosen dieselben sind.

Epidemiologie und Ätiologie

  • Inzidenz: tritt bei etwa 5 % der Schwangerschaften auf
  • Häufigste Ätiologien:
    • Vorzeitige Plazentalösung: 30 %
    • Plazenta praevia: 20 %
  • Die Blutungsursache bleibt oft unbekannt.
Tabelle: Ursachen von Blutungen in der Spätschwangerschaft nach Lokalisation
Anatomische Lage Ursachen der Blutungen
Plazenta
  • Vorzeitige Plazentalösung*
  • Plazenta praevia*
  • Vasa praevia*
Uterus Uterusruptur*
Zervix
  • Zeichnungsblutung: eine kleine Menge blutiger Schleimausfluss, der oft den Wehen vorausgeht, wenn die Zervix reift
  • Zervizitis
    • Sexuell übertragbare Erkrankungen: Gonorrhoe, Chlamydien
    • Sekundär zu Vaginitis: Candidiasis, bakterielle Vaginose
  • Ektropium der Zervix: freiliegendes zervikales Zylinderepithel, das bei Berührung zu leichten Blutungen neigt
  • Polypen
  • Karzinom
Vagina und Vulva
  • Varikosis
  • Vaginitis
  • Risswunde
  • Karzinom
*Klinisch wichtige geburtshilfliche Ursache.

Vorzeitige Plazentalösung

Überblick

Eine vorzeitige Plazentalösung ist die vollständige oder teilweise vorzeitige Ablösung einer normal implantierten Plazenta vor Geburt des Kindes.

Klinische Relevanz:

  • Bei Lösung der Plazenta:
    • Keine Gewährleistung der mütterliche* Perfusion der Plazenta → Sauerstoffmangel des Kindes
    • Auftreten von mütterlichen* und fetalen Blutungen über die Plazenta
  • Geburtshilflicher Notfall, der normalerweise eine sofortige Entbindung erforderlich macht

Epidemiologie

  • Inzidenz: ca. 2–10 pro 1000 Geburten
  • Alter: häufiger bei Frauen* 35 Jahre alt
  • Gestationsalter bei Plazentalösung:
    • Termingeburt: 60 %
    • 32–36 Wochen: 25 %
    • < 32 Wochen: 15 %

Risikofaktoren

  • Zustand nach vorzeitiger Plazentalösung (stärkster Risikofaktor)
  • Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen
    • Präeklampsie
    • Schlecht kontrollierte chronische Hypertonie
  • Abdominaltrauma
  • Kokain- oder Tabakkonsum
  • Schnelle Dekompression der Gebärmutter
    • Blasensprung in einer Schwangerschaft mit Polyhydramnion
    • Geburt des ersten Säuglings in einer Mehrlingsschwangerschaft
  • Fetale Wachstumsrestriktion (kann auf eine kleine chronische Teilablösung hinweisen)
  • Uterusanomalien
    • Leiomyome
    • Uterus bicornis

Ätiologie

  • Unbekannt; Assoziation wird vermutet mit:
    • Chronischen Plazentaerkrankungsprozessen
    • Anomalien in der Entwicklung der plazentaren Gefäße
  • Direktes Abdominaltrauma (weniger häufig)

Pathophysiologie

  • Ruptur mütterlicher* Gefäße in der Dezidua basalis → Blutansammlung spaltet die Dezidua → eine dünne Schicht der Dezidua wird mit ihrem Plazentaansatz abgetrennt
  • Thrombin ist ein starkes Uterotonikum → Gerinnung in der Dezidua löst Uteruskontraktionen aus
  • Vollständige Ablösung:
    • Verursacht durch eine arterielle Hochdruckblutung im Zentrum der Plazenta
    • Lebensbedrohlich für Fötus und Mutter*
  • Partielle Ablösung:
    • Verursacht durch venöse Niederdruckblutung, meist an der Peripherie der Plazenta
    • Oft selbstlimitierend und kleinerer Bereich betroffen
    • Kann während der restlichen Schwangerschaft zu einer „chronischen Ablösung“ führen

Klinik

Die Blutung bei vorzeitiger Plazentalösung kann entweder als vaginale Blutung apparent sein (80 %) oder auch, durch Ansammlung des Blutes hinter der Plazenta, ohne vaginalen Blutabgang auftreten (20 %).

  • Schmerzhafte Blutung:
    • Bauch- und/oder Rückenschmerzen
    • Blutungen können leicht bis lebensbedrohlich sein (hämorrhagischer Schock)
  • Kontraktionen (oft hypertonisch oder hochfrequent)
  • Druckschmerzhaftigkeit des Uterus
  • Fetaler Distress/Reduktion der Kindsbewegungen
  • Kleine, partielle Ablösungen können weniger dramatisch sein und auftreten mit:
    • Geringere Blutungen im Laufe der Zeit (chronische Abbrüche)
    • Oligohydramnion
    • Intrauterine Wachstumsrestriktion des Fötus
Placental abruption

Plazentalösung:
Apparente versus okkulte Blutung

Bild von Lecturio

Diagnostik

Die Diagnosestellung einer Plazentaablösung erfolgt normalerweise klinisch, basierend auf Anamnese, Untersuchung und fetaler Überwachung.

  • Anamnese und klinische Untersuchung
    • Vitalzeichen: Blutdruck, Puls, Atmung, Hautfarbe, Urinausscheidung
    • Palpation des Abdomens mit Erhebung des Fundusstandes
  • CTG:
    • Messung der fetalen Herzfrequenz und Aufzeichnung von Uteruskontraktionen (Tokometrie)
    • Beurteilung des fetalen Status
    • Anzeichen von fetalem Distress: Bradykardie, ↓ Herzfrequenzvariabilität, späte Dezelerationen
    • Tokometrie: häufige und/oder hypertone Kontraktionen
  • Sonografie:
    • Ausschluss einer Plazenta praevia (erst nach Ausschluss darf eine vaginale Untersuchung erfolgen)
    • Untersuchung auf retroplazentares Hämatom
    • Geringe Sensitivität, mittlere Spezifität
  • Labordiagnostik:
    • Nicht wegweisend bei der Diagnosestellung der Abruptio placentae; hilfreich bei Management einer akuten Reanimation
    • Blutgruppenbestimmung und Kreuztest (Vorbereitung für potentielle Transfusionen)
    • Großes Blutbild → Grad der Anämie
    • Gerinnungsdiagnostik:
      • Quick/INR-Wert, aPTT
      • Fibrinogen → Evaluation auf disseminierte intravasale Koagulopathie (englisches Akronym: DIC)

Therapie

  • Vollständige Ablösung:
    • Einleitung folgender Schritte bei DIC, hypovolämischem Schock oder fetaler Distress
    • Schritt 1: Stabilisierung
      • Anlage mehrerer großlumiger peripherer Zugänge
      • Gabe von Plasmaexpander
      • Bereitstellung von Erythrozytenkonzentration
    • Schritt 2: Sectio caesarea nach Stabilisation des mütterlichen* Kreislaufs
  • Partielle oder chronische Ablösung:
    • (Primär stationäre) Überwachung der Mutter*, um sicherzustellen, dass der Ablösung nicht fortschreitet
    • Engmaschige Erhebung des fetalen Status
    • Kortikosteroide (Betamethason) zur Induktion der Lungenreife bei Frühgeborenen
    • Entbinfung bei Dekompensation der Mutter*/des Fötus

Komplikationen

  • Mütterliche* Komplikationen:
    • DIC
    • Nierenversagen
    • Akutes Lungenversagen (englisches Akronym: ARDS)
    • Peripartale Hysterektomie
    • Komplikationen im Zusammenhang mit Bluttransfusionen
    • Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben
  • Fetale Komplikationen:
    • Komplikationen einer Hypoxämie (z. B. neurologische Beeinträchtigung)
    • Komplikationen der Frühgeburt (z. B. Atemnot, intraventrikuläre Blutung, Frühgeborenenretinopathie)
    • Fetale Wachstumsrestriktion (chronische partielle Ablösung)

Placenta praevia

Überblick

Definitionen:

  • Placenta praevia: Implantation der Plazenta im unteren Unterinsegment unter Einbezug des inneren Muttermundes
  • Tief reichende Plazenta: Plazentarand ist nicht mehr als 2 cm (in manchen Quellen 5 cm) vom inneren Muttermund entfernt
  • „Placenta praevia marginalis“ und „Placenta praevia partialis“ sind veraltete Begriffe, die vermieden werden sollten.

Klinische Relevanz:

  • Weitung der Zervix unter der Plazenta → Scherkräfte → Ablösung der Plazenta über und um den inneren Muttermund → Blutung (sowohl mütterlicher als auch fetaler Blutverlust)
  • Keine Durchführung einer digitalen Untersuchung der Zervix bei Vorliegen einer Plazenta praevia (Gefahr einer schweren Blutung)
Placenta previa

Lage der Plazenta bei Plazenta praevia

Bild von Lecturio

Epidemiologie

  • Prävalenz: 4 pro 1000 Geburten
  • Bei bis zu 2 % der Schwangeren zeigt die Sonografie im 2. Trimester eine Plazenta praevia.
  • Ungefähr 90 % der Plazenta praevias, die vor 20 Wochen diagnostiziert wurden, verschwinden bis zur Entbindung.
    • Das untere Uterussegment verlängert sich von 0,5 cm in der 20. SSW auf über 5 cm bei Entbindungstermin.
    • Diese Verlängerung „bewegt“ die Plazenta vom Muttermund weg.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass sich eine vollständige Plazenta praevia zurückbildet, wenn ≥ 2,5 cm den inneren Muttermund im 2. Trimester bedecken.

Risikofaktoren

  • Wichtigste Risikofaktoren:
    • Zustand nach Plazenta praevia
    • Zustand nach Sectio
    • Mehrlingsschwangerschaft
  • Andere Risikofaktoren:
    • Zustand nach Kürettage
    • Kinderwunschbehandlung
    • Fortgeschrittenes mütterliches* Alter (> 35 Jahre alt)
    • Multiparität
    • Anomalien des Uterus
    • Nikotinkonsum
    • Kokainkonsum

Klinik

  • Normalerweise asymptomatisch zum Zeitpunkt der Diagnosestellung (bis Zervixdilatation beginnt nach 30 Wochen)
  • Schmerzlos vaginale Blutung
  • Fetaler Distress bei erheblicher Blutung

Diagnostik

  • Anamnese und klinische Untersuchung
  • CTG
    • Meist keine/geringe Wehentätigkeit
    • Pathologische Herztöne bei starker Blutung
  • Transvaginaler Ultraschall:
    • Plazenta in der Nähe/über Muttermund
    • Erstdiagnose meist bei Routine-Sonografie im 2. Trimester
    • Beurteilung der Plazentalokalisation ist empfohlener Bestandteil der routinemäßigen geburtshilflichen Vorsorge
  • Keine digitale Untersuchung der Zervix bei Vorliegen einer Plazenta praevia
Plazenta praevia im Ultraschall

Darstellung einer Plazenta praevia mittels transabdominaler Sonografie
P = Plazenta
CX = Zervix

Bild: “Placenta previa“ von Haiyan Yu et al. Lizenz: CC BY 4.0

Therapie

  • Alle Schwangeren mit Placenta praevia → Entbindung via Sectio
  • Asymptomatisches antenatales Management:
    • Aufklärung bezüglich Blutungsprävention: keine Manipulation in der Vagina, kein Geschlechtsverkehr
    • Vermeidung körperlicher Anstrengung und schweren Hebens
    • Geplante Entbindung bei 36-38 Wochen (vor Einsetzen der Wehen)
    • Bei zwingend notwendiger Untersuchung → visuelle Beurteilung mit Spekulum
  • Bei aktiver Blutung:
    • Beurteilung der hämodynamischen Stabilität der Mutter* → ggf. Reanimation
    • Kontinuierliches Monitoring des Fötus
    • Kortikosteroide zur Induktion der Lungenreife (nicht bei notfallmäßiger Entbindung)
    • Anti-D-Immunoglobuline für Rhesus-negative Mütter*
    • Indikationen für eine sofortige Entbindung (unabhängig vom Gestationsalter):
      • Wehentätigkeit
      • Fetaler Distress
      • Anhaltende Blutung und/oder hämodynamische Instabilität
    • Bei milder Blutung, die sistiert → abwartendes Vorgehen mit klinischer Beobachtung möglich

Vasa praevia

Überblick

Definitionen:

  • Vasa praevia: fetale Gefäße verlaufen über den inneren Muttermund
  • Velamentöse Nabelschnur: In einem Teil der Nabelschnur fehlt die schützende Wharton-Sulze in der Nähe der Plazenta-Ansatzstelle → Anfälligkeit der Nabelschnur für Rupturen:
    • Sogenannte „membranöse Gefäße“, weil sie am Chorion ansetzen
    • Länge der ungeschützten Nabelschnur kann mehrere Zentimeter betragen

Klinische Relevanz:

  • Eine digitale Untersuchung kann diese Gefäße rupturieren, was innerhalb von Minuten zu einer Ausblutung des Fötus führt.
  • Der Blasensprung kann die Gefäße rupturieren lassen.
  • Diese Gefäße können auch durch den fetalen Kopf komprimiert werden.
Vasa previa

Vasa praevia: Links verlaufen die Gefäße der Nabelschnur direkt über den inneren Muttermund (Vasa praevia) und ihnen fehlt die protektive Wharton-Sulze (velamentöse Nabelschnur). Rechts verlaufen die Gefäße der Vasa praevia zu einem akzessorischen Lappen der Plazenta; den Gefäßen fehlt ebenfalls die Wharton-Sulze.

Bild von Lecturio

Epidemiologie

  • Prävalenz:
    • Velamentöse Nabelschnur:
      • 1 % der Einlingsschwangerschaften
      • Bis zu 15 % der monochorialen Zwillingsschwangerschaften
    • Vasa praevia:
      • 1 von 1500 Geburten
      • Bis zu 1:200 in IVF-Schwangerschaften
  • Risikofaktoren:
    • Akzessorische Plazentalappen
    • Mehrlingsschwangerschaft
    • Plazenta previa
    • Insertio velamentosa
    • IVF

Klinik

  • Schmerzlose vaginale Blutungen (oft nach Blasensprung)
  • Fetaler Distress
    • Fetaler Blutverlust (viel kleinere Blutvolumina)
    • Sinusoidales Muster im CTG (deutet auf schwere fetale Anämie hin)
    • Tod des Fötus durch Ausbluten (kann innerhalb von wenigen Minuten auftreten)
  • Im Gegensatz zur Placenta praevia persistieren Vasa praevia normalerweise über die gesamte Dauer der Schwangerschaft
  • Betroffene sind oft asymptomatisch bis zur Erweiterung der Zervix oder einem Abriss aufgrund eines mechanischen Traumas

Diagnostik

  • Anamnese und klinische Untersuchung
  • CTG
  • Transvaginale Sonografie mit Doppler:
    • Darstellung der Gefäße, die über dem inneren Muttermund verlaufen
    • Beurteilung der Nabelschnurgefäße und der Insertion nach etwa 20 Wochen ist Bestandteil der routinemäßigen Schwangerschaftsvorsorge
  • Bei Notwendigkeit einer vaginalen Untersuchung → visuelle Beurteilung nur mittels Spekulum (digitale Untersuchung ist kontraindiziert)
Doppler-Ultraschall der Vasa previa

Transvaginale Sonografie, die eine Vasa praevia zeigt:
Der Farbdoppler zeigt das Blut, das durch das Gefäß direkt über dem inneren Muttermund fließt. Der Zervikalkanal ist an beiden Enden mit gelben Sternchen markiert.

Bild: “Doppler ultrasound of vasa previa“ von Division of Reproductive Endocrinology & Infertility, Beth Israel Deaconess Medical Center/Boston IVF, Harvard Medical School, Boston, MA, USA. Lizenz: CC BY 3.0

Therapie

  • Entbindung via Sectio
  • Asymptomatisches antenatales Management:
    • Beckenruhe (kein Geschlechtsverkehr)
    • Kortikosteroide zur Induktion der Lungenreifung (typischerweise zwischen 28-32 Wochen Gestationsalter)
    • Stationäre Überwachung mit täglichem fetalen Monitoring ab 30-34 Wochen Gestationsalter
    • Geplante Entbindung mit 34-37 Wochen Gestationsalter (vor Einsetzen einer regelmäßigen Wehentätigkeit)
  • Indikationen für eine notfallmäßige Sectio:
    • Regelmäßige Wehentätigkeit
    • Blasensprung
    • Fetaler Distress
    • Vaginale Blutung mit fetaler Tachykardie

Uterusruptur

Definition

Unter einer kompletten Uterusruptur versteht man die vollständige Zerreißung aller Schichten der Uteruswand mit Eröffnung des Peritoneum viscerale.

Eine gedeckte Uterusruptur bezeichnet eine Dehiszenz einer früheren Uterusnarbe nach vorheriger Operation ohne direkte Verbindung zur Bauchhöhle.

Epidemiologie

  • Inzidenz bei Personen mit Zustand nach Sectio:
    • Bei Wehenversuch nach Sectio (englisches Akronym: TOLAC): 0,5 %
    • Zustand nach Sectio mit geplanter Re-Sectio: 0,03 %
  • Inzidenz bei Personen ohne vorherige Uterusnarbe:
    • Selten
    • Schätzungsweise 1 pro 20.000 Schwangerschaften
  • Perinatale Sterblichkeitsrate im Zusammenhang mit einer Uterusruptur: 5-25 %

Risikofaktoren

  • Zustand nach Uterotomie:
    • Sectio caesarea (am häufigsten)
    • Klassische (hohe vertikale oder fundale) Uterotomie (höchstes Risiko)
    • Myomektomie großer intramuraler Myome
  • TOLAC
  • Induktion/Verstärkung der Wehen (übermäßige Oxytozin-Stimulation)

Klinik

  • Bauchschmerzen (oft stark, plötzlicher Beginn)
  • Vaginale Blutung variablen Ausmaßes (kann leicht sein, bei intraabdominellem Pooling des Blutes)
  • Pathologisches Herzfrequenzmuster:
    • Bradykardie
    • Späte Dezelerationen
    • Minimale/fehlende fetale Herzfrequenzvariabilität
  • Sistieren der Wehen
  • Vorangehender Kindsteil lässt sich bei der vaginalen Untersuchung leicht aus dem Beckeneingang schieben
  • Mütterliche* hämodynamische Instabilität
  • Kann postpartal nach einem TOLAC mit einer postpartalen Blutung diagnostiziert werden, die nicht auf Uterotonika anspricht

Diagnostik

  • Diagnosestellung auf Basis der klinischen Präsentation und des individuellen Risikoprofils
  • Bestätigung der Verdachtsdiagnose durch Laparotomie

Therapie

  • Erheblicher fetaler/maternaler Distress erfordert unmittelbare Intervention:
    • Sofortige Not-Sectio und
    • Gleichzeitige Stabilisation der Mutter* mittels intravenöser Flüssigkeitsgabe und Blutprodukten (je nach Bedarf)
  • Chirurgische Reparatur der Uterusruptur nach Geburt des Kindes und Stabilisierung der Mutter*
  • Hysterektomie (Ultima ratio bei persistierender Blutung und/oder nicht reparierbarem Uterus)
Uterusruptur Foto

Uterusruptur:
Diese Frau wurde durch einen vertikalen Mittellinienschnitt laparotomiert. Dabei zeigt sich in der Abdominalhöhle ein großer Defekt in der vorderen Uteruswand mit einer sich hervorwölbenden Fruchtblase.

Bild: “Silent uterine rupture“ von Department of Obstetrics and Gynecology, Michigan State University/Sparow Hospital, Lansing, MI 48912, USA. Lizenz: CC BY 3.0

Gegenüberstellung der Differentialdiagnosen

Tabelle: Vergleich der Ursachen von Blutungen in der Spätschwangerschaft
Diagnose Klinik Risikofaktoren Therapie
Vorzeitige Plazentalösung
  • Schmerzhafte Blutung
  • Kontraktionen
  • Fetaler Distress
  • Hypertonie
  • Schnelle Dekompression der Gebärmutter
  • Trauma
  • Kokain- oder Tabakkonsum
Notfallmäßige Entbindung
Plazenta praevia Schmerzlose Blutung ODER asymptomatisch
  • Zustand nach Plazenta praevia
  • Zustand nach Sectio
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Keine digitale Untersuchung
  • Beckenruhe
  • Entbindung mit Blutung oder nach 36 Wochen
Vasa praevia Schmerzlose Blutung ODER asymptomatisch
  • Akzessorischer Plazentalappen
  • Vorliegen einer Plazenta praevia
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Velamentöse Nabelschnur
  • Keine digitale Untersuchung
  • Beckenruhe
  • Entbindung mit Blutung oder nach 36 Wochen
Uterusruptur
  • Schmerzhafte Blutung
  • Geburtsstillstand
  • Fetaler Distress
  • Zustand nach Uterotomie (insbesondere vertikale oder fundale Inzisionen)
  • TOLAC
  • Geburtseinleitung
  • Notfallmäßige Entbindung
  • Chirurgische Reparatur einer Ruptur

Quellen

  1. Ananth, C.V., Kinzler, W.L. (2021). Placental abruption: Pathophysiology, clinical features, diagnosis, and consequences. In: Barss, V.A. (Ed.), UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/placental-abruption-pathophysiology-clinical-features-diagnosis-and-consequences (Zugriff am 12. März 2021).
  2. Deering, S. (2018). Abruptio placentae. Medscape. https://emedicine.medscape.com/article/252810-overview (Zugriff am 12. März 2021).
  3. Lockwood, C.J. (2019). Placenta previa: Epidemiology, clinical features, diagnosis, morbidity, and mortality. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/placenta-previa-epidemiology-clinical-features-diagnosis-morbidity-and-mortality (Zugriff am 11. März 2021).
  4. Bakker, R. (2018). Placenta previa. Medscape. https://emedicine.medscape.com/article/262063-overview#a4 (Zugriff am 12. März 2021).
  5. Anderson-Bagg, F. (2020). Placenta previa. StatPearls. https://www.statpearls.com/articlelibrary/viewarticle/27262/ (Zugriff am 11. März 2021).
  6. Lockwood, C.J. (2020). Velamentous umbilical cord insertion and vasa previa. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/velamentous-umbilical-cord-insertion-and-vasa-previa (Zugriff am 12. März 2021).
  7. Landon, M.B. (2020). Uterine rupture: after previous cesarean delivery. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/uterine-rupture-after-previous-cesarean-delivery (Zugriff am 12. März 2021).
  8. Schneider H, Husslein P-W, Schneider K-T et al.: Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Springer Verlag; 2016. doi:10.1007/978-3-662-45064-2
  9. Goerke K, Steller J, Axel Valet et al.: Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe. 11. Auflage. Elsevier Verlag; 2021. doi:10.1016/C2020-0-00278-1
  10. Schneider H, Husslein P-W, Schneider K-T et al.: Die Geburtshilfe. 4. Auflage. Springer Verlag; 2011. doi:10.1007/978-3-642-12974-2
  11. Schlembach D, Berger R, Kainer F et al.: Geburtshilfe. Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie. 1. Auflage. Elsevier Verlag; 2020. doi:10.1016/C2016-0-01291-3
  12. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – Ständige Kommission Leitlinien. (S2k) Leitlinie „Peripartale Blutungen, Diagnostik und Therapie“. AWMF-Registriernummer 015/063. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-063l_S2k_Peripartale_Blutungen_Diagnostik_Therapie_PPH_2016-04.pdf (Zugriff am 16. August 2022).

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Sobair Barak hat einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und hat sich anschließend an der Harvard Business School weitergebildet. Heute ist er in einer Management-Position tätig und hat bereits diverse berufliche Auszeichnungen erhalten. Es ist seine persönliche Mission, in seinen Kursen besonders praxisrelevantes Wissen zu vermitteln, welches im täglichen Arbeits- und Geschäftsalltag von Nutzen ist.

Dr. Frank Stummer

Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Simon Veiser

Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

B2B Award 2022

Für herausragende Kundenzufriedenheit wurde Lecturio von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) mit dem deutschen B2B-Award 2022 ausgezeichnet.
In der Rubrik Kundenservice deutscher Online-Kurs-Plattformen belegt Lecturio zum zweiten Mal in Folge den 1. Platz.

B2B Award 2020/2021

Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) hat Lecturio zum Branchen-Champion unter den deutschen Online-Kurs-Plattformen gekürt. Beim Kundenservice belegt Lecturio den 1. Platz, bei der Kundenzufriedenheit den 2. Platz.

Alexander Plath

Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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