Ein Leben ohne Finger ist für jeden von uns unvorstellbar. Wir könnten keine Computer mehr bedienen, kein Instrument mehr spielen oder einem Freund oder Kollegen mit einem freundlichen Händedruck einen guten Tag wünschen. Kaum ein anderes Gelenk ist so häufig von Gelenkrheuma betroffen wie die Fingergelenke. 86 % der Fingergrundgelenke sowie 75 % der Fingermittelgelenke der Menschen in Deutschland sind von chronischer Polyarthritis betroffen. Folglich ist die Kenntnis über Anatomie und Pathologie der Finger und des Daumens für jeden (angehenden) Mediziner unverzichtbar.

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In weiteren Artikeln finden Sie alles zur Muskulatur des Daumens und der Finger bzw. der Anatomie des Handgelenks.

Die Fingergelenke: Allgemeine Informationen

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Bild: „Showing the distal interpahalangeal (DIP), the proximal interphalangeal (PIP) and the metacarpophalangeal (MCP) joints on the right hand.“ von Kohlins. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wenn in der Humanmedizin von Fingergelenken gesprochen wird, müssen folgende Anteile voneinander unterschieden werden:

  • Art. metacarpophalangeales (MCP)
  • Art. interphalangeales manus proximales (PIP)
  • Art. interphalangeales manus distales (DIP)

Die Feinmotorik des Menschen liegt in der ausgeprägten Beweglichkeit der Fingergelenke begründet, die durch alle drei Bewegungsachsen möglich sind.

Artt. metacarphophalangeales: Die Horizontalachse liegt im Caput metacarpale und verläuft von radial nach ulnar. Durch sie finden Extension und Flexion statt, wobei die Bewegungsausmaße in Extension nicht bei allen Fingern gleich sind. Die Sagittalachse liegt in der Mitte des Caput metacarpale und verläuft von dorsal nach palmar. Durch diese sind Abduktion und Adduktion möglich. Die Rotation findet durch die Longitudinalachse statt, welche der Längsachse der Os metacarpale gleichzusetzen ist. Die durchschnittlichen aktiven Bewegungsausmaße sind:

  • Ca. 90-100 Grad Flexion
  • Ca. 0-40 Grad Extension
  • Ca. 20-30 Grad Abduktion
  • Ca. 10-20 Grad Adduktion
Merke: Die axiale Rotation ist nur passiv möglich und beträgt jeweils ca. 5 Grad in Innen- bzw. Außenrotation.

Artt. interphalangeales manus proximales et distales: Die PIP- und DIP-Gelenke bewegen sich lediglich über die Horizontalachse in Flexion und Extension. Die liegt jeweils im konvexen Caput phalangis der Grund- und Mittelphalanx und verläuft von radial nach ulnar. Die durchschnittlichen aktiven Bewegungsausmaße sind:

PIP DIP
  • Ca. 110 Grad Flexion
  • 0 Grad Extension
  • Ca. 70-80 Grad Flexion
  • Ca. 5 Grad Extension

In den Gelenken kann translatorisches Gapping durch Mobilisationsimpuls ausgelöst werden. Diese Bewegungen haben aber für die aktive Beweglichkeit in Extension und Flexion keine wesentliche funktionelle Bedeutung und müssen daher im Sinne der Neutral-Null-Methode nicht getestet werden.

Artt. metacarpophalangeales

Bei den Metakarpophalangealgelenken handelt es sich um Ellipsoidgelenke.

Artt. metacarpophalangeales: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen

Bei den Metakarpophalangealgelenken artikulieren jeweils das Caput metacarpale mit der Basis phalangis proximalis.

Caput metacarpale
Das Caput metacarpale ist konvex. Die Gelenkfläche ist nach dorsopalmar mit Knorpel überzogen und ist dort größer als radioulnar. Die durchschnittliche Dicke des Knorpels liegt bei etwa 0,8 Millimeter und ist bei Zeige- und Mittelfinger besonders ausgeprägt.

Basis phalangis proximalis
Die Basis der Grundphalanx ist als Gegenspieler zum Caput metacarpale konkav geformt und deutlich kleiner ausgeprägt. Eine Faserknorpelplatte vergrößert im distalen Bereich die Gelenkfläche, welche am palmaren Ende scharnierartig befestigt ist und besteht – wie es der Name bereits vermuten lässt – ausschließlich aus Faserknorpel.

Dieser geht nach proximal hin in Bindegewebe über und kann als eine Art Labrum glenoidale gesehen werden, wobei dieser Begriff nur noch selten benutzt wird, da es aufgrund der Ähnlichkeit in der Nomenklatur mit der Gelenkfläche der Scapula zum Humerus im Schultergelenk verwechselt werden kann.

Die Kontaktfläche der Knorpelplatte zum Caput ist in Neutral-Null-Stellung vollständig und verliert sich bei zunehmender Flexion durch ihre proximale Translation. Final bietet die Knorpelplatte Insertionspunkte für das Lig. metacarpale profundum, welches sie untereinander verbindet, sowie einigen Faserzügen der Mm. interossei. Zusätzlich sind die Sehnenscheiden der Flexoren durch Ringbänder an ihr befestigt.

Artt. metacarpophalangeales: Gelenkkapsel

Die Kapsel inseriert an der Knochen-Knorpel-Grenze bzw. an der Apex der Faserknorpelplatten. Sie umschließt die Gelenke vollständig und bildet nach dorsal und palmar einen Recessus. Weitere kleinere Recessi befinden sich radial und ulnar. Sie ist an der Faserknorpelplatte und an der Basis der Phalanx durch das Lig. palmare bandartig verstärkt und wird dorsal von einigen Fasern der Dorsalaponeurose infiltriert.

Artt. metacarpophalangeales: Bänderfingerknochen

Die Metakarpophalangealgelenke sind ligamentär sehr gut ausgestattet. Neben der Ligg. collaterale radiale et ulnare sorgen das Lig. collaterale accessorium und das Lig. phalangoglenoidale für eine ausreichende Sicherung der ossären Strukturen. Sie wirken Zugkräften nach palmar während der Flexion entgegen, welche besonders auf die Ringbänder gerichtet ist.

Ligg. collaterale radiale et ulnare
Sowohl das radiale als auch das ulnare Seitenband sind kräftig ausgebildet und verfügen über die identische Zugrichtung und –kraft. Sie entspringen jeweils dorsal der Flexions- und Extensionsachse entlang des Caput metacarpale und inserieren an der seitlichen Basis der Grundphalanx.

Das radiale Seitenband hat einen schrägeren Verlauf als das ulnare, was in der Asymmetrie der Gelenkflächen begründet liegt. Bei Flexion werden die Bänder angespannt, was zur Folge hat, dass bei dieser Bewegung kein passives Gapping und aktives Abduzieren und Adduzieren in den Artt. metacarpophalangeales möglich sind. In Extension sind diese Bewegungen jedoch ausführbar, da die Kollateralbänder nicht unter Spannung stehen.

Lig. collaterale accessorium
Dieses Band inseriert am Caput metacarpale proximal des Kollateralbandes und verbindet sich mit dem radialen bzw. ulnaren Rand der palmaren Knorpelplatte. Somit schließt sich dieses Band dem jeweiligen Seitenband an und unterstützt die Verspannung bei Flexion.

Doch im Gegensatz zu den Ligg. collaterale radiale et ulnare ist das Lig. accessorium auch in Extension gespannt, es verhindert jedoch nicht die seitlichen Bewegungen der Finger, was zeigt, dass es nicht die gleiche Zugkraft der Kollateralbänder aufweist.

Lig. phalangoglenoidale
Dieses Band findet oft nur geringe Beachtung, obwohl es genau wie die Kollateralbänder eine seitliche Verstärkung der Gelenkkapsel und folglich des Gelenks selbst darstellt. Es hat seinen Ursprung an der Basis der Grundphalanx, zieht über das Kollateralband hinweg nach proximal-palmar und inseriert an der Knorpelplatte sowie mit seinen distalen Fasern am Ringband A1.

Artt. interphalangeales manus proximales et distales (PIP/DIP)

Die PIP- und DIP-Gelenke sind jeweils Scharniergelenke.

Artt. interphalangeales manus proximales et distales: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen

In den PIP- und DIP-Gelenken artikulieren jeweils das Caput phalangis mit der Basis phalangis.

Caput phalangis
Das Caput phalangis der Grund- und Mittelphalanx bilden die proximale konvexe Gelenkfläche der PIP- und DIP-Gelenke. Sie ist mit einer Knorpelschicht überzogen, die eine durchschnittliche Dicke von 0,5 – 1 Millimeter aufweist.

Basis phalangis
Die Basis phalangis ist der konkave distale Gelenkpartner der PIP- und DIP-Gelenke. Die Knorpelschicht ist im Vergleich zum Caput mit 0,2 – 0,5 Millimeter deutlich dünner ausgeprägt. An der palmaren Kante der Basis der Mittelphalanx befindet sich eine Faserknorpelplatte, die im PIP-Gelenk dicker ist als im DIP-Gelenk.

Artt. interphalangeales manus proximales et distales: Gelenkkapsel

Die Gelenkkapsel inseriert jeweils an der Knochen-Knorpelgrenze und der Spitze der Faserknorpelplatte der PIP- und DIP-Gelenke. Die Faserknorpelplatte ist palmar vollständig in die Kapsel eingelassen. Sie bildet in den proximalen Interphalangealgelenken nach dorsal und palmar Recessi aus, wobei sich in dorsaler DIP-Gelenk-Region ein deutlich ausgeprägterer Recessus befindet als in der palmaren DIP-Region.

Artt. interphalangeales manus proximales et distales: Bänder

Für den Medizinstudenten auf dem Weg zur Prüfung dürfte es entspannt sein zu wissen, dass die Namen der Bandstrukturen in den PIP- und DIP-Gelenken die gleichen Namen tragen wie in den Metakarpophalangealgelenken. Nichtsdestotrotz haben sie unterschiedliche Ursprünge und Ansätze, deren jeweilige Lokalisation bekannt sein muss.

Ligg. collaterale ulnare et radiale
Das ulnare und radiale Seitenband entspringen dorso-proximal am Caput phalangis und inserieren am Tuberculum laterale der palmaren Basis der Mittel- und Endphalanx. Sie sind bei Flexion gespannt und bei Extension entspannt.

Lig. collaterale accessorium
Das Ligament hat radial bzw. ulnar seinen Ursprung am Caput von Grund- und Mittelphalanx und inseriert am Rand der Faserknorpelplatte sowie mit einigen Fasern am Ringband A3 (PIP) und am Ringband A5 (DIP). Es ist bei Flexion gespannt, die Extension hat keine direkte Wirkung auf das Band.

Lig. phalangoglenoidale
Dieses Ligament entspringt radial bzw. ulnar an der Basis der Mittelphalanx und findet an der palmaren Knorpelplatte seinen Ansatz. Dieses Band ist im PIP-Gelenk häufiger vorhanden als im DIP-Gelenk. Bei manchen Menschen fehlt es im DIP-Gelenk sogar vollständig.

Die Daumengelenke: Allgemeine Informationen

Der Daumen (Pollex) ist eine funktionelle Besonderheit unter den Fingern. Es werden folgende Gelenkanteile voneinander unterschieden:

  • Art. carpometacarpalis pollicis
  • Art. carpometaphalangealis pollicis
  • Art. interphalangealis pollicis

Art. carpometacarpalis pollicis: Die Horizontalachse verläuft durch den distalen Bereich des Os trapezium. Über diese Achse sind Flexion und Extension möglich. Über die Sagittalachse, welche durch das Os metacarpale I verläuft, werden Abduktion und Adduktion ausgeführt. Im Art. carpometacarpalis pollicis findet keine reine Rotation statt.

Stattdessen sind Opposition und Reduktion möglich, wobei dafür keine eigene Achse in der Biomechanik beschrieben wird. Die Opposition ist eine Kombinationsbewegung aus Flexion, Adduktion und axialer Rotation. Die Reduktion beschreibt lediglich das Zurückführen des Daumens von der Opposition in die Neutral-Null-Stellung. Die durchschnittlichen aktiven Bewegungsausmaße sind:

  • Ca. 20 Grad Flexion
  • Ca. 45 Grad Extension
  • Ca. 45 Grad Abduktion
  • 0 Grad Adduktion
  • Ca. 20-30 Grad Opposition
  • Reduktion wird in der genutzten Literatur nicht in Zahlen aufgeführt.

Art. caropmetaphalengealis pollicis: Flexion und Extension verlaufen über die Horizontalachse, die sich im Caput metacarpale befindet. Die Sagittalachse für Abduktion und Adduktion ist ebenfalls im Metacarpalköpfchen lokalisiert, wobei diese Bewegungen nur passiv möglich sind. Die Rotationsachse ist die Longitudinalachse, die der Schaftachse der Grundphalanx gleichzusetzen ist. Die durchschnittlichen aktiven Bewegungsausmaße sind:

  • Ca. 50 Grad Flexion
  • Ca. 5 Grad Extension
  • Rotation wird in der genutzten Literatur nicht in Zahlen aufgeführt.

Art. interphalangealis pollicis: In diesem Gelenk sind lediglich Flexion und Extension über eine Horizontalachse möglich. Diese liegt im Caput phalangis der Grundphalanx. Die durchschnittlichen aktiven Bewegungsausmaße sind:

  • Ca. 80 Grad Flexion
  • Ca. 5 – 10 Grad Extension

Art. carpometacarpalis pollicis

Das Karpometakarpalgelenk I wird als Sattelgelenk definiert.

Art. carpometacarpalis pollicis: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen

Im Karpometakarpalgelenk I artikuliert die Basis metacarpalis I mit dem Os trapezium der distalen Handwurzelreihe.

Basis metacarpalis I
Die Basis metacarpalis I ist radial konvex und dorsal konkav. Dies ist wichtig für die Oppositionsbewegung, die eine Kombinationsbewegung aus Flexion, Adduktion und axialer Rotation darstellt.

Os trapezium
Die Gelenkfläche des Os trapezium ist gegensinnig zu der der Basis metacarpalis I gekrümmt. Sie ist radial konkav und dorsal konvex. Dadurch wird dieses Metakarpalgelenk zu einem kongruenten Gelenk.

Art. carpometacarpalis pollicis: Gelenkkapsel

Die Gelenkkapsel des Karpometakarpalgelenks I ist weit und schlaff, was große Bewegungsausmaße möglich macht. Die Insertionspunkte befinden sich an der jeweiligen Knochen-Knorpel-Grenze der o.g. ossären Strukturen. Die Kapsel bildet sowohl nach dorsal als auch nach palmar Recessi aus.

Art. carpometacarpalis pollicis: Bänder

Die ligamentären Strukturen dieses Gelenkes liegen direkt auf der Gelenkkapsel auf und sorgen so für eine optimale Stabilisierung in jeder Daumenstellung.

Ligg. carpometacarpalia palmaria
Hierbei handelt es sich um sehr dünne Ligamente. Sie haben ihren Ursprung am Os trapezium und dem Lig. carpi transversum und ihren Ansatz an der Basis metacarpalis I. Sie sind bei Extension und Abduktion gespannt.

Lig. carpometacarpale dorsale
Dieses Band verbindet Os trapezium mit der Basis metacarpalis I und ist mit der Gelenkkapsel verwachsen. Es ist bei Flexion und Opposition gespannt.

Lig. carpometacarpale obliquum anterius
Vom Tuberculum ossis trapezii ausgehend zieht das Band zur radialen Seite der Basis metacarpalis I. Es ist wie die Ligg. carpometacarpalia palmaria bei Extension und Abduktion gespannt.

Lig. carpometacarpale obliquum posterius
Der posteriore Counterpart entspringt dorsal des Os trapezium und findet an der Palmarfläche der Basis metacarpalis I seinen Ansatz. Es ist bei Flexion und Abduktion gespannt.

Art. metacarpophalangealis pollicis

Beim Daumengrundgelenk handelt es sich um ein Eigelenk.

Art. metacarpophalangealis pollicis: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen

Das Daumengrundgelenk wird von Caput metacarpale I und Basis phalangis gebildet.

Caput metacarpale I
Das Caput metacarpale I bildet den proximalen konvexen Gelenkpartner im Daumengrundgelenk. Die Knorpelschicht ist etwa 1 Millimeter dick, wobei auf der palmaren Seite jeweils ein radiales und ulnares Sesambein liegen, welche u.a. dem Lig. collaterale accessorium, dem 2. Faseranteil der Ligg. collaterale radiale et ulnare pollicis, als Ansatzpunkt dienen.

Basis phalangis
Die Basis der Grundphalanx ist der distale konkave Gelenkpartner im Daumengrundgelenk. Die Knorpelschicht ist mit ca. 0,5 Millimeter deutlich dünner als die des Caput metacarpale I und besitzt an der palmaren Kante eine Faserknorpelplatte, die nach proximal zieht.

Art. metacarpophalangealis pollicis: Gelenkkapsel

Die Gelenkkapsel des Daumengrundgelenks inseriert mit beiden Membranen am Caput metacarpale I an der Knochen-Knorpel-Grenze. Sie bildet dorsal und palmar kleine Recessi aus und wird durch die Kollateralbänder seitlich verstärkt. Weiterhin ist der M. extensor pollicis brevis mit der dorsalen Kapsel verwachsen. Die Membrana fibrosa ist palmar mit den Ringbändern verbunden, die den M. flexor pollicis longus an der Knorpelplatte fixieren.

Art. carpometacarpalis pollicis: Bänder

Erneut tragen die Bandstrukturen den gleichen Namen wie die der Artt. interphalangeales manus proximales et distales und Artt. metacarpophalangeales. Es wird lediglich der Zusatz „pollicis“ bei den Kollateralbändern ergänzt und das Lig. collaterale accessorium ist im Daumen ein Faseranteil der selbigen.

Ligg. collaterale radiale et ulnare pollicis
Die Seitenbänder des Daumens teilen sich in zwei Faserteile auf. Der 1. Faseranteil wird Lig. collaterale proprium genannt, entspringt am Caput metacarpale I und inseriert an der Basis der Grundphalanx. Der 2. Faseranteil wird als Lig. collaterale accessorium bezeichnet, entspringt neben dem 1. Faseranteil, inseriert jedoch am radialen bzw. ulnaren Sesambein.

Lig. phalangoglenoidale
Dieses oberflächlich lokalisierte Ligament hat seinen Ursprung auf der radialen und ulnaren Seite der Basis phalangis und findet am jeweiligen Sesambein seinen Ansatz

Art. interphalangealis pollicis

Das Interphalangealgelenk des Daumens ist ein Scharniergelenk.

Art. interphalangealis pollicis: Ossäre Strukturen und Gelenkflächen

Das Interphalangealgelenk des Daumens besteht aus dem Caput phalangis proximalis und der Basis phalangis distalis.

Caput phalangis proximalis
Das Caput phalangis proximalis ist der proximale konvexe Gelenkpartner des Art. interphalangealis pollicis.

Basis phalangis distalis
Die Basis phalangis distalis stellt den distalen konkaven Gelenkpartner des Interphalangealgelenks des Daumens dar. An der palmaren Kante der Mittelphalanxbasis befindet sich eine Faserknorpelplatte.

Art. interphalangealis pollicis: Gelenkkapsel

Beide Membranen inserieren an der Knochen-Knorpel-Grenze bzw. an der Faserknorpelplatte der Basis phalangis distalis. Sie bildet dorsal und palmar kleine Recessi aus und besteht größtenteils aus Fett- und Synovialgewebe.

Art. interphalangealis pollicis: Bänder

Die „einfache Benennung“ setzt sich auch im Interphalangealgelenk des Daumens fort. Allerdings existiert hier kein Lig. phalangoglenoidale.

Ligg. collaterale ulnare et radiale
Die Kollateralbänder entspringen jeweils ulnar bzw. radial an der Dorsalseite des Caput phalangis proximalis und inserieren an der palmaren Basis der Endphalanx. Sie sind in Flexion gespannt, folglich in Extension entspannt.

Lig. collaterale accessorium
Dieses Ligament entspringt jeweils an der radialen bzw. ulnaren Seite des Caput phalangis, proximal-palmar der Kollateralbänder. Es findet ihren Ansatz am radialen bzw. ulnaren Rand der Faserknorpelplatte der Basis phalangis distalis. Sie sind bei Flexion gespannt, während ihr Spannungszustand in Extension in der Literatur nicht näher beschrieben wird.

Beispiele aus der Klinik der Finger- und Daumengelenke

Es wird sich aufgrund der Vielzahl an Pathologien der beschrieben Strukturen auf die wesentlichen Krankheitsbilder beschränkt, welche eine hohe Inzidenz aufweisen.

Rheumatoide Arthritis

Rheumatoide-Arthritis

Bild: „Typisches Röntgenbild einer Rheumatoiden Arthritis.“ von Bernd Brägelmann. Lizenz: CC BY 3.0

Wie eingangs beschrieben, betrifft ein Großteil der rheumatoiden Krankheitsformen die Hand- und Fingergelenke. Durch die synoviale Proliferation kommt es zu knöchernen Erosionen, Destruktionen der kapsuloligamentären Strukturen sowie Läsionen der Sehnengewebe. Dies resultiert in Fehlstellungen der Hand und Finger. In den Metakarpophalangealgelenken ist es die ulnare Deviation, im Daumen die Knopflochdeformität (90-90-Deformität, Z-Deformität) oder Schwanenhalsdeformität (M-Deformität).

Subluxation der Grundgelenke

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Bild: „Luxation des interphalangealen Gelenks des Daumens.“ von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Durch die fortschreitenden entzündlichen Prozesse in den Gelenken und der resultierenden Zerstörung von Knochen- und Knorpelgewebe kommt es zu einer Fehlstellung des ulnaren Handgelenkes nach palmar. Die radialen Extensoren ziehen die Hand in radiale Abduktion durch die entstehende Zugrichtung in Supination.

Die Finger stellen sich als kompensatorische Reaktion in ulnare Deviation ein, was zu Subluxationen oder vollständigen Dislokationen der ossären Strukturen führen kann. Normale Bewegungen der Finger sind in diesem Zustand nicht mehr möglich, des Weiteren klagen Patienten über massive Schmerzen.

Herberden-Knoten

Der Herberden-Knoten entsteht häufig an den distalen Fingergelenken in Folge eines arthrotischen Geschehens, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Es handelt sich dabei um Mukoidzysten, die sich seitlich des Ansatzes der Extensorensehne bilden, mit synovialer Flüssigkeit gefüllt sind und hernienartig aus der Kapsel des DIP-Gelenkes austreten.

Wird der Knoten nicht effektiv behandelt, kommt es zu einer kompensatorischen Flexionsfehlstellung mit entsprechenden Kontrakturen, die von Patienten als sehr schmerzhaft wahrgenommen werden. Es wird eine konservative Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten und Bestrahlung, sowie physiotherapeutischer und ergotherapeutischer Versorgung empfohlen.

Rhizarthrose

Die arthrotische Veränderung des Daumensattelgelenkes wird als Rhizarthrose beschrieben. Bei einer fortschreitenden Instabilität des Gelenkes kommt es zu einer dorsalen sowie radialen Subluxation des Daumens, welche in Knorpelzerstörung und Schmerzen mündet. Durch die schmerzhaft bedingte Bewegungseinschränkung kommt es zum Phänomen des Pollex adductus, also einer Fehlstellung des Daumengrundgelenkes in Flexion und Adduktion in Kombination mit einer Hohlhandstellung.

Alle belastenden Bewegungen, vor allem die Opposition, werden von Betroffenen als sehr schmerzhaft beschrieben. Außerdem klagen Patienten über zunehmenden Kraftverlust, welche die Ausführung von ADLs erschwert. Die Rhizarthrose wird größtenteils konservativ mit Medikamenten sowie Physiotherapie und Ergotherapie behandelt. Ist die Arthrose sehr weit fortgeschritten, wird eine Ersatzprothese mit Arthrodese in Flexionsstellung operativ implantiert.

Skidaumen

Bei einem Sturz mit reflexartigen abrupten Abstützen auf den Skistock kommt es zum sogenannten Skidaumen-Syndrom. Dabei wird das ulnare Seitenband aufgrund der traumatisch bedingten Abduktion und Extension des Metakarpophalangealgelenks überdehnt oder (teil-)ruptiert. Bei sehr schweren Fällen kann es zusätzlich zu einem ossären Ausriss mit Luxation des Daumengrundgelenkes kommen. Wenn dadurch der Sehnenansatz des M. adductor pollicis in das Gelenk einschlägt, spricht man in der Medizin von der Stener-Läsion. Überdehungen und Teilrupturen werden in der Regel konservativ behandelt, während Totalrupturen mit knöcherner Beteiligung sowie die Stener-Läsion operativ versorgt werden müssen.

Mögliche Prüfungsfragen zu Finger- und Daumengelenken

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Welches Ausmaß hat die aktive Rotation in den Artt. metacarpohalangeales?

  1. 5 Grad
  2. 10 Grad
  3. 15 Grad
  4. 20 Grad
  5. Eine aktive Rotation ist in diesen Gelenken nicht möglich.

 2. Aus welchen Bewegungen setzt sich die Opposition des Daumens zusammen?

  1. Extension, Abduktion und axiale Rotation
  2. Extension, Adduktion und axiale Rotation
  3. Flexion, Abduktion und axiale Rotation
  4. Flexion, Adduktion und axiale Rotation
  5. Die Opposition ist eine eigenständige Bewegung und keine Kombinationsbewegung.

3. Was versteht man unter dem Pollex adductus, welcher in Folge einer Rhizarthrose des Daumensattelgelenkes auftreten kann?

  1. Eine Fehlstellung des Daumengrundgelenkes in Flexion und Adduktion mit Hohlhandstellung.
  2. Eine Fehlstellung des Daumengrundgelenkes in Extension und Adduktion mit Hohlhandstellung.
  3. Eine Fehlstellung des Daumengrundgelenkes in Flexion und Abduktion mit Hohlhandstellung.
  4. Eine Fehlstellung des Daumengrundgelenkes in Extension und Adduktion mit Hohlhandstellung.
  5. Eine Fehlstellung des Daumensattelgelenkes in Flexion und Adduktion mit Hohlhandstellung.


 

 

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