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Unipolare Depression

Die unipolare Depression, auch depressive Episode oder Depression genannt, ist eine unipolare Stimmungsstörung, die durch anhaltende gedrückte Stimmung und Interessenverlust gekennzeichnet ist und zusammen mit somatischen Symptomen auftritt. Die Symptomatik muss über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen andauern. Depressive Störungen haben die höchste Lebenszeitprävalenz unter allen psychiatrischen Störungen. Biologische, psychosoziale und genetische Faktoren tragen zur Entstehung der Depression bei. Zu den Behandlungsmethoden gehören vor allem Psychotherapie und Pharmakotherapie, gegebenenfalls ergänzt durch Neuromodulationstherapien wie die Elektrokonvulsionstherapie (EKT). Die häufigste Todesursache im Zusammenhang mit depressiven Störungen ist der Suizid, welcher häufiger mit steigendem Alter auftritt.

Aktualisiert: Jan 11, 2023

Überblick

Definition

  • Episoden von gedrückter Stimmung und Interessenverlust in Verbindung mit somatischen und kognitiven Symptomen
  • Depressive Episoden dauern mindestens zwei Wochen an.
  • Verursacht eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensführung/Funktionsfähigkeit

Klassifikation

Die depressive Episode kann nach Schweregrad und Verlauf eingeteilt werden.

  • Schweregrad:
    • Leicht, mittelgradig, schwer
    • Abhängig von der Anzahl vorhandener diagnostischer Symptome
  • Verlauf:
    • Einmalig oder rezidivierend
    • Depressive Episoden können als einmaliges Ereignis auftreten oder episodisch wiederkehren.
    • Rezidivierende Störung: zwischen den einzelnen Episoden mindestens zwei Monate ohne Symptome

Epidemiologie

Die depressive Störung ist eine weitverbreitete, häufig rezidivierende Erkrankung, die mit starken Beeinträchtigungen einhergeht.

  • Prävalenz bei Erwachsenen:
    • Lebenszeitprävalenz von 16 %-20 %
    • Frauen* sind doppelt so häufig betroffen wie Männer*.
    • Höchste 12-Monats-Prävalenz in der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen
    • Geringste 12-Monats-Prävalenz in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen
  • Höhere Prävalenz bei Menschen mit geringem sozioökonomischen Status
  • Steigende Prävalenz depressiver Erkrankungen in entwickelten Ländern in den vergangenen Jahren
  • Suizid:
    • Zwei-Drittel aller Menschen mit Depressionen denken über Suizid nach.
    • Etwa 15 % der Menschen mit schweren depressiven Störungen versterben durch Suizid.
    • Männer* begehen häufiger Suizid, während es Frauen* häufiger versuchen.
    • Die Suizidrate nimmt mit steigendem Alter zu.
  • Nur die Hälfte der Betroffenen mit einer Depression erhält eine annähernd ausreichende Behandlung.

Pathophysiologie

Risikofaktoren

  • Genetik: Depressive Störungen treten häufiger bei eineiigen Zwillingen (75 %) als bei zweieiigen Zwillingen (14 %-19 %) auf.
  • Neurotransmission: ↓ Neurotransmittern, die die Stimmung kontrollieren, entstehen (z. B. Serotonin).
  • Kognitive Verzerrungen: negative Selbst- oder Weltwahrnehmung
  • Frühkindliche Verluste von Bezugspersonen

Katecholamin-Anomalien

  • ↓ Konzentrationen von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin
  • ↑ Neurotransmitter → Linderung der Symptomatik.

Monoaminhypothese

  • Monoaminoxidase (MAO): Enzym, das Monoaminen (Serotonin, Noradrenalin, Epinephrin, Dopamin) abbaut
  • Es wird angenommen, dass Anomalien in der Amin-Neurotransmission (erhöht oder vermindert) an den Nervenendigungen zu einer gestörten Neurotransmission führen → vermittelt depressive Zustände
  • In der Behandlung von Depressionen werden Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) eingesetzt.

Stresshormone

  • Erhöhte Konzentration von Stresshormonen (Cortisol, Calcitonin)
  • Vermutlich Folge einer hyperaktiven Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse

Neuroanatomische Theorie

  • Strukturelle Anomalien des präfrontalen Kortex werden mit Depressionen in Verbindung gebracht.
  • Die Theorie beruht auf der klinischen Verbesserungen von Patient*innen nach einer tiefen Hirnstimulation.

Neurotrophin-Hypothese

  • Unbehandelte Depressionen können lebenswichtige Gehirnstrukturen (z. B. den Hippocampus) schädigen.
  • Die Schäden werden durch die Glutamin- und Glukokortikoidtoxizität vermittelt, da der Hippocampus sehr empfindlich auf hohe Cortisolkonzentrationen reagiert.

Diagnostik

Diagnosekriterien nach ICD-11

Eine depressive Episode ist gekennzeichnet durch eine gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit und Antriebsminderung. Mindestens zwei Hauptsymptome müssen über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen auftreten. Die Schweregradbestimmung erfolgt anhand der Anzahl von Zusatzsymptomen.

  • 6A70: einzelne depressive Episode
  • 6A71: rezidivierende depressive Störung

Hauptsymptome:

  • Depressive, gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsminderung mit erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung

Zusatzsymptome:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit

Auszuschließen sind:

  • Andere psychiatrische Störungen (insbesondere bipolare Störung)
  • Substanzkonsum
  • Krankheiten, die depressive Verstimmungen verursachen: z. B. Schilddrüsenunterfunktion, Nährstoffmangel, zerebrovaskuläre Erkrankungen

Weitere diagnostische Verfahren

  • Screening:
    • Spezifische Testverfahren und Fragebögen zur Früherkennung und Klassifikation von Depressionen (z. B.):
      • Zwei-Fragen-Test
      • WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden
      • Gesundheitsfragebogen für Patient*innen (PHQ-D)
      • Allgemeine Depressionsskala (ADS)
      • “Beck Depression Inventory” (BDI)
  • Bewertung der Suizidalität: Die Suizidgefährdung von Betroffenen muss immer beurteilt werden.
  • Labordiagnostik
    • Keine spezifischen Tests für Depressionen vorhanden
    • Durchführung verschiedener Laboruntersuchungen zum Ausschluss anderer Ursachen
    • Schilddrüsenfunktionstest (TSH, T3, T4)
    • Vitamin B12-, Vitamin D-, Folsäurespiegel
    • Drogenscreening im Urin
  • Bildgebende Verfahren: CT und MRT des Gehirns zum Ausschluss organischer Ursachen

Eselsbrücke

Für die Symptome einer Depression gibt es den Merkspruch “Denk an 4 S“:

  • Denkstörungen
  • Antriebsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsstörungen
  • Suizidalität
  • Somatische Begleitsymptome

Weitere Formen der depressiven Episode

Ängstliche Depression

Zu den Symptomen gehören:

  • Anspannung
  • Unruhe
  • Konzentrationsschwäche aufgrund von Sorgen
  • Angst, dass etwas Schreckliches passieren könnte
  • Furcht vor Kontrollverlust

Somatisches Syndrom / Melancholische Depression

Klassifikation des somatischen Syndroms bei leichter oder mittelgradiger depressiver Episode, wenn mindestens vier der folgenden Symptome eindeutig feststellbar sind

  • Interessenverlust oder Freudlosigkeit an normalerweise angenehmen Aktivitäten
  • Mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren
  • Frühmorgendliches Erwachen
  • Morgentief
  • Psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
  • Appetitverlust
  • Gewichtsverlust
  • Libidoverlust

Die Klassifikation des somatischen Syndroms ist für die schwere depressive Episode nicht vorgesehen, da diese aufgrund ihrer Schwere die somatischen Symptome mit einschließt.

Katatonie

  • Kann im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen auftreten (z. B. Stimmungsstörungen, psychotische Störungen, Autismus)
  • Zu den Symptomen gehören:
    • Sehr ausgeprägte psychomotorische Störungen (vermehrte oder verminderte Bewegungen)
    • Betroffene nehmen eine spezifische körperliche Haltung ein und verharren in dieser.
    • Bei Änderung der körperlichen Haltung durch Dritte wird diese neue Körperhaltung beibehalten.
    • Verringerte Reaktionen auf äußere Reize
    • Verweigerung von Anweisungen
    • Nachsprechen von Worten (Echolalie) oder Nachahmung von Bewegungen (Echopraxie)

Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

  • Halluzinationen und Wahnvorstellungen während der depressiven Episode
  • Treten diese Symptome ohne Stimmungsstörungen auf, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine schizoaffektive Störung.

Gemischte depressive Episode

Beschreibt eine schwere depressive Episode mit gleichzeitig auftretenden subsyndromalen manischen Symptomen.

  • Freudlosigkeit an den meisten Aktivitäten
  • Hochgefühle
  • Übertriebenes Selbstwertgefühl oder Überschwang
  • Rededrang
  • Ideenflucht und Ablenkbarkeit
  • Viel Energie und zielgerichtete Aktivitätssteigerung
  • Verringertes Schlafbedürfnis
  • Übermäßiges Interesse an vergnüglichen Aktivitäten mit negativen Folgen

Atypische Depression

Depressive Episode mit ungewöhnlichen Symptomen wie:

  • Reaktion auf angenehme Reize (Stimmungsbesserung bei positiven Ereignissen)
  • Hyperphagie und Gewichtszunahme
  • Hypersomnie
  • Schweregefühl der Extremitäten
  • Empfindlichkeit gegenüber Kritik und sozialer Zurückweisung

Therapie

Allgemeiner Ansatz

  • Ersten Wahl: Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva
  • In schweren Fällen: Somatotherapie in Form einer Elektrokonvulsionstherapie (EKT) oder transkraniellen Magnetstimulation (TMS)

Psychotherapie

  • Generelle Wirksamkeit durch Studien belegt
  • Effektivität variiert je nach Schweregrad, Chronizität und Symptomkonstellation der Depression
  • Alleinige Wirkung von Psychotherapie > alleinige Wirkung von Antidepressiva.
  • Erfordert zeitliches, finanzielles und emotionales Engagement
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT):
    • Am meisten empfohlene Psychotherapie bei Depressionen
    • Strukturierte und kürzere Therapie
    • Fokus: kognitive Verzerrungen
    • Effektiv allein, eine größere Wirkung durch eine Kombination mit einer Pharmakotherapie
  • Psychodynamische Therapie
    • Regelmäßig und längerfristiger
    • Beinhaltet die Diskussion über Erfahrungen und zwischenmenschliche Beziehungen
    • Ziel: Veränderung der Persönlichkeit, des Charakters und unbewusster Erlebensmuster der Patient*innen

Pharmakotherapie

  • Wirksamkeit von oralen Antidepressiva:
    • Vollständige Wirkung nach 4–6 Wochen
    • Körperliche Symptome verbessern sich bereits in den ersten 1–2 Wochen (Energie, Schlaf, Appetit)
    • Nach den körperlichen Symptomen verbessern sich affektive Symptome (Stimmung, Konzentration, Selbstwertgefühl)
  • Einleitung der Medikation:
    • Es ist von entscheidender Bedeutung, das individuelle Suizidrisiko vor Beginn der Behandlung anzusprechen.
    • Frühere Episoden von Manie sollten erfragt werden, da Antidepressiva die Auftrittswahrscheinlichkeit manischer Episoden bei einer bipolaren Störung erhöhen.
    • Zu Beginn erfolgt eine kurze Phase der Aufdosierung bis zur Standarddosis.
  • Dauer der Behandlung:
    • 1. Episode → Akuttherapie bis zur Remission → Erhaltungstherapie mit der gleichen Dosierung mindestens 4–9 Monate über die Remission der depressiven Episode hinaus
    • 2. Episode, Dysthymie oder starke familiäre Vorbelastung → Rezidivprophylaxe für mindestens 2 Jahre
    • Suizidalität → eine Medikation mit Lithium sollte in Betracht gezogen werden
    • Nichtansprechen auf die Therapie nach 4 Wochen → Umstellung auf ein anderes Antidepressivum mit einem anderen Wirkmechanismus (Switching), zusätzliche Gabe einer weiteren Substanz, die kein Antidepressivum ist (Augmentation) oder zusätzliche Gabe eines weiteren Antidepressivums (Kombination)
Tabelle: Vergleich von Antidepressiva der 2. Generation
Klasse Mechanismus der Wirkung Vorteile Häufige Nebenwirkungen Beispiele
SSRIs Hemmung des Serotonintransporters → ↑ 5-HT-Spiegel im synaptischen Spalt
  • Antidepressivum der 1. Wahl
  • Weite Therapeutische Breite
  • Wirksamkeit auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen:
    • Angststörung
    • Zwangsstörung
    • Essstörungen
    • PTBS
  • Sexuelle Dysfunktion
  • Gewichtszunahme
  • Erhöhtes Suizidrisiko
  • Sertralin
  • Fluoxetin
  • Paroxetin
  • Citalopram
  • Escitalopram
SNRIs Hemmung des Serotonin- und Noradrenalin-Transporters an der präsynaptischen Membran → ↑ Noradrenalin- und 5-HT-Spiegel im synaptischen Spalt Wirksamkeit auch bei anderen Erkrankungen:
  • Angst- und Panikstörungen
  • Chronische Schmerzen (insbesondere neuropathische Schmerzen)
  • Absetzerscheinungen
  • Sexuelle Dysfunktion
  • Venlafaxin
  • Duloxetin
Atypische ADs Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin, Serotonin oder Dopamin in die präsynpatische Zelle
  • Bupropion:
    • Geringe bis keine Auswirkungen auf das Gewicht
    • Keine sexuelle Dysfunktion
    • Die aktivierende Wirkung kann Müdigkeit und Antriebsminderung entgegenwirken.
    • Weitere Indikation: Rauchentwöhnung
  • Mirtazapin und Trazodon:
    • Sedierende Wirkung kann bei Angststörungen und Schlaflosigkeit helfen.
    • Schnellerer Wirkungseintritt als bei SSRIs
  • Bupropion:
    • Schlaflosigkeit
    • Zittern
    • Erhöhtes Risiko von Krampfanfällen
  • Mirtazapin
    • Schläfrigkeit
    • Benommenheit
    • Appetitsteigerung
  • Trazodon:
    • Sedierung
    • Priapismus
  • Bupropion
  • Mirtazapin
  • Trazodon
5-HT: 5-Hydroxytryptamin (Serotonin)
PTBS: Posttraumatische Belastungsstörung
SNRI: Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitor
SSRI: Selektiver Serotonin-Reuptake-Inhibitor
Tabelle: Vergleich von Antidepressiva der 1. Generation
Klasse Wirkungsmechanismus Vorteile Häufige Nebenwirkungen Beispiele
MAO-Hemmer Irreversible Hemmung der Monoaminoxidase in der Nervenendigung → Verhinderung des Abbaus von Monoaminen (5-HT, NA und DA)
  • Ggf. wirksam bei Nichtansprache auf Erstlinientherapie
  • Indikationen: bipolare Depression, Panikstörung und soziale Phobie
  • Selten klinisch verwendet
  • Zahlreiche Lebensmittel- und Arzneimittelwechselwirkungen → kann eine hypertensive Krise oder ein Serotonin-Syndrom verursachen
  • Starke Absetzerscheinungen
  • Phenelzin
  • Selegilin
TZAs Verringerung der Wiederaufnahme von 5-HT und Noradrenalin durch Hemmung des Serotonin- und Noradrenalin-Transporters in der präsynaptischen Membran Wirksamkeit auch bei anderer Erkrankungen:
  • Chronische Schmerzen (vor allem neuropathische Schmerzen, Fibromyalgie)
  • Zwangsstörungen
  • PTBS
  • ADHS
  • Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa)
  • Anticholinerge Nebenwirkungen
  • Überdosierung führt zu Vergiftungserscheinungen:
    • Krampfanfälle
    • Kardiotoxizität (Herzrhythmusstörungen)
    • Koma
  • Nortriptylin
  • Amitriptylin
  • Doxepin
  • Clomipramin
DA: Dopamin
5-HT: 5-Hydroxytryptamin (Serotonin)
MAO: Monoaminoxidase
NA: Noradrenalin
TZA: Trizyklisches Antidepressivum

Somatotherapie

Elektrokonvulsionstherapie (EKT):

  • Indikation:
    • Nichtansprache auf Pharmakotherapie
    • Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
    • Katatonie
  • Durchführung unter Vollnarkose
  • Auslösung kurzer Krampfanfälle durch elektrische Stromimpulse
  • Krampfanfälle lösen die Freisetzung verschiedener Substanzen aus:
    • Neurotransmitter:
      • Dopamin
      • Serotonin
      • Noradrenalin
    • Hormone:
      • Prolaktin
      • TSH
      • Endorphine
  • Üblich sind 8 bis 12 aufeinanderfolgende Behandlungen.
  • Nebenwirkungen: Komplikationen durch die Vollnarkose, Verwirrung, Probleme des Kurzzeitgedächtnisses

Transkranielle Magnetstimulation (TMS):

  • Stimulation bestimmter Hirnareale durch kurze Einwirkung von Magnetfeldern
  • Erfordert keine Anästhesie
  • Indiziert für Erwachsene mit therapieresistenter Depression bei ≥ 1 Medikament
  • Typischer Verlauf: tägliche 40-minütige Behandlung über 4–6 Wochen
  • Nebenwirkungen: Missempfindungen und Schmerzen der Kopfhaut

Vagusnervstimulation (VNS):

  • Elektrische Stimulation des linken Vagusnervs transkutan oder invasiv durch ein unter die Haut implantiertes elektronisches Stimulationsgerät
  • Genauer Wirkmechanismus unbekannt

Differentialdiagnosen

Depressive Episode versus Stressreaktionen

Die Unterscheidung von depressiven Episoden und normalen Stressreaktionen oder anderen Stimmungsstörungen ist wichtig.

Tabelle: Vergleich von depressiven Episoden und Stressreaktionen
Störung Unterscheidungsmerkmale Dauer Therapie der ersten Wahl
Depressive Episode
  • Diagnostische Kriterien der depressiven Episode.
  • Ausgeprägte Verzweiflung
  • Keine bipolaren Episoden in der Vorgeschichte
≥2 Wochen Antidepressiva + Psychotherapie (KVT)
Normale Stressreaktion
  • Keine ausgeprägte Verzweiflung
  • Betroffene sind traurig, aber in der Lebensführung nicht stark beeinträchtigt.
In der Regel nicht länger als 9 Monate Aufklärung und Beruhigung
Akute Trauerreaktion
  • Normale Reaktion auf Verlust
  • Die Traurigkeit konzentriert sich hauptsächlich auf den Verlust.
  • Die Symptome treten in Wellen auf.
  • Geringere Beeinträchtigung der Lebensführung als bei depressiven Episoden
  • Kein Gefühl der Hoffnungslosigkeit oder Wertlosigkeit
  • Variiert stark
  • Beginn in der Regel nach dem auslösenden Ereignis
  • Besserung oder Remission innerhalb von 6–12 Monaten
Aufklärung und Beruhigung
Komplexe Trauerreaktion
  • Ähnliche Symptome wie bei akuter Trauerreaktion, aber intensiver und schwerwiegender
  • Stärkere Beeinträchtigung der Lebensführung als bei depressiven Episoden
  • Kein Gefühl der Hoffnungslosigkeit oder Wertlosigkeit
Symptome dauern länger als 6-12 Monate an Psychotherapie (KVT)

Andere Differentialdiagnosen

  • Saisonal-affektive Störung: regelmäßiger zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Depression und einer bestimmten Jahreszeit (meist Winter) über mindestens zwei Jahre. Die saisonal bedingte Depression kann mittels Anamnese von einer depressiven Episode unterschieden werden, da die Remission ebenfalls zu einer bestimmten Zeit im Jahr auftritt. Ähnlich wie bei der Depression sind Antidepressiva wie SSRIs und eine kognitive Verhaltenstherapie wirksame Behandlungsoptionen. Zudem kann eine Lichttherapie (Tageslichtlampen) eingesetzt werden.
  • Anhaltende depressive Störung: auch bekannt als Dysthymie. Es handelt sich um eine chronisch anhaltende depressive Verstimmung. Die Dysthymie setzt früher ein als Depressionen, sodass Betroffene oft angeben, bereits “ihr ganzes Leben lang” depressiv zu sein. Da die depressive Symptomatik in der Regel weniger schwerwiegend ist, kann die Dysthymie von einer depressiven Episode abgegrenzt werden. Das Vorhandensein diagnostischer Kriterien einer depressiven Episode bei Betroffenen schließt die Diagnose einer Dysthymie aus.
  • Anpassungsstörung: psychologische Reaktion auf einen identifizierbaren Stressauslöser. Eine Anpassungsstörung ist gekennzeichnet durch emotionale oder verhaltensbezogene Symptome, die innerhalb der ersten 3 Monate nach der Exposition auftreten und nicht länger als 6 Monate andauern. Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose, bei der Betroffene nicht die Kriterien für andere psychiatrische Erkrankungen erfüllen. Therapie der ersten Wahl ist die Psychotherapie.

Quellen

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  8. Pae, C. U., Vöhringer, P. A., Holtzman, N. S., Thommi, S. B., Patkar, A., Gilmer, W., Ghaemi, S. N. (2012). Mixed depression: a study of its phenomenology and relation to treatment response. Journal of Affective Disorders 136:1059-1061. https://doi.org/10.1016/j.jad.2011.11.024 %20depressive%
  9. Robert Koch-Institut (Hrsg) (2012) Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie »Gesundheit in Deutschland aktuell 2010«. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. RKI, Berlin. https://edoc.rki.de/handle/176904/3237 (Zugriff am 28.02.2022)
  10. DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitlinengruppe Unipolare Depression. S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2. Auflage. Version 5. 2015. DOI: 10.6101/AZQ/000364.https://www.leitlinien.de/themen/depression/2-auflage/kapitel-1 (Zugriff am 28.02.2022)
  11. ICD-11 MMS Version 2022 (11. Revision). https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f1563440232 (Zugriff am 28.02.2022)

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Sobair Barak hat einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und hat sich anschließend an der Harvard Business School weitergebildet. Heute ist er in einer Management-Position tätig und hat bereits diverse berufliche Auszeichnungen erhalten. Es ist seine persönliche Mission, in seinen Kursen besonders praxisrelevantes Wissen zu vermitteln, welches im täglichen Arbeits- und Geschäftsalltag von Nutzen ist.

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Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

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Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

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Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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