Im Laufe der Schwangerschaft entwickelt sich die Plazenta und passt sich dabei den Bedürfnissen des Kindes an. Die Plazenta erfüllt zahlreiche Aufgaben, dient aber vorwiegend der Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Aufgrund verschiedenster Ursachen ist jedoch eine Fehlfunktion möglich, wodurch das Kind unterversorgt wird und nicht mehr richtig wachsen kann. Eine frühzeitige Diagnose mit therapeutischen Maßnahmen ist daher wichtig.

Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Online-Gynäkologie-Kurs.

Plazenta

Bild: “Placenta” von BruceBlaus. Lizenz: CC BY-SA 4.0


Der Plazentakreislauf

Aufbau der Plazenta

Bild: “Aufbau der Platzenta” von Henry Gray. Lizenz: Public Domain

Die Plazenta stellt eine Verbindung zwischen Mutter und Kind dar. Ein Gas- und Stoffaustausch findet über die sogenannte Plazentaschranke statt. Diese besteht ab dem Ende der 3. SSW aus dem Endothel der fetalen Blutgefäße, dem Mesoderm und den Zyto- und Synzytiotrophoblasten. Durch diese Schranke wird gewährleistet, dass zu keiner Zeit eine direkte Verbindung zwischen den Blutkreisläufen besteht. Die Austauschfläche der Plazentaschranke ist die Oberfläche der Zottenbäume. Das mütterliche Blut umströmt diese Oberfläche und erleichtert den Stoffaustausch damit.

Die reife Plazenta wird dann nach Beendigung der Schwangerschaft als Nachgeburt ausgestoßen.

Funktion der Plazenta

Die Plazenta hat neben der metabolischen auch eine endokrine und immunologische Funktion.

Eine Hauptaufgabe  ist der Stoffaustausch über die Plazentaschranke hinweg. Die meisten Stoffe werden entsprechend ihres Konzentrationsgradienten transportiert. Andere Moleküle wie Wasser, Laktat und Glukose werden aktiv transportiert.

In der Schwangerschaft stellt die Plazenta eine weitere große, endokrine Drüse dar. Sie steht in Verbindung mit der mütterlichen Hypophyse und den kindlichen Nebennieren. Da die Plazenta nicht gleich zum Beginn der Frühschwangerschaft hormonell aktiv ist, wird die Hormonproduktion zunächst durch die Ovarien und die Hypophyse aufrechterhalten. Es werden Steroide (Östrogene, Progesteron) und humanes Choriongonadotropin (hCG) und humanes Plazentalaktogen (hPL) produziert.

Die Östrogenkonzentration nimmt im Laufe der Schwangerschaft kontinuierlich zu. Das Hormon bewirkt ein Uteruswachstum und unterstützt zum Ende der Schwangerschaft die Geburtsbereitschaft. Das Progesteron ist ein wichtiges Hormon zum Erhalt der Frühschwangerschaft. Zunächst wird in den ersten Wochen das Progesteron durch das Corpus luteum graviditis produziert. Dieses wird in der Regel vor der 12. SSW dann von dem Synzytiotrophoblasten übernommen. Das Progesteron erniedrigt den uterinen Muskeltonus.

Das hCG wird vom Synzytiotrophoblasten gebildet. Die Hormonkonzentration steigt kontinuierlich bis zum Ende des 1. Trimenons an. In den ersten Wochen der Schwangerschaft sollte sich die hCG- Konzentration alle 2 Tage verdoppeln.

Das hPL wird ebenfalls durch den Trophoblasten gebildet. Es hat strukturelle Ähnlichkeit zum Somatotropin und hat damit wachstumshormon-ähnliche Effekte. Außerdem hat es einen insulinstimulierenden Effekt. Zum einen begünstigt dies die Versorgung mit Glukose und Aminosäuren, andererseits ist dies häufig die Ursache eines Gestationsdiabetes.

Die Plazenta hat weiterhin eine immunologische Funktion. Sie begünstigt eine Versorgung des Kindes mit mütterlichen IgG. Auch nach der Geburt des Kindes kommen die Immunglobuline im Blut des Kindes noch vor.

mütterliche Seite der Plazenta nach der Geburt

Bild: “Maternal side of a whole human placenta, just after birth” von תמרה דהן – דולה. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Plazentainsuffizienz

Die Plazentainsuffizienz entspricht einer unzureichenden Versorgung des Kindes mit Nährstoffen. Bei der Plazentainsuffizienz werden eine akute und eine chronische Form unterschieden.

Die akute Form tritt nach wenigen Minuten oder Stunden auf und geht mit akuter Hypoxie des Kindes einher. Die chronische Plazentainsuffizienz kann nach Wochen bis Monaten auftreten, wobei sie einer intrauterinen Wachstumsretardierung oder Mangelentwicklung entspricht.

Beide Formen können mit dem intrauterinen Fruchttod enden.

Pathogenese der Plazentainsuffizienz

Ursachen einer Fehlfunktion der Plazenta sind sowohl bei der akuten als auch bei chronischen Form vielfältig. So kann bei der akuten Form jederzeit ein Vena-cava-Kompressionssyndrom Auslöser sein. Intrapartal kann beispielsweise eine vorzeitige Plazentalösung die Ursache sein, aber auch Nabelschnurkomplikationen, Placenta-praevia Blutungen oder ein Wehensturm sowie Verletzungen von Nabelschnurgefäßen sind mögliche Auslöser.

Die chronische Plazentainsuffizienz entsteht unter anderem bei mütterlichen Allgemeinerkrankungen wie einer Anämie, Diabetes mellitus oder dem Vorliegen eines Uterus myomatosus, einer chronischen Niereninsuffizienz oder eines Hypertonus. Außerdem spielen auch schwangerschaftsbedingte Erkrankungen eine Rolle, dazu gehören die Multiparität, Rhesusinkompatibilität und auch Schwangerschaftsabbrüche. Ebenso können eine eiweißarme Ernährung, Nikotin-, Drogen- oder Alkoholabusus, sowie das Alter der Schwangeren (unter 18 oder über 35 Jahre) verantwortlich gemacht werden.

Klinik der Plazentainsuffizienz

Die Symptome einer akuten Plazentainsuffizienz sind abhängig von der Ursache. Bei der vorzeitigen Plazentalösung sind starke Schmerzen bis zum brettharten Uterus möglich. Typischerweise kommt es jedoch bei allen akuten Plazentainsuffizienzen zu einer CTG-Veränderung.

Die chronische Plazentainsuffizienz äußert sich weniger mit Symptomen mütterlicherseits. Es führt beim Kind zu einer Wachstumsrestriktion und zur intrauterinen Asphyxie. Die Symptomatik kann sich bis zum plötzlichen Tod des Kindes entwickeln.

Diagnostik der Plazentainsuffizienz

Die Diagnose der akuten Plazentainsuffizienz wird mittels des CTG gestellt. Typische Befunde sind dabei späte Dezelerationen, ein silenter Oszillationstyp oder eine anhaltende Bradykardie. Häufig wird auch eine Sonographie zur Diagnosesicherung zusätzlich durchgeführt.

Die chronische Plazentainsuffizienz wird sonographisch gesichert. Besondere Beachtung bei der Sonographie gilt der Fruchtwassermenge. Eine geringe Fruchtwassermenge (Oligohydramnion) wäre dabei typisch. Auch die Beurteilung der Plazenta an sich kann sonographisch erfolgen. Typische Zeichen wären sichtbare Verkalkungen. Ebenso die Wachstumsretardierung kann sonographisch erkannt werden.

Therapie der Plazentainsuffizienz

Die Behandlung erfolgt zunächst kausal und die Ursachen der Insuffizienz sollten beseitigt werden. Die Therapiewahl ist auch abhängig von der Schwangerschaftswoche.

Akute Fälle können zum Beispiel auch durch eine Linksseitenlage beseitigt werden (Vena-cava-Kompressionssyndrom). Bei den chronischen Formen müssen umgehend die auslösenden Ursachen behandelt werden. Des Weiteren sollten Risiko und Nutzen abgewogen werden. Unter anderem geht es hierbei um das Risiko einer Frühgeburtlichkeit gegen das Risiko einer chronischen Mangelversorgung. Demnach wird dann entschieden, ob eine Sectio empfohlen wird oder nicht, wobei die Indikation großzügig zu stellen ist.

Beliebte Prüfungsfragen zur Plazenta

Die Antwortmöglichkeiten befinden sich unterhalb der Quellenangabe.

1. Welche der folgenden Hormone werden nicht von der Plazenta gebildet?

  1. Somatotropin
  2. Humanes Choriongonadotropin
  3. Humanes Plazentalaktogen
  4. Progesteron
  5. Östrogene

2. Was ist eine häufige Ursache der akuten Plazentainsuffizienz?

  1. Linksseitenlage
  2. Vena-cava-Kompressionssyndrom
  3. Insertio velamentosa
  4. Uterusruptur
  5. Obstipation

3. Mit welcher Untersuchung erfolgt die Diagnosesicherung der chronischen Plazentainsuffizienz?

  1. 2. Leopold Handgriff
  2. Sonographie
  3. CTG
  4. Dopplersonographie der Nieren
  5. Blutdruckmessung

Quellen

Amboss

[Duale Reihe] Stauber, Weyerstahl, Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage

[Thieme] Gätje et al., Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage

Antworten zu den Prüfungsfragen: 1A, 2B, 3B

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *