Chlamydiosen werden durch gramnegative Bakterien aus der Familie der Chlamydiaceae verursacht. Die vor allem sexuell und perinatal übertragbaren Erreger verursachen Krankheiten im Augen-, Genital- und Pulmonalbereich. Unbehandelt kann eine Chlamydieninfektion teils schwerwiegende Folgen haben. Lernen Sie alles zu Pathogenese, Symptomen, Diagnostik und Therapie von Infektionen mit Chlamydien mit diesem Artikel. Prüfungsrelevant aufbereitet, garantieren wir eine optimale Vorbereitung für klinische Prüfungen, Hammerexamen und praktische ärztliche Arbeit.

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Bild: „Basic diagram of the life cycle of the Chlamydiae.“ von Huckfinne. Lizenz: Gemeinfrei


Definition und Überblick

Chlamydien – gramnegative Bakterien

Die Familie der Chlamydiaceae umfasst 3 humanpathogene Erreger:

  • C. trachomatis
  • C. psittaci
  • C. pneumoniae

Chlamydien sind unbewegliche, gramnegative Bakterien. Die Zellwand enthält keine Peptidoglykanschicht, aber Lipopolysaccharide. Allen Chlamydien gemeinsam ist ihr komplexer Reproduktionszyklus. Durch einen Defekt im eigenen Energiestoffwechsel sind Chlamydien auf den ihres Wirts angewiesen.

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Bild: „Ultrastructure of chlamydial infection.“ von Openi. Lizenz: CC BY 2.0

  Chlamydophila trachomatis Chlamydophila psittaci Chlamydophila pneumoniae
Reservoir Mensch Vögel (v.a. Papageien, Tauben und Wellensittiche) Mensch
Erkrankungen Serotypen A-C: Trachom (chronisch rezidivierende Erkrankung der Bindehäute und Hornhäute des Auges) Ornithose/ Psittakose respiratorische Infektionen
Serotypen D-K: sexuell übertragbare urogenitale Infektionen und Infektionen der Bindehaut perinatal übertragenen Infektionen
Serotypen L1, L2, L3:Lymphogranuloma venererum

Epidemiologie

Epidemiologie von Chlamydophila trachomatis

  • 30 – 50 % aller Sterilitäten werden durch Chlamydien verursacht
  • 90 % aller Sterilitäten durch Tubenverschluss werden durch Infektionen mit Chlamydophila trachomatis verursacht
  • jede 4. mit Chlamydien infizierte Frau ist von nachfolgender Sterilität betroffen
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Bild: „This photomicrograph reveals McCoy cell monolayers with Chlamydia trachomatis inclusion bodies; Magnified 200X.“ von CDC/Dr. E. Arum; Dr. N. Jacobs. Lizenz: Gemeinfrei

Chlamydophila trachomatis gehört zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Krankheiten weltweit. Laut WHO (2001) erfolgen weltweit 89 Millionen Neuinfektionen mit genitalen Chlamydien pro Jahr. In Deutschland liegt die Inzidenz jährlich bei 300 000 Neuinfektionen. Betroffen sind vor allem Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern und Kinder infizierter Mütter.

„Bei epidemiologischen Untersuchungen mit Hilfe molekularbiologischer Verfahren wurden in Deutschland insbesondere unter den sexuell aktiven jugendlichen Frauen bis zu 13 % als infiziert ermittelt. Diese Infektionsrate variiert regional und geht mit steigendem Alter und Eintritt in eine stabile partnerschaftliche Bindung stark zurück.“ (Quelle: Robert-Koch-Institut)

Bei Schwangeren sind 2-3 % mit C. trachomatis besiedelt. Der Säugling hat ein Risiko von 50 % bei der Geburt zu erkranken.

Die Inzidenz des Lymphogranuloma venereum nimmt zwar weltweit ab, allerdings ist diese sexuell übertragbare Infektion in Asien, Afrika, Südamerika und Teilen der Karibik immer noch endemisch. In Deutschland ist sie eine absolute Rarität mit einem Auftreten von 1/1 Mio. Einwohner.

Das Trachom tritt fast ausschließlich in tropischen Ländern unter mangelhaften hygienischen Verhältnissen auf. Nach der Katarakt stellt das Trachom die weltweit zweithäufigste Ursache für Erblindung dar.

Altersgipfel: Junge Erwachsene (15-22 Jahre)

Epidemiologie von Chlamydophila psittaci

Die Krankheit ist in Deutschland sehr selten: Im Jahr 2007: 72 Erkrankungen, im Jahr 2008: 86 Erkrankungen. Risikogruppen sind:

  • Vogelbesitzer
  • Tierpfleger und –ärzte
  • Angestellte in Tierhandlungen, Geflügelfarmen oder Schlachthöfen

Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt oder durch Inhalation erregerhaltiger Staub- oder Kotpartikel. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Epidemiologie von Chlamydophila pneumoniae

„C. pneumoniae ist eine sehr häufige, weltweit verbreitete Ursache respiratorischer Infektionen des Menschen. Entsprechend seroepidemiologischer Untersuchungen beginnt die Durchseuchung bereits im Vorschulalter und beträgt bei Personen im 6. Lebensjahrzehnt für Frauen über 50 % und für Männer über 70 %. Über die Verbreitung von C.-pneumoniae-Infektionen ist in Deutschland wenig bekannt.“ (Quelle: Robert-Koch-Institut)

Es ist von einem hohen Durchseuchungrad auszugehen: Jeder Mensch dürfte einmal im Leben Kontakt mit C. pneumoniae haben. 5-15 % aller ambulant erworbenen Pneumonien sind durch C. pneumoniae verursacht.

Altersgipfel: 60-80 Jahre

Ätiologie und Pathogenese

Ätiologie und Pathogenese von Chlamydophila trachomatis

Serotypen A-C: infektiöses Augensekret, kontaminierte Hände, Tücher (Schmierinfektion), Fliegen
Serotypen D-K: sexuell übertragbar, perinatal
Serotypen L1-L3: sexuell übertragbar, perinatal

Die Inkubationszeit beträgt ca. 1-3 Wochen.

Ätiologie und Pathogenese von Chlamydophila psittaci

C. psittaci ist der einzige humanpathogene Zoonose-Erreger aus der Familie der Chlamydiaceae. Die Erregerquellen sind hauptsächlich Vögel (Hühner, Enten, Tauben, Ziervögel).

Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt oder durch Inhalation erregerhaltiger Staub- oder Kotpartikel.

Die Erreger sind teilweise selbst nach Austrocknung noch bis zu 4 Wochen infektiös. Die Inkubationszeit der Ornithose beträgt etwa 1–4 Wochen.

Ätiologie und Pathogenese von Chlamydophila pneumoniae

C. pneumoniae wird von Mensch zu Mensch auf aerogenem Weg und durch Speichelkontakt übertragen.

Die Inkubationszeit wird auf etwa 1–4 Wochen geschätzt.

C. pneumoniae kann über lange Zeit im oberen Respirationstrakt persistent bleiben. (Wahrscheinlich geht über einen langen Zeitraum Ansteckungsgefahr von Infizierten aus).

Klinik

Symptome der Chlamydophila trachomatis-Infektion

Urogenitale Chlamydieninfektion

Merke: 80 % der urogenitalen Chlamydieninfektionen bei Frauen verlaufen asymptomatisch!

Die Erreger können über Jahre unerkannt im Körper persistieren und ggfs. auch chronifizieren.

Klinische Manifestation von Chlamydophila trachomatis bei Männer und Frauen

Frauen Männer
  • Urethritis
  • Konjunktivitis
  • reaktive Arthritis
  • Bartholinitis
  • Zervizitis
  • Endometritis
  • Salpingitis
  • Adnexitis
  • Peritonitis
  • Perihepatitis, -splenitis
  • Urethritis: Druckgefühl und Schmerzen sowie Brennen beim Wasserlassen
  • Konjunktivitis
  • reaktive Arthritis
  • Prostatitis
  • Epididymitis
  • Proktitis

Merke: Wenn die aufsteigenden Infektionen persistieren, kann dies u.a. eine Verklebung der Tuben nach sich ziehen. Tubenverklebung ist die häufigste Ursache für Sterilität bei Frauen, extrauterine Gravidität und chronische Unterbauchbeschwerden.

Lymphogranuloma venereum

Lymphogranuloma-venerum

Bild: „Lymphogranuloma venereum: is caused by the invasive serovars L1, L2, or L3 of Chlamydia trachomatis. This young adult experienced the acute onset of tender, enlarged lymph nodes in both groins.“ von Herbert L. Fred, MD and Hendrik A. van Dijk. Lizenz: CC BY 2.0

Primärstadium herpetiforme Papel, Ulkus, zügige narbenlose Abheilung
Sekundärstadium inguinale, schmerzhafte Lymphadenopathie (Bubo)
Tertiärstadium fibrotischer Umbau der Lymphknoten, Entzündung mit Ulzeration, Obliteration der Lymphbahnen, Ödem des Genitale/Extremität (Elephantiasis), Fieber, Arthralgien, Splenomegalie, Erythema nodosum

Neugeborenen-Chlamydiose

Die Neugeborenen-Chlamydiose tritt als Konjunktivitis (60 %) oder als Pneumonie (40 %) in Erscheinung.

Typische Symptome der Einschlusskörperchenkonjunktivitis sind:

  • eitrige, mukopurulente, hämorrhagische Entzündung der Konjunktiva
  • Lidödem
  • follikuläre Infiltration der Lidinnenseite
  • zunächst ein-, dann beidseitig
  • meist folgenlose Ausheilung

Typische Symptome der Neugeborenen-Pneumonie sind:

  • Tachypnoe
  • vermehrte Atemanstrengung
  • schnorchelnde Atemgeräusche
  • Verweigerung der Nahrung
  • in gravierenden Fällen Zyanose

Trachom

trachom

Bild: „Clinical features of trachoma. (a) Active trachoma in a child, characterised by a mixed papillary (TI) and follicular response (TF). (b) Tarsal conjunctival scarring (TS). (c) Entropion and trichiasis (TT). (d) Blinding corneal opacification (CO) with entropion and trichiasis (TT).“ von Openi. Lizenz: CC BY 2.5

Die follikuläre Keratokonjunktivitis wird durch eine Erstinfektion im Kindesalter verursacht. Wiederholte Infektionen und u.a. bakterielle Superinfektionen führen zur Bildung von Granulomen. Die Folge der Granulome sind narbige Schrumpfungen der Bindehaut der Augenlider und ein Entropium. Im Verlauf verändert sich die Hornhaut entzündlich und trübt ein.

Symptome und Klinik der Chlamydophila psittaci-Infektion

Zu den typischen Symptomen der Ornithose gehören:

insterstitielle-Pneumonie

Bild: „Röntgenaufnahme eines Patienten mit insterstitieller Pneumonie“ von Samir. Lizenz: CC BY-SA 3.0

  • Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen
  • Photophobie
  • atypische und interstitielle Pneumonie
  • trockener, anhaltender, nicht produktiver Husten
  • Myalgien
  • extrapulmonale Manifestationen: Hepatosplenomegalie (70 % der Patienten), Myokarditis, Encephalitis und Exanthem

Symptome der Chlamydophila pneumoniae-Infektion

Häufig ist der Verlauf von C. pneumoniae-Infektionen asymptomatisch.

  • akute und chronische Infektionen des oberen Respirationstraktes (Pharyngitiden, Sinusitiden, Bronchitiden)
  • ambulant erworbene Pneumonie
  • alle Symptome der Infektion mit C .psittaci können auch bei C. pneumoniae auftreten

Komplikationen

Mögliche Komplikationen einer Chlamydieninfektion

C. trachomatis  C. psittaci  C. pneumoniae
Erkrankungen des arthritischen Formenkreises: Gelenkentzündungen (Knie, Sprunggelenke, …) Myokarditis, Perikarditis, Endokarditis, Thrombophlebitis, ZNS-Beteiligungen Karditis, Meningoradikulitis, Erythema nodosum, reaktive Arthritis

Diagnostik

Abstrich zur Feststellung der Chlamydienerreger

Der Erregernachweis erfolgt durch die Abstrichentnahme aus:

  • Trachom: Augenbindehautabstrich
  • Augeninfektion: Augenbindehautabstrich
  • Urogenitale Infektionen: Zervix- oder Vaginalabstrich, ggf. Urethralabstrich
  • Lymphogranuloma venereum: Lymphknoten-Aspirat, Ulcus-Abstrich

Der Direktnachweis von Chlamydienantigenen erfolgt mittels fluoreszenz-markierter Antikörper oder ELISA. Eine Alternative stellt die PCR mit hoher Spezifität und Sensitivität dar.

chlamydienerreger


Bild: „Chlamydiae within Peripheral Blood Transfer Infection when Cultured in vitro on J774A.1 host cell monolayers.“ von Openi. Lizenz: CC BY 2.0

Der indirekte Erregernachweis erfolgt durch Antikörperbestimmungen im Serum. Es muss gezielt auf die entsprechende Spezies untersucht werden, also Chlamydophila trachomatis, C. pneumoniae oder C. psittaci.

Differentialdiagnosen

Chlamydieninfektion – ähnliche Krankheitsbilder

C. trachomatis C. psittaci C. pneumoniae
  • Gonokokken-Urethritis
  • Trichomonaden- Mykoplasmen-Urethritis – Entzündung der Harnröhre durch Mykoplasmen, Bakterienart ohne Zellwand
  • Urethritiden durch verschiedene andere Bakterien oder durch Viren (z.B. Herpes simplex-Virus) verursacht

 

Erreger, die atypische Pneumonien auslösen:

  • Legionellose
  • Influenza
  • Typhus
  • Fleckfieber
  • Sepsis
wie bei C. psittaci

Therapie

Antibiose gegen Chlamydien

Medikament der Wahl bei Chlamydien ist die Antibiose.

C. trachomatis C.  pneumoniae, C. psittaci
Tetrazykline (Doxycyclin) Tetrazykline (Doxycyclin)
  • Makrolide (Erythromycin, Clarithromycin)
  • Chinolone (z. B. Levofloxacin, Moxifloxacin)
  • Azithromycin (bei unkomplizierten genitalen Infektionen Einzelgabe)
Makrolide (Erythromycin, Azithromycin)
Einnahmedauer: mind. 14 Tage Einnahmedauer: 10 – 21 Tage
Merke: Besonders wichtig bei der Therapie von Chlamydophila trachomatis ist die Mitbehandlung des Partners (immer!), um eine ständige Re-Infektion zu vermeiden (sog. „Ping-Pong-Effekt“).

Prävention

Präventionsmaßnahmen Chlamydophila trachomatis

Präventionsmaßnahmen Chlamydophila psittaci

  • Meldepflicht: Einhaltung der veterinärmedizinischen Regeln der Seuchenbekämpfung
  • frühzeitiger Beginn von Diagnostik und Therapie bei Verdacht

Meldepflicht

Welche Chlamydieninfektion ist meldepflichtig?

  • C. trachomatis: In Deutschland besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht gemäß Infektionsschutzgesetz IfSG.
  • C. psittaci: Im Infektionsschutzgesetz (§ 7) ist festgelegt, dass der Erregernachweis von Cp. psittaci meldepflichtig ist, sofern der Hinweis auf eine akute Infektion besteht.
  • C. pneumoniae: In Deutschland besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht gemäß Infektionsschutzgesetz IfSG.

Beliebte Prüfungsfragen zu Chlamydieninfektionen

Die Lösungen sind unterhalb der Quellen angegeben.

1. Ab welchem Alter wird das Chlamydien-Screening von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen in bestimmten Fällen übernommen?

  1. ab 16
  2. ab 18
  3. ab 25
  4. ab 30
  5. ab 35

2.Eine junge Frau hat seit kurzer Zeit einen neuen Freund. Da sie seit einer Woche unter Juckreiz und Schmerzen an der Vulva leidet, sucht sie ihren niedergelassenen Gynäkologen auf. Der Arzt stellt geschwollene Lymphknoten und flache Ulzerationen vulvär fest. Auf Nachfragen hin, gibt die Patientin an, keine Protektion beim Geschlechtsverkehr verwendet zu haben. Um welche Infektion handelt es sich am ehesten?

  1. Chlamydieninfektion
  2. HPV-Infektion
  3. Herpes-simplex-Virus-Infektion
  4. HIV-Infektion
  5. Masern-Infektion

3. Welche Aussage zu Chlamydien trifft zu?

  1. Chlamydia psittaci ist meldepflichtig
  2. Chlamydia pneumoniae ist meldepflichtig
  3. Chlamydia trachomatis ist meldepflichtig
  4. Chlamydia psittaci ist nicht meldepflichtig
  5. Alle Chlamydiengruppen sind nicht meldepflichtig

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