Das Diencephalon des Gehirns setzt sich insgesamt aus vier Bestandteilen zusammen. Dazu gehören der Thalamus, der Epithalamus, der Hypothalamus und der Subthalamus. Insgesamt erfolgt im Diencephalon eine Koordination von unbewussten vegetativen und sensomotorischen Funktionen.
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das ist eine abbildung des diencephalons

Bild: “The Diencephalon” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0


Embryologische Entwicklung des Diencephalons

Das Gehirn, das Rückenmark sowie das zentrale Nervensystem entstehen im Laufe der embryologischen Entwicklung aus dem Neuralrohr, welches aus dem dorsalen Oberflächenektoderm hervorgegangen ist. Aus dem kranialen Anteil des Neuralrohrs entwickeln sich drei primäre Hirnbläschen.

diese abbildung zeigt das erste und zweite entwickungsstadium von vesikeln

Bild: “Primary and Secondary Vesicle Stages of Development” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Eines dieser Hirnbläschen entwickelt sich zum Prosencephalon (Vorderhirn). Die anderen beiden Hirnbläschen bilden das Rhombencephalon (Rautenhirn) bzw. das Mesencephalon (Mittelhirn). Aus dem Prosencephalon entwickeln sich im Verlauf Diencephalon und Telencephalon.

Aufbau des Diencephalons (Zwischenhirn)

Aus dem Diencephalon, welches aus dem Prosencephalon hervorgegangen ist, entwickeln sich der Thalamus, der Epithalamus, der Hypothalamus und der Subthalamus.

das ist eine abbildung des diencephalons

Bild: “The Diencephalon” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Aufbau des Thalamus

Der paarig angelegte Thalamus macht den größten Anteil des Diencephalons aus und wird auch als „Tor des Bewusstseins“ bezeichnet, da ihn ein Großteil der sensiblen Informationen durchlaufen, bevor sie im Kortex des Gehirns weiter verarbeitet werden, um dort ins Bewusstsein zu gelangen.

Topographie des Thalamus

Von außen ist der Thalamus als solcher nicht sichtbar, da er vom Telen- cephalon umgeben ist. Das Corpus callosum (Balken) des Telencephalons sowie die beiden Seitenventrikel grenzen dabei nach kranial an den Thalamus an. Kaudal des Thalamus befinden sich der Hypo- und der Subthalamus.

diese dreidimensionale abbildung des gehirns zeigt den thalamus

Bild: “Thalamus image” von Life Science Databases. Lizenz: CC BY-SA 2.1 JP

Die Trennung zwischen dem Thalamus und Hypothalamus wird als Sulcus hypothalamicus bezeichnet.

Nach medial wird der Thalamus durch die äußere Wand des III. Ventrikels begrenzt. Hier befindet sich auch die Adhesio interthalamica, welche die beiden Thalami miteinander verbindet. Allerdings stehen sie dabei nicht funktionell miteinander in Verbindung, d.h. es existieren keine Kommissurenfasern zwischen den beiden Thalami.

Lateral bildet die V. thalamostriata die Grenze zwischen Di- und Telencephalon, wobei sich hier die Capsula interna des Telencephalons befindet.

Funktion des Thalamus

Im Thalamus erfolgt die Umschaltung von sensorischen und motorischen Informationen, bevor sie ins Telencephalon gelangen und damit ins Bewusstsein (Radiatio thalami). Auf dem Weg dorthin werden die Informationen zusätzlich im Thalamus gefiltert, um zu verhindern, dass zu viele Informationen zum Telencephalon gelangen. Daher wird der Thalamus auch als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet.

Bei einer Schädigung des Thalamus, z.B. im Rahmen eines Schlaganfalls, kann es zu Störungen bei der Wahrnehmung von Sinnesempfindungen kommen. Eine Ausnahme bezüglich der Sinnessysteme bildet der Geruchssinn, da die Informationen der Riechbahn nicht im Thalamus umgeschaltet werden.

Kerngebiete des Thalamus und deren Projektionen

Der Thalamus kann bezüglich seiner Kerngebiete und deren Verbindungen in einen spezifischen und einen unspezifischen Anteil unterteilt werden. So hat der spezifische Anteil (= Palliothalamus) Verbindungen zu bestimmten Bereichen der Großhirnrinde, wohingegen der unspezifische Anteil (= Truncothalamus) v.a. mit dem Hirnstamm kommuniziert. Insgesamt besteht der Thalamus etwa aus 120 Kerngebieten.

diese abbildung zeigt die kerngebiete des thalamus

Bild: “Thalmus” von Madhero88. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Thalamuskerne des Palliothalamus

Im Bereich des Palliothalamus wird zwischen vier Kerngruppen unterschieden, die nach ihrer topographischen Lage benannt sind und jeweils in andere Bereiche des Gehirns projizieren.

Die anteriore Gruppe (Nuclei anteriores) vermittelt vorrangig Informationen ins limbische System, die mediale Gruppe (Nuclei mediales) projiziert zum Frontallappen und die dorsale Gruppe (Nuclei dorsales) zum visuellen Kortex.

Die ventrale Gruppe (Nuclei ventrolaterales) projiziert nicht einheitlich in ein Gebiet, sondern kann noch in weitere Kerne unterteilt werden, die jeweils mit spezifischen Hirnregionen in Verbindung stehen. Zu den Kernen der ventralen Gruppe gehören der Nucleus ventralis anterior (NVA), der Nucleus ventralis lateralis (NVL) sowie der Nucleus ventralis posterior (NVP). Die Projektion beinhaltet dabei beim NVA den prämotorischen Kortex, beim NVL den motorischen Kortex und beim NVP den sensiblen Bereich des Kortex.

Am weitesten lateral gelegen befindet sich der Nucleus reticularis thalami, welcher den anderen Kernen außen angelagert ist. Seine Impulse können im EEG abgeleitet werden.

Das Corpus geniculatum laterale und mediale gehören ebenfalls zu den Thalamuskernen des Palliothalamus, wobei das Corpus geniculatum laterale (CGL) zur Sehrinde projiziert und das Corpus geniculatum mediale (CGM) zur Hörbahn. Zusammengefasst werden beide als Metathalamus bezeichnet.

Oberhalb des CGL und des CGM befindet sich das Pulvinar thalami, welches ebenfalls den spezifischen Thalamuskernen zugeordnet wird (laterale Gruppe). Afferenzen erhält das Pulvinar thalami über das CGL und die Colliculi superiores. Seine Efferenzen ziehen hauptsächlich in den Kortexbereich des Temporal-, Okzipital- und Parietallappens. Ein Teil der Efferenzen zieht auch zum Frontallappen – hier allerdings ausschließlich zum frontalen Augenfeld.

Zusammengefasst werden die Fasern, die von den spezifischen Thalamuskernen zur Hirnrinde ziehen, als Radiatio thalami bezeichnet, wobei diese noch anhand ihrer Projektionsgebiete weiter unterteilt werden kann.

Die Radiatio thalami anterior zieht über die Nuclei mediales zum Frontallappen, die Radiatio thalamica posterior zum Okzipitallappen, die Radiatio thalami centralis über die Nuclei ventrales zum Parietallappen und die Radiatio thalami inferior zum Temporallappen, sodass insgesamt alle Hirngebiete erreicht werden.

Ein Teil der Radiatio thalami inferior ist die Radiatio acustica, wohingegen die Radiatio optica ein Teil der Radiatio thalami posterior ist.

Thalamuskerne des Truncothalamus

Die unspezifischen Thalamuskerne stehen über Afferenzen aus den Basalganglien, der Formatio reticularis (v.a. des ARAS) sowie dem Cerebellum mit diesen in Verbindungen. Die Efferenzen vom Truncothalamus laufen zu den spezifischen Thalamuskernen, wobei diese zu einer Erregung der jeweiligen Kerne führen, zu anderen Kerngebieten des Diencephalons, zum Hirnstamm sowie zum Corpus striatum.

Im Gegensatz zu den spezifischen Kernen besitzen sie keine direkte Verbindung zur Hirnrinde und wirken daher nur unspezifisch auf den Kortex. Zu den unspezifischen Kernen gehören u.a. die Nuclei mediani sowie die Nuclei intralaminares. Den größten Kern der intralaminären Gruppe stellt der Nucleus centromedianus dar.

Klinische Symptome bei einer Schädigung der Thalamuskerne

Bei einer Schädigung der spezifischen Thalamuskerne kommt es zu Paresen auf der kontralateralen Seite (Hemiparese) sowie zu Störungen im Bereich der Sensibilität. Im Rahmen der Sensibilitätsstörungen kann es auch zu brennenden, stechenden, neuropathischen Schmerzen kommen, welche ohne einen erkennbaren Schmerzreiz auftreten und als „Thalamusschmerz“ bezeichnet werden.

Durch eine Schädigung der unspezifischen Thalamuskerne kann es hingegen zu einer herabgesetzten Aufmerksamkeit sowie einer Apathie kommen.

Aufbau des Epithalamus

Der Epithalamus ist dem Namen entsprechend (epi = aufsitzend) oberhalb des Thalamus lokalisiert. Zu ihm gehören die Epiphyse, die Stria medullaris thalami, die Habenulae mit ihren Nuclei habenulares, die Area praetectalis und die Commissura posterior (epithalamica).

Die Epiphyse (Glandula pinealis) ist für die Produktion von Melatonin verantwortlich, wobei dieses vorwiegend nachts ausgeschüttet wird und dämpfend auf die Funktion des ZNS wirkt. Die Informationen bezüglich der Helligkeit bzw. Dunkelheit der Umgebung und damit den Tag-Nacht-Rhythmus erhält die Epiphyse über den Nucleus suprachiasmaticus des Hypothalamus.

Über die Stria medullaris wird das olfaktorische System mit dem Epithalamus verbunden. Die Faserbahn beginnt dabei im Bereich der Substantia perforata anterior und endet dorsal des Thalamus in Form der Habenulae, welche eine Verdickung der Faserbahn darstellt.

Im Bereich der Habenulae befinden sich die Nuclei habenulares. Diese stellen die Umschaltstelle der Informationen des olfaktorischen Systems dar. Von hier ausgehend werden die Informationen zu motorischen und salivatorischen Hirnkernen weitergeleitet, wodurch z.B. die Speichelsekretion beim Geruch von Essen angeregt wird. Verbunden sind die beiden Habenulae über die Commissura habenularum.

Die Area praetactalis befindet sich an der Grenze vom Mesencephalon und Diencephalon und ist an der Entstehung des Pupillen-Reflexes beteiligt. Dazu erhält sie Informationen (Afferenzen) über den Tractus opticus sowie die Colliculi superiores. Von der Area praetectalis ausgehend verlaufen ihre Efferenzen zum Nucleus accessorius nervi oculomotorii (Edinger-Westphal-Kern) der ispilateralen als auch der kontralateralen Seite.

Vermittelt über den Edinger-Westhphal-Kern erfolgt die konsensuelle Lichtreaktion, d.h. bei der Beleuchtung eines Auges verengt sich neben der ipsilateralen auch die kontralaterale Pupille.

Über die Commissura posterior stehen Bereiche der Formatio reticularis, der Vierhügelplatte und der Area praetectalis beider Seiten miteinander in Verbindung.

Aufbau des Subthalamus

Der Subthalamus ist zusammengesetzt aus dem Nucleus subthalamicus sowie dem Globus pallidus. Beide sind Bestandteile der Basalganglienschleife, welche für die Koordination von zielgerichteten, willkürlichen und feinmotorischen Abläufen verantwortlich ist.

Aufbau des Hypothalamus

Der Hypothalamus wird gebildet aus den Corpora mamillaria, dem Tuber cinerum, dem Infundibulum, der Neurohypophyse und der Eminentia mediana.

Funktion des Hypothalamus

Durch den Hypothalamus erfolgt eine Integration von vegetativen Funktionen, sodass der Großteil der Kerngebiete des Hypothalamus mit vegetativen Zentren im Bereich des Hirnstamms sowie des Rückenmarks in Verbindung steht. Ein Beispiel für eine vegetative Funktion, die durch den Hypothalamus vermittelt wird, ist das Durstgefühl.

Kerngebiete des Hypothalamus

Bei den Kerngebieten des Hypothalamus wird zwischen einer vorderen, mittleren und hinteren Kerngruppe unterschieden.

Zu der vorderen Kerngruppe gehören die Nuclei preoptici, der Nucleus suprachiasmaticus, der Nucleus supraopticus sowie der Nucleus paraventricularis.

Die Nuclei preoptici haben als Funktion die Regulation der Körpertemperatur und des Sexualverhaltens. Topographisch gesehen sind sie unterhalb des Chiasma opticum lokalisiert.

Über den Nucleus suprachiasmaticus erfolgt die Regulierung der zirkadianen Rhythmik. Prozesse, die dieser Regulierung unterliegen, sind z.B. die Körpertemperatur, der Schlaf-Wach-Rhythmus, sowie die Ausschüttung von Hormonen. Der Nucelus suprachiasmaticus bezieht Afferenzen aus der Retina des Auges und projiziert selbst über seine Efferenzen in die Epiphyse.

Oberhalb des Tractus opticus befindet sich der Nucleus supraopticus, welcher das antidiuretische Hormon (ADH) produziert, welches auch als Vasopressin bezeichnet wird, da es zu einer arteriellen Vasokonstriktion führt. Der Name „antidiuretisches Hormon“ gründet auf der Tatsache, dass ADH die Rückresorption von Wasser an den Sammelrohren der Niere fördert.

Innerhalb des Nucleus paraventricularis erfolgt die Produktion von Oxytocin, welches zum einen eine Uteruskontraktion im Rahmen der Geburt sowie zum anderen die Lakrimation der Brustdrüsen auslöst. Oxytocin gelangt vor seiner Freisetzung über den Tractus hypothalamohypophysialis zur Neurohypophyse und wird hier ins Blut abgegeben bzw. gespeichert. Dasselbe Prinzip gilt auch für das ADH, welches ebenfalls im Bereich der Neurohypophyse gespeichert und bei Bedarf sezerniert wird.

Zu der mittleren Kerngruppe gehören die Nuclei tuberales und der Nucleus arcuatus. Die Nuclei tuberales sind innerhalb des Tuber cinerum lokalisiert und geben die Relasing-Hormone (Liberine) bzw. Release-Inhibiting-Hormone (Statine) ab, welche die Hormonsekretion der Adenohypophyse regulieren.

Durch den Nucleus arcuatus, welcher sich im Bereich der Eminentia mediana befindet, werden ebenfalls die oben genannten  Steuerhormone freigesetzt.

Die Kerne der hinteren Kerngruppe werden durch die Nuclei mamillares gebildet, welche ein Teil des limbischen Systems sind.

Afferenzen des Hypothalamus

Der Hypothalamus erhält u.a. Afferenzen aus dem Hippocampus, dem olfaktorischen System, der Amygdala, viszeralen Gebieten sowie erogenen Zonen wie z.B. den Brustwarzen.

Der Hippocampus steht dabei über die Fornixbahn mit dem Hypothalamus in Verbindung, das olfaktorische System über das mediale Vorderhirnbündel. Ausgehend von der Amygdala ist der Hypothalamus via der Striae terminales mit dieser verbunden und über den Pedunculus corporis mammillaris besteht eine Verbindung zu den viszeralen bzw. erogenen Zonen.

Efferenzen des Hypothalamus

Über den Tractus mammillotegementalis ziehen die Efferenzen vom Hypothalamus zum Tegmentum des Mesencephalons und von dort aus weiter zur Formatio reticularis. Eine weitere Efferenz des Hypothalamus wird über den Fasciculus longitudinalis dorsalis zu den parasympathischen Kerngebieten des Hirnstamms gebildet.

Als Teil des limbischen Systems erreichen die Fasern des Fasciculus mammilothalamicus (Vicq-d’Azyr-Bündel) vom Hypothalamus ausgehend den Nucleus anterior thalami.

Zusätzlich existieren über den Tractus supraopticahypophysialis sowie den Tractus tuberohypophysalis Efferenzen zur Hypophyse (s.u.). Zusammengefasst werden die beiden als Tractus hypothalamohypophysialis bezeichnet.

Aufbau der Hypophyse

Die Hypophyse gliedert sich in einen Vorder- und Hinterlappen, wobei beide entwicklungsgeschichtlich unterschiedlichen Ursprungs sind. So entstammt der Vorderlappen (Adenohypophyse) vom Epithel der Rathke-Tasche (Rachendach) ab, wohingegen der Hinterlappen (Neurohypophyse) eine Ausstülpung des Diencephalons darstellt und dem Hypothalamus zugerechnet wird.

Die beiden Abschnitte unterscheiden sich auch bezüglich ihrer Funktion. Die Adenohypophyse stellt einen Produktionsort von verschiedenen Hormonen (s.u.) dar, wohingegen im Bereich der Neurohypophyse lediglich eine Speicherung bzw. Sekretion der im Hypothalamus gebildeten Hormone (ADH und Oxytocin) stattfindet.

Zwischen der Neurohypophyse und der Adenohypophyse befindet sich die Pars tuberalis sowie die Pars intermedia. Über das Infundibulum sind die beiden Hypophysenanteile mit dem Hypothalamus verbunden.

Bezüglich ihrer topographischen Lage ist die Hypophyse innerhalb der Sella turcica und oberhalb des Sinus sphenoidalis (Keilbeinhöhle) lokalisiert. Der Sinus sphenoidalis dient auch als operativer Zugangsweg bei Tumoren im Bereich der Epiphyse.

diese abbildung zeigt den aufbau der hypophyse

Bild: “Hypothalamus–Pituitary Complex” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Histologischer Aufbau der Hypophyse

Anhand des histologischen Aufbaus lässt sich ebenfalls der entwicklungsgeschichtlich unterschiedliche Ursprung der beiden Hypophysenanteile erkennen.

Die Adenohypophyse besteht aus Epithelzellen, welche weiter in drei Gruppen unterteilt werden können. Dazu gehören die azidophilen, die basophilen und die chromophoben Zellen. Die azidophilen und die basophilen Zellen gehören dabei zu den hormonbildenden Zellen, wohingegen die chromophoben Zellen nicht anfärbar sind und vermutlich inaktive Zellen darstellen.

Zu den Hormonen der azidophilen Zellen gehören Prolaktin (PRL) und Somatotropin (STH). Von den basophilen Zellen werden Lutropin (LH), Follitropin (FSH), Thyrotropin (TSH), Melanotropin (MSH) und das adrenokortikotrope Hormon (ACTH) gebildet.

Im Gegensatz dazu besteht die Neurohypophyse aus Nervengewebe. Hier enden die Axone aus den hormonproduzierenden Kerngebieten des Hypothalamus (Nucleus supraopticus, Nucleus paraventricularis).

Hormone des HVL bzw. der Adenohypophyse und deren Wirkung

Zu den Hormonen des HVL gehören die oben genannten Hormone der azidophilen und basophilen Zellen.

Somatotropin, welches auch als Wachstumshormon bezeichnet wird, wirkt fördernd auf das Längenwachstum. Bei einer erhöhten STH-Produktion kommt es zum Krankheitsbild der Akromegalie. Das Krankheitsbild unterscheidet sich in seiner klinischen Präsentation in Abhängigkeit davon, ob die Wachstumsfugen bereits verschlossen sind oder nicht.

Sind die Wachstumsfugen noch nicht verschlossen, kommt es zu einem übermäßigen Längenwachstum – bei bereits geschlossenen Wachstumsfugen kommt es u.a. zu einer Vergrößerung von Organen aber auch Körperteilen wie den Händen oder der Zunge (Makroglossie).

Neben der wachstumsfördernden Wirkung hat STH auch einen Einfluss auf den Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel.

Durch das Hormon Prolaktin wird die Brustdrüse zur Milchsekretion (Lakrimation) stimuliert. Bei erhöhten Werten im Rahmen eines Prolaktinoms kann es bei Frauen zu einer sekundären Amenorrhö kommen. Sowohl bei Frauen als auch Männern können erhöhte Prolaktinwerte einen Libidoverlust verursachen. Physiologisch erhöhte Werte zeigen sich in der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit.

Die Funktion des FSH ist die Stimulation der Spermatogenese, Follikelreifung und Östrogenbildung.

Das Thyrotropin oder auch Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) wirkt an der Schilddrüse stimulierend auf die dortige Produktion von Schilddrüsenhormonen (T3 und T4). Mittels des TSH-Wertes lassen sich daher u.a. Unterfunktionen und Überfunktionen der Schilddrüse (Hypo- bzw. Hyperthyreose) erkennen.

ACTH wirkt an der Nebennierenrinde und führt dort ebenfalls zu einer gesteigerten Produktion der dort gebildeten Hormone, d.h. dem Mineralkortikoid Aldosteron, dem Glukokortikoid Kortisol und den Androgenen. Ein erhöhter ACTH-Wert durch ein Adenom der Adenohypophyse wird als Morbus Cushing bezeichnet.

Das in der Adenohypophyse gebildete MSH fördert die Melaninbildung der Haut, führt so zu einer erhöhten Pigmentierung und damit einem Schutz vor UV-Strahlen.

Hormone des HHL bzw. der Neurohypophyse und deren Wirkung

Zu den Hormonen des HHL gehören die im Hypothalamus gebildeten Hormone Vasopressin (ADH) und Oxytocin (s.o.). Diese werden mittels eines axonalen Transports zur Neurohypohyse transportiert, in dieser gespeichert und bei Bedarf in den Blutkreislauf abgegeben.

Die Speicherung der beiden Hormone erfolgt dabei in Vesikeln, die auch als Herring-Körperchen bezeichnet werden. Die Wirkung der beiden Hormone finden Sie unter dem Punkt „Kerngebiete des Hypothalamus“ (s.o.).

diese abbildung zeigt den hypophysenhinterlappen

Bild: “Posterior Pituitary” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Merke: Die Hormone des HVL und HHL sind beliebte Prüfungsthemen. Prägen Sie sich diese daher gut ein.

Hormonregelkreis der Hypophyse

Der Hormonregelkreis der Hypophyse bzw. des Hypothalamus-Hypophysen-Systems lässt sich in unterschiedliche Ebenen einteilen. Auf der ersten Ebene befindet sich der Hypothalamus, welcher mit seinen steuerhormonproduzierenden Kerngebieten (mittlere Kerngruppe, s.o.) einen Einfluss auf die Hormonfreisetzung der Adenohypophyse ausübt und damit indirekt auf das periphere endokrine System.

Ein Beispiel für ein Steuerhormon wäre z.B. das TRH (Thyrotropin-Relasing-Hormon), welches zur Gruppe der Liberine (s.o.) gehört und die Freisetzung von TSH stimuliert.

Über seine effekthormonproduzierenden Kerngebiete (Ncl. paraventriculars und Ncl. supraopticus) hat der Hypothalamus einen direkten Einfluss auf bestimmte Organgebiete z.B. auf die Wasserrückresorption an der Niere mittels des ADH.

Das periphere endokrine System, an welchem die Hormone der Adenohypohyse wirken, wird durch die jeweiligen Effektororgane gebildet. Zu diesen gehören die Nieren, die Nebenniere, die Schilddrüse, die Nebenschilddrüse, das Ovar, der Hoden und der Pankreas.

Pfortadersystem der Hypophyse

Vergleichbar mit der Leber besitzt auch die Adenohypophyse einen zweiten venösen Kreislauf, sodass dieser als „Portalkreislauf“ der Adenohypophyse bezeichnet wird. Über diesen Portalkreislauf gelangen die Steuerhormone des Hypothalamus zur Adenohypophyse, um hier entweder die Hormonausschüttung zu stimulieren (Liberine) oder zu inhibieren (Statine).

Dazu bilden die beiden Arteriae hypophysiales superiores innerhalb des Infundibulums ein Kapillarnetz aus, an welchem die Axone der hypothalamischen Kerngebiete enden. Dieser Bereich des Infundibulums wird als Eminentia mediana bezeichnet. Ausgehend von den Kapillaren der Eminentia mediana gelangt das Blut in die venösen Pfortadergefäße der Adenohypophyse.

diese abbildung zeigt den hypophysenvorderlappen

Bild: “Anterior Pituitary” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Beliebte Prüfungsfragen zum Diencephalon

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Aussage zur Hypophyse trifft nicht zu?

  1. Sie wird in einen Vorder- und Hinterlappen eingeteilt.
  2. Der Vorderlappen (Adenohypophyse) besteht aus hormonproduzierenden Epithelzellen.
  3. Der Hinterlappen (Neurohypophyse) besteht aus Nervengewebe.
  4. Oberhalb des Hypophysenvorderlappens befindet sich das Chiasma opticum.
  5. Im Bereich der Eminentia mediana werden die Hormone des Hypophysenvorderlappens freigesetzt.

2. Welche Aussage zu den Hormonen des HVL trifft nicht zu?

  1. Prolaktin wird von den azidophilen Zellen gebildet.
  2. Somatotropin fördert das Längenwachstum.
  3. Bei erhöhten ACTH-Werten durch ein Adenom der Adenohypophyse spricht man von Morbus Cushing.
  4. ACTH wirkt an der Nebennierenrinde.
  5. TSH wirkt inhibierend auf die Produktion von Schilddrüsenhormonen.

3. Welche Aussage zu den Hormonen des HHL trifft zu?

  1. Von der Neurohypophyse werden Oxytocin und ADH gebildet.
  2. Der Transport der Hormone zur Neurohypophyse erfolgt vom Epithalamus ausgehend.
  3. Die Hormone werden innerhalb der Neurohypophyse in Vesikeln gespeichert.
  4. Oxytocin wirkt im Rahmen der Geburt hemmend auf die Wehen.
  5. Bei erhöhten ADH-Werten wird vermehrt Urin über die Nieren ausgeschieden.

Quellen

Glossar der Neuroanatomie, M.C. Hirsch – Springer

Lehrbuch Histologie, 2. Auflage, Welsch – Elsevier

Innere Medizin, 2015, G. Herold und Mitarbeiter – Herold, Gerd Verlag

Taschenlehrbuch Anatomie, J. Kirsch – Thieme

MEDI-LEARN Anatomie 3, ZNS Teil 2, 3. Auflage, A. Martin – MEDI-LEARN

Last minute Anatomie, F. Rengier, C. Jaschinski, H. Holtmann – Elsevier

Prometheus, Kopf und Neuroanatomie, 2006, M. Schünke – Thieme

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