Im Rahmen der Frühschwangerschaft ist eine fehlerhafte Implantation der Plazenta möglich. Diese kann zu Beginn symptomlos bleiben, zum Ende der Schwangerschaft hin treten jedoch meist erstmalig Blutungen auf. Ebenso können vaginale Blutungen auch Ursache einer vorzeitigen Plazentalösung sein. Diese Blutungen sind lebensbedrohlich für Mutter und Kind, außerdem sehr schmerzhaft. Im Folgenden werden diese Krankheitsbilder differentialdiagnostisch weiter beschrieben.
Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf AWMF einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version können Sie einsehen.

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Bild: „Placenta previa“ von OpenStax College. Lizenz: CC BY 3.0


Plazenta praevia

Definition der Plazenta praevia

Die Plazenta praevia bezeichnet den dystopen Sitz der Plazenta im Bereich des Isthmus. Etwa 1 von 200 Schwangerschaften ist davon betroffen. Es können drei Schweregrade unterschieden werden:

  • Placenta praevia totalis: Die Plazenta überdeckt den Muttermund vollständig.
  • Placenta praevia partialis: Die Plazenta überdeckt den Muttermund teilweise.
  • Placenta praevia marginalis: Die Plazenta grenzt an den Rand des Muttermundes an.
  • Tief sitzende Plazenta: Die Plazenta liegt zwar im unteren Segment, grenzt aber nicht an den Muttermund an.

Ätiologie der Plazenta praevia

Ursächlich kommen Schädigungen des Endometriums in Frage. Unter anderem durch eine Kürettage, Zustand nach Sectio oder auch nach Mehrlingsschwangerschaften. Aber auch Rauchen sowie eine Endometritis können Ursachen sein.

Pathogenese und Klinik der Plazenta praevia

Durch Uteruskontraktionen wird das untere Uterinsegment gedehnt. Damit schert die Plazenta von der Haftfläche ab und es kommt zu Blutungen.

Typischerweise werden im 3. Trimenon Blutungen erstmalig festgestellt. Diese sind in der Regel schmerzlos. Dabei handelt es sich zunächst um Blutungen aus dem intravillösen Bereich. Dies bedeutet, dass es sich um mütterliches Blut handelt. Später kann es sich aber auch um fetales Blut handeln. Deswegen ist eine Kontrolle des Blutes auf HbF indiziert.

Diagnostik der Plazenta praevia

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Bild: „Anterior placenta previa. The placenta (arrow) has covered the internal os completely (arrowhead)“ von Openi. Lizenz: CC BY 2.0

Die Diagnose einer Plazenta praevia wird mittels Ultraschalluntersuchung gesichert. Die Schwangere ist anschließend stationär aufzunehmen und eine strenge Bettruhe ist angezeigt.

Merke: Bei Vorliegen dieser Symptome ist eine vaginale Tastuntersuchung streng kontraindiziert.

Therapie der Plazenta praevia

In Ausnahmefällen (je nach Lage der Plazenta) kann ein vaginaler Geburtsversuch unternommen werden. In den meisten Fällen sollte jedoch eine Sectio erwogen werden. Bei geringer Blutung vor der 34. SSW sollte zunächst eine Tokolyse erfolgen und anschließend eine Sectio geplant werden.

Vorzeitige Plazentalösung

Definition der vorzeitigen Plazentalösung

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Bild: „Placental Abruption“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Dies entspricht einer kompletten oder teilweisen Lösung der Plazenta vor der Geburt des Kindes. Diese Situation stellt einen dramatischen Notfall für Mutter und Kind dar.

Pathogenese der vorzeitigen Plazentalösung

Häufig führen hypertensive Schwangerschaftserkrankungen oder Uterusanomalien zu einer vorzeitigen Lösung der Plazenta. Durch diese Erkrankungen kann es zur Blutung aus den uterinen Gefäßen kommen. Dadurch entsteht ein retroplazentares Hämatom, welches zur Ablösung der Plazenta führt.

Auch Traumata mit direkter Gewalteinwirkung auf den Bauch beziehungsweise plötzliche Veränderungen des intrauterinen Drucks oder Volumens können zu einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta führen.

Klinik der vorzeitigen Plazentalösung

In der Regel werden plötzliche starke Bauchschmerzen beschrieben. Hinzu kommen eine vaginale Blutung und ein dauerhaft kontrahierter Uterus. Diese hochakute Situation gefährdet das Kind aufgrund einer Mangelversorgung mit Sauerstoff und es entwickelt in der Regel eine akute Hypoxie. Die Mutter ist durch den starken Blutverlust gefährdet. Außerdem kann es zu einer Fruchtwasserembolie mit einer akuten Gerinnungsstörung kommen.

Bei geringem Ausmaß der Plazentalösung können starke Schmerzen aber auch fehlen und nur eine lokale Druckempfindlichkeit bestehen!

Diagnostik der vorzeitigen Plazentalösung

In der klinischen Untersuchung wirkt der Uterus bretthart (sogenannter Holzuterus) und sehr druckempfindlich. Durch die Hypoxie nehmen die Kindsbewegungen ab und das CTG wird pathologisch. Mittels Ultraschall kann ein vorhandenes retroplazentares Hämatom oder eine partielle Ablösung der Plazenta erkannt werden. Parameter wie der Hb, die Thrombozytenzahl oder Gerinnungsparameter müssen kontrolliert werden, da sie Hinweis auf eine Anämie oder Verbrauchskoagulopathie geben können.

Therapie der vorzeitigen Plazentalösung

Die Einweisung in die Klinik zur Überwachung der Schwangeren und des Fetus ist unumgänglich. Ein starker Blutverlust oder Schockzustand der Mutter verlangen eine sofortige Sectio. Aus fetaler Sicht ist die Asphyxie Grund für eine Notfallsectio, um das Leben des Kindes zu retten. Ist der mütterliche Zustand jedoch stabil und der fetale Zustand normal können bei einer Plazentalösung zwischen der 24. und der 34. SSW noch Maßnahmen zur Unterstützung der fetalen Lungenreifung ergriffen werden.

Beliebte Prüfungsfragen zur vorzeitigen Plazentalösung und Plazenta Praevia

1. Eine schwangere Frau in der 25+3. SSW stellt sich mit plötzlich einsetzenden Schmerzen und vaginalen Blutungen vor. Was ist die wahrscheinlichste Diagnose?

  1. Plazenta praevia
  2. Plazentainsuffizienz
  3. vorzeitige Plazentalösung
  4. Sigmadivertikulitis
  5. Appendizitis

2. Welche Therapie wäre im genannten Fall die richtige Wahl?

  1. Sectio
  2. Spontangeburt
  3. Behandlung mit Metoprolol
  4. Vakuumextraktion
  5. Wassergeburt

 3. Was ist das Leitsymptom einer Plazenta praevia?

  1. Druckschmerzhafte vaginale Blutung
  2. Wachstumsretardierung des Kindes
  3. Dystropher Fetus
  4. Schmerzlose vaginale Blutung
  5. Verminderte Fruchtwassermenge

Quellen

Plazentationsstörungen bei Status nach Sectio, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

[Spr.] Dietrich u.a., Gynäkologie und Geburtshilfe(2007)

[Duale Reihe] Stauber, Weyerstahl, Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage, 2005

[Thieme] Gätje et al., Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage

Richtige Antworten: 1C, 2A, 3D

 

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