Neben dem Schultergelenk zählt das Kniegelenk zu den komplexesten kapsuloligamentären Struktursystemen des menschlichen Körpers. Kaum ein anderes Gelenk hat so viele verschiedene stabilisierende Bänder und gleichzeitig ein so hohes Bewegungsausmaß. Medizinstudenten sollten insbesondere mit der funktionellen Anatomie vertraut sein, da bereits geringgradige Störungen, z.B. im Gleitverhalten der Menisci, zu ausgeprägten Bewegungseinschränkungen und Schmerzen beim Patienten führen können. Das Knie ist nach der Hüfte das zweithäufigste, mit einer Totalendoprothese operativ versorgte Gelenk.
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labeld diagram of Synovial Joints

Bild: „Synovial Joints“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0


Das Kniegelenk

Das Articulatio genus ist eine gelenkige Verbindung zwischen drei ossären Strukturen, dem Oberschenkel (Femur), dem Unterschenkel (Tibia) und der Kniescheibe (Patella). Das Gelenk ist in zwei Anteile aufgegliedert: Das Articulatio femorotibialis ist die gelenkige Verbindung zwischen Ober- und Unterschenkel, während das Articulatio femoropatellaris die Verbindung zwischen Oberschenkel und Kniescheibe beschreibt.

Es ist in der Lage Flexion, Extension sowie Außen- und Innenrotation durchzuführen. Die Rotation ist allerdings bei maximaler Extension (verriegelte Stellung) nicht möglich. Das Kniegelenk kann auf physiologischem Wege keine aktive Abduktion oder Adduktion durchführen.

Ossäre Strukturen und Gelenkflächen des Femur

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Bild: „Femur and Patella“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Condylus medialis et lateralis

Die distale Extremitas des Femur verbreitert sich zu den seitlichen Condylen, medialis und lateralis. Sie sind durch die Fossa intercondylaris im dorsalen Areal voneinander strukturell getrennt. An den seitlichen Arealen finden sich die Epicondyli medialis et lateralis, die sich als ossäre Vorsprünge identifizieren lassen.

Am medialen Epicondylus befindet sich das Tuberculum adductorium, welches der Insertionspunkt des Musculus adductor magnus ist. Bei der Inspektion von ventral ist erkennbar, dass der mediale Condylus länger ist als sein lateraler Counterpart. Dies gewährleistet in der Neutral-Null-Stellung den physiologischen Ausgleichswinkel von 6 Grad. Bei der Ansicht der transversalen Ebene ist der laterale Condylus kürzer als der mediale. Beide Condylen sind mit einer dicken Knorpelschicht überzogen und dienen als Auflagefläche für die Menisci.

Facies poplitea

Die Fascies poplitea befindet sich dorsal an der distalen Extremitas des Femur und wird durch das Labrum mediale et laterale der Linea aspera gebildet. In diesem Bereich gehen die Epicondylen v-förmig auseinander und werden kaudal durch die Linea intercondylaris begrenzt.

Trochlea femoris

Die Trochlea femoris ist die Artikulationsfläche des Femur mit der Patella. Bei transveraler Inspektion verlaufen die Condylen in die etwa herzförmig aussehende Facies patellaris. Die seitlichen Begrenzungen dieser Strukturen werden Kondylenwangen genannt, wobei der laterale deutlich ausgeprägter ist als der mediale.

Ossäre Strukturen und Gelenkflächen der Tibia

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Bild: „Tibia and Fibula“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Tibiaplateau

Das Tibiaplateau ist der nach kranial gerichtete ossäre Anteil der Tibia, der den artikulären Part des Femorotibialgelenkes ausmacht. Die artikulierende Gelenkfläche ist die Facies articularis superior, welche in einer medialen und lateralen Gelenkfacette unterschieden wird. Die Facetten haben eine ovale Form, wobei der mediale bikonkav in Sagittal- und Frontalebene ist, während der laterale im Frontalschnitt konkav und im Sagittalschnit konvex ist. Dies ist notwendig, um einen reibungslosen Bewegungsablauf besonders in Flexion und Extension zu gewährleisten.

Die Eminentia intercondylaris trennt die Gelenkfacetten strukturell voneinander. Das Besondere hieran ist, dass die Eminentia im Gegensatz zu den Gelenkflächen selbst keinen Knorpelüberzug besitzt. Des Weiteren unterteilt sie sich in die Area intercondylaris anterior (ventral) und die Area intercondylaris posterior (dorsal). Die Übergänge zwischen Gelenkfacetten und Eminentia sind ossär ausgeprägt und werden Tuberculum intercondylaris medialis et lateralis genannt.

Condylus medialis et lateralis

So wie der Femur besitzt auch die Tibia sowohl einen Condylus medialis als auch einen Condylus lateralis zur Artikulation mit dem ossären Gegenspieler. Bei der Tibia bildet der proximale Anteil die Condylen tatsächlich aus. Im ventralen Areal des Condylus lateralis befindet sich das Tuberculum Gerdy, welcher als Insertionspunkt für den Tractus iliotibialis dient. Verfolgt man das Tuberculum nach medio-kaudal findet man die Tuberositas tibiae, die Ansatzstelle für das Ligamentum patellae.

Weiterhin befindet sich dorso-latero-kaudal des Condylus lateralis die sogenannte Facies articularis fibularis, die dem Fibulaköpfchen als Gelenkfläche für das proximale Tibiofibulargelenk dient. Die Facies articularis tibiae besitzt eine starke Knorpelfläche von bis zu 5 Millimetern, wobei die laterale Facette ausgeprägter beschichtet ist als die mediale.

Eine anatomische und funktionelle Besonderheit ist, dass der Gelenkknorpel nach distal und dorsal über das Tibiaplateau hinausragt, damit bei Flexion der laterale Meniscus mit seinem Hinterhorn nach dorsal gleiten kann. Gäbe es diese Besonderheit nicht, würde das Meniscushinterhorn bei Flexion einklemmen, was mitunter sehr schmerzhaft sein kann.

Ossäre Strukturen und Gelenkflächen der Patella

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Bild: „Knee Joint“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Patella als Sesambein

Die Patella ist das größte Sesambein des Skelettsystems und kann optisch bei jedem Menschen unterschiedlich aussehen. Die proximale Basis patellae ist bereiter als die nach kaudal spitz zulaufende Apex patellae. Die Patella dient als Sesambein für den Musculus quadrizeps femoris, welcher aus Musculus rectus femoris, Musculus vastus medialis, Musculus vastus lateralis und Musculus intermedius gebildet wird bzw. einer faserigen Fortsetzung. Das Ligamentum patellae zieht von der Apex zur Tuberositas tibiae. Der mittlere Bereich der Patella ist mit dicker hyaliner Knorpelsubstanz überzogen, die Apex patellae hingegen besitzt keinen Knorpel.

Facies anterior patellae

Die Ventralfläche der Patella, die Facies anterior patellae, zeigt eine leichte Konvexität und ist mit vertikal verlaufenden Vertiefungen versehen, welche durch die Einstrahlungen der Rectussehnen gebildet wird und zusätzlich von Gefäßkanälen durchzogen ist.

Facies articularis patellae

Die retropatellare Gelenkfläche, die mit dem Femur artikuliert, wird als Facies articularis patellae bezeichnet. Er wird durch eine vertikale Ergebung in einen breiten lateralen und schmalen medialen Bereich unterteilt. Die laterale Facette ist konkav, während die mediale Facette sowohl konkav oder konvex ausgebildet sein kann.

Die Gelenkkapsel des Kniegelenkes

Die Gelenkkapsel des Kniegelenkes ist weit und überzieht alle beteiligten ossären Strukturen. Sie besteht aus zwei Schichten: Membrana synovialis und Membrana fibrosa.

Membrana synovialis

Die gut durchblutete Membrana synovialis bildet zahlreiche Recessi und inseriert nahe der Knochen-Knorpel-Grenze des Femur, sowie ventro-kranial der Facies patellaris (Recessus suprapatellaris) und weiter zum kranialen Rand der Patella. Von Condylus lateralis et medialis aus läuft sie zum lateralen und medialen Rand der Patella, während sie im kaudalen Areal zu den oberen Rändern der Meniscusvorderränder zieht. Die dorsale Insertionslinie verläuft um den proximalen Rand der Condylen und bildet die sogenannten Polkappen.

Tibiale Ansatzpunkte befinden sich medial, lateral und ventral der Knochen-Knorpel-Grenze des Plateaus. Von der medialen und lateralen Facette aus zieht sie nach ventral und umläuft die Area intercondylaris. Die in dieser Region befindlichen Kreuzbänder werden daher von ventral durch die Membrana synovialis überzogen und liegen folglich extrasynovial. Von dort aus läuft die Membran weiter um Meniscusunterrand und inseriert final an den proximalen Femurcondylen.

Membrana fibrosa

Im Gegensatz zu dem sehr komplexen Verlauf der Membrana synovialis inseriert die Membrana fibrosa in fast allen Bereichen des Articulatio genus. Die wenigen Ausnahmen sind das Tibiaplateau, die Area intercondylaris und die seitlichen Condylen. Am Tibiaplateau inseriert die Membran distal der Plateaukante und die Area intercondylaris wird von dorsal überbrückt anstatt von ventral. Von Insertionslinie an den seitlichen Condylen verläuft die Membran an die äußeren und oberen Ränder der Meniscusbasen sowie von kaudal zu deren unteren äußeren Rändern, so dass die Menisci direkt in die Membrana fibrosa eingelassen sind.

Recessus parapatellaris

Dieser sehr kleine, manchmal gar nicht oder mehrfach vorhandene, Recessus wird zwischen den seitlichen femoralen Knochen-Knorpel-Grenzen und den seitlichen Flächen der Patella gebildet.

Recessus subpopliteus

Die subpopliteale Bursa kommuniziert mit der Gelenkhöhle und wird deshalb als Recessus subpopliteus bezeichnet.

Recessus subtendinea gastrocnemii

Die kapsulären Aussackungen zwischen den Gastrocnemiusköpfen und den Femurcondylen werden Recessus subtendinea gastrocnemmi oder auch Polkappen genannt.

Recessus suprapatellaris

Der größte Recessus des Kniegelenkes wird von der ventro-kranial der Patella gelegenen Gelenkkapsel gebildet und besitzt ein oberflächliches und ein tiefes Blatt. Das tiefe Blatt inseriert am proximalen Areal der Facies patellae und zieht nach kranial, um oberhalb der Basis patellae wieder nach kaudal umzuschlagen, um als oberflächliches Blatt an der Patellabasis fixiert zu werden. Dieser Recessus befindet sich subtendineal der Sehne des Musculus rectus femoris. Das bedeutet, dass bei Kontraktion und Dehnung des Muskels die beiden Recessusblätter gegeneinander verschoben werden.

Die Meniscen des Kniegelenkes

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Bild: „Synovial Joints“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Histologischer Aufbau und Vaskularisation der Menisci

Meniscen sind c- bzw. ringförmige Faserknorpelkeile, die außen dick und innen schmal aufgebaut sind. Sie bestehen histologisch aus kollagenen Fasern des Typ I und wenigen elastischen Fasern, was logisch ist, da ihre Primärfunktionen Stoß- und Reibungspufferung, sowie Bewegungsführung sind. Sie sind dreischichtig aufgebaut, wobei jede Schicht eine eigene spezielle Struktur aufweist:

Meniscus-Schicht Histologische Meniscus-Struktur
1. Meniscus-Schicht Dünnes Fibrillennetzwerk
2. Meniscus-Schicht Gitterartig-überkreuzende Lamellenfaserbündel
3. Meniscus-Schicht Zirkuläre Fibrillenfaserbündel

Die Menisci sind mit Propriozeptoren und freien Nervenendigungen versehen, was dafür sorgt, dass Bewegungen und chemische Reize wahrgenommen und ins zentrale Nervensystem weitergeleitet werden können. Sowohl der Meniscus lateralis als auch mediales besitzen ein Vorder- und ein Hinterhorn, einen inneren Abschnitt im Cavum articulare und eine nach außen zeigende Basis.

Die Meniscusvorderhörner sind über die Ligamenta patellomeniscalis mit den Seitenflächen der Patella verbunden und werden durch das Ligamentum transversum genus selbst direkt miteinander verbunden. Der innere Anteil und somit 2/3 des Meniscus wird durch Diffusion der Synovialflüssigkeit ernährt, was nur durch einen physiologischen Wechsel aus Be- und Entlastung des Gelenkes möglich ist.

Die Meniscusbasis wird durch Gefäße versorgt, welche aus der Membrana fibrosa stammen.Eine Besonderheit des medialen Meniscus ist, dass über das Ligamentum collaterale mediale posterior zusätzliche Gefäße einstrahlen. Vorder- und Hinterhorn werden über die Ligamenta meniscotibiale vaskularisiert.

Ligamentäre Fixation des Meniscus medialis

Der Meniscus medialis ist c-förmig und ist durch verschiedene ligamentäre Strukturen ossär fixiert. Das Vorderhorn ist durch das Ligamentum meniscotibiale anterior mit der Area intercondylaris anterior verbunden, während das Hinterhorn über das Ligamentum meniscotibiale posterior an der Area intercondylaris posterior fixiert wird. Das Ligamentum collaterale mediale posterius kommuniziert mit dem dorso-medialen Areal des Meniscus und der Musculus semimembranosus ist am Meniscushinterhorn fixiert.

Ligamentäre Fixation des Meniscus lateralis

Der ringförmige Meniscus lateralis wird durch die Ligamenta meniscotibiale anterius et posterius am Tibiaplateau fixiert. Das Ligamentum meniscofemorale posterius zieht von Meniscushinterhorn zur Innenseite des Condylus medialis parallel zum hinteren Kreuzband. Weiterhin ist der Musculus popliteus mit dem Hinterhorn verbunden.

Funktionelle Anatomie: Bewegungsverhalten der Menisci

Trotz ihrer dichten ligamentären Fixierung können sich die Menisci bei Bewegung des Kniegelenkes verlagern, was wichtig ist, damit diese nicht eingeklemmt werden. Einklemmungen von Menisci können sehr schmerzhaft sein und die Bewegung des Kniegelenkes je nach Ausprägung vollständig lahmlegen.

Flexion

Bei der Knieflexion werden die Menisci durch die Condyli femoralis nach dorsal geschoben. Der Musculus semimembranosus (medial) und der Musculus popliteus (lateral) synergieren dieses Gleiten durch ihre direkte Verbindung.

Extension

Die Femurcondylen schieben die Menisci bei Extension auf dem Tibiaplateau nach ventral. Das Bewegungsausmaß des lateralen Meniscus ist hierbei deutlich höher als das seines medialen Mitspielers.

Rotation

Bei der Rotation folgen die Meniscen den Bewegungen der Condyli femoralis. Bei Innenrotation bewegt sich der mediale Meniscus nach ventral und der laterale Meniscus nach dorsal. Bei der Außenrotation verhält sich dies entsprechend umgekehrt.

Die Bänder des Kniegelenkes

Als Medizinstudent und akademisierter Mediziner bzw. spezialisierter Chirurg, Orthopäde und Sportmediziner sollte man folgende ligamentäre Strukturen des Kniegelenkes dringend kennen: Ligamentum cruciatum anterius, Ligamentum cruciatum posterius, Ligamentum collaterale laterale/fibulare, Ligmentum collaterale mediale/tibiale und Ligamentum patellae.

Ligamentum cruciatum anterius

Das vordere Kreuzband (VKB) entspringt am dorsalen, inneren Condylus lateralis femoris und inseriert am Dach der Fossa intercondylaris. Sein Ansatzbereich vor dem Tuberculum intercondylaris der Area intercondylaris tibialis anterior ist breiter als der sonstige Querschnitt des VKB. Man unterscheidet funktionell zwei Faserzüge voneinander: das anteromediale und das posterolaterale Bündel.

Das anteromediale Bündel hat seinen Ursprung kranial des Condylus lateralis femoris und seinen Ansatz medial am Tibiaplateau.

Das posteromediale Bündel entspringt kaudal des Condylus laterals femoris und inseriert dorsal am Tibiaplateau. Die ventralen Faseranteile verbinden sich mit dem Ligamentum meniscotibiale anterius.

Das VKB stabilisiert das Kniegelenk, da es ein Ventralgleiten der Tibia bzw. Dorsalgleiten des Femur unterbindet. Es synergiert die Stabilisation nach medial und lateral zusammen mit den Collateralbändern. Weiterhin begrenzt es die Extension sowie Rotation des Gelenks.

Ligamentum cruciatum posterius

Das hintere Kreuzband (HKB) entspringt an der Innenfläche des Conylus medialis femoris und inseriert an der Area intercondylaris tibiae posterior. Das HKB hat funktionell zwei unterschiedliche Faserzüge: das anterolaterale und das posteromediale Bündel.

Das posteromediale Bündel inseriert dorsal in der Area intercondylaris posterior tibiae.

Das anterolaterale Bündel inseriert lateral in der Area intercondylaris, nahe des Meniscus lateralis.

Das HKB zählt als das kräftigste Ligament des Kniegelenkes und dient als zentraler Stabilisator, indem es die Dorsalisierung der Tibia bzw. Ventralisierung des Femur unterbindet. Es begrenzt die Streckung des Kniegelenkes sowie synergetisch mit dem VKB die Innenrotation des Kniegelenkes.

Ligamentum collaterale laterale/fibulare

Das Ligamentum collaterale laterale/fibulare entspringt am Epicondylus lateralis femoris und inseriert am Caput fibulae. Es stabilisiert das Kniegelenk gegenüber Varusstress.

Merke: Das Ligamentum collaterale fibulare ist nicht mit dem Meniscus lateralis verwachsen!

Ligamentum collaterale mediale/tibiale

Das Ligamentum collaterale mediale/tibiale entspringt am Epicondylus medialis femoris und inseriert am Condylus medialis tibiae. Es stabilisiert das Kniegelenk gegenüber Valgusstress.

Merke: Das Ligamentum collaterale mediale/tibiale (posterius) ist mit dem Meniscus medialis verwachsen!

Ligamentum patellae

Das Ligamentum patellae zieht von der Patellaspitze zur Tuberositas tibiae und ist die Fortsetzung der Sehne des Quadrizeps. Zwischen dem Ligament, der Tibia und dem Hoffa-Fettkörper liegt die Bursa infrapatellare superficialis.

Innervation des Kniegelenkes

Folgende Nervenäste versorgen des Kniegelenk und dessen Strukturen:

Nervenast Innervierte Region
Nervus obturatorius (R. articularis/R. posterior)
  • Gesamtes Knie
Nervus tibialis (Rr. articularis)
  • medialer Kniebereich
  • medio-kaudaler Kniebereich
  • dorsaler Kapsel-Band-Apparat
Nervus peroneus communis (Rr. articularis)
  • ventro-lateraler Kniebereich
  • dorso-lateraler Kniebereich
Nervus femoralis (Rr. articularis)
  • Periost der Patella
  • ventraler Kapsel-Band-Apparat
  • medialer Kapsel-Band-Apparat
  • lateraler Kapsel-Band-Apparat
Nervus saphenus (R. articularis)
  • medialer Kapselbereich (kleines Areal)

Beispiele aus der Klinik des Kniegelenkes

Da sich das Kniegelenk zwischen der Hüfte und dem Fuß befindet und daher einer Menge Bewegungs- und Stoßbelastungen ausgesetzt ist und sehr viele sensible Strukturen besitzt, gibt es in der Klinik eine Menge verschiedenen Läsionsarten. Hier wird lediglich eine Auswahl der Krankheitsbilder getroffen, die laut Literatur am häufigsten auftreten.

Kreuzbandruptur

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Bild: „Knee Injury“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Kreuzbandruptur beschreibt den teilweisen oder vollständigen Riss von vorderem Kreuzband, hinterem Kreuzband oder beiden zusammen. Ursache dieser Verletzung sind häufig indirekte oder direkte Traumen, insbesondere bei sportlicher Aktivität. Diese Verletzung korreliert oft mit kapsuloligamentären und ossären Nebenverletzungen und ist daher oft Initiation einer arthrotischen Veränderung des Kniegelenkes.

Während eine isolierte Ruptur des vorderen Kreuzbandes bei gutem Muskelstatus des Patienten konservativ behandelt werden kann, gelten die Ruptur des hinteren Kreuzbandes sowie Ruptur mit kapsuloligamentären und ossären Nebendefekten als absolute Operationsindikation.

Patellaluxation

Durch eine Instabilität, welche u.a. durch eine Dysplasie der Facies patellaris hervorgerufen wird, treten rezidivierende Sub- und Totalluxationen der Patella auf, die unbehandelt zur Retropatellaarthrose führen können. Die Luxationen können sehr schmerzhaft sein und müssen je nach Ausprägungsform operativ versorgt werden.

Eine häufige Operation zur Behandlung der Patellaluxation ist die Laterale Retinaculumspaltung (Lateral Release). Hierbei werden gezielt Strukturen des seitlichen Bandapparates gespalten, um den pathologischen Zug nach lateral zu unterbinden, damit die Patella zurück in ihre Normposition gleiten kann. Die Operation gilt als risikoarm und wird bereits sehr lange und erfolgreich in ambulanten und stationären Chirurgieabteilungen eingesetzt.

Gelenkerguss

Durch Fehlbelastung oder rezidivierende entzündliche Prozesse produziert die Membrana synovialis mehr Flüssigkeit als wieder resorbiert werden kann, wodurch ein Gelenkerguss entsteht. Durch die Raumforderung wird das Kapselgewebe überdehnt und Gelenkkapillaren komprimiert. Bleibt dieser Zustand länger bestehen infiltrieren Leukozyten das Gelenk und setzen lysosomale Enzyme frei, die den Knorpel angreifen und so eine Degeneration in Gang setzen.

Als Sonderform des Gelenkergusses ist hierbei die Baker-Zyste zu nennen, die in der Kniekehle auftritt. Ist die Schwellung noch klein, haben Patienten kaum Beschwerden. Wird die Flüssigkeitsansammlung in Folge von weiterer Fehlbelastung mehr, werden sensible Strukturen in der Kniekehle komprimiert und es kommt zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen im Knie oder sogar Dys- und Parästhesien in Unterschenkel und Fuß. Die Baker-Zyste kann konservativ oder operativ behandelt werden, sie hat jedoch eine hohe Rezidivrate.

Meniscusverletzungen

Man sollte bei Meniscusverletzungen zwischen drei Formen unterscheiden: Degeneration, Impingement und Ruptur, wobei alle drei Formen gerne ineinander begründet liegen.

Degeneration

Eine Degeneration des Meniscus bzw. seiner Fibrillenstrukturen erfolgt dadurch, dass sich die Vaskularisation durch fehlerhafte Be- und Entlastung pathologisch verändert. Wird das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgt, gehen die Zellen zugrunde und können sich auch nicht mehr regenerieren. Eine Degeneration des Meniscusgewebes ist irreversibel.

Impingement

Ist das Gleitverhalten des Meniscus eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden, klemmt der Meniscus bei der Bewegung zwischen den ossären Strukturen ein. Dabei ist die Extensionsblockierung die häufigste Form des Meniscusimpingements und liegt meist in einer bereits vorhandenen Ruptur eines Meniscusteils begründet.

Ruptur

Es gibt verschiedene Rupturformen, die entweder nach ihrer Richtung oder ihrer Lokalisation unterschieden werden. Außerdem gibt es mit dem Korbhenkelriss eine Sonderform der Meniscusruptur. Hierbei entwickelt sich ein Längsriss, der sich nach ventral ausdehnen kann und so entsteht ein Loch im Meniscus. Der innere Anteil, der sogenannte Korbhenkel, kann hierbei luxieren und zusätzlich bei Flexion oder Extension ossär eingeklemmt werden. Ist die Verletzung des Meniscus schon sehr weit fortgeschritten, hilft oft nur die Entfernung der verletzten Struktur (Meniscusektomie).

Ruptur-Einteilung Ruptur-Form
Nach Richtung
  • Längsriss
  • Horizontalriss
  • Radiärriss
Nach Lokalisation
  • Vorderhornlappenriss
  • Hinterhornlappenriss
Nach Sonderform
  • Korbhenkelriss

Morbus Osgood-Schlatter

Unter Morbus Osgood-Schlatter oder einfach Schlatter-Syndrom versteht man eine aseptische Knochennekrose im Bereich der Tuberositas tibiae, von der oft männliche Jugendliche und Kinder zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr betroffen sind. Die Patienten klagen über belastungsabhängige und oft starke Schmerzen, besonders beim Treppensteigen oder Bewegungen, die eine hohe funktionelle Belastung für das Kniegelenk darstellen.

Beliebte Prüfungsfragen zum Kniegelenk

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussage bezüglich des Recessus parapatellaris ist nicht korrekt?

  1. Der Recessus parapatellaris ist sehr klein.
  2. Der Recessus parapatellaris kann gar nicht angelegt sein.
  3. Der Recessus parapatellaris kann mehrfach angelegt sein.
  4. Der Recessus parapatellaris wird zwischen den seitlichen femoralen Knochen-Knorpel-Grenzen und den seitlichen Flächen der Tibia gebildet
  5. Der Recessus parapatellaris wird zwischen den seitlichen femoralen Knochen-Knorpel-Grenzen und den seitlichen Flächen der Patella gebildet.

2. Welche Aussage bezüglich der Bewegungsfunktion des Kniegelenkes ist nicht korrekt?

  1. Das Kniegelenk kann Innen- und Außenrotation bei maximaler Extension durchführen.
  2. Das Kniegelenk kann Innen- und Außenrotation bei maximaler Flexion durchführen.
  3. Das Kniegelenk kann Flexion durchführen.
  4. Das Kniegelenk kann Extension durchführen.
  5. Das Kniegelenk kann physiologisch keine Abduktion und Adduktion durchführen.

3. Welche Aussage bezüglich der Menisci ist korrekt?

  1. Menisci sind c- bzw. ringförmige Faserknorpelkeile.
  2. Die Meniscivorderhörner sind durch das Ligamentum patellomeniscalia mit der Tibia verbunden.
  3. Die Menisci werden primär durch Blutgefäße versorgt.
  4. Die Menisci bestehen histologisch hauptsächlich aus kollagenen Fasern des Typs II.
  5. Der Musculus semimembranosus ist mit dem Hinterhorn des Meniscus lateralis verbunden.

Quellen

Baker-Zsyte via gesundheit.de

Bommas-Ebert, U., Teubner, P. & Voß, R. (2006). Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. Stuttgart: Thieme.

Gorenoi, V., Schönermark, M. P. & Hagen, J. (2009) – Gelenkendoprothesenregister für Deutschland

Hochschild, J. (2012). Strukturen und Funktionen begreifen Bd. 2: LWS, Becken und Hüftgelenk, untere Extremität. Stuttgart: Thieme.

Laterale Retinaculumspaltung via gelenk-klinik.de

Meniskusriss via gesundheit.de

Netter, Frank H. (2006). Atlas der Anatomie des Menschen – 3. Auflage. Stuttgart: Thieme.

Platzer, W. (1999). Taschenatlas der Anatomie Bd. 1: Bewegungsapparat. Stuttgart: Thieme.

Putz, R. & Pabst, R. [Hrsg.] (2004). Sobotta 1+2 – Atlas der Anatomie des Menschen, limitierte Jubiläumsausgabe. München: Urban & Fischer.

Schumpelick, V., Bleese N. & Mommsen, U. (2010)- Kurzlehrbuch Chirurgie. Stuttgart: Thieme.

Richtige Antworten: 1D, 2A, 3A



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