Der Brustkorb des Menschen ist eine komplexe Einheit aus verschiedenen ossären, kapsuloligamentären und muskulären Strukturen. Er schützt lebenswichtige Organe wie das Herz und die Lunge und ist unabdinglich für die Atmungsfunktion. Für Medizinstudenten empfiehlt es sich, den Thorax zusammen mit der Brustwirbelsäule zu lernen, da BWS und Rippen die Rippenwirbelgelenke bilden und man so beim Lernen Zeit einsparen kann, die für andere Themen möglicherweise dringend nötig ist.

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Thoracic Cage

Bild: “Thoracic Cage” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0


Allgemeine Informationen zum Thorax

Der Thorax wird aus insgesamt etwa siebzig Einzelkomponenten gebildet, von denen jede spezifische Funktionen erfüllt, um das Gesamtsystem aufrecht zu erhalten. Ossär betrachtet besteht der Thorax aus dem ventralen Brustbein, der dorsalen Brustwirbelsäule und den ummantelnden Rippenpaaren. Nicht alle Rippen haben unmittelbaren Kontakt zum Brustbein, sondern sind über Knorpelplatten mit der Ventralseite des Brustkorbs verbunden. Die unteren Rippenpaare haben weder knöchernen noch Knorpelkontakt und werden folglich freie Rippen genannt.

Daher muss zwischen den echten Rippenpaaren (mit Knochenkontakt) und unechten Rippenpaaren (mit Knorpelkontakt oder ohne Kontaktstellen) unterschieden werden. Die Rippen bewegen sich mit der Atembewegung mit aufgrund ihrer Verbindung über die Pleuraplatten und über die Aktivierung der Atem- und Atemhilfsmuskulatur.

Ossäre Strukturen und Gelenkflächen der Brustwirbelsäule

Die in Kyphose ausgerichtete Brustwirbelsäule bildet die dorsale Begrenzung des Thorax und die ossären Bindungspunkte der Rippenpaare. An den cranialen Abgangsstellen des Arcus vertebrae befinden sich die Foveae costales superior et inferior, die mit dem Caput costae der Rippen artikulieren. An den Brustwirbelkörpern 10 – 12 findet man nicht mehr zwei, sondern lediglich eine Fovea costales.

Ventral am Ende jedes Querfortsatzes verbindet sich die dort befindliche Fovea costalis mit dem Tuberculum costae der Rippen. Die Gelenkfläche befindet sich in der Mitte des Proc. transversus mit Ausnahme der Wirbelkörper 10 – 12. Am Thoraxwirbel 10 verlagert sich die Gelenkfläche nach cranial, während sie bei den Wirbelkörpern 11 und 12 gänzlich fehlt.

Ossäre Strukturen und Gelenkflächen der Rippen

Die Rippen sind Knochenspangen, die nach ventral verlaufend in Knorpel übergehen und sich entweder mit dem Brustbein und der ventralen Knorpelplatte verbinden oder wie im Fall der Rippen 11 und 12 frei sind. In der medizinischen Fachterminologie nennt man die Rippenpaare 1 – 7 Costae verae, die Rippenpaare 8 – 10 Costae spuriae und die Rippenpaare 11 – 12 Costae fluctuantes. Die Rippen selbst unterteilen sich in Caput costae, Collum costae und Corpus costae.

Caput costae: Die Facies articularis capitis costae ist die Gelenkfläche am Caput costae. Sie ist durch die Crista capitis zweigeteilt. Die craniale Gelenkfläche ist mit der Fovea costalis inferior des nächsthöheren Brustwirbels verbunden, während die caudale Gelenkfläche mit der Fovea costalis superior des nächstniedrigen Brustwirbels artikuliert. Das Caput costae der 11. und 12. Rippe besitzt nur eine Gelenkfläche und bildet zusammen mit der Fovea costalis des identischen Segmentniveaus jeweils ein Rippenwirbelgelenk dexter et sinister.

Collum costae: Das Collum folgt dem Caput costae und endet mit dem Tuberculum costae, das die Facies articularis tuberculi costae besitzt. Diese artikuliert mit der Fovea costalis transversalis des Proc. transversus des Brustwirbels. Die unteren acht Rippen besitzen zusätzlich die Crista colli costae, das dem Ligamentum costotransversarium superius als Insertionsstelle dient.

Corpus costae: Ausgehend vom Tuberculum costae bis zum ventralen Knorpel spricht man vom Corpus costae, welcher den Angulus costae ausbildet. Durch den Sulcus costae, der sich an der Innenseite des dorsalen Abschnitts befindet, verlaufen die Intercostalnerven und Intercostalgefäße.

Cartilago costalis: Die Cartilago costalis ist der Rippenknorpel, der von cranial nach caudal an Länge gewinnt und im cranialen Abschnitt zum Brustbein zieht. Die 7. Rippe besitzt den prominentesten Knorpelanteil, der zum Sternum führt.

Ossäre Strukturen und Gelenkflächen des Sternum

Das Brustbein (Sternum) bildet die ventrale Begrenzung des Brustkorbes bzw. der Thoraxwand. Cranial ist es breit ausgebildet und wird nach caudal hin schmaler, sodass es optisch an ein Schwert oder eine Speerspitze erinnert. Von cranial nach caudal unterscheidet man die Abschnitte Manubrium sterni, Corpus sterni und Processus xiphoideus.

Manubrium sterni: Am oberen Rand des Manubrium bildet sich die Incisura jugularis aus, die jeweils lateral in die Incisurae clavicularis ausgehen, die mit den Claviculae als Sternoclaviculargelenk (SCG) artikulieren. Folgt man dem Knochen weiter nach caudo-lateral, folgen die Incisurae costalis prima et secunda, die jeweils mit der 1. und 2. Rippe Kontakt aufnehmen. Der überknorpelte Übergang von Manubrium sterni zum Corpus sterni nennt sich Synchrondrosis manubriosternalis. Hier wölbt sich der Knochen vor und bildet den Angulus sterni.

Corpus sterni: Der Corpus sterni bildet links und rechts lateral die Insertionsflächen für die 3. – 7. Rippe aus, die Incisurae costalis III-VII. Am Ende des Rippenknorpels VII verbindet die Synchondrosis xiphosternalis den Corpus sterni mit dem Processus xiphoideus.

Proc. xiphoideus: Die „Schwertspitze“ des Sternums ist eine schmale dünne Knochenleiste, der zusammen mit den Knorpelspangen VII-X den Angulus infrasternalis bildet, der auch als epigastrischer Winkel bezeichnet wird.

Gelenkverbindungen des Thorax

Die Vielzahl ossärer Komponenten resultiert in einer ebenso hohen Anzahl an unterschiedlichen gelenkigen Verbindungen, die für Medizinstudenten und Auszubildenden in den Therapieberufen oft nur schwer voneinander zu unterscheiden sind.

Art. zygapophysiales

Die Wirbelbogengelenke sind echte Gelenke, die jeweils überknorpelte Gelenkflächen und eine Gelenkkapsel besitzen. Sie nehmen Druckkräfte auf und leiten sie weiter, damit Bewegungen gezielt und ohne Verletzungen ausgeführt werden können. Die Facies articularis superiores artikulieren mit den Facies articularis inferiores des nächsthöheren Wirbels. Die Wirbelbogen- gelenke werden in der Anatomie der Wirbelsäule weiterführend beschrieben.

Art. costotransversaria

Die konvexen Facies articularis tuberculi costae der Rippen kontaktiert die Fovea costalis processus transversus an den Proc. transversi der Wirbelkörper. Die Gelenkflächen der Rippen 1 – 7 befinden sich ventral, die der 8. Rippe etwas cranial des Querfortsatzes, während die freien Rippen keinen Kontakt zum Proc. transversus haben. Die Gelenkkapsel ist dünn und besitzt kleine Plicae synovialis.

Art. capitis costae

Die Foveae costalis inferior et superior des Wirbelkörpers artikulieren mit den Facies articularis costae des Caput costae. Die Gelenkkapsel des „Rippenkopfgelenks“ ist sehr dünn und ist mit dem Lig. capitis costae radiatum verwachsen.

Artt. sternocostales

Die Artt. sternocostales beschreiben die Gelenkverbindungen zwischen Brustbein und Rippen. Die artikulierenden Gelenkflächen sind je nach Niveau unterschiedlich. Die Artt. interchondrales bilden eine Besonderheit, da sie die Rippen 8 – 10 untereinander verbinden und eine vom Perichondrium gebildete Gelenkkapsel aufweisen.

Art. sternocostalis I: Die 1. Rippe verbindet sich mit der Incisura costalis prima des Sternum.

Art. sternocostalis II: Die 2. Rippe verbindet sich mit der Incisura costalis secunda des Sternum.

Art. sternicostalis III-VII: Die Rippen 3 – 7 verbinden sich mit den Incisurae costalis III-VII des Sternum.

Bänder des Thorax

Die Bänder des Thorax müssen in die Ligamente der Brustwirbelsäule, die costovertebralen Ligamente und costosternalen Bänder, unterschieden werden. Die Ligamente der Brustwirbelsäule sind Ligg. longitudinale anterius et posterius, Ligg. flava. Ligg. supraspinale et infraspinale und Lig. transversum. Diese werden im Beitrag Anatomie der Wirbelsäule im Detail beschrieben.

Costovertebrale Bänder

Diese Bandstrukturen ziehen von den Rippen zur Wirbelsäule.

Lig. costotransversarium laterale: Dieses Band entspringt von der Spitze des Querfortsatzes und inseriert an der Rippe des gleichen Segmentniveaus, wobei es mit der Gelenkkapsel verwachsen ist.

Lig. costotransversarium superior: Die Insertionspunkte dieses Ligaments befinden sich am Collum costae (cranial) und an der unteren Kante des Querfortsatzes des nächsthöheren Wirbels.

Lig. costotransversarium: Von der Dorsalfläche des Collum costea ausgehend, inseriert das Lig. costotransversarium am Querfortsatz des Wirbelkörpers auf identischem Segmentniveau. Dieses Band befindet sich nur zwischen den Rippen 1 – 10, also nicht an den freien Rippenpaaren.

Lig. capitis costae radiatum: Dieses Band verbindet Caput Costae mit Corpus und Discus vertebrae und unterteilt sich in drei verschiedene Faserzüge mit unterschiedlicher Verlaufsrichtung. Die cranialen Fasern verbinden das nächsthöhere Segment, die caudalen Fasern das nächstniedrigere Segment und die horizontalen Fasern das Segment des gleichen Niveaus. Dieses Band befindet sich nicht an der 1. Rippe sowie den Rippen 10 – 12.

Lig. capitis costae intraarticularis: Wie es der Name bereits vermuten lässt, verlaufen diese Bänder intraartikulär und verbindet die Crista capitis costae mit dem Anulus fibrosus der 2. – 9. Rippe.

Sternocostale Bänder

Diese Bandstrukturen ziehen von den Rippen zum Brustbein.

Lig. sternocostalis radiatum: Vom Rippenknorpel des ventralen Sternums ausgehend, verläuft dieses Band fächerartig und verbindet sich insbesondere mit den fünf cranialen Abschnitten der Gelenkkapsel.

Lig. costoxiphoideum: Dieses Ligament zieht vom Rippenknorpel der Rippen 6 und 7 zum Proc. xiphoideus. Es ist zusätzlich mit dem Lig. sternocostalis radiatum verbunden.

Beispiele aus der Klinik

Da die Klinik des Thorax bei manchen Beispielen identisch zu der der Wirbelsäule ist, folgen hier Beispiele, die spezifisch mit pathogenen Veränderungen der Rippen oder Rippengelenke zu tun haben.

Trichterbrust

Trichterbrust

Bild: “Pectus1”. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Trichterbrust ist eine angeborene Fehlstellung bzw. Deformität. Die ventrale Thoraxwand ist von der Synchondrosis manubriosternialis bis zum Proc. xiphoideus vertieft. Nicht jeder Patient mit dieser Fehlstellung zeigt tatsächlich Symptome. Bei schweren Genesen kann als Komplikation eine Herzinsuffizienz in Folge der verminderten Vitalkapazität auftreten.

Sternales Belastungssyndrom

Bei dauerhafter Fehlbelastung in Kyphose führt die extreme mechanische Belastung dazu, dass sich der Schultergürtel ventralisiert und die Costosternalgelenke unter Kompression geraten, die sie nicht kompensieren können. Die Gelenkflächen degenerieren, was in sehr ausgeprägten Fällen zu Schmerzen am lateralen Brustbein führt, was oft fälschlicher mit einer Angina pectoris verwechselt und folglich falsch behandelt wird.

Insertionsligamentopathie

Von dieser ist besonders das Lig. costotransversarium laterale betroffen. Die vermehrte Belastung führt zu arthrotischen Veränderungen der costo- vertebralen Gelenke, deren Entzündungsparameter sich auf die Ligamente übertragen können. Folglich können auch diese degenerieren, was bei fortschreitender Erkrankung zu Rupturen führen kann.

Spondylitis ancylopoetica (Morbus Bechterew)

Eingesteifte Thorakalkyphose mit sogenanntem Pressbauch bei Spondylitis ankylosans

Bild: “Eingesteifte Thorakalkyphose mit sogenanntem Pressbauch bei Spondylitis ankylosans” von Mehlauge. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Diese rheumatogen-entzündliche Erkrankungsform kann neben der Wirbelsäule auch die Costovertebral- und Costosternalgelenke betreffen. Es entstehen Fibrosen und Ankylosen sowie Kalzifizierungen der longitudinalen Bandstrukturen, die in einer pathologischen Flexionshaltung resultieren. Dadurch wird der Thorax eingeengt und somit die Atembewegung vermindert. Da diese in den Bauch kompensiert und dieser sich folglich stark vorwölbt, spricht man hier auch vom sogenannten Fußballbauch-Phänomen.

Mögliche Prüfungsfragen zum Thorax

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Rippen werden als freie Rippen bezeichnet?

  1. 1. Rippe
  2. 2. Rippe
  3. 3. – 10. Rippe
  4. 11. – 12. Rippe
  5. Es existieren keine freien Rippen im menschlichen Skelett.

2. Welche der folgenden Strukturen befinden sich nur auf den unteren 8 Rippen?

  1. Crista colli costae
  2. Tuberculum costae
  3. Facies articularis tuberculi costae
  4. Angulus costae
  5. Sulcus costae

3. Welches der folgenden Ligamente befindet sich nicht an den Rippen 1, 10,11 und 12?

  1. Lig. costotransversarium laterale
  2. Lig. costotransversarium
  3. Lig. costotransversarium superior
  4. Lig. capitis costae radiatum
  5. Lig. capitis costae intraarticularis

Quellen

Brustkorb via gesundheit.de

Hochschild, J. (2015). Strukturen und Funktionen begreifen Bd. 1: Grundlagen zur Wirbelsäule, HWS und Schädel, BWS und Brustkorb, Obere Extremität. Stuttgart: Thieme.

Netter, Frank H. (2006). Atlas der Anatomie des Menschen – 3. Auflage. Stuttgart: Thieme.

Platzer, W. (1999). Taschenatlas der Anatomie Bd. 1: Bewegungsapparat. Stuttgart: Thieme.

Putz, R. & Pabst, R. [Hrsg.] (2004). Sobotta 1+2 – Atlas der Anatomie des Menschen, limitierte Jubiläumsausgabe. München: Urban & Fischer.

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2A, 3D

 

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