Asbestose, Lärmschwerhörigkeit, Polyneuropathie und Lungenkrebs. Was haben diese Erkrankungen in der Arbeitsmedizin gemeinsam? Sie gehören alle zu den anerkannten Berufskrankheiten. Wie sind Berufskrankheiten definiert? Welche Krankheiten kommen häufig vor und welche Organsysteme sind oft betroffen? Welche Fakten besonders wichtig für Prüfungen im klinischen Teil des Medizinstudiums und für das Hammerexamen sind, zeigen wir Ihnen mit diesem Artikel zu den Berufskrankheiten. Auch Ärzte können betroffen sein!

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Berufskrankheitenverteilung 2005 in Deutschland

Verteilung der Berufskrankheiten Deutschland 2005: Die Zahlen stammen aus dem Bericht der Bundesregierung über den Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und über das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen in der Bundesrepublik Deutschland.


Definition der Berufskrankheiten

Eine Berufskrankheit ist eine Erkrankung, die ein Versicherter durch seine berufliche Tätigkeit erleidet und die von der Bundesregierung durch Rechtsverordnung als Berufskrankheit bezeichnet ist. (§ 9 Abs. 1 SGB VII)

Berufskrankheiten sind demnach Erkrankungen, denen eine bestimmte Tätigkeitsgruppe durch ihre Arbeit vermehrt ausgesetzt ist, als der Rest der Bevölkerung. Berufskrankheiten sind juristisch genau definiert, im Gegensatz zum großen Bereich der arbeitsbedingten Erkrankungen. In Einzelfällen können sogar neue Krankheiten in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen werden, wenn die wissenschaftlichen Voraussetzungen für die Anerkennung einer Berufskrankheit erfüllt werden.

Angezeigte und anerkannte Berufskrankheiten Deutschland 1960-2005

Bild: “Angezeigte und anerkannte Berufskrankheiten Deutschland 1960-2005” von Forevermore. Lizenz: Gemeinfrei

Berufskrankheitenverfahren

Die Bedeutung der Anerkennung einer Berufskrankheit ist für die Betroffenen sehr groß, vor allem aufgrund der finanziellen Entschädigung. Auch sollen schädigende Einflüsse am Arbeitsplatz so erkannt und möglichst eingegrenzt werden, um weitere Personen zu schützen.

Wer kann eine Berufskrankheit anzeigen?

  • Patient selbst
  • Krankenkasse
  • Arzt

Adressaten für die Anzeige sind die zuständigen Unfallversicherungsträger (UVT) oder staatliche Gewerbeärzte. Die sogenannten D-Ärzte (Durchgangsärzte) sind zuständig bei Arbeits- und Wegeunfällen. Sie kümmern sich um eine fachgerechte Behandlung der Betroffenen und erstellen Berichte zu den möglichen Unfallfolgen.

Voraussetzung für eine sinnvolle Berufskrankheitenanzeige:

  • Krankheit ist in der Liste der Berufskrankheiten aufgeführt
  • zeitlicher und pathophysiologischer Zusammenhang mit der beruflichen Noxe
Merke: Wenn Sie als Arzt den begründeten Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit haben, sind Sie verpflichtet, diese anzuzeigen. Die Schweigepflicht schützt hierbei den Patienten nicht: Gesetzliche Meldepflicht hat Vorrang zur Schweigepflicht! Mehr zur exakten Vorgehensweise einer Anzeige finden Sie bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Lieber eine Berufskrankheitenanzeige zu viel, als eine zu wenig.

Folgen der Anerkennung einer Berufskrankheit

Die betroffene Person ist bei einer Anerkennung vorwiegend von drei Maßnahmen betroffen: Kompensation, Rehabilitation und Prävention.

Kompensation Rehabilitation Prävention
Minderung der Erwerbsfähigkeit > 20 %, UVT zahlt Entschädigung, unabhängig vom Umfang der weiteren Berufstätigkeit UVT bezahlt die Leistungen der medizinischen Rehabilitation und ist für die Unterstützung der beruflichen Reha zuständig UVT kann arbeitsmedizinische Präventionsmaßnahmen veranlassen

Liste der Berufskrankheiten

Die Liste der Berufskrankheiten wird von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlicht: Liste der Berufskrankheiten von März 2015.

Die folgenden Absätze stellen Ihnen wichtige Berufskrankheiten vor, mit denen Sie als Arzt in der Praxis häufig konfrontiert werden. Die Berufskrankheiten werden geordnet vorgestellt:

  • Berufskrankheiten des Bewegungsapparats
  • Berufskrankheiten der Atemwege, Lunge und Pleura
  • Berufskrankheiten der Haut
  • Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit
  • Infektions- und Tropenkrankheiten als Berufskrankheiten
  • Zoonosen als Berufskrankheit
  • Krebserkrankungen als Berufskrankheit

Berufskrankheiten des Bewegungsapparats

Erkrankungen des Bewegungsapparats sind zwar häufige Diagnosen bei Feststellung von Erwerbsminderung, jedoch sind sie selten Berufskrankheiten.

Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch Heben und Tragen schwerer Lasten und Arbeiten in extremer Rumpfbeugehaltung (BK 2108)

  • klinisch: akutes Lumbalsyndrom, mono-/polyradikuläres lumbales Wurzelsyndrom oder Kaudasyndrom
  • mindestens 10-jährige Tätigkeit mit Heben und Tragen schwerer Lasten
  • Arbeit in extremer Rumpfbeugehaltung (Arbeitsräume < 100 cm)
  • Betroffene Berufsgruppe: Bergbauarbeiter

Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch vertikale Einwirkung von Ganzkörperschwingungen (BK 2110)

  • mindestens 10-jährige Einwirkung von Ganzkörperschwingungen im Sitzen
  • betroffene Berufsgruppen: Fahrer von Baustellen-LKWs, Forstmaschinen, Baggern, Gradern, Muldenkippern, Rad- und Kettenladern, Raddozern, Gabelstaplern, Militärfahrzeugen im Gelände

Lesen Sie hier mehr zu physikalischen Belastungen und Folgen.

Berufskrankheiten der Atemwege, Lunge und Pleura

Die Lunge hat einen täglichen Luftdurchsatz von ca. 20.000 l.

Sie stellt damit ein besonders exponiertes Organ dar, das frontal Schadstoffe am Arbeitsplatz und aus der Umwelt aufnehmen kann. Noxen wirken hierbei auf verschiedene Weise: irritierend, fibrosierend, sensibilisierend, obstruktiv und kanzerogen.

Stäube als Ursachen von Berufskrankheiten

Stäube sind der feste Bestandteil des Aerosols und entstehen bei Verbrennungsvorgängen, mechanischen Prozessen und durch Aufwirbelung. Stäube lassen sich in einatembare Anteile, thoraxgängige Anteile und alveolengängige Anteile fraktionieren.

Grenzwerte für Feinstaubkonzentrationen (MAK-Wert) sind:

  • für einatembare inerte Stäube: MAK = 4,0 mg/m³
  • für alveolengängige inerte Stäube: MAK = 1,5 mg/m³

Erkrankungen durch anorganische Stäube

Den bekanntesten Faserstaub stellen die Asbestfasern dar. Fasern wirken je kanzerogener, je länger und je biobeständiger die Fasern sind. Kanzerogene Fasern müssen mindestens 5 μm lang und höchstens 3 μm dick sein.

Die wichtigsten anorganischen (Pneumokoniosen) Staublungenerkrankungen sind die Asbestose und die Silikose. Alles zur Asbestose (BK 4103-4105) lesen Sie in einem weiteren Beitrag.

Asbestose

Bild: “Clinical, radiological, and pathological investigation of asbestosis.” von Openi. Lizenz: CC BY 3.0

Silikose (BK 4101, 4102)

Quarzstäube und andere Modifikationen der Kieselsäure verursachen eine Lungenfibrose, die Silikose.

  • Latenzzeit von 10 bis 20 Jahren mit Quarzstaubexposition, Kieselsäure ist erwiesenes Humankarzinogen
  • pathophysiologisch: schrittweiser Gewebeumbau des Lungenparenchyms durch Fibrosierung
  • Klinik: chronische Bronchitis, COPD, Silikotuberkulose, „Schneegestöberlunge“, „Schrotkornlunge“, Karzinome
  • betroffene Berufsgruppen: Arbeitende in Kohlenbergbau, Steinbrüchen, Keramik- Glasindustrie, Stahl- und Eisenindustrie, Gießereien, Stollen, Minen, Tunnelbau, Gummiindustrie, Zahntechnik
Silikose im Roentgenbild

Bild: “Silikose im Röntgenbild” von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Erkrankungen durch organische Stäube

Durch organische Stäube werden die Erkrankungen chronische Bronchitis, COPD, Asthma bronchiale, exogen-allergische Alveolitis, Organic Dust Toxic Syndrome (Drescherfieber) und die Byssinose ausgelöst.

Berufskrankheiten der Haut

Beruflich bedingte Dermatosen verursachen die größte Zahl, etwa ein Viertel der Fälle, an Berufskrankheitenanzeigen. Hautkrankheiten sind in der Hälfte der Fälle der Anlass für eine berufliche Umschulung. Zwei Gruppen sortieren die Dermatosen in zwei Gruppen:

  • Nichtkrebserkrankungen. (BK  5101)
  • Krebserkrankungen (BK 5102)

Auch können sich Erkrankungen durch Arsen (BK 1108), Erkrankungen durch ionisierende Strahlen (BK 2402), Infektionskrankheiten bei besonderer Gefährdung (BK 3101) und Anthropozoonosen (BK  3102) neben Manifestationen in anderen Organen auch auf die Haut auswirken.

Nichtkrebserkrankungen der Haut als Berufskrankheit (BK 5101)

Beruflich bedingte Dermatosen werden meist verursacht durch die exogene Einwirkung auf Haut und Schleimhäute von

  • Schädigenden Flüssigkeiten
  • Festen Stoffen
  • Stäuben
  • Dämpfen

Lesen Sie hier alles zu chemischen Einwirkungen auf den Menschen am Arbeitsplatz.

Berufe mit erhöhtem Erkrankungsrisiko für Kontaktekzeme

Tätigkeit Einwirkung
Heil- und Pflegeberufe Desinfektionsmittel, Arzneistoffe, Gummihandschuhe
Bäcker, Konditoren Teige, Aromen, Gewürze, Konservierungsmittel, Antioxidantien, Reinigungsmittel
Friseure Dauerwellenmittel, Haarfarben, Blondiermittel, Gummihandschuhe
Galvaniseure galvanische Bäder, Entfettungsmittel, Gummihandschuhe
Bauarbeiter Zement, Frischbeton
Maler, Lackierer, Anstreicher Farben
Leder- und Fellbearbeitung Gerbstoffe, Kleber, Imprägniermittel, Färbemittel
Landwirtschaftliche Berufe Futtermittelstäube, Tierhaare, Tierspeichel, Pflanzenbestandteile, Gummiartikel, Desinfektionsmittel, Melkfett, Pflanzenschutzmittel, Düngemittel

Allergische und degenerative Ekzeme spielen bei den gemeldeten Hautkrankheiten mit 95 % die größte Rolle.

Krebserkrankungen der Haut als Berufserkrankung (BK 5102)

Krebserkrankung der Haut

Bild: “Squamous cell carcinoma” von Yale Rosen. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Hautkrebs kann sich im beruflichen Rahmen durch Ruß, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe bilden. Der Kontakt mit diesen kanzerogenen Stoffen muss über Jahre bis Jahrzehnte bestehen, um Karzinome der Haut zu entwickeln. Einen weiteren Risikofaktor stellt die UV-Strahlung dar. Plattenepithelkarzinome der Haut durch UV-Strahlung wurden in den letzten Jahren als „Quasi-Berufskrankheit“ anerkannt und auch entschädigt.

Merke: Für „Quasi-Berufskrankheiten“ existiert keine gesetzliche Meldepflicht, eine schriftliche Einverständniserklärung für eine Anzeige muss also vom Erkrankten gegeben und dokumentiert werden.

Arbeitsmedizinische Maßnahmen bei Berufskrankheiten der Haut: Das Hautarztverfahren

Das Verfahren, um die Früherfassung von Hautveränderungen sicherzustellen, ist das Hautarztverfahren. Es gehört zum Arbeitsschutz als sekundäre/tertiäre Prophylaxe. Hautarztverfahren dürfen von Arbeits- und Betriebsmedizinern durchgeführt werden.

  • keine berufliche Ursache: Beratung des Patienten über Schutz vor beruflichen Hautkrankheiten. Kostenträger: Krankenversicherung
  • Gelegenheitsursache: Patient hat Disposition für Hautveränderungen-/Krankheiten, die sich auch im Beruf manifestiert haben. Es sollte eine spezielle Betreuung durch den Hausarzt und den Betriebsarzt erfolgen. Kostenträger: Krankenversicherung
  • Berufsbedingt: Erkrankung und Verschlimmerung, BK-Anzeige, Behandlung, Beratung, Vorschläge zu Verbesserungsmaßnahmen am Arbeitsplatz, Zusammenarbeit von Hautarzt und Betriebsarzt, Kostenträger: Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaften)
  • Schwere Krankheit/wiederholt auftretende Krankheit: BK-Anzeige muss erstellt werden, auch bei Nichtaufgeben der schädigenden Tätigkeit. Eventuell berufliche Rehabilitation, sonst Vorgehen wie bei 3. Kostenträger: Unfallversicherungsträger

Lärmschwerhörigkeit als Berufserkrankung

Jährlich werden ca. 10.000 – 12.000 Verdachtsmeldungen auf Lärmschwerhörigkeit als Berufserkrankungen (BK 2301) angezeigt. 800 – 1.200 Fälle werden anerkannt.

Die Anzeige als Berufskrankheit ist zu erstatten, wenn der Patient bei einem Beurteilungspegel von 90 dB und mehr bzw. langjährig bei 85 dB und mehr tätig war und eine Innenohrschwerhörigkeit vom Haarzelltyp vorliegt. Der Hörverlust muss nicht zwangsläufig auf beiden Seiten gleich schwer ausgeprägt sein.

Infektions- und Tropenkrankheiten als Berufskrankheiten

Die folgenden Berufsbranchen haben ein erhöhtes Risiko Infektionskrankheiten (BK 3101) zu erwerben:

  • Gesundheitswesen
  • Berufe mit Tieren, Tierprodukten
  • Berufe mit häufigen Auslandsaufenthalten

Arbeitsmedizinisch von vorrangiger Bedeutung sind vor allem vier Infektionen: Hepatitis B und Hepatitis C, HIV und Tuberkulose.

Übertragungsweg, Prävention und Postexpositionsprophylaxe der wichtigsten Infektionskrankheiten am Arbeitsplatz

Erkrankung Übertragungsweg im Beruf Prävention Vorgehen bei Infektion/ ggfs. Postexpositionsprophylaxe (PEP)
Hepatitis B Schnittverletzungen, Nadelstichverletzungen, anderer Kontakt mit Blutprodukten doppelte Handschuhe bei OPs, kein Recapping!, Impfung mittels Schnelltest Immunität von Beschäftigtem und Patient ermitteln, aktive Immunisierung und passive Gabe von Immunglobulinen, Titerkontrollen
Hepatitis C doppelte Handschuhe bei OPs, kein Recapping! Auftreten einer Erkrankung bei der beschäftigten Person genau beobachten, ggfs. Therapie einleiten und Berufskrankheit dokumentieren
HIV doppelte Handschuhe bei OPs, kein Recapping! postexpositionelle Chemoprophylaxe mit einer Kombination aus Lopinavir/Ritonavir und Emcitritabin/Tenofovirdisoproxil
Tuberkulose Tröpfcheninfektion (Aerosole, infektiöse Staubpartikel) Partikelfiltermasken (Klasse P2), chirurgischer Mundschutz nicht ausreichend, BCG-Impfung nicht mehr empfohlen Wenn Infektion im Interferon-gamma-release-assay (IGRA) positiv, Röntgenthorax 2 – 6 Monate später, bei engem Kontakt mit infektiösen Patienten: präventive Chemotherapie mit Isozianid über 9 Monate, Meldepflicht beim Gesundheitsamt
Fallbeispiel: Der 20-jährige Student im 1. Semester des Medizinstudiums, Peter Schröder, bemerkt ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Ermüdbarkeit, Appetitlosigkeit und einer Aversion gegen fette Speisen. Es treten Oberbauchschmerzen rechts auf. Außerdem leidet er zunehmend unter dumpfen Kopfschmerzen. Gelbe Skleren, dunkler Urin und heller Stuhl führen ihn rasch zum Hausarzt. P. Schröder gibt an, sich beim Pflegepraktikum vor mehreren Wochen mehrfach gestochen zu haben, als er das Blutabnehmen erlernte und selbst durchführte. Er hätte sich jedoch weder beim Stationspersonal noch beim Betriebsarzt gemeldet, um von den Nadelstichverletzungen zu berichten.

Dieser Lehrbuch-Fall lässt natürlich alle Alarmglocken läuten! Hier muss man sofort an die Diagnose Hepatitis B denken. Noch immer verfügen in Deutschland zwischen 1 – 25 % der Medizinstudenten nicht über einen adäquaten Hepatitis-B-Impfschutz, da nicht alle Kliniken betriebsärztliche Untersuchungen durchführen lassen.

Hepatitis B Virus

Vereinfachte Zeichnung des Hepatits B Virus

Zoonosen als Berufskrankheiten

Häufige Zoonosen (3102) und exponierte Berufsgruppen, die Sie sich für das Hammerexamen merken sollten:

  • Borreliose: Forstpersonal, Landwirte
  • Rabies : Tierärzte, Jäger, Forstpersonal
  • FSME: Forstpersonal, Landwirte
  • Anthrax (Milzbrand): Tierärzte, Landwirte, Schlachthauspersonal
  • Brucellose: Tierärzte, Landwirte, Schlachthausarbeiter, Metzger
  • Campylobacter-Enterokolitis: Geflügelzüchter, Landwirte, Schlachthauspersonal, Küchenpersonal mit Geflügelumgang

Krebserkrankungen als Berufskrankheiten

Merke: Jeder Allgemeinarzt muss die wichtigsten Ursachen für beruflich verursachten Krebs kennen!

Jährlich sterben in Deutschland ca. 210.000 Menschen an Krebserkrankungen. Für die Mehrzahl aller Krebserkrankungen sind exogene Einflüsse verantwortlich. Der Anteil der Berufskrebserkrankungen beträgt etwa 3 – 8 %. Berufskrebserkrankungen, die aktuell diagnostiziert werden, sind meist die Folge von Altlasten wie Asbest und Radon.

Todesfälle Berufserkrankter Deutschland 2005

Bild: “Todesfälle Berufserkrankter Deutschland 2005” von Forevermore. Lizenz: Gemeinfrei

Die häufigsten kanzerogenen Stoffe, die Berufskrebserkrankungen auslösen, sind mit absteigender Häufigkeit folgende Stoffe:

  • Asbest
  • ionisierende Strahlung
  • aromatische Amine
  • polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
  • Eichen-/Buchenholzstaub
  • Benzol und Homologe
  • Quarz
  • Chrom und Verbindungen
  • Ruß, Teer, Pech
  • Halogenierte Alkyl-/Akryl-/Alkylaryloxide
  • Arsen und Verbindungen
  • Nickel und Verbindungen
  • Halogenkohlenwasserstoffe

Der Nachweis einer Krebserkrankung, die eine berufliche Ursache hat, ist meist schwierig nachzuweisen. Ein Grund dafür ist, dass häufig krebsbetroffene Organe die gleichen sind, die auch durch berufliche Kanzerogene betroffen sind: Atemwege, Harnwege, hämatopoetisches System und die Haut.

Voraussetzungen für die Anerkennung einer Krebserkrankung als Berufskrankheit:

  • medizinische Sicherung der Krebserkrankung
  • Nachweis der Kanzerogenität des Gefahrstoffes
  • Gefahrstoff muss über bestimmten Zeitraum am Arbeitsplatz vorhanden gewesen sein
  • quantitativer Nachweis des kanzerogenen Arbeitsstoffes
  • Expositionszeit und Latenzzeit müssen den Erfahrungen mit vorliegender Noxe entsprechen, ebenso die Organlokalisation des Krebsleidens
  • Berücksichtigung des Alters des Patienten
  • Synkarzinogenese: Berücksichtigung begünstigender beruflicher Kofaktoren der Krebsentstehung
  • außerberufliche Kofaktoren: Rauchen, Alkohol, Ernährung, etc.

Beliebte Prüfungsfragen in der Arbeitsmedizin zu Berufskrankheiten

1. Welche Aussage trifft nicht zu? Bei entsprechender Einwirkung kann eine beruflich verursachte obstruktive Atemwegserkrankung hervorgerufen werden durch…

  1. …Isocyanate.
  2. …Trichlorethen.
  3. …Mehlstaub.
  4. …Tierepithelien.
  5. …Holzstaub.

2. Welcher Lärmgrenzwert kann bei jahrelanger beruflicher Exposition mit der Diagnose Innenohrschwerhörigkeit vom Haarzelltyp zu einer Berufserkrankungsanzeige führen?

  1. 85 dB
  2. 60 dB
  3. 55 dB
  4. 70 dB
  5. 65 dB

3. Welche der aufgeführten Noxen ist am häufigsten verantwortlich für eine Berufskrebserkrankung?

  1. Benzol
  2. Infektionskrankheiten
  3. Asbest
  4. Quarzstaub
  5. ionisierende Strahlen

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Quellen

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Nowak: Arbeitsmedizin und klinische Umweltmedizin. Elsevier Verlag 2010.

Baur: Arbeitsmedizin. Springer Verlag 2013.

Robert-Koch-Institut

Lösungen zu den Fragen: 1A, 2E, 3C

 

 

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